Vor Ort:Vereinigte Lederreinigung in Bochum Anlieferung durch die Hintertür

Die Vereinigte Lederreinigung gründete sich im Jahr 1990 aus vier Betrieben. Heute ist das Unternehmen ein auf die Reinigung von Leder spezialisierter Dienstleister und gleichzeitig Lieferant von Hilfsmitteln für Textilpflege und Wäschereien. Die Fahrer im Außendienst sind täglich unterwegs und mit ihren Kunden so vertraut, dass sie auf Wunsch auch durch die Hintertür hereinkommen.

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    Gerd Boch (rechts) übergibt Udo Thomann ein Paket mit Betriebsmitteln.Fotos:lin
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    Der Lieferwagen der Vereinigten Lederreinigung vor der Textilpflege am Neutor in XXX.
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    Bild von den Herren Rauner folgt.Foto:Rauner

Anlieferung durch die Hintertür

EE„My car is my castle“. Das gilt – wie für viele Außendienstler– auch für die Fahrer der Vereinigten Lederreinigung in Bochum. Gerd Boch ist einer von ihnen. Jeden Morgen, fünf Mal in der Woche, setzt er sich in einen Citroën Jumper mit dem Nummernschild BOVL106. „Der 106-er ist mein Wagen“, sagt er, und dann: „Er gehört mir natürlich nicht, aber ich habe ihn eigentlich immer.“ Boch fährt 30 bis 40Kunden täglich an und beliefert sie mit gereinigten Polstern, Teppichen, Brautkleidern und Lederteilen. Außerdem hat er vorbestellte Betriebsmittel vom Waschmittel über Folien und Drahtbügel bis zur Sicherheitsnadel geladen. Im Laufe einer Tour entnimmt Boch dem Transporter gereinigte Ware und Hilfsmittel und füllt den Laderaum wieder mit ungereinigten Teilen sowie Leergut und Alt-Verpackungen.

Um Hemden, Hosen, Jacken oder Handschuhe aus Leder zu bearbeiten, stehen in der Halle der Vereinigten Lederreinigung mehrere Maschinen und Geräte, die der Senior-Chef Eberhard Rauner zusammen mit seinem Sohn Martin selbst erdacht und teilweise auch gebaut hat. Seit 1997 teilt er sich mit seinem jüngsten Sohn Martin die Geschäftsführung. Im November vergangenen Jahres kam der zweite Sohn Stefan in die Firma. Damals hatten die Bochumer gerade die Geschäfte der Atupack &Odenbach GmbH&Co. KG – einem Lieferanten für Betriebsmittel – übernommen und brauchten Unterstützung in Einkauf und Marketing.

Auch Stefan Rauner, ein studierter Dipl.-Betriebswirt, sieht es als Vorteil, die beiden Geschäftszeige – Lederreinigung und Betriebsmittel – miteinander zu verbinden. „Einen Großteil der neuen Kunden haben wir nach der Übernahme von Atupack in unser Vertriebsnetz eingeplant“, sagt Rauner. „Diese beliefern wir heute ebenfalls wöchentlich mit unseren Dienstleistungen.“ Da Boch und seine Kollegen so regelmäßig kommen, bestellt der Textilreiniger nur die Ware, die er in einer Woche verbraucht, hat weniger Kosten für das Lager, kaum Kapitalbindung und keine Versandkosten. „Beste Preise“ – auch wenn jede Woche nur kleine Mengen abgenommen werden – verspricht die Vereinigte Lederreinigung bei der Inanspruchnahme aller Dienstleistungen und einem entsprechend hohen Jahresumsatz.

Gerd Boch hat inzwischen bei seiner heutigen Tour die ersten Kunden hinter sich gelassen und steuert in Richtung Dortmund. Hier beliefert er die Textilpflege Thomann. Durch die Hintertür gibt er die gereinigte Ware ab und lädt ungereinigte Polster ein. Die einen Tag zuvor bestellten Hilfsmittel nimmt ihm Textilreinigungsmeister Udo Thomann ab. Wenn der Junior-Chef nicht im Haus ist, weiß Boch jedoch auch, wo er die Hilfsmittel im Lager verstauen kann. Viele Kunden schätzen es, dass er die Ware bis hinter die Theke trägt. Richtig schwer wird es für den stämmigen Fahrer erst, wenn er große Teppiche ausliefert. „Da fahre ich möglichst nah an das Geschäft heran“, sagt er.

Zurück im Betrieb geben die Außendienstler die eingesammelte Ware in die Hände der Innenmitarbeiter. Zunächst werden die Teile mittels eigenentwickelter EDV per Touchscreen erfasst. Hier werden Artikel, Preis, Farbe, Verschmutzung, Beschädigungen, Kundenwünsche, und vieles mehr eingegeben. Das System hat der hausinterne Programmierer anhand Raunerscher Ideen umgesetzt. Mit einem Barcode versehen, werden die Kleidungsstücke nach Farbe, Lederart sowie Empfindlichkeit sortiert und liegend in den Reinigungsbereich transportiert.

„Bei der Vordetachur verwenden wir keine handelsüblichen Detachiermittel, da es sonst zu Aufhellungen, Verfärbungen oder Beschädigungen kommt“, erklärt Martin Rauner. Knöpfe und Schnallen werden mit einem Knopfschutz während der Bearbeitung versehen. Martin Rauner ist gelernter Textilreinigermeister, hat im väterlichen Betrieb in Bochum gelernt und kam 1997 wieder dorthin zurück. Zunächst als Betriebsleiter, dann als gleichberechtigter Gesellschafter-Geschäftsführer mit seinem Vater. „Wir ergänzen uns gut“, sagt er, „und ich habe von der Erfahrung meines Vaters profitiert. Heute beraten wir uns gegenseitig.“

Für die Reinigung stehen sieben KWL-Maschinen mit einer Gesamtkapazität von 240 kg zur Verfügung. „Wir waren einer der ersten Betriebe inDeutschland, der mit KWLgereinigt hat“, sagt Martin Rauner. Die Maschinen hat die Familie nach eigenen Entwickelungen speziell auf Leder umgerüstet. Bevor die Ware in die Rückfett-Maschinen kommt, wird jedes Teil noch einmal auf Flecken überprüft. Wassergebundene Verfleckungen wie Speisereste oder Stärke können sofort mit Wasser behandelt werden. Dass diese Stellen randfrei trocknen ist eine Besonderheit der 1999 angeschafften und selbst entworfenen Maschinen, die in einem Arbeitsgang rückfetten und imprägnieren. 5 bis 10 %der eingehenden Teile müssen nassgereinigt werden, so z.B. Textilien mit stark wassergebundenen Flecken wie Blut oder Kaffee. Dafür stehen fünf Waschmaschinen zur Verfügung, die 5 bis 16 kg fassen und z.T. computergesteuert sind.

Die nächste Station der Lederreinigung, eine Bügelpuppe, hat eine spezielle Einspannvorrichtung, da Leder besonders geformt werden muss, um geglättet zu werden. Der Maschinenhersteller Multimatic hat hierbei in Zusammenarbeit mit der Firma Barbanti/Italien die Ideen der Rauners umgesetzt. Wer an der Puppe arbeitet, muss nicht nur den Dampf bedienen, der in Intervallen auf das Lederstück wirkt. Auch das Aufbürsten des Flors mit Wedel und Bürste gehört dazu. Zu dem Arbeitsplatz – den es viermal in identischer Ausführung gibt – gehört außerdem eine Klebeeinrichtung mit Druckpistole. Hier werden gelöste Säume und Nähte nachgeklebt. Auch hier haben die Hausherren mitgetüftelt:Die schmale Nadel der Pistole kann durch das Futter geführt werden – ohne eine Naht aufzutrennen. Kleidungsstücke, die nicht auf der Puppe behandelt werden können, bringt die Mitarbeiterin mit einer elektrisch beheizten Bügelpresse in Form und bearbeitet sie anschließend mit Hilfe einer Büromaschine auf.

Die vorläufige Endkontrolle überprüft die Kleidungsstücke noch einmal auf Fehler und gibt die Ergebnisse in denTouchscreen ein. Ein Stück, das hier durchfällt, kommt entweder noch einmal in die Reinigungsabteilung oder in die Färberei. Hier werden Unregelmäßigkeiten ausgeglichen, Lichtschäden beseitigt und nicht zu entfernende Flecken abgedeckt.

Ist Jacke oder Hose von der Endkontrolle freigegeben und automatisch verpackt, hat sie und einer der Fahrer imAußendienst ein letztes Mal einen gemeinsamen Weg vor sich. Die Mitarbeiter laden die gereinigte Ware in ihre Transporter ein, holen sich aus der Lagerhalle, in der rund 2.000 Produkte liegen, die vom Kunden bestellten Hilfsmittel, drucken Rechnungen und Lieferscheine aus und beginnen ihre täglichen Touren. Der Endkunde hält nach spätestens einer Woche seine abgegebene Ware wieder in den Händen. Flin