Serviceinnovation Hybrid-Filiale in der Textilreinigung: 24/7 Kundenservice

„Viele Textilreinigungen sind Klein- oder Kleinstbetriebe mit geringer Finanzkraft und verhältnismäßig kleinen Umsätzen, was eine Veränderung oder Neustrukturierung nur schwer möglich macht“, sagt Werner Schultes. Der österreichische Branchenkenner und für Innovationen aufgeschlossene Unternehmer hat eine Lösung mitentwickelt: Smart Locker Solutions als wirtschaftlich machbare Kundenservice-Offensive in der Textilreinigung.

Werner Schultes ist guter Dinge. Die Hartmann-Filialen werden zu „Hybrid-­Filialen“ umgerüstet, mit smarten Schließfachsystemen als Abgabe- und Abholstationen rund um die Uhr.
© Hartmann Textilpflege GmbH

Aufgeben ist keine Option. Ich habe Visionen und liebe Herausforderungen, die andere nicht annehmen“, sagt der Inhaber der Hartmann Textilpflege GmbH in Wien, zu der zwei Filialen und zwei Annahmestellen gehören. Beide Hartmann-Filialen werden in diesem Jahr zu „Hybrid-Filialen“ umgerüstet. Die personell besetzten Öffnungszeiten werden reduziert, die automatisierte Abgabe und Abholung auf 24/7 erweitert. Hinter dieser Idee steht ein Konzept der Variocube GmbH in Linz. Smarte Schließfachsysteme für Abgabe- und Abholstationen rund um die Uhr, speziell für den Textilservice.

Verfügbarkeit rund um die Uhr

Die VC-Tex Schließfachsysteme gibt es in drei Größen (VC-Tex Small, Medium, Large), jeweils in Kombination mit dem Master-Modul VC-M, welches ein Terminal sowie die gesamte Elektronik der Variocube Anlage beherbergt. Wie genau das System funktioniert, erklärt Werner Schultes seinen Marktpartnern gern. Sein Unternehmen fungiert als Schnittstelle zwischen Textilreinigungen und der Firma Variocube. „Unsere Aufgabe ist es u.a., den Bedarf der Anwender zu erheben, um die richtige Anlage zu konfigurieren.“ Aufgrund eigener Erfahrungen könne er zudem wertvolle Tipps für die Umsetzung und Integration in bestehende Betriebsabläufe geben.

Sein unternehmerisches und fachliches Know-how ist in die Entwicklung der „Textil-Cubes“ eingeflossen. Er erkannte die Notwendigkeit, die Verfügbarkeit seiner Dienstleistungen den Anforderungen des Marktes anzupassen. „Wie alle Betriebe der Branche stehen wir vor der Herausforderung, unseren Service wirtschaftlich und flexibel anbieten zu können, gerade an Standorten mit hohen Miet- und Personalkosten. Smarte Schließfachsysteme eröffnen uns neue Möglichkeiten: mit der automatisierten Annahme und Ausgabe von Textilien rund um die Uhr, die Personalaufwand reduziert und zusätzliche, wirtschaftlich betreibbare Standorte ermöglicht“, so Schultes.

Seit 2015 arbeitet er mit Variocube zusammen, mit der Mutterfirma Clesyclean bereits seit 2007. „Unsere Erfahrungen sind durchweg positiv. Beide Firmen arbeiten sehr kundenorientiert, gehen auf unsere Wünsche und Vorstellungen ein und berücksichtigen die Anforderungen der Branche.“ Besonders positiv bewertet er die Betriebssicherheit der technischen Systeme, der Soft- und Hardware. In all den Jahren sei es zu keinen nennenswerten Ausfällen gekommen. Im eigenen Betrieb habe sich das Konzept bestens bewährt.

Damit das Business in der Familie bleibt

Werner Schultes ist ein wachsamer Marktbeobachter, den Blick stets nach vorn gerichtet und nicht zuletzt mit dem Wunsch, dass die Hartmann GmbH in der Familie bleibt. „Sowohl meine Tochter als auch mein Sohn arbeiten bereits im Unternehmen mit und haben aus heutiger Sicht Interesse, es weiterzuführen. Gerade deshalb ist es mir wichtig, den Betrieb zukunftsfit zu machen und neue Wege zu gehen“, betont der Unternehmer, der im Jahr 1999 als Geschäftsführer in die Hartmann Textilpflege GmbH eingestiegen ist.

Von Anfang an verfolgt er die Entwicklung der Textilservicebranche mit größter Aufmerksamkeit und über die Landesgrenzen hinaus. Als Inhaber und mit einem 12-köpfigen Team führt er die Qualitäts- und Servicetradition des Familienbetriebs fort, den er schließlich im Jahr 2003 übernimmt.
Seither entwickelt sich der 1909 von Gustav Hartmann als Färberei gegründete Betrieb kontinuierlich weiter, der sich bis zum ersten Weltkrieg als „K&K Hoflieferant“ einen Namen gemacht hat. Wie viele Färbereien jener Zeit verlagert sie im Jahr 1922 ihren Schwerpunkt auf die Textilreinigung. Im Jahr 1933 expandiert der Textilpflegebetrieb erstmals und eröffnet eine Annahmestelle im Ersten Wiener Gemeindebezirk. Das Geschäft floriert und Ing. Peter Hartmann steigt als Lehrling in den Familienbetrieb ein.

Die Firma Hartmann pflegt ihren erstklassigen Ruf, u.a. als Kooperationspartner österreichischer Museen. Das Polterabendkleid von Kaiserin Elisabeth wird im Hause Hartmann gereinigt und Markenunternehmen wie Burberry London empfehlen den textilen Dienstleister. Nachdem der Gründer im Jahr 1964 verstirbt, schreibt die Familie ihre Erfolgsgeschichte weiter: als erste Textilreinigung im Land erhält die Firma Hartmann 1977 das österreichische Staatswappen. Sieben Jahre später gewinnt sie den Energiesparpreis der Energieverwertungsagentur und der Zentralsparkasse.

Profis für die Reinigung von High-Tech-Textilien

Mit dem Ausstieg aus der Reinigungstechnologie mit Perchlorethylen im Jahr 1993 setzt das Unternehmen ein erstes Signal in Richtung Nachhaltigkeit und steigt auf die seinerzeit innovative KWL-Technik um. Parallel zur technischen Weiterentwicklung spezialisieren sich die Textilserviceprofis auf „High-Tech-Reinigung“. Dazu gehört seit 2000 die Aufbereitung von Motorradkleidung, Feuerwehrschutzbekleidung sowie anspruchsvoller Freizeit- und Spezialkleidung. Als Vorreiter in Sachen Service wird der bei Privat- und Businesskund:innen beliebte Abhol- und Zustellservice auf ganz Österreich ausgeweitet.

„Unser Umsatzschwerpunkt liegt nach wie vor auf der Bearbeitung herkömmlicher Textilien in der Textilreinigung. Wir legen unseren Fokus jedoch zunehmend auf die Spezialisierung. Die klassische Textilreinigung stagniert; für die Spezialbehandlung von Freizeitkleidung im Hochpreissegment hingegen wird deutlich mehr Geld ausgegeben.“ Schultes setzt seit 2007 konsequent auf kurze Lieferzeiten, höchsten Qualitätsstandard und flexible Auftragsabwicklung, was die Standortverlegung der Produktion in die Linke Wienzeile fördert.

Was Hartmann-Kunden ebenfalls begeistert, ist die Erweiterung des Abhol- und Zustelldienstes durch einen Büroservice mit der Marke Clesyclean. An mehr als 200 Standorten in und um Wien können Mitarbeitende ihre Textilien direkt am Arbeitsplatz abgeben und gereinigt wieder in Empfang nehmen. Mit dem Variocube-System für die 24/7-Abgabe und Abholung knüpft die Firma Hartmann an ihre Servicephilosophie an.

Mit mehr Touchpoints näher dran

Es rechne sich, statt personal- und kostenintensiven Annahmestellen, smarte Schließfachanlagen als Servicestationen zu installieren. Durch die bei weitem geringeren Kosten pro Standort sei es möglich, mehr Touchpoints zu den Kunden zu schaffen. Diese könnten die Leistungen der Betriebe direkt, flexibel und zeitlich unabhängig nutzen.

Für Schultes ist dieses Geschäftsmodell zukunftsweisend. Zwar hätten viele Betriebe in Österreich wieder das Umsatzniveau der Zeit vor Corona erreicht. Das sei allerdings perspektivisch zu wenig und Marketing allein könne die Defizite nicht ausgleichen. Was es brauche, seien smarte Lösungen, um die Arbeitsprozesse zu automatisieren. Die Kernbereiche wie Reinigungs-, Trocknungs-, und Bügelprozesse blieben energie- und kostenintensiv, sodass man an anderen Stellen Kosten minimieren müsse.

Das Variocube-Konzept biete zudem die Chance, sich an neuen, attraktiven Standorten zu positionieren: in Einkaufszentren, an Tankstellen und anderen Touchpoints, die auch in Randzeiten gut erreichbar seien. Die Vorteile für die Betriebe lägen auf der Hand. „Wir müssen die Standorte lediglich ein- bis zweimal die Woche anfahren und können die Liefertouren planen. Unsere Logistik wird effizienter und wir können unseren Aktionsradius erweitern“, erläutert Schultes.

Zufriedene Kunden als Ziel

Das Ziel aller Bemühungen heiße: Kundenzufriedenheit. „Es ist unser Anspruch, dass unsere Kunden mehr bekommen als sie erwarten.“ Dazu gehöre die Verfügbarkeit 24/7 an möglichst vielen Standorten. Das entlaste vor allem Berufstätige, die zeitlich eng getaktet seien, ganz im Sinne der gewünschten Work-Life-Balance, so der Unternehmer, der selbst auf Ausgewogenheit zwischen Business und Freizeit achtet, um fit zu bleiben.