Schäfer Matten aus Gröbenzell bei München feierte im September 20-jähriges Jubiläum und hat Nachbarn, Freunde und Wegbegleiter dazu eingeladen. Neben vielen Erinnerungsstücken an den Werdegang der Wäscherei hat vor allem der neue Mattenroller für Aufsehen gesorgt.
Wo sich normalerweise Matten stapeln, um gewaschen, gerollt und sortiert zu werden, stehen mehrere Bierzeltgarnituren. Aus den Lautsprechern erklingt Queens „We are the Champions“. Gäste aus der ganzen Welt haben es sich nicht nehmen lassen und sind von weither angereist, um dem Team von Schäfer Matten persönlich zum Jubiläum zu gratulieren.
Begonnen hat alles 1987 mit einer Wäscherei im Münchner Stadtteil Schwabing. „Ich habe zufällig die Anzeige gelesen und das Geschäft dann kurzerhand übernommen“, berichtet Martin Schäfer, Gründer von Matten Schäfer. Dabei hatte der Quereinsteiger vorher noch nie in einer Wäscherei gearbeitet. „Ich habe mich in Schulungen und Seminaren fortgebildet“, sagt Schäfer. Erfolgreich, denn die Kunden kamen und kommen. In sechs gasbefeuerten Waschmaschinen erledigen Schäfer und zwei Mitarbeiter die Wäsche von Privatkunden sowie aus Hotels und Gastronomie.
Mietdienst für Schmutzfangmatten
Als besonderen Service für seine Geschäftskunden bietet Schäfer seit 1992 einen Mietdienst für Schmutzfangmatten an. Die Matten importiert er direkt aus den USA. Die Dienstleistung wird ein Erfolg und der Kundenstamm wächst. Mit der Zeit kam es aber zuKapazitätsproblemen. Schäfer stand vor der Entscheidung: Wäsche oder Matten. „Ich habe mich für die Matten und gegen die Wäsche entschieden“, sagt der Unternehmer. „Trotz der großen Konkurrenz und der ständig fallenden Preise im Mattengeschäft.“ Die Wäscherei in Schwabing wurde verkauft und der damalige Schäfer Clean Service zog nach Gröbenzell. 1996 eröffnete er dort auf 70 m² die neue Mattenwäscherei. Trotz Ankaufs des Nebengebäudes und mehrerer Container herrschte sieben Jahre später wieder akute Raumnot. Die aus Schäfer Clean Service entstandene Schäfer Matten
GmbH & Co. KG kaufte ein benachbartes, 4.500 m² großes Firmengelände und plante den Bau einer neuen Industriehalle und eines Bürohauses.
2005 war es dann soweit: Der Neubau mit 3.000 m² Fläche stand voll unterkellert. In der großen Industriehalle wurde eine Waschschleuderanlage mit Trockner der Firma Kannegiesser, Vlotho, untergebracht und als Pilotanlage installiert, gemeinsam weiterentwickelt, bis sie den Bedürfnissen von Schäfer Matten entsprach. Die Wasch- und Trockenanlage wird über ein Transportband mit den Matten beladen. Pro Waschgang können laut Hersteller bis zu 430 kg Matten gewaschen werden. Schäfer belädt die Maschine je nach Größe der Matten mit 360 bis 380 kg. Ein Vorteil der Power-Swing-Anlage ist die Waschtrommel, die zum Beladen nach oben kippt. „Die sperrigen Matten verteilen sich so besser“, erklärt Schäfer. Über ein Touchscreen lassen sich individuell Programme auswählen. Im Oktober 2007 kam eine zweite Anlage hinzu.
"Wir wachsen ja ständig."
Im Keller des Neubaus wird extra ein Raum für eine Hackschnitzelanlage oder ein Blockheizkraftwerk eingerichtet. Damit sollen später die Waschanlagen und Gebäude beheizt werden. „Wir sind noch nicht ganz sicher, wie groß die Anlage werden soll“, sagt Schäfer. „Wir wachsen ja ständig.“ So kam im vergangenen Jahr ein weiteres Nachbargrundstück mit 3.000 m² inklusive 1.500 m² Bürogebäude hinzu.
Die Gelegenheit dazu ergab sich eher zufällig. „Ich war bei der Versteigerung, da ich Fläche für Stellplätze anmieten wollte“, berichtet Schäfer. „Da der eigentliche Interessent aber abgesprungen ist, hat mir die Bank ein gutes Angebot gemacht.“ Das Obergeschoss baut Schäfer gerade in Eigenregie als Bürofläche und Showroom aus. Das Untergeschoss hat er teilweise an andere Firmen vermietet. Von der rasanten Entwicklung mit Umbau, Abbruch und Neubau zeugen am Festtag viele Fotos und Schriftstücke an den Wänden der Halle. Auf dem Boden liegen Matten mit besten Wünschen zum Jubiläum. Eine Idee von Martin Schäfer: „Meine Mattenlieferanten sollten eine Matte nach eigenen Vorstellungen gestalten.“ Herausgekommen sind dabei die unterschiedlichsten Kunstwerke.
Mattenroller als Geschenk zum Jubiläum
Das größte Geschenk hat Schäfer sich und seinen Mitarbeitern aber selbst gemacht. Der dänische Hersteller Rugtved lieferte pünktlich zum Jubiläum einen Mattenroller. Bislang wurde bei Schäfer Matten noch per Hand gerollt. Eine Methode, die nur in wenigen Mattenwäschereien eingesetzt wird. Meistens werden die Matten gefaltet. Dabei bietet das Rollen Vorteile, findet Schäfer: „Es gibt keine Knicke, an denen Bruchstellen entstehen könnten. Die Matten halten so länger.“ Rund 100 Matten kann ein Mitarbeiter je nach Größe pro Stunde per Hand rollen. „Mit dem Mattenroller schafft man bis zu 450 Stück“, sagt Ole Rugtved, Geschäftsführer von Rugtved Wäschereimaschinen. Rugtved und sein Team sind extra nach Bayern gereist, um die Anlage Interessierten auf dem Jubiläum vorzuführen.
Es ist die Erste des dänischen Herstellers in Deutschland. Weltweit gibt es insgesamt nur elf Stück. Auf den Mattenroller aufmerksam geworden ist Schäfer bei seinem schwedischen Kollegen Carl Björkmann, der ihn bereits im Einsatz hatte. Zusätzlich zum Roller wurde eine Banderoliermaschine geliefert mit der sich die Kunden- und Mattendaten über eine Software von Socom automatisch auf die Banderolen drucken lassen. Für die nähere Zukunft hat sich Schäfer ebenfalls viel vorgenommen. 2008 soll die Hackschnitzelanlage in Betrieb genommen und ein Frischwasserbrunnen gebaut werden, den Schäfer schon seit langem plant und für den es jetzt endlich die Genehmigung gab. Außerdem will der Unternehmer zusammen mit Ole Rugtved einen Protypen eines so genannten Mattenhotels einführen, das die Belegung der Papprollen mit Matten optimieren soll.
Unterstützung von der Familie
Unterstützung bei seinen Plänen bekommt Martin Schäfer von seiner Frau Barbara sowie den Söhnen Korbinian (22) und Moritz (17). Der Ältere hat gerade den Ausbildungslehrgang zum Textilreinigermeister begonnen. Der Jüngere lernt Bürokaufmann. „Die Zukunft von Schäfer Matten ist also gesichert“, sagt Schäfer. „Da kann ich in fünf Jahren kürzertreten.“ Ganz mag man Martin Schäfer aber noch nicht glauben, dass er sich dann aus seinem Unternehmen – wenn auch nur teilweise – zurückzieht. Schließlich findet sich immer ein neues Projekt, das in Angriff genommen werden will. em