Studie der Hochschule Luzern Damit Arbeitsbekleidung recycelt werden kann

Viele Eigenschaften von Arbeitsbekleidung kommen einer textilen Kreislaufwirtschaft entgegen: Sie ist relativ einheitlich, nachverfolgbar und kommt aus einer Hand. Eine von Innosuisse geförderte Studie der Hochschule Luzern zeigt, wo die Erfolgspotenziale und wo die Knackpunkte auf dem Weg zu einem Kreislauf liegen.

Arbeitsbekleidung circular workwear Textilrecycling
Aus Alt mach Neu: So kann es bei Arbeitsbekleidung funktionieren. - © HSLU, Forschungsgruppe Produkt & Textil

Wenn es um Textilien geht, so kann weder in der Schweiz noch weltweit von einer Kreislaufwirtschaft die Rede sein. „Wünschenswert wäre es, Stoffe für die Wiederverwendung als Produkt oder als neuen Rohstoff aufzubereiten, doch dem stehen nach wie vor viele Hindernisse entgegen“, sagt Tina Tomovic, Textildesignerin und HSLU-Expertin für textile Nachhaltigkeit. Die Frage, wie aus den Fasern von altem Stoff neuer Stoff wird, ist dabei nur eines der Probleme.

In einem Pilotversuch zeigt das Team der Hochschule Luzern nun, dass es grundsätzlich möglich ist, gebrauchte Arbeitsbekleidung mechanisch zu rezyklieren und wieder neu zu spinnen. Die neuen Stoffe enthielten bis zu 39 Prozent recyceltes Material; das ist deutlich mehr, als marktüblich in Arbeitsbekleidung angeboten wird. Die Qualität allerdings muss noch verbessert werden, damit die neuen Materialien tatsächlich zum Einsatz kommen können, da Stoffe für Arbeitsbekleidung sehr strapazierfähig und langlebig sein müssen.

Textilien mit guten Recycling-Voraussetzungen

Eines der Hindernisse für textile Kreisläufe seien die unterschiedlichen, oft nicht deklarierten Materialien und die verschiedenen Farben, die in der Textilsammlung aufeinanderträfen, sagt Tomovic. Arbeitsbekleidung – z. B. im Spital oder in einer Fabrik – hat hier gute Voraussetzungen: Es gibt eine große Menge an Kleidungsstücken mit gleicher Faserzusammensetzung.

Und nicht nur das; die Kleidung wird auch oftmals zentral gewaschen. Dadurch gibt es in der gesamten Prozesskette mehr Kontrolle darüber, welche Materialien verwendet werden oder wie oft ein Stück schon getragen, gewaschen und geflickt wurde. Hinzu kommt, dass heute Arbeitsbekleidung gechippt wird, um die logistischen Herausforderungen der Waschprozesse zu meistern. Diese Datengrundlage birgt großes Potenzial, die Ziele der Kreislaufwirtschaft zu erreichen.

Deshalb haben Textilexperten der Hochschule Luzern gemeinsam mit Akteuren entlang der Wertschöpfungskette das von Innosuisse geförderte Projekt „Circular Workwear“ ins Leben gerufen.

Kreislauf: Zusammenarbeit vieler Beteiligter

Arbeitsbekleidung Recycling Sortierung
Ein wichtiger Teil des Recyclings: Sortieren. - © HSLU, Forschungsgruppe Produkt & Textil

Viele Beteiligte müssen zusammenarbeiten, damit ein Kreislauf überhaupt erst entstehen kann. Allein von Seiten der Hochschule brauchte es die Expertise von Design, Informatik und Technik.

So war klar, dass es für das Projekt auch viele Partnerschaften brauchte: Die Hüsler Berufskleider AG entwickelte zirkulär optimierte Kleidungsstücke für Pflegepersonal, CWS stellte Material zur Verfügung und stützte das Projekt aus Sicht der Industriewäschereien, Texaid sammelte und sortierte die ausrangierten Textilien und Datamars konzipierte Modelle zum Teilen von Daten innerhalb der Wertschöpfungskette. Punktuell hinzugezogen wurden auch Abnehmende wie Coop oder ein Pflegeheim sowie die Expertise des Maschinenherstellers Säntis Textiles und der Branchenvereinigung Sustainable Textiles Switzerland 2030.

Verbrennungsanlage bleibt größte Konkurrenz

Was die am Projekt beteiligten Unternehmen mitnehmen für die nächsten Schritte hin zu einer Kreislaufwirtschaft, sind Empfehlungen, die sie im eigenen Betrieb umsetzen können, sowie ein Bewertungstool für die Kreislauffähigkeit von Arbeitsbekleidung. Und die wichtige Erkenntnis: Die ganze Branche muss zusammenarbeiten, damit zukünftig Produktdaten und textile Rohstoffe im Kreislauf geführt werden können. Eine bessere Vernetzung, zirkuläre Designstrategien und die Nachverfolgung von Materialströmen und -daten stehen deshalb oben auf der Prioritätenliste.

Ebenfalls ein wichtiger Punkt: Die Unternehmen haben nun ein Argumentarium, um Kundschaft zu gewinnen, die in einen Mehrpreis für nachhaltige Materialien investiert. Denn: „Solange recycelte Fasern teurer sind als Frischfasern, ist die Verbrennungsanlage die größte Konkurrenz für einen Textilkreislauf, selbst wenn die Branche selber durchaus engagiert ist“, sagt Tomovic.