Als Kinder spielten Fabian und Hannes Kolbe zwischen Waschtrommeln und Förderanlagen. Heute führen sie gemeinsam mit Heiko Schäfer ein Unternehmen, das seit über 275 Jahren besteht. Wie die neunte Generation DBL Richter für die Zukunft aufstellt – und warum sie dabei konsequent auf Veränderung setzt.
„Tradition ist kein Argument für Stillstand.“ Für Fabian und Hannes Kolbe sowie Heiko Schäfer ist dieser Satz mehr als ein Leitmotiv. Er beschreibt den Anspruch, mit dem sie ein Unternehmen führen wollen, das seit mehr als 275 Jahren besteht. Die Geschichte von DBL Richter reicht bis ins Jahr 1750 zurück. Doch auf vergangenen Erfolgen wollen sich die drei Geschäftsführer nicht ausruhen. Im Jubiläumsjahr 2025 haben sie und damit die neunte Generation die Verantwortung übernommen – in einer Zeit, in der die Textilservicebranche vor großen Herausforderungen steht. Steigende Kosten, Fachkräftemangel und zunehmender Wettbewerbsdruck verlangen nach Antworten.

Die Antwort von DBL Richter lautet Veränderung. Das Unternehmen investiert in Automatisierung, digitale Prozesse und moderne Anlagentechnik. Denn für die neue Geschäftsführung ist klar: Wer 275 Jahre Unternehmensgeschichte bewahren will, muss bereit sein, sie weiterzuschreiben. Oder, wie Heiko Schäfer es formuliert: „Wenn wir nicht mit der Zeit gehen, dann gehen wir mit der Zeit.“
Ihr Ziel: die Zukunft aktiv gestalten, ohne die Wurzeln zu vergessen. Wie diese Zukunft aussieht, lässt sich in der Produktion beobachten. Auf mehreren tausend Quadratmetern durchlaufen Woche für Woche zwischen 35.000 und 40.000 Wäscheteile die Anlagen. Berufsbekleidung wird sortiert, gewaschen, veredelt und für die Auslieferung vorbereitet. Über Förderanlagen gleiten T-Shirts, Jacken und Hosen durch die Halle. Digitale Systeme erfassen jeden Schritt.
Besonders fasziniert davon ist die dreijährige Tochter von Fabian Kolbe. Wenn sie ihren Vater besucht, schaut sie den „fliegenden Kleidern“ zu, die an der Sortieranlage unter der Hallendecke entlangschweben. Für sie ist die Wäscherei ein Abenteuerspielplatz. Genau wie einst für ihren Vater und dessen Bruder Hannes.
Schon ihr Großvater Karl Richter nahm die beiden Jungen mit in den Betrieb. Während er Maschinen wartete, erkundeten Fabian und Hannes die Hallen. Manchmal durften sie sogar in die riesigen Waschtrommeln klettern, erinnert sich Fabian Kolbe. Heute stehen die Brüder selbst an der Spitze des Unternehmens. Gemeinsam mit Heiko Schäfer bilden sie seit Februar 2025 die neue Geschäftsleitung.

Drei Wege, eine Verantwortung
Fabian Kolbe arbeitete zwölf Jahre in der Steuerberatung, bevor er 2025 ins Familienunternehmen einstieg. Sein Bruder Hannes studierte Betriebswirtschaft und war zuvor im Business Development eines international tätigen Wälzlagerherstellers tätig.
Für Heiko Schäfer begann der Weg bei DBL Richter vor mehr als 20 Jahren in der Schmutzwäscheabteilung. Über das Waschhaus und den Fuhrpark arbeitete er sich nach oben, übernahm später die Leitung der IT und der Logistik und wurde schließlich Prokurist. Seit Anfang 2025 ist er Teil der Geschäftsführung. Schäfer ist dabei eine Besonderheit: Nach 275 Jahren Unternehmensgeschichte ist er der erste Geschäftsführer, der nicht zur Familie Richter gehört. „Ich gehöre zwar nicht zur Familie, aber nach 20 Jahren fühlt es sich manchmal schon so an“, sagt er mit einem Lächeln.
Tatsächlich ist das Familiäre ein prägendes Merkmal des Unternehmens. Viele der rund 120 Beschäftigten arbeiten seit Jahrzehnten bei DBL Richter. Manche sogar seit mehr als 40 Jahren. Sie haben Fabian und Hannes Kolbe schon als Kinder durch die Hallen laufen sehen.
Daniela Richter-Kolbe und Dirk Richter, die bisherigen geschäftsführenden Gesellschafter, begleiten den Generationswechsel und stehen weiterhin mit Rat und Erfahrung zur Seite – so wie es einst ihre Väter Karl und Friedrich bei ihnen getan haben. Das operative Ruder haben jedoch die Jungen übernommen. Auch Dirks Tochter Sidney kann sich vorstellen, später ins Familienunternehmen einzusteigen.
„Wir sind ein junges, hungriges Team“, sagt Fabian Kolbe. „Wir wollen weiterwachsen, den Markt mitgestalten und nicht nur zuschauen.“

Ein Unternehmen im Wandel
Wandel gehört bei DBL Richter zur Unternehmensgeschichte. Die Anfänge reichen zurück bis ins Jahr 1750. Als Johann Anton Richter damals seinem Handwerk als Textilreiniger nachgeht, trägt er den eindrucksvollen Titel „Hochfürstlicher Bayreuthischer Hof-, Schwarz-, Waid- und Schönfärber sowie Mangmeister“. Er färbt Stoffe, reinigt Textilien und sorgt dafür, dass Wäsche wieder in Form kommt. Über Generationen entwickelt sich der Betrieb kontinuierlich weiter. 1971 eröffnen Friedrich und Karl Richter die erste Sofortreinigung. Insgesamt zehn Filialen und 130 Annahmestellen entstehen über die Jahre.
Die wohl wichtigste strategische Entscheidung in der Unternehmensgeschichte folgt 1981 mit dem Beitritt zum DBL-Verbund. „Das war der komplette Wandel“, sagt Fabian Kolbe. Das Unternehmen zieht sich aus dem Privatkundengeschäft zurück und konzentriert sich fortan ausschließlich auf Berufsbekleidung im Mietservice. Aus der klassischen Textilreinigung wird ein Textildienstleister für Unternehmen. 1992 folgt der Umzug vom bisherigen Standort Schonungen nach Gochsheim.
Heute beliefert DBL Richter Kunden von Frankfurt bis Suhl sowie von Hessen bis in den Norden Baden-Württembergs. Dazu gehören Pflegeeinrichtungen, Handwerksbetriebe, Industrieunternehmen, Kommunen sowie Betriebe aus der Lebensmittelverarbeitung.


Millioneninvestitionen in Automatisierung
Die neue Geschäftsführung übernimmt das Unternehmen in einer Zeit großer Herausforderungen. Hohe Energiekosten, zunehmende Bürokratie, steigende Lohnkosten und wachsender Wettbewerbsdruck beschäftigen die gesamte Branche. Hinzu kommen Fachkräftemangel und die Notwendigkeit, Prozesse immer weiter zu digitalisieren. Die Antwort von DBL Richter lautet: investieren.
Allein in diesem Jahr fließt ein größerer einstelliger Millionenbetrag in neue Technik am Standort. Das Unternehmen investiert unter anderem in neue Sortieranlagen, Faltroboter und digitale Prozesslösungen. Sie sollen die Produktivität erhöhen, Mitarbeitende von körperlich belastenden Tätigkeiten entlasten und die Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern.
Gerade im Wettbewerb mit großen Wäschereikonzernen könne man sich nicht ausschließlich über den Preis definieren. Stattdessen setzt das Unternehmen auf Zuverlässigkeit, Transparenz und langfristige Kundenbeziehungen. „Qualität wird sich immer durchsetzen“, ist Fabian Kolbe überzeugt. „Wir streben Partnerschaften an, nicht kurzfristige Kundenbeziehungen.“
Fast Fashion erreicht die Berufsbekleidung
Auch die Anforderungen der Kunden verändern sich. „Fast Fashion ist inzwischen auch bei den Herstellern von Berufsbekleidung angekommen“, beobachtet Hannes Kolbe. Früher seien viele Kollektionen über Jahre nahezu unverändert geblieben. Heute wechselten Designs deutlich schneller. Die Hersteller übernehmen Trends aus der Modewelt in den Workwear-Bereich. Berufsbekleidung müsse nicht mehr nur funktional sein, sondern auch modern aussehen. Für Textildienstleister steigen dadurch die Anforderungen an Beschaffung, Lagerhaltung und Lieferfähigkeit. „Da Schritt zu halten und schnell zu liefern, das ist eine Herausforderung.“

Das Image der Branche verändern
Eine weitere Aufgabe sehen die Drei in der Nachwuchsgewinnung. Gerade junge Menschen hätten oft ein falsches Bild vom Textilreinigerberuf. „Viele stellen sich einen Waschsalon vor“, sagt Hannes Kolbe. Auszubildende zu gewinnen, werde deshalb immer schwieriger. Dabei sieht er enormes Potenzial – nicht nur durch Technik, sondern auch durch Digitalisierung und Logistik. „Wir wollen der Problemlöser für unsere Kunden im Bereich Textilien sein“, sagt er. Es gehe längst um mehr als das Waschen von Kleidung.
Wer einen modernen Textilservicebetrieb betritt, findet alles andere als eine Waschsalon-Atmosphäre vor. Stattdessen prägen heute hochautomatisierte Anlagen, digitale Erfassungssysteme und komplexe Logistikprozesse den Betriebsalltag.
Wie eng die Branche mit der wirtschaftlichen Entwicklung verbunden ist, erlebt das Unternehmen jeden Tag. „Wir sind ein Spiegel der Wirtschaft“, erklärt Fabian Kolbe. Geht es den Kunden gut, stellen sie neue Mitarbeitende ein. Dadurch steigt auch der Bedarf an Berufsbekleidung. Werden Stellen abgebaut, macht sich das unmittelbar bei DBL Richter bemerkbar. Diese Nähe zum Markt macht die Branche anspruchsvoll – aber auch spannend.
Vielleicht ist das der Grund, warum DBL Richter seit über 275 Jahren besteht: weil jede Generation bereit war, sich zu verändern. Heute beobachtet Fabian Kolbes dreijährige Tochter die fliegenden Kleider unter der Hallendecke. Früher stand ihr Vater selbst darunter.