Wer Korallen retten will, denkt vermutlich nicht an Textilien. Schon gar nicht an ein jahrhundertealtes, traditionelles Handwerk. Anders der französische Künstler Jérémy Gobé. Als er das Klöppeln entdeckte, erinnerte ihn das fein geknüpfte Garn an die fragile Struktur von Korallen. Wie diese Verbindung Riffe retten könnte.

Meeresbiologen suchen weltweit nach Möglichkeiten, Korallen zu retten. Zerstörte Riffe benötigen ein Gerüst. Aber nicht irgendeines, die Rankhilfe muss mindestens vier Kriterien erfüllen. Eine Lösung hierfür könnte ein uraltes Handwerk liefern: das Klöppeln.
- Sie muss so stabil sein, dass sich die Nesseltiere daran festhalten können
- und gleichzeitig so flexibel, dass Korallen wachsen können.
- Außerdem muss das Trägergewebe transparent genug sein, dass Licht durchscheint, damit die Algen, mit denen Korallen in Symbiose leben, Photosynthese betreiben können.
- Und: Es soll natürlich biologisch abbaubar sein, um die Meere nicht zusätzlich zu belasten.
Die Lösung ist Spitze
Für dieses Problem hat ein französischer Künstler nun eine ganz praktische Lösung: Spitze. Genauer gesagt Klöppelspitze. Durch Verdrehen, Verkreuzen, Verknüpfen und Verschlingen von Garnen auf speziellen Spulen (den Klöppeln) entstehen textile Strukturen. Und diese Strukturen erinnerten Jérémy Gobé an die fragilen Skelette von Korallen.
Die Entdeckung prägt seither sein Schaffen. Für seine Kunst entwirft er Spitze, die das Muster von Korallen nachahmt. Diese stellt er im Museum für textile Kunst in Hannover nun erstmals aus. Und ganz handfest entwickelt er gemeinsam mit Wissenschaftlern in seinem Projekt "Corail Artefact" Spitze für Korallenriffe.