Spätestens auf der Piste zeigt sich, ob Ski- und Winterbekleidung hält, was sie verspricht. Textilgutachter Fabian Fuchs erklärt, wie Imprägnierung funktioniert, wo ihre Grenzen liegen – und worauf es bei der professionellen Textilpflege ankommt.

Schnee knirscht unter den Füßen, kalter Wind peitscht ins Gesicht, Nässe lauert überall: Winterbekleidung muss vieles leisten. Vor allem aber muss sie trocken halten. Ob Ski- oder Funktionsjacke ihre Aufgabe erfüllt, entscheidet die Imprägnierung. Dennoch wird ihr Stellenwert in der Praxis häufig unterschätzt – mit direkten Folgen für Funktion und Kundenzufriedenheit in der Textilreinigung.
Was leistet eine Imprägnierung tatsächlich? Welche Rolle spielen Membranen, Waschprozesse und Trocknung? Und wie lässt sich die Funktion erhalten, ohne Umwelt und Material unnötig zu belasten? Antworten darauf liefert Textilgutachter Fabian Fuchs in diesem Q&A.
Inhaltsverzeichnis
- Wie entsteht der wasser- und schmutzabweisende Effekt auf der Textiloberfläche?
- Welche Arten der Imprägnierung gibt es – und worin unterscheiden sie sich?
- Wie beeinflusst die Materialzusammensetzung die Wahl des richtigen Imprägniermittels?
- Wie lässt sich prüfen, ob eine Imprägnierung noch funktioniert?
- Wann ist eine Nachimprägnierung nötig – und welche Verfahren haben sich dafür bewährt?
- Gibt es Textilien oder Beschichtungen, bei denen eine Nachimprägnierung nicht empfohlen wird?
- Wie behandeln Textilreiniger imprägnierte Kleidung fachgerecht?
- Wie stark belasten Waschmittel, Lösemittel, Mechanik und Hitze die Imprägnierung?
- Welche Fehler zerstören den Imprägnierschutz in der Praxis?
- Was sollten Verbraucher beachten – und wie können Textilreiniger kompetent beraten?
Wie entsteht der wasser- und schmutzabweisende Effekt auf der Textiloberfläche?
Imprägnierung – auch Hydrophobierung genannt – bezeichnet eine Schutzschicht, die auf die textile Oberfläche aufgebracht wird, um sie wasser- und schmutzabweisend zu machen. Möglich wird dieser Effekt durch eine chemische Substanz, die sich auf die Textilfaser legt. Sie verändert die Oberflächenstruktur so, dass der Stoff kein Wasser aufnimmt, sondern Flüssigkeiten tropfenförmig abperlen lässt.
Welche Arten der Imprägnierung gibt es – und worin unterscheiden sie sich?
Es gibt mehrere Arten von Imprägnierungen. Als derzeit wirkungsvollste gelten fluorcarbonbasierte C6-Imprägnierungen. Sie bieten eine sehr gute wasser- und ölabweisende Wirkung und kommen deshalb unter anderem bei PSA-Bekleidung, wie der Einsatzkleidung von Feuerwehren, zum Einsatz. Allerdings sind sie weniger umweltverträglich, da die enthaltenen PFAS- und PFC-Verbindungen in der Umwelt nicht abbaubar sind.
Als Alternative werden Imprägniermittel auf Silikon- oder Paraffinbasis eingesetzt. Auch sie schützen zuverlässig vor Wasser und gelten als weniger toxisch als Fluorcarbonverbindungen. Zu beachten ist jedoch, dass Silikone erdölbasiert und somit biologisch nicht aubbaubar sind. Paraffinimprägnierungen dürfen aufgrund ihrer Brennbarkeit nicht für PSA verwendet werden.
Darüber hinaus gibt es Wachs- und Ölimprägnierungen. Sie gelten als vergleichsweise umweltverträglich, verändern jedoch häufig Optik und Haptik des Materials.
Wie beeinflusst die Materialzusammensetzung die Wahl des richtigen Imprägniermittels?
Die Materialzusammensetzung bestimmt maßgeblich das geeignete Imprägnierverfahren – etwa Einwaschen, Aufsprühen oder Auftragen von Wachs. Bei Membranbekleidung ist darauf zu achten, dass das Imprägniermittel die Membran nicht verklebt, da sonst die Atmungsaktivität verloren geht. Für diese Textilien eignet sich daher vor allem die Sprühimprägnierung.
Einwaschimprägnierungen sollten strikt nach Herstellerangaben eingesetzt werden. In der Regel müssen sie durch einen anschließenden Trocknungsprozess aktiviert werden. Bei Daunenjacken empfiehlt sich diese Methode nur, wenn das Kleidungsstück trocknergeeignet ist.
Wachsimprägnierungen, etwa bei Jacken des Herstellers Barbour, erfordern einen hohen manuellen Aufwand und sollten ebenfalls exakt nach den Vorgaben des Herstellers erfolgen.
Generell sollten im Privatkundenbereich ausschließlich PFAS-freie Imprägniermittel verwendet werden.
Wie lässt sich prüfen, ob eine Imprägnierung noch funktioniert?
Ob eine Imprägnierung vorhanden und noch funktionsfähig ist, lässt sich mit einem einfachen Wassertropfentest prüfen. Bleiben Wassertropfen auf der Oberfläche stehen und lassen sich abschütteln, ohne dass der Stoff Feuchtigkeit aufnimmt, kann der Textilreiniger von einer wirksamen Imprägnierung ausgehen. Nimmt das Material dagegen Wasser auf, ist eine Nachimprägnierung erforderlich.
Bei Wachsjacken weist zudem die charakteristische Haptik auf eine entsprechende Ausrüstung hin. Zusätzliche Hinweise liefern häufig die Pflegeetiketten. Dort finden sich Angaben wie „Keinen Weichspüler verwenden“, „Hitze zur Reaktivierung der DWR (Durable Water Repellent) einsetzen“, „Waxed Cotton“ oder „Nachimprägnierung empfohlen“.
Wann ist eine Nachimprägnierung nötig – und welche Verfahren haben sich dafür bewährt?
Eine Nachimprägnierung ist erforderlich, wenn der Abperleffekt deutlich nachlässt und Wasser vom Stoff aufgenommen wird. Das ist häufig nach intensiver Nutzung, etwa beim Skifahren, oder nach mehreren Wäschen der Fall.
Zur Verfügung stehen verschiedene Verfahren: das Einwaschen, das Aufsprühen mit der Spraydose (ausschließlich im Freien), das Aufsprühen in der Reinigungsmaschine mit anschließendem Rotieren der Trommel für eine gleichmäßigere Verteilung sowie das manuelle Auftragen, etwa von Wachs.
Nahezu alle relevanten Lieferanten der Textilreinigerbranche bieten geeignete Imprägniermittel an. Empfehlenswert ist eine Beratung durch den jeweiligen Anwendungstechniker des Vertrauens.
Gibt es Textilien oder Beschichtungen, bei denen eine Nachimprägnierung nicht empfohlen wird?
Bei PU- oder PVC-beschichteten Jacken sollte keine Nachimprägnierung vorgenommen werden. Sie kann die Beschichtung sogar negativ beeinträchtigen.
Lesetipp:
Imprägnierung kann mehr als nur Wasser abperlen lassen. Warum der professionelle Gewebe- und Faserschutz auch bei Alltags- und Objekttextilien sinnvoll ist, wie Imprägnierung funktioniert und welche Umweltaspekte dabei eine Rolle spielen, erklärt R+WTextilservice in einem ausführlichen Onlinebeitrag.
👉 Jetzt lesen: Textilien imprägnieren: nicht nur wasserabweisend

Wie behandeln Textilreiniger imprägnierte Kleidung fachgerecht?
Die Behandlung imprägnierter Kleidung richtet sich nach den Herstellerangaben im Pflegeetikett. Grundsätzlich sollten schonende Verfahren zum Einsatz kommen. Für Membranbekleidung empfiehlt sich die Nassreinigung, waschbare Textilien sollten im Schonwaschgang behandelt werden.
Bei Textilien, die für die chemische Reinigung zugelassen sind, ist vor der Imprägnierung ein zusätzliches Spülbad sinnvoll. Es entfernt Rückstände von Reinigungsverstärkern, die die Imprägnierwirkung beeinträchtigen können.
Wie stark belasten Waschmittel, Lösemittel, Mechanik und Hitze die Imprägnierung?
Tenside aus Wasch- und Reinigungsmitteln können die vorhandene Imprägnierungen deaktivieren oder ablösen. Lösemittel können Polymerschichten angreifen. Mechanische Belastung führt zusätzlich zu Abrieb der Ausrüstung.
Schonende Hitze kann bestehende DWR-Imprägnierungen reaktivieren. Zu hohe Temperaturen bewirken jedoch das Gegenteil. Empfohlen wird daher eine Schontrocknung mit geringer Hitze. Direkte Hitze, etwa durch Bügeln, sollte insbesondere bei Softshell- und Daunenjacken vermieden werden.
Welche Fehler zerstören den Imprägnierschutz in der Praxis?
Der Imprägnierschutz geht in der Praxis häufig durch falsche Behandlung verloren. Weichspüler etwa legen sich wie ein Film auf die Fasern und verhindern jede imprägnierende Wirkung. Auch unzureichend ausgespülte Tenside oder eine nicht neutralisierte Waschflotte schwächen den Schutz erheblich. Hinzu kommt die mechanische Belastung: Abrieb durch Waschen, Tragen oder Trocknen trägt die Ausrüstung nach und nach ab und reduziert ihren Schutz. Zu hohe Trockentemperaturen wirken dem gewünschten Abperleffekt entgegen und können vorhandene Imprägnierungen dauerhaft schädigen.
Was sollten Verbraucher beachten – und wie können Textilreiniger kompetent beraten?
Wer Imprägnierung bereits bei der Warenschau thematisiert und ihre Wirkung realistisch erklärt, steuert Erwartungen und vermeidet spätere Reklamationen. Textilreiniger sollten das Thema Imprägnierung deshalb gleich aktiv ansprechen. Entscheidend ist, den Nutzen realistisch zu erklären und Unterschiede zwischen Membran-, Softshell-, Wachs- und Daunenbekleidung zu berücksichtigen und dem Verbraucher klar zu machen. So lassen sich Erwartungen steuern, Reklamationen vermeiden und Vertrauen nachhaltig aufbauen.