Service aus Meisterhand – nicht für viele Betriebe ist dieses Motto so zutreffend wie für die Münchener Wäscherei und Reinigung Sterr. Gleich vier Textilreinigermeister und die Erfahrung aus insgesamt 75 Jahren sind hier unter einem Dach vereint.
Bewährtes wird bewahrt
Vieles hat der Münchener Familienbetrieb durchlebt, bis aus dem kleinen Heißmangelbetrieb im Münchener Stadtteil Sendling das erfolgreiche Unternehmen von heute geworden ist. Mit dem Fahrrad, wie einst 1932 die Firmengründer Franziska und Josef Sterr, muss die mittlerweile dritte Generation heute nicht mehr die Wäsche an die Kundschaft ausliefern. Was jedoch bis heute die unerschütterliche Basis für den Fortbestand des Familienbetriebes geblieben ist, hat sich nicht verändert: der generationsübergreifende Zusammenhalt. Neben den Geschwistern Richard Sterr und Monika Achternbusch, die 2003 die Firma von ihren Eltern Siegfried und Luitgard Sterr übernommen haben, ist da noch Monika Achternbuschs Sohn Korbininan, ebenfalls gelernter Textilreiniger, der seinen Abschluss glänzend bestanden hat und damit die Unternehmensnachfolge in der vierten Generation sichert.
Die Wäscherei und Reinigung Sterr ist seit vielen Jahren ein beliebter Ausbildungsbetrieb, nicht nur wegen der langjährigen Expertise der Sterrs, sondern auch, weil die Kombination aus Wäscherei und Reinigung selten geworden ist. Von 71 Lehrlingen, die ihr Handwerk dort erlernt haben, wurden 19 Kammersieger der Innung München/Oberbayern, zwölf davon bayerische Landes- und Vizelandessieger und vier davon sogar Bundessieger. Viele haben bereits eigene Betriebe. Auch heute bemühen sich Monika Achternbusch und Richard Sterr intensiv um die fachgerechte Ausbildung in der Branche. Insbesondere Monika Achternbusch tritt im Prüfungswesen der Innung in die Fußstapfen ihres Vaters Siegfried. Als Lehrlingswartin kümmert sie sich um die Belange der Auszubildenden im ganzen Innungsbezirk. Wäschereileiter Richard Sterr ist der Techniker in der Familie und befasst sich gerne damit, Prozesse und Technologien zu optimieren. Nebenbei schätzt er den Gedankenaustausch mit Kollegen und bringt seine Erfahrung und Kenntnisse bereits seit mehreren Jahren in die Geschäfte der Textilreinigerinnung München/
Oberbayern ein, deren stellvertretender Obermeister er ist. Seit 2006 ist er auch Präsident des Bayerischen Textilreiniger-Verbandes, ein Posten, der dem 40-Jährigen sehr am Herzen liegt.
Richard Sterr schätzt seinen Privatkundenanteil auf über 90 Prozent. Vor diesem Hintergrund muss er sich mit den sich wandelnden Bedürfnissen seiner Klientel und immer neuen Farben, Formen und Stoffen beschäftigen. Viele Kleidungsstücke werden in der Wäscherei nach dem maschinellen Finish mit Universalpressen oder per Hand bearbeitet. Viel Sorgfalt kommt auch bei ausgefalleneren Wäschestücken ins Spiel, etwa bei den wertvollen und reichlich bestickten Pfarreralben, die in seinem Betrieb noch von Hand gebügelt werden.
In einem Backsteinbau, den der Großvater eigenhändig aus einem Schützengraben erstellt hat, ist die Doppelmuldenmangel untergebracht. Die betagte Mangel der Marke Hagspiel von 1970 liefert, laut Sterr, für ihre kleine kompakte Bauweise ebenfalls noch sehr gute Ergebnisse. Von der Möglichkeit der automatischen Faltung will man keinen Gebrauch mehr machen und ist zur manuellen Faltung zurückgekehrt – der besseren Qualität zuliebe. Selbst wenn Richard Sterr nun eine neue Mangel anschaffen wollte, er hätte schlicht keinen Platz: „Dann müsste ich auf die grüne Wiese gehen, denn für kleine Wäschereien mit geringem Platzangebot bieten die Hersteller heute kaum mehr Maschinen an.“
Grundsätzlich bearbeitet die Wäscherei und Reinigung Sterr alles von der Socke bis zur Schmutzfangmatte. Diese Vielfalt, so Sterr, mache den Betrieb wandlungsfähiger. Mit den wechselnden Ansprüchen der Kunden tun sich ab und an neue, lukrative Nischen auf. Eine Marktlücke ist zum Beispiel die Reinigung von abziehbaren Couchbezügen, für die das Familienunternehmen seit einigen Jahren einen wachsenden Bedarf verzeichnet hat. Die hussenähnlichen Bezüge sind in der Handhabung aufwändig, da das Material leicht einläuft und seine ursprüngliche Form verliert. Die Bezüge werden daher schonend gereinigt und anschließend millimetergenau in Form gebracht und gebügelt.
Eine weitere Nische haben die Sterrs in der Behandlung von Spezialtextilien wie Funktions- oder Outdoorkleidung, Bootsabdeckungen, Balkonbespannungen oder Segeltuch gefunden. Voraussetzung hierfür sei ein breites Wissen über die Eigenschaften dieser Materialien und deren Verwendung, so Richard Sterr. Mit eigenen Ideen hat der Betrieb auch technische Akzente gesetzt. Neben Wasserrückgewinnung und Energiespartechnik durch Wärmetauscher hat Richard Sterr die Trockner mit einem eigenen Patent bereichert: Ein von ihm entwickeltes Gerät steigert die Effizienz der Trockner um ganze 50 Prozent.
Geschäfte macht Richard Sterr mit seinen Kunden per Handschlag. Er sieht hier einen klaren Vorteil gegenüber größeren Wettbewerbern, denn oft sorgen starre Absprachen und Klauseln in Verträgen auf Dauer für Unzufriedenheit – auf beiden Seiten.
Der Familienbetrieb steht auch nach 75 Jahren zusammen „wie eine Eins“ hinter dem mittlerweile zu einem Markenzeichen gewordenen Firmennamen Sterr.
Der Austausch innerhalb der Familie ist herzlich und offen. Alle wohnen in räumlicher Nähe zueinander, und wenn einmal Not am Mann ist, springt einer für den anderen ein. Wer 75 Jahre am Markt bestehen will, braucht Menschen wie die Sterrs, die etwas bewegen.Nathalie Kopsa