Selbst machen statt einkaufen: Der schwedische Workwear-Hersteller Blåkläder will 2026 nahezu sein gesamtes Sortiment in Eigenproduktion fertigen. Möglich macht das eine neue Produktionsstätte in Dhaka, Bangladesch, die das Unternehmen 2025 eröffnet hat.

Während die meisten Bekleidungshersteller auf externe Zulieferer setzen, geht Blåkläder den entgegengesetzten Weg: Laut dem Unternehmen sollen ab 2026 mindestens 98 Prozent aller verkauften Produkte aus eigener Fertigung stammen. Damit erreiche man den höchsten Eigenproduktionsanteil in der Firmengeschichte, teilte das Unternehmen mit Sitz im schwedischen Svenljunga mit. Lediglich Accessoires wie Handschuhe, Mützen, Knieschoner, Gürtel und Kappen würden weiterhin von externen Lieferanten bezogen.
Ermöglicht wird dieser Schritt durch die neue Fabrik namens Gava in der bangladeschischen Hauptstadt Dhaka. Der Standort ist auf die Herstellung von Strickwaren spezialisiert – darunter T-Shirts, Poloshirts und Unterwäsche –, die das Unternehmen bisher nicht selbst produziert hat. Geschäftsführer Anders Carlsson begründet die Strategie damit, dass der Verzicht auf eigene Produktionsstätten in der Branche die Nachhaltigkeitsbemühungen erschwere. Mit eigenen Fabriken sei es leichter, Arbeitsbedingungen zu verbessern und den ökologischen Fußabdruck zu verringern.
2.400 neue Arbeitsplätze und hohe Sozialstandards
Bei voller Auslastung soll die Fabrik Gava 2.400 Mitarbeiter beschäftigen. Damit wächst die Gesamtbelegschaft von Blåkläder über die Schwesterfirma Guston auf rund 8.000 Angestellte in Süd- und Südostasien. Laut Unternehmen erhalten alle Beschäftigten Löhne über dem jeweiligen Branchenniveau. Darüber hinaus stelle Blåkläder nach eigenen Angaben medizinische Versorgung durch regelmäßige Arztbesuche und eine Krankenschwester vor Ort sicher. Zusätzlich existiere ein unternehmenseigener Fonds, über den Mitarbeitende bei Bedarf finanzielle Unterstützung beantragen könnten.
Carlsson betont, dass gute Bezahlung und faire Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie „immer noch überraschend selten" seien. Für Einkäufer von Arbeitskleidung – etwa aus dem Textilservice – dürfte dieser Aspekt zunehmend relevant werden, da die Nachhaltigkeitsanforderungen entlang der Lieferkette steigen.
LEED-Platinum-Zertifizierung und Solarenergie
Die neue Fabrik in Dhaka ist mit Solarmodulen ausgestattet, die 40 bis 50 Prozent des Energiebedarfs decken sollen. Beim Bau seien besonders nachhaltige Materialien verwendet worden. Zudem liege der Standort in der Nähe wichtiger Zulieferer, um Transportwege kurz zu halten. Die Fabrik verfügt dem Unternehmen zufolge über eine LEED-Platinum-Zertifizierung – den höchsten Standard der internationalen Umweltzertifizierung für Gebäude – und erfüllt darüber hinaus die sozialen Nachhaltigkeitsstandards Oeko-Tex STeP und SA8000.
Blåkläder betreibt bereits sieben weitere Fabriken in Sri Lanka und Myanmar, von denen fünf die LEED-Zertifizierung auf Gold- oder Platin-Niveau erhalten haben. Zu den Nachhaltigkeitsmaßnahmen an diesen Standorten zählen laut Unternehmen Solaranlagen, wassergekühlte Klimaanlagen und technische Lösungen zur Minimierung des Wärmeeintrags. Insgesamt hätten diese Investitionen die klimaschädlichen Emissionen in den Fabriken um mindestens 55 Prozent reduziert.
Langlebigkeit als Nachhaltigkeitskriterium gefordert
Geschäftsführer Carlsson fordert einen schnelleren Wandel der Textilindustrie hin zu mehr Klimaschutz – sowohl durch veränderte Produktionsprozesse als auch durch Investitionen in höhere Qualität. Je weniger Kleidungsstücke produziert würden, desto besser sei das für Umwelt und Klima. Er wünscht sich, dass Langlebigkeit zu einem deutlich wichtigeren Nachhaltigkeitskriterium bei der Beschaffung von Arbeitskleidung werde.
Blåkläder wurde 1959 gegründet und ist in 20 Ländern vertreten. Das Unternehmen entwickelt und vertreibt Arbeitskleidung, Sicherheitsschuhe und Handschuhe für Fachkräfte in Handwerk, Transport, industrieller Fertigung und Dienstleistungen. Der Jahresumsatz liegt laut Unternehmensangaben bei 2,7 Milliarden Schwedischen Kronen.