Robert Bertsch sen. und Robert Bertsch jun., Bertsch Hotelwäsche, Mühltal „A good feeling“ bei Bertsch

Bertsch Hotelwäsche präsentiert ein buntes Sortiment an Objekttextilien u.a. für Kliniken, Pflegeheime, Hotels, Wäschereien oder auch den Gastronomiebereich. Der Slogan „A good feeling“ ziehe sich dabei durch alle Facetten der täglichen Arbeit und unterstreiche den Servicegedanken in Richtung Kunden, wie R+WTextilservice im Gespräch mit den Geschäftsführern Robert Bertsch sen. und Robert Bertsch jun. erfährt.

„Wir würden uns wünschen, dass Textilien an sich eine etwas bessere Wertschätzung erfahren könnten“, so Robert Bertsch sen. und jun. - © Bertsch
Meine Herren, im Jahr 2016 sind Sie mit Ihrem Unternehmen ins ländlich gelegene Mühltal (Odenwald), südöstlich von Darmstadt, gezogen. Im Jahr 2026 können Sie nun schon auf eine 40jährige Firmengeschichte zurückblicken. Was war in diesen Jahrzehnten die größte Herausforderung?

Robert Bertsch sen.: Bereits seit Firmengründung im Jahr 1986 ist unser Unternehmen im südhessischen Mühltal beheimatet. Die zentrale Lage im Rhein-Main-Gebiet bietet uns optimale Voraussetzungen, um unsere Kunden in allen Regionen Deutschlands und über die Grenzen ideal zu bedienen. Der Neubau und Umzug in unsere neue Firmenzentrale im Jahr 2016 war ein Meilenstein unserer Firmengeschichte. Von nun an konnten wir Verwaltung und Lagerhaltung bündeln und zentralisieren. Somit konnten wir bestens gerüstet in die Zukunft blicken und unsere Marktpräsenz hervorragend ausbauen.

Die Herausforderungen über die Jahrzehnte waren geprägt von stetiger Weiterentwicklung und Prozessoptimierung. Eine der größten Herausforderungen der letzten Jahre war es immer aktuelle Trends aufzuspüren und das Sortiment an den Bedürfnissen der Kundschaft auszurichten.

Gegründet wurde Ihr Unternehmen 1986 quasi in Ihrer Garage, bald schon mit dem ersten eigenen Sortiment. Dies waren 18 Artikel bestehend aus Bettwäsche, Bettwaren, Bettlaken, Tischwäsche, Frottee und Schutzbezügen. Wie würden Sie Ihr aktuelles Sortiment beschreiben?

Robert Bertsch jun.: Unser aktuelles Sortiment ist auf zwei Standbeinen ausgerichtet. Zum einen bieten wir speziell für die Hotellerie und Gastronomie entwickelte Objekttextilien in unterschiedlichen Gewebezusammensetzungen sowie Dessins und Farben an. Dieser Bereich umfasst ebenfalls ein breites Spektrum von sofort lieferbaren Bettwaren sowohl im Synthetikbereich, als auch im Bereich Federn und Daunen.

Beim zweiten Standbein handelt es sich um den im Jahr 2016 neu geschaffenen Bereich Klinik und Pflege. Dieser umfasst eine eigene Produktlinie, welche an Bedürfnisse von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen angepasst wurde. Hier verfügen wir über ein breites Lagerprogramm von Bettwäsche, Frottierwäsche sowie Bettwaren und Hygieneschutz, speziell für diese Kundengruppe.

Vor einigen Jahren noch kein Thema, aber mittlerweile nicht mehr wegzudenken, haben sich im Standardsortiment auch Artikel wie Inkontinenz-
unterlagen sowie Patientenhemden und Bereichskleidung fest etabliert.

Seit 1986 im südhessischen Mühltal beheimatet: Bertsch Hotelwäsche mit heute 16 Mitarbeitenden. - © Bertsch
Welche größte Herausforderung stellt sich denn gegenwärtig?

Robert Bertsch sen.: Eine aktuelle Herausforderung sehen wir u.a. in der nachhaltigen Ausrichtung unseres Unternehmens. Viele etablierte Prozesse müssen geprüft und nach Bedarf angepasst und stetig optimiert werden.

Eine weitere Herausforderung hält wie schon immer der globale Beschaffungsmarkt mit seinen wechselnden Bedingungen bereit. Hier ist eine hohe
Flexibilität und Anpassungsfähigkeit gefragt, denn stark schwankende Frachtraten und lange Lieferzeiten müssen bei Kalkulation und Planung genaustens bedacht und kalkuliert werden. Da Frachtschiffe aktuell den Suezkanal nicht durchqueren können, müssen für Lagerplanung und Termingeschäfte längere Laufzeiten eingeplant werden.

Impulsgebend ist für Ihre Arbeit schon lange Zeit der Slogan „A good feeling“. Das klingt fast schon nach mehr als nur nach nach Bett- oder Frottierwäsche?

Robert Bertsch jun.: Mit unseren Produkten wollen wir nicht nur dem Nutzer im Bett oder im Bad ein Wohlfühlerlebnis bereiten. Sondern bereits unser Kunde, egal ob Wäscherei, Hotel oder Krankenhaus etc. soll sich vom ersten Gespräch oder Kontakt an gut aufgehoben fühlen. Somit zieht sich unser Slogan „A good feeling“ durch alle Bereiche der täglichen Arbeit, um dem Servicegedanken unseren Kunden gegenüber gerecht zu werden.

Sie bezeichnen Ihre Mitarbeitenden als die Basis Ihres Umweltmanagementsystems. Wie definieren Sie Ihre Ansprüche an Nachhaltigkeit und Umweltschutz?

Robert Bertsch sen.: Nachhaltiges Handeln und eine Fokussierung auf den Umweltschutz sind aktueller denn je. Unser Anspruch ist hoch, somit versuchen wir als mittelständiges Unternehmen einen für uns maximalen Beitrag zu leisten und arbeiten täglich daran „grüner“ und besser zu werden. Auf dem Dach unseres Gebäudes haben wir im Jahr 2022 eine PV-Anlage installiert um nahezu unseren kompletten Strombedarf abdecken zu können, überschüssige Energie wird ins öffentliche Netz geleitet. Unser im Jahr 2016 gebautes Firmengebäude wurde komplett mit stromsparender LED-Technik ausgestattet und verfügt über beste Isolationswerte. In der Planung sind aktuell Stromladesäulen für PKWs der Mitarbeiter und Besucher.

Seit 2021 auch das GOTS-Siegel (Global Organic Standard) als besonderer Wegweiser?

Robert Bertsch jun.: Die Zertifizierung nach GOTS war für uns ein wichtiger Schritt, die Weichen für eine nachhaltige Ausrichtung unseres Unternehmens zu stellen. Damit verbunden waren diverse Prozessoptimierungen wovon letztendlich unsere Kunden profitieren können. In diesem Zuge hat sich eine nachhaltige Kollektion ausgesuchter Artikel aus Bio-Baumwolle entwickelt. Derzeit befinden wir uns mitten im Audit für unsere Zertifizierung nach dem staatlichen Siegel „Grüner Knopf“. In Verbindung mit dem Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) ist das für uns der logische nächste Schritt, um nachhaltig und kundenorientiert in die Zukunft zu blicken.

Herr Bertsch jun., Sie haben in diesem Jahr Ihr 20jähriges Firmenjubiläum und führen das Unternehmen mit Ihrem Vater in zweiter Generation. Ein besonderer Moment?

Robert Bertsch jun.: In den vergangenen 20 Jahren konnte unser Familienunternehmen eine tolle Entwicklung erfahren. Wenn ich die letzten Jahre reflektiere, gab es eine Vielzahl schöner Momente, die unvergessen bleiben. Unserem außergewöhnlich tollen Team müssen wir an dieser Stelle ein Kompliment machen. Hier leistet jeder mit Hingabe seinen täglichen Beitrag dazu, um noch weitere unvergessene Momente in den nächsten Jahren zu erleben.

Robert Bertsch sen.: „Unsere Kernkompetenz liegt in der Beratung und Produktion für textile Projekte im Objektbereich.“ - © Bertsch

Im Jahr 2006 haben Sie Ihr Online-Geschäft mit einem eigenen B2B-Shop gestartet. 2018 kam der Bereich B2C dazu. Online-Handel, ein unverzichtbares Standbein?

Robert Bertsch sen.: Der Bereich B2C hat sich bei uns in den letzten Jahren erstaunlich gut entwickelt und erfreut sich kontinuierlich steigender Umsatzzahlen. Trotzdem liegt unsere Kernkompetenz in der Beratung und Produktion für textile Projekte im Objektbereich. Unsere Kundschaft aus dem Bereich B2C erfreut sich daran, bei uns Qualitäten beziehen zu können, welche sich i.d.R nur im Hotel wiederfinden.

Vor 10 Jahren, eigentlich schon wieder ein kleines Jubiläum, sind Sie mit einer eigenen Kollektion ins Wäscherei-Geschäft eingestiegen. Können Sie Ihre Vertriebsstrategie kurz umschreiben?

Robert Bertsch jun.: Unsere Vertriebsstruktur unterteilt sich im Innendienst in drei unterschiedliche Bereiche. Hotellerie und Gastro, sowie Wäschereien, Krankenhaus und Pflege. Vom Innendienst aus erfolgt eine intensive regelmäßige Kundenbetreuung. Außendiensttermine
werden i.d.R. individuell nach Kundenrücksprache vereinbart. Auf 2 bis 3 jährlichen Fachmessen präsentieren wir unsere Neuheiten und nutzen diese um unseren Bekanntheitsgrad zu steigern.

Was verbirgt sich eigentlich hinter Ihrem „Musterservice“?

Robert Bertsch sen.: Der Musterservice wird von unseren Kunden sehr geschätzt und täglich genutzt. Hier hat der Kunde bereits die Möglichkeit, sich sehr detailliert einen Überblick über die gewünschte Ware zu verschaffen, sowie diese in Waschtests ausgiebig zu testen. Umfangreiche Mustersendungen erhalten die Kunden in aller Regel 4 Wochen kostenfrei zur Ansicht. Sollte daraus eine Bestellung resultieren, so werden die Muster den Kunden kostenfrei überlassen. Bei der Aufmachung der Muster sind wir sehr flexibel. Wir sind zum Beispiel auch in der Lage, bereits bei Ansichtsmustern von Inkontinenzunterlagen oder Patientenhemden sowohl Logodrucke wie auch Krankenhausnamen etc. anzubringen.

Könnte ich theoretisch eine individuelle Bettwäsche in einstelliger Stückzahl ordern?

Robert Bertsch jun.: Bettwäsche in individueller Ausführung können wir in geringen Stückzahlen mit einer Einstickung versehen. Auch Sonderkonfektionen mit Rahmen- oder Kuvertsaum können wir bereits ab einstelligen Stückzahlen realisieren. Falls eine Logoeinwebung gewünscht ist, so ist dies ab einer Mindestmenge von 300 Stück Bettwäsche-Garnituren möglich. Frotteewäsche können wir ab einer Mindestmenge von ca. 200 Stück mit einer Einwebung veredeln.

Stöbert man auf Ihrer Homepage, so findet man in Ihren „Themenwelten“ bestimmte Bestseller in verschiedenen Kategorien. Was ist denn eigentlich Ihr Lieblingsprodukt? Was Ihr Bestseller?

Robert Bertsch sen.: Lieblingsprodukte gibt es aus jeder Warengruppe unseres Sortiments mindestens eines. Aktuell macht unser neues plattiertes Spannbettlaken aus 70 Prozent gekämmter Baumwolle und 30 Prozent Filament-Polyesterfaser sehr viel Spaß. Das durchweg äußerst positive Feedback der Kundschaft beweist uns hier wieder einmal, die Bedürfnisse der Branche erkannt zu haben. Unser Bestseller findet sich tatsächlich bei der Frottierwäsche mit einem 450 Gramm Handtuch in weiß mit Streifenbordüre wieder, dicht gefolgt von dem Dessin 6/24 mm Wechselstreifen bei der Bettwäsche.

Welche Entwicklungen oder Trends in Sachen Material oder auch Kundengeschmack konnten Sie in den letzten Jahren feststellen?

Robert Bertsch jun.: Mischgewebe konnten sich in den letzten Jahren immer mehr etablieren. Im Hotelbereich liefern wir Bettwäsche vorrangig in der beliebten Mischung 80 Prozent Baumwolle und 20 Prozent Polyester. Trotzdem führen wir noch immer diverse Qualitäten aus 100 Prozent Baumwolle im Sortiment. Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen entscheiden sich zumeist für Bettwäsche aus 50 Prozent Baumwolle und 50 Prozent Polyester. Neu im Sortiment haben wir Bettwäsche, welche mit der MVS/Vortex®-Spinntechnologie hergestellt wird. Diese Ware ist äußerst strapazierfähig und extrem lange haltbar. Dabei wird der Polyesterkern des Garns mit Baumwolle umsponnen, was der Bettwäsche einen Baumwollcharakter und angenehmen Griff verleiht.

Aktuell sehen wir wieder einen leichten Trend für den klassischen Bandstreifen der Bettwäsche, egal ob 20 mm Streifen oder 25 mm Streifen. Dieses Dessin war über lange Jahre nur wenig gefragt, mittlerweile stößt der Bandstreifen aber wieder auf größeres Interesse. Weniger gefragt ist aktuell die Bettwäsche im Feinstreifen 2 mm Dessin. Lange als Topseller gefeiert, lässt die Nachfrage derzeit etwas nach. Nach fast 40-jähriger Firmengeschichte können wir sagen, nahezu alle Dessins und Muster durchleben ihren Trend und kommen irgendwann wieder in den Fokus der Kundschaft.

Nahezu alle Dessins und Muster durchleben ihren Trend und kommen irgendwann wieder in den Fokus der Kundschaft.

Robert Bertsch jun.
Stichwort letzte Jahre: Haben bestimmte Schutzartikel Sie durch die Corona-Zeit gerettet?

Robert Bertsch sen.: Der Hotelbereich war auch bei uns während Corona sehr schwach. Dank ausgezeichneter Kontakte zu sehr zuverlässigen Zulieferern aus China, konnten wir während der Corona-Zeit mehrfach zertifizierte Masken einfliegen lassen, was uns trotz der Krise sehr gute Umsätze sichergestellt hat. Auch Schutzkittel konnten wir zu dieser Zeit in größeren Mengen verkaufen. Zugute kam uns hier auch unser vorhandener Kundenstamm aus Klinik und Pflege. Diese Kunden waren damals froh darüber, qualitativ hochwertige Schutzartikel zu erhalten.

Wichtige Kunden sind große Hotels, aber auch verschiedene Wäschereien. Die Verbindung zwischen Ihren Kundenstrukturen bezeichnen Sie als Preis, Qualität und Service. Das bedeutet auch schon mal einen Kundenbesuch durch Sie persönlich?

Robert Bertsch jun.: Der persönliche Kundenkontakt ist wie schon immer unersetzlich, daran hat sich auch heute nichts geändert. Nicht jedes Anliegen lässt sich über Videokonferenzen lösen, deshalb besuchen mein Vater und ich auch nach wie vor Kunden persönlich vor Ort, wenn es gilt wichtige Projekte zu besprechen.

Nach Ihren Worten legen Sie großen Wert darauf, dass Ihre Mitarbeitenden gut ausgebildet und hochmotiviert sind. Motivation und Zufriedenheit durch Fortbildung?

Robert Bertsch sen.: Wir legen größten Wert auf ein angenehmes Arbeitsklima. Mit einer flachen Hierarchie und einem familiären Arbeitsumfeld holen wir die Mitarbeiter auf einer zwischenmenschlichen Ebene positiv ab. Gut ausgebildete Mitarbeiter helfen jedem Unternehmen, sich professionell weiterzuentwickeln, daher sind regelmäßige Weiterbildungen, egal ob intern oder extern, von hohem Wert. Zudem ist ein ausgeprägter Erfahrungsschatz in der Branche unersetzlich. Gerade textile Produkte sind extrem erklärungsintensiv, wenn es darum geht im Gespräch mit dem Kunden die perfekte Lösung für seinen Bedarf zu finden.

Stichwort Mitarbeiter: Fachkräftemangel auch für Ihr Haus ein Thema?

Robert Bertsch jun.: Eine bisher unbekannte Herausforderung müssen wir seit einiger Zeit im Bereich Personalfindung feststellen. Speziell im Bereich Vertrieb ist es mittlerweile schwierig geworden, engagierte und geeignete Mitarbeiter zu finden. Ebenfalls haben sich das Lohngefüge
und Gehaltsvorstellungen innerhalb weniger Jahre extrem verändert, was ein Textilunternehmen am Standort Deutschland durchaus vor Herausforderungen stellt.

Welchen (Branchen)Wunsch hätten Sie an die Zukunft?

Robert Bertsch sen.: Wir würden uns wünschen, dass Textilien an sich eine etwas bessere Wertschätzung erfahren. Eine nachhaltige und umweltschonende Textilproduktion unter menschenwürdigen Bedingungen wünscht sich jeder. Im Ausschreibungswesen öffentlicher Einrichtungen
werden vermehrt Zertifizierungen wie z.B. „Grüner Knopf“ abverlangt. Die Bereitschaft, dafür mehr zu bezahlen wie bei konventionellen Produkten, konnte sich bisher nicht vollends durchsetzen. Ziel muss hierbei sein, dass die komplette Lieferkette, angefangen beim Baumwollbauern,
menschenwürdig und wirtschaftlich handeln kann.

www.bertsch-hotelwaesche.de