Risiken erkennen und vorbeugen Brandursachen in Textilreinigung und Wäscherei

Feuer in der Wäscherei! Damit es dazu nicht kommt, ist Brandschutz unabdingbar. Ein Überblick über häufige Ursachen für ­Brände in ­Textilpflegebetrieben und entsprechende Präventionsmaßnahmen.

Flammen Panorama Feuer
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Die Textilpflegebranche ist aufgrund ihrer betrieblichen Besonderheiten einem erhöhten Brandrisiko ausgesetzt. Große Mengen brennbarer Materialien, technische Anlagen im Dauerbetrieb sowie wechselnde Warenströme erfordern ein konsequentes und regelmäßig überprüftes Brandschutzmanagement. In den vergangenen Jahren sind insbesondere drei Brandursachen auffällig geworden: Brandstiftung, Selbst­entzündung von Textilien sowie strombedingte Ursachen. Eine nachhaltige Prävention erfordert dabei nicht nur technische Schutzmaßnahmen, sondern auch organisatorische und personelle Vorkehrungen im Einklang mit den einschlägigen Vorschriften, etwa der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV).

Selbstentzündung von Textilien

Die Selbstentzündung stellt in Wäschereien und Textilreinigungen eine erhebliche Gefahrenquelle dar. Besonders betroffen sind Textilien, die mit Ölen, Fetten oder anderen oxidationsfähigen Substanzen kontaminiert sind. Durch chemische Reaktionen – insbesondere Oxidationsprozesse – kann es zu einer Wärmeentwicklung kommen, die bei un­­­­­zureichender Wärmeabfuhr zur Entzündung führt. Kritisch sind insbesondere Arbeitskleidung aus Industrie- und Handwerksbetrieben, Reinigungstücher aus Werkstätten sowie stark verschmutzte Textilien aus unterschiedlichen gewerblichen Bereichen.
Eine zentrale Präventionsmaßnahme ist die konsequente Analyse der eingehenden Wäsche. Betriebe sollten regelmäßig prüfen: Welche Art von Textilien kommt in den ­Betrieb? Welche Kontaminationen sind  zu erwarten? Sind die bestehenden Wasch- und Trocknungsverfahren darauf ausgelegt?

Mitarbeiterschulungen sind hierbei essenziell. Beschäftigte müssen in der Lage sein, kritische Chargen zu erkennen und gesondert zu behandeln. Die DGUV-Vorschriften – insbesondere im Bereich der betrieblichen Prävention und der Prüfung elektrischer Anlagen – geben hierfür einen verbindlichen Rahmen vor. Ergänzend sollten Gefährdungsbeurteilungen regelmäßig aktualisiert und dokumentiert werden.

Im Zusammenhang mit der Selbstentzündung wird in der Branche zunehmend das Niedrigtemperaturverfahren diskutiert. Dieses Verfahren kann unter bestimmten Voraussetzungen energetische Vorteile bieten, muss jedoch brandschutztechnisch sorgfältig bewertet werden. Niedrigere Waschtemperaturen können unter Umständen dazu führen, dass ölhaltige Rückstände nicht vollständig entfernt werden. Vor einer Umstellung ist daher zu prüfen, ob das gewählte Verfahren hinsichtlich Brandschutz, Hygiene und chemischer Sicherheit ausreichend dimensioniert ist.

Strombedingte Brandursachen

Ein weiterer relevanter Faktor sind strombedingte Brände. Textilreinigungsbetriebe verfügen über eine Vielzahl leistungsintensiver Maschinen wie Waschstraßen, Trockner, Mangeln sowie Förder- und Sortieranlagen. Dauerbetrieb, hohe Luftfeuchtigkeit und Flusenbelastung erhöhen das Risiko von Kurzschlüssen oder Überhitzung.

Wesentliche Präventionsmaßnahmen sind die regelmäßige Prüfung elektrischer Anlagen gemäß DGUV Vorschrift 3, thermografische Untersuchungen von Verteilungen und Schaltschränken, die konsequente Reinigung von Maschinenbereichen zur Vermeidung von Flusenansammlungen sowie klar definierte Wartungs- und Prüfintervalle mit lückenloser Dokumentation.

Gerade in bestehenden Betrieben sollte regelmäßig geprüft werden, ob elektrische Installationen noch dem Stand der Technik entsprechen. Investitionen in moderne Schutztechnik können das Risiko deutlich reduzieren.

Brandstiftung im Außenbereich

Neben technischen Ursachen spielt auch Brandstiftung eine zunehmend relevante Rolle. Textilien und insbesondere Flachwäsche, die im Außenbereich gelagert werden, stellen eine erhebliche Brandlast dar und können im ungünstigen Fall gezielt entzündet werden.

Problematisch ist dabei häufig die Lagerung von Textilien auf dem Betriebsgelände mit unzureichendem Abstand zum Betriebsgebäude. Ein Blick in die Brandschutzkonzepte und Gutachten, die im Rahmen der Baugenehmigung erstellt wurden, ist hier dringend zu empfehlen. Diese enthalten oftmals konkrete Vorgaben zur zulässigen Lagermenge, zu einzuhaltenden Mindestabständen sowie zu organisatorischen Schutzmaßnahmen.

Baugenehmigung beachten

Die Baugenehmigung kann verbindliche Auflagen zur Lagerung brennbarer Materialien enthalten. Werden diese im Laufe der Zeit – etwa durch veränderte Logistikprozesse oder Platzmangel – nicht mehr konsequent eingehalten, entsteht ein erhebliches Risiko.

Katharina Meyersrenken Versteegen Assekuranz
Katharina ­Meyersrenken ist Sprecherin des Vorstands bei der Versteegen Asskuranz – Versicherungs-
makler AG.
- © Versteegen Assekuranz – Versicherungsmakler AG

Besonders kritisch ist zudem der zunehmende Einsatz von Containern oder Zelten als zusätzliche Lagerflächen. Diese werden häufig mit Textilien oder Flachwäsche gefüllt und in unmittelbarer Nähe zum Betriebsgebäude aufgestellt. Dadurch erhöht sich das Risiko einer Brandübertragung im Falle einer vorsätzlichen Brand­legung erheblich.

Empfehlenswert sind daher die regelmäßige Überprüfung genehmigter Lagerkonzepte, die kon­sequente Einhaltung definierter Sicherheitsabstände sowie geeignete organisatorische Maßnahmen wie Beleuchtung und Über­wachung des Außengeländes.

Fazit: Brandschutz als Prozess

Brandschutz in der Textilreinigungs- und Wäschereibranche ist kein statischer Zustand, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Neben technischer Ausstattung sind Organisationsstruktur, Mitarbeiterschulung und regelmäßige Risikoanalysen entscheidend. Wer eingehende Textilien systematisch bewertet, Waschverfahren überprüft, elektrische Anlagen fachgerecht warten lässt und genehmigte Lagerkonzepte einhält, reduziert nicht nur das Schadensrisiko, sondern stärkt nachhaltig die Betriebssicherheit.

Dies ist ein Gastbeitrag von Dipl.-Ing. (FH) Dipl.-Wirt.-Ing. Katharina Meyersrenken, Sprecherin des Vorstands bei der Versteegen Assekuranz – Versicherungsmakler AG.

versteegen.de

Temperaturüberwachung von Textilien für besseren Brandschutz

Die Gefahr der Selbstentzündung von Wäsche beschäftigt die Textilservicebranche seit vielen Jahren. Insbesondere feuchte Textilien, öl- oder fetthaltige Rückstände sowie dichte Lager- und Stapelbedingungen können dazu führen, dass sich Wärme im Inneren von Wäscheposten aufbaut. Wird dieser Prozess nicht rechtzeitig erkannt, kann es zu Schwelbränden oder offenen Bränden kommen – mit erheblichen Folgen für Mitarbeitende, Gebäude und Betriebsabläufe.

Was können Wäschereien tun? Es gibt technische Lösungen zur kontinuierlichen Temperaturüberwachung. Ein Anbieter in diesem Bereich ist das finnische Unternehmen Quanturi, das nach eigenen Angaben bereits mit größeren und kleineren Wäschereibetrieben vor allem in den USA und in Großbritannien zusammenarbeitet und seit Kurzem auch im deutschsprachigen Raum aktiv ist.

Das System von Quanturi basiert auf drahtlosen Temperatursonden, die direkt im Inneren von Wäschewagen, Containern oder gestapelter Wäsche platziert werden können. Ziel ist es, nicht nur die Umgebungstemperatur zu erfassen, sondern die tatsächliche Wärmeentwicklung innerhalb der Textilien zu messen – also dort, wo Selbstentzündungsprozesse entstehen können.

Brandschutz Quanturi Temperatur Sensor Software
Eine Sonde misst die Temperatur in der Wäsche. Eine Software informiert, wenn es zu warm wird. - © Quanturi

Die Sonden senden ihre Messdaten an eine Basisstation, von wo aus sie in einer browserbasierten Softwareanwendung visualisiert werden. Anwender erhalten so einen laufenden Überblick über die Temperaturverläufe in verschiedenen Lager- und Prozessbereichen der Wäscherei.

Frühwarnung statt Schadensbegrenzung

Ein zentrales Element des Systems ist die Alarmfunktion. Für jeden Bereich der Wäscherei lassen sich individuelle Temperaturschwellen definieren. Wird ein Grenzwert überschritten, informiert die Software die verantwortlichen Personen per SMS, E‑Mail oder automatischem Telefonanruf und zeigt an, welche Sonde den Alarm ausgelöst hat. Der Alarm kann so eingestellt werden, dass er bereits ausgelöst wird, bevor eine kritische Temperatur erreicht ist.

Damit verfolgt das System einen präventiven Ansatz: Ziel ist es, Mitarbeitenden die Möglichkeit zu geben, frühzeitig einzugreifen – etwa durch Umlagern, Belüften oder Separieren der betroffenen Wäsche – und so eine gefährliche Eskalation bis hin zur Selbstentzündung der Textilien zu verhindern.

Nach Angaben des Anbieters ist die Installation als Plug-and-Play-Lösung konzipiert und erfordert keine tiefgehenden technischen Anpassungen. Die Sonden können in unterschiedlichen Bereichen eingesetzt werden, etwa bei verschmutzter oder sauberer Wäsche, in Käfigen oder Stapeln. Über virtuelle Lagepläne lassen sich die Sensoren bestimmten Zonen zuordnen, sodass auffällige Temperaturentwicklungen räumlich schnell identifiziert werden können.

Durch die kontinuierliche Aufzeichnung der Temperaturdaten entsteht zudem eine Datengrundlage, mit der Betriebe wiederkehrende Muster erkennen und ihre internen Prozesse anpassen können. So lassen sich beispielsweise Materialkombinationen oder Lagerzeiten identifizieren, die besonders häufig zu Wärmestau führen.

Quanturi versteht seine Lösung als ergänzendes Instrument im betrieblichen Brandschutz und in der Arbeitssicherheit. Die Temperaturüberwachung ersetzt keine organisatorischen oder baulichen Maßnahmen, kann diese jedoch unterstützen, indem sie Risiken sichtbar macht, die mit herkömmlichen Kontrollen schwer zu erfassen sind.

Technische Frühwarnsysteme könnten künftig eine größere Rolle spielen, um das Risiko von Selbstentzündungen zu reduzieren und die Sicherheit in Textilservicebetrieben weiter zu erhöhen.

quanturi.com