Kaum jemand kennt noch REFA, eine Organisation für Arbeitsgestaltung, Betriebsorganisation und Unternehmensentwicklung. Die Wäscherei DeFries Textil arbeitet nach deren Methoden. Es geht um Produktivitätssteigerung und Prozessoptimierung – und um vieles mehr, das im täglichen Betriebsablauf hilft.

Die Methoden nach REFA waren damals, von den 1950er- bis in die frühen 1970er-Jahren, in produzierenden Unternehmen quasi allgegenwärtig.
REFA war Standard und Referenz für die Arbeitsorganisation.
Heute wissen viele gar nicht mehr genau, was sich hinter den vier Großbuchstaben REFA verbirgt, geschweige denn hinter den Methoden zur Analyse, Gestaltung und Messung von Arbeitsabläufen.
R+WTextilservice hat die Wäscherei DeFries Textil in Enkirch besucht; dort setzt man auf die alte Lehre der Arbeitsstudien – allerdings neu gedacht.
Was genau steckt hinter REFA?
Der Verband ist die älteste Organisation für Arbeitsgestaltung, Betriebsorganisation und Unternehmensentwicklung in Deutschland. Gegründet wurde sie 1924 als „Reichsausschuss für Arbeitszeitermittlung“, daher auch ihr Name.
Heute steht REFA für den Verband für Arbeitsgestaltung, Betriebsorganisation und Unternehmensentwicklung e. V.
Gemäß seiner Satzung verfolgt der Verband heute ebenso wie früher den Zweck der Förderung von Wissenschaft und Forschung
- auf den Gebieten der Arbeitsgestaltung,
- der Betriebsorganisation,
- der Unternehmensentwicklung
- und auf verwandten Gebieten.
Ziel ist es u. a., mit den erlangten Erkenntnissen den Aufbau und die Erhaltung einer wettbewerbsfähigen Wirtschaft zu fördern. Sprich:
Mit Hilfe der Methoden, Standards und Weiterbildungen der REFA-Lehre sollen Unternehmen ihre Arbeit effizient, ergonomisch und wirtschaftlich gestalten können.
Zeitstudien schaffen Transparenz
Zu den typischen Themen der REFA-Lehre gehören Zeitstudien. Der eine oder andere ältere Leser erinnert sich vielleicht noch an die Zeiterfassung mit der mechanischen REFA-Stoppuhr sowie die Zeiterfassungsbögen zur Ermittlung von Vorgabezeiten, die wiederum als Maßstab für Effizienz dienen sollen.
REFA ist aber viel mehr als Zeiterfassung und Vorgabezeiten.
Zumal Vorgabezeiten häufig mit Akkordlohn, schlechten Arbeitsbedingungen, altmodischen Strukturen, hohem Leistungsdruck und Stress für die Arbeitnehmer in Verbindung gesetzt werden und dadurch oft ein eher negatives Image haben.
Das muss aber nicht so sein. Denn das Wissen über konkrete Zeiten, die für gewisse Arbeitsgänge benötigt werden, schafft Transparenz und ermöglicht besseres Planen, Vergleichen und Entscheiden.
REFA: Wissen für die Praxis umsetzen
- Durch die Zeiterfassung lassen sich beispielsweise Kenntnisse über den Materialfluss gewinnen und Wartezeiten sowie Rückstaus analysieren.
- Zudem kann herausgefiltert werden, für welche Arbeitsschritte sich Automatisierung lohnt, wie viele Mitarbeiter erforderlich sind und vieles mehr.
- Außerdem können Unternehmer dadurch Anreize für kontinuierliche Verbesserungen schaffen, die höherer Motivation, effizienteren Arbeitsmethoden und optimierten Prozesse einhergehen.
Entscheidend ist also, wie die durch die Zeiterfassung gewonnenen Erkenntnisse genutzt werden.

So setzt DeFries Textil REFA in der Wäscherei um
In der Wäscherei DeFries bildet REFA das Fundament, um das Unternehmen kontinuierlich weiterzuentwickeln, so Inhaberin Svetlana Friesen. Der Name der Wäscherei leitet sich übrigens standortbedingt aus der Romanisierung des Namens Friesen ab.
Friesen ist erst seit fünf Jahren im Wäschereigeschäft tätig. 2021 hat sie ihr Unternehmen gegründet. Zunächst lief noch alles parallel zu ihrem Job im Krankenhaus. Dort arbeitete sie 20 Jahre in der Anästhesie; suchte jedoch eine neue Herausforderung ohne Schichtdienst. Eine eher ungewöhnliche Vita also.
Die Idee, eine Wäscherei zu gründen
Auf die Idee, eine Wäscherei zu gründen, kam Svetlana Friesen durch die beruflichen Erfahrungen ihres Mannes. Sven Friesen, ebenfalls kein Mann der Textilpflege, sanierte Jahrzehnte weltweit Produktionsstätten verschiedener Branchen. Prozessanalysen, Arbeitsplatzgestaltung, Ergonomie, Kapazitäts- und Durchsatzanalysen, also klassische REFA-Themen, standen auf seinem täglichen Arbeitsplan. Dabei machte er immer wieder die Erfahrung, dass das Kernproblem häufig in zu geringer Kapazitätsauslastung lag, insbesondere bei vollautomatisierten Betrieben.
Neben einer zu geringen Produktivität stellte eine zu hohe Fehlerquote ein Problem dar, folgerte Svetlana Friesen und wollte dieses Wissen in einen eigenen Betrieb einbringen. Nach eingehender Analyse des deutschen Marktes fand sie, dass REFA hervorragend zur Textilpflegebranche passt.
Friesen: REFA-Lehre als Tool
Dabei sieht Friesen die REFA-Lehre als Analyse- und Verbesserungswerkzeug und nicht als Kontrollinstrument. Wie in vielen grundsätzlich handwerklich geprägten Branchen kann REFA richtig angewendet für hohe Transparenz und eine objektive Entscheidungsgrundlage sorgen und auch bei Wachstum und Fachkräftemangel unterstützen. So auch in der Textilpflege, ist sich Friesen sicher.
Anfang 2024 mietete die Unternehmerin dann die ersten Räumlichkeiten an und begann das neue Business mit einer 25-kg-Waschmaschine, einer 500-mm-Einroller-Muldenmangel und einem 30-kg-Trommeltrockner. Fachkenntnisse eignete sie sich insbesondere im Selbststudium an. Der erste Wäschereikunde, ein Hotel, kam über Beziehungen. Schnell konnte Friesen das Unternehmen im Mietwäschegeschäft für Gastronomie und Hotellerie ausbauen.
Ein Jahr später zählt das Unternehmen bereits einen Kundenstamm von 30 Hotels, dazu kommen noch Gastronomiebetriebe; Tendenz weiterhin steigend. Neue, größere Räumlichkeiten in Enkirch wurden bezogen, der Maschinenpark erweitert und die Mitarbeiterzahl wuchs auf mittlerweile knapp 15. Seit Anfang März dieses Jahres gehört zudem ein weiteres Unternehmen zu DeFries.
Erfolgsrezept bei DeFries Textil: Alles hinterfragen
Um dorthin zu kommen, wo DeFries jetzt, nach knapp zwei Jahren aktiver Geschäftstätigkeit steht, stellt Friesen immer wieder alles in Frage. Nicht die Menschen, sondern die Art und Weise, wie die Arbeit organisiert ist. Strukturen, Abläufe und Rahmenbedingungen werden kontinuierlich hinterfragt. Ein „So haben wir das immer gemacht“ gibt es bei DeFries nicht. Auch das gehört zum methodischen Ansatz von REFA.
In der Praxis heißt das zum Beispiel:
- Sind die Maschinen optimal ausgelastet?
- Rechnet sich ein Faltroboter wirklich?
- Wo bringt Automatisierung den größten Effekt?
- Welche Arbeitsschritte sollten bewusst manuell bleiben?
Vier von vielen Fragen, die sich im Alltag stellen. REFA liefert die Zahlen, aber der Mensch entscheidet, was er damit macht.
Allerdings ist nicht nur die Quantität wichtig. Was nützt eine hohe Produktivität, wenn die Qualität nicht passt? Der Output muss auch dem Qualitätsstandard entsprechen. „Für unsere Kunden in der Hotellerie und Gastronomie zählt nur eine Textilie ohne Löcher und Flecken als verfügbar und nicht eine hohe Gesamtmenge“, berichtet die Unternehmerin.
Um Quantität und Qualität in Einklang zu bringen, müssen Textilien, Maschinenpark und Mitarbeiter optimal aufeinander abgestimmt werden. Das bedeutet eine ständige Weiterentwicklung nicht nur im eigenen Betrieb, sondern auch im Hinblick auf die zu verarbeitenden Textilien.
Kosten und Nutzen – selbstverständlich auch für die Kunden und deren Gäste – müssen in einem ausgewogenen Verhältnis stehen. Dieses Verhältnis bestimmt letztlich auch den Marktpreis sowie den Unternehmenserfolg.