Wie waschen wir und was treibt uns an? Um diese Frage drehte sich eine Studie zum Thema Waschverhalten an der Chalmers University of Technology in Schweden. Damit schaffen die Studienautoren nicht nur ein Bewusstsein für den Umgang mit Wäsche, sondern liefern auch einen Anhaltspunkt, wo professionelle Textilpflege bei ihren Kunden ansetzen kann.
Ekelhafte Wäsche? Kaum getragen, schon landen viele Kleidungsstücke in der Waschmaschine. Frische, saubere Wäsche gibt vielen Verbrauchern das Gefühl, gepflegt aufzutreten. Dieses Bedürfnis belastet allerdings die Umwelt. Besonders in Zeiten, in denen laut Statista weltweit gut 80 Prozent aller Haushalte Zugang zu einer Waschmaschine haben.
Weil viele Menschen ihre Wäsche häufiger waschen, steigen die Emissionen. Waschen verbraucht Energie und Wasser und setzt Mikrofasern frei.
Das Kompetenzzentrum Hauswirtschaft (KoHW) verdeutlicht dies mit einem Rechenbeispiel: Polyester-T-Shirts verursachen etwa 20 mg Mikroplastik pro kg Wäsche. Wäscht man eine Maschine mit 6 kg Fassungsvermögen, entstehen dabei 120 mg Mikroplastik pro Waschgang. Wäscht man alle 14 Tage eine Maschine mit Polyester-T-Shirts, ergibt das im Jahr 26 Waschgänge – oder knapp 3 g Mikroplastik im Jahr. Hochgerechnet auf rund 40 Millionen deutsche Haushalte ergibt das mehr als 120.000 kg Mikroplastik pro Jahr.
Kunstfasern und Mikroplastik aus der Waschmaschine
Ähnlich sieht es der Studienautor Gregory Peters, Professor für Quantitative Nachhaltigkeitsbewertung an der Chalmers. Weltweit, so schätzt er, verursacht das Waschen von Kunstfasern 16 bis 35 Prozent des Mikroplastiks. Darüber hinaus trügen Waschmittel zur Eutrophierung bei. Das könne die Artenvielfalt verringern.
„Auch wenn die Maschinen energieeffizienter geworden sind, hat die Häufigkeit, also wie oft wir waschen, den größten Einfluss auf das Klima“, sagt Mitautor Erik Klint. Der Doktorand an der Abteilung für Umweltsystemanalyse in Chalmers ergänzt: „Und wir haben noch nie so viel gewaschen wie heute.“ Im Schnitt waschen Europäer jede Woche vier Ladungen Wäsche. Das Problem ist: „Die meisten Menschen scheinen gar kein Interesse daran zu haben, ihr Waschverhalten zu ändern, selbst wenn das die Auswirkungen auf das Klima verringern könnte.“
Lesetipp: Das bedeuten die Waschsymbole
Durchgestrichenes Dreieck? Ein "P" im Kreis? Ein Viereck mit Punkt? Ein Waschbottich mit zwei Strichen? Und was bedeutet "dry clean only"? Waschsymbole und Pflegekennzeichnung sind für viele ein Buch mit sieben Siegeln. R+WTextilservice hilft mit einer Übersicht über die Wäschezeichen und ihre Bedeutung.
Das Dilemma: Waschen oder Umwelt schonen?
Genau das haben Klint und Peters in ihrer Studie aus psychologischer Perspektive untersucht. Im Mittelpunkt stand die Frage, was die Menschen stärker bei ihrem Waschverhalten beeinflusst: Emotion oder Moral? Konkret stellten sie den Wunsch, umweltbewusst zu leben, der Angst, als ungepflegt zu gelten, gegenüber.
„Wir sind ständig mit verschiedenen Zielkonflikten konfrontiert“, erklärt Klint. In diesem Fall kollidiert der moralische Anspruch, Wäsche zu reduzieren, um die Umwelt zu schonen mit der Angst, müffelnde Wäsche zu tragen – und sich selbst oder andere damit zu ekeln. Das Ergebnis ist eindeutig: „Das Gefühl des Ekels siegt über das Umweltbewusstsein“, sagt er. Ekel sei eine starke psychologische und soziale Triebkraft. Und sie überwiege. Selbst bei Menschen, die großen Wert auf umweltbewusstes Handeln legen.
Ekel ist eine evolutionär bedingte Emotion
Dass Ekel unser Verhalten so stark beeinflusst, hat mehrere Gründe. Evolutionsbiologisch diente der Ekel dem Überleben. Wer sich ekelt, schützt sich beispielsweise eher vor Infektionen oder gefährlichen Substanzen. Psychologisch betrachtet ist das Gefühl des Ekels eng mit dem der Scham verwandt. Daher kann es im sozialen Kontext das Verhalten beeinflussen.
„Menschen wollen keine Dinge tun, die ihre Position in der Gruppe infrage stellen, wie zum Beispiel mit einer Person in Verbindung gebracht zu werden, die sich nicht um ihre Hygiene kümmert“, sagt Klint. Das hat Auswirkungen auf unser Waschverhalten.
Für die Praxis zieht der Forscher folgenden Schluss: Waschkampagnen haben den falschen Ansatzpunkt. „Es spielt keine Rolle, wie vernünftig und wissenschaftlich fundiert die Argumente sind, wenn sie den verschiedenen Triebkräften der Menschen zuwiderlaufen. Dann werden sie nicht funktionieren.“ Die Fragen „Wie bringen wir Menschen dazu, weniger zu waschen?“ und „Wie können wir Wäschewaschen umweltfreundlicher gestalten?“ sind seiner Meinung nach fehl am Platz. Er rät, den Fokus auf das indirekte Verhalten zu legen, das zum eigentlichen Waschen führt.
Er stellt deshalb die Frage: „Was löst das Bedürfnis aus, Wäsche zu waschen?“ Wäscht man, weil der Wäschekorb voll ist, weil der Lieblingspullover schmutzig ist, oder weil in der Gemeinschaftswäscherei eine Maschine frei wird?
Bewusstsein schaffen und Alternativen aufzeigen
Einer der wichtigsten Vorschläge der Studie ist, Menschen zu ermutigen, ihr Waschverhalten zu überprüfen. Lässt sich ein T-Shirt vielleicht mehrmals tragen, bevor es im Wäschekorb landet? Sind den Verbrauchern die Mengen ihrer Wäsche – und die damit verbundenen Emissionen – bewusst, die sie mit der Haushaltswaschmaschine erzeugen?
Es geht darum, übermäßiges Waschen zu reduzieren und Alternativen aufzuzeigen. Viele Kleidungsstücke lassen sich auslüften. Man kann Schmutz abbürsten oder einzelne Flecken per Hand lösen. Auch im Umgang mit der Waschmaschine können viele Nutzer noch einiges lernen: vom richtigen Sortieren der Wäsche über die richtige Dosierung des Waschmittels bis hin zur optimalen Befüllung der Trommel. Nicht zuletzt hebt die Studie ökonomische Argumente hervor: Kleidung nutze sich ab, wenn sie zu viel oder nicht fachgerecht gepflegt wird. Auch wenn sich die Studie damit nicht befasst hat, kommt an dieser Stelle die professionelle Textilpflege ins Spiel. Wer weiß, dass Ekel Menschen beim Waschen antreibt, kann die Vorteile von fachgerecht aufbereiteten, hygienisch sauberen Textilien in seine Marketingstrategie aufnehmen.
Statistik: Wie häufig waschen Menschen in Europa?
Vor zehn Jahren lud der Durchschnittseuropäer vier Mal in der Woche seine Kleidung in die Waschmaschine. Im Vergleich zum Jahr 2000 sank der Wert zwar rechnerisch um 0,7 Ladungen pro Woche. Faktisch stieg der Wert allerdings an, da die Waschkapazität der Maschinen in diesem Zeitraum stark zugenommen hat. 2004 fassten rund zwei Prozent der Waschmaschinen mehr als sechs Kilogramm, 2015 hatten diese Kapazität laut dem Portal Textination bereits 64 Prozent der Geräte. Aktuelle Statistiken zum Waschverhalten in Europa gibt es derzeit keine.

