Technikschau Open House 2025 bei STAHL Wäschereimaschinen

Wenn ein Maschinenbauer seine Türen öffnet, dann darf man Technik erwarten. Beim Open House der Stahl Wäschereimaschinen GmbH in Sindelfingen bekamen Fachbesucher jedoch weit mehr zu sehen als Edelstahl und Elektronik.

Vertriebsleiter Sebastian Hatz.
Vertriebsleiter Sebastian Hatz. - © Bettina Schmid

Dass wir mit einer so hohen Fertigungstiefe hier in Deutschland produzieren ist ungewöhnlich“, erklärt Anna-Maria Guth, Marketingbeauftragte von Stahl. „Viele Besucher können sich das kaum vorstellen. Wenn sie dann sehen wie aus rohem Blech komplette Wäschereimaschinen entstehen, sind sie beeindruckt. Genau das ist es, was unsere Hausmesse ausmacht: Technik zum Anfassen“.

Tatsächlich entstehen in Sindelfingen rund 90 Prozent der Bauteile in eigener Produktion – vom Drehen und Fräsen der Blechteile über die Verzinkung und Verchromung bis zur Endmontage. Nur wenige Komponenten wie Kabel werden zugekauft.

Ein Produktionsschritt findet nicht in Sindelfingen statt: die Lackierung. Sie erfolgt in einer Partnerfirma in Abstatt – einem Betrieb, den Stahl inzwischen übernommen hat. Für den Transport dorthin hat das Unternehmen eigene Transportgestelle und Halterungen entwickelt, um Folie und Verpackungsmaterial zu sparen.

In 20 Sekunden zur Präzision

Beim Open House zeigte das Unternehmen die gesamte Palette: von industriellen Waschschleudermaschinen und Trocknern über Mangeltechnik bis hin zu automatisierten Faltlösungen. Produktionsleiter Michael Wiest und Pascal Stahl, technischer Produktdesigner und Sohn der Inhaberfamilie, gewährten detaillierte Einblicke in die Fertigung.

Schon beim Betreten der Produktionshalle wird klar: Hier wird mit höchster Präzision gearbeitet. In gerade einmal 20 Sekunden durchläuft ein Blech die computergesteuerte Stanz- und Biegemaschine – fertig zugeschnitten, geformt und bereit für die Montage. „Wir haben hier einen sehr hohen Technologiegrad“, erklärt Wiest. „Das hilft uns, auch mit weniger Manpower effizient zu arbeiten.“ Rund 1.000 Tonnen Blech verarbeitet das Unternehmen pro Jahr mit Materialstärken von 0,6 bis 3,6 Zentimeter. Trotz modernster Maschinen bleibt bei Stahl vieles Handarbeit, beispielsweise die Endmontage.

„Was für Sie einfach ein Trockner ist, sind für uns 300 einzelne Bauteile“, sagt Wiest. „Das ist logistisch schon manchmal eine Herausforderung. Gerade weil die Hallen der einzelnen Produktionsschritte über das gesamte Gelände verstreut liegen.“ Das Unternehmen wächst seit 25 Jahren kontinuierlich. Weil der Standort in Sindelfingen inzwischen aus allen Nähten platzt, sind die Hallen und Gebäude heute auf mehreren umliegenden Flächen verteilt. Die Trockner können – je nach Kundenwunsch – mit Gas, Dampf oder Strom betrieben werden.

Wäscheeingabe-Maschine „SERVANT“ mit bis zu drei Aufgabepositionen.
Wäscheeingabe-Maschine „SERVANT“ mit bis zu drei Aufgabepositionen. - © Bettina Schmid

Clevere Praxis-Lösungen

Dass Stahl auf die Bedürfnisse seiner Kunden hört, zeigt sich an verschiedenen Beispielen. Für schwer zugängliche Stellen entwickelte das Unternehmen eine automatische Selbstschmierung – damit die Kunden nicht erst die Rückwand demontieren müssen.
Wie individuell das Unternehmen Maschinen anpasst, demonstrierte Wiest an einer Faltmaschine: Kunden können ihre eigene Wäsche ans Werk schicken. Die Maschine wird dann vor der Auslieferung exakt auf diese Wäsche und ihre Anforderungen programmiert. Größe, Farbe, Faltart – alles lässt sich individuell anpassen. „So stellen wir sicher, dass die Maschine beim Kunden sofort produktiv arbeitet“, erklärt der Produktionsleiter.

Auch Schulungen gehören dazu: „Bei jeder Inbetriebnahme führen wir eine Einweisung durch – je nach Komplexität der Anlage dauert das einen Tag oder auch eine Woche“, so Vertriebsleiter Sebastian Hatz. „Viele interna­tionale Kunden lassen sich sogar schon vor der Installation hier im Haus schulen, damit sie von der ersten Minute an sicher mit den Maschinen arbeiten können.“

Zwischen modernsten Mangeln und Faltanlagen fanden sich auch zwei besondere Exponate – eine Waschmaschine von 1960 und eine Mangel aus dem Jahr 1957. Sie erinnerten eindrucksvoll daran, wie sich Wäschereitechnik in mehr als sechs Jahrzehnten weiterentwickelt hat und welchen Bestand Stahl in der Wäschereimaschinenherstellung hat.

Technik trifft Tradition

„Als mittelständisches Unternehmen in der gewerblichen Wäschereitechnik können wir nur durch Qualität bestehen“, betont Sebastian Hatz. „Ohne die außergewöhnliche Langlebigkeit unserer Maschinen wäre es für ein Familienunternehmen unserer Größe kaum möglich, weltweit erfolgreich zu agieren“, fügt er hinzu.

Während andere Hersteller laut Stahl zunehmend auf leichtere oder günstigere Bauteile setzen, setzt man in Sindelfingen bewusst auf Stabilität. „Unsere Maschinen sind im Vergleich oft etwas schwerer – nicht etwa, weil wir unnötige Teile verbauen, sondern weil wir Materialstärken einsetzen, die für Robustheit und Betriebssicherheit sorgen“, erklärt Hatz. Die Maschinen bestehen zu 99 Prozent aus Edelstahl. Kunststoffteile gebe es nur an technisch sinnvollen Stellen. Ein Beispiel: Statt Kunststoff-Ablaufventilen verwende der Wäschereimaschinenhersteller selbst gefertigte Edelstahlventile. Weniger Verschleiß minimiere Stillstandszeiten.

„Unsere Kunden sollen in eine Maschine investieren, die so lange hält, wie es eben geht“, fügt der Vertriebsleiter hinzu. Dieser Anspruch gilt nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Maschinen aus Sindelfingen laufen u.a. in Wäschereien in Afrika, Südamerika und Indien.

Ein weiteres Highlight der Ausstellung: Die Waschmaschine Baujahr 1960.
Ein weiteres Highlight der Ausstellung: Die Waschmaschine Baujahr 1960. - © Bettina Schmid
Besonders beliebt bei Feuerwehren, die Trockenschränke „TS650“ und „TS1300“.
Besonders beliebt bei Feuerwehren, die Trockenschränke „TS650“ und „TS1300“. - © Bettina Schmid

Wartung als Erfolgsfaktor

Ein Schlüsselfaktor sei zudem die regelmäßige Wartung. „Eine Maschine kann technisch perfekt sein – wenn sie nicht gepflegt wird, verliert sie an Lebensdauer. Viele unserer Kunden haben Wartungsverträge abgeschlossen, damit wir jährlich die Pflege und Kontrolle übernehmen. Das ist für den Werterhalt entscheidend“, betont Hatz. „Wir haben Kunden, bei denen stehen Maschinen aus den 80er- und 90er-Jahren, die heute immer noch laufen“, fügt er hinzu.

Auch bei neuen Entwicklungen bleibt das Unternehmen seiner Linie treu. So zum Beispiel bei den zwei neuen Prototypen „T344“ und „T346“ der nächsten Trocknergeneration, erstmals beim Open House präsentiert. „Die neuen Trockner werden nicht leichter, sondern schwerer“, so Hatz. Sie seien noch stabiler gebaut und mit größeren Lagern ausgestattet. Sie werden künftig in den Größen von 20 bis 40 Kilogramm Fassungsvermögen erhältlich sein. Nach intensiven Praxistests sollen die Geräte im Laufe des Jahres 2026 Markt-
reife erlangen.

Qualität mit Prüfzeichen

Bevor eine Maschine das Werk verlässt, durchläuft sie einen „klimaneutralen Dauertest“, erläutert Pascal Stahl. Fertige Waschmaschinen, Trockner oder Faltanlagen laufen mindestens einen halben Tag, oder auch länger, unter Realbedingungen. So werden Dichtigkeit, Funktion und Sicherheit geprüft. Den benötigten Strom erzeugt Stahl mit der firmeneigenen Photovoltaikanlage auf dem Hallendach, das Wasser stammt von gesammeltem Regen.

Geschäftsführer Uwe Stahl im Gespräch mit Kunden beim Open House.
Geschäftsführer Uwe Stahl im Gespräch mit Kunden beim Open House. - © Bettina Schmid
Industriewäschetrockner mit einem ­Füllgewicht von 8 bis 110 Kilogramm.
Industriewäschetrockner mit einem ­Füllgewicht von 8 bis 110 Kilogramm. - © Bettina Schmid

Automatisierung als Zukunftsthema

Neben klassischer Wäschereitechnik spielt bei Stahl auch die Automatisierung eine zunehmende Rolle. „Gerade in großen Wäschereien nehmen die Wäschemengen zu, während die Mitarbeiterzahl schrumpft“, erklärt Hatz. „Deshalb entwickeln wir unsere automatisierten Eingabe- und Falttechniken weiter. Hier liegt ein enormes Potenzial, um Abläufe zu vereinfachen und die Effizienz auch mit wenig Personal zu steigern.“

Den Personalmangel spüre man auch bei Stahl. Im Raum Stuttgart, wo große Industriebetriebe wie Daimler oder Bosch um dieselben Fachkräfte werben, sei die Personalsituation schwierig. „Wir könnten sofort Mitarbeiter einstellen, finden aber nicht immer Kandidaten“, erzählt Hatz.

Gute Auftragslage, klare Haltung

Trotz Fachkräftemangel blickt Stahl optimistisch in die Zukunft. „Uns geht es sehr gut“, sagt Hatz. „Unsere Auftragsbücher sind voll, die Nachfrage hoch. Wenn man sieht, wie schwierig es vielen anderen Maschinenbauern derzeit geht, dann sind wir sehr dankbar, dass wir so stabil dastehen.“ Dass der Standort Sindelfingen auch in Zukunft gesichert ist, steht für Stahl außer Frage. „Wir halten am Firmensitz in Sindelfingen fest. Unser klares Bekenntnis gilt Deutschland als Produktionsstandort.“

Von diesem Versprechen konnten sich die Besucher beim Open House selbst überzeugen. Neben Technik und Innovation stand vor allem eines im Mittelpunkt: der persönliche Austausch. Wer durch die Werkshallen ging, traf immer wieder auf Mitglieder der Familie Stahl – mitten im Geschehen, nicht hinter verschlossenen Türen. Diese gelebte Nähe schätzen auch viele Kunden, wie Hatz betont: „Bei uns sprechen Sie nicht nur über Stahl – Sie sprechen mit Stahl.“