„Reine Wäsche. Reine Umwelt. Reines Gewissen.“ Seit mehr als 70 Jahren steht die Textilpflege Stuhl für professionelle Textilversorgung in Österreich. Das familiengeführte Unternehmen mit Sitz in Bruck an der Leitha hat sich vom kleinen Reinigungsbetrieb zu einem modernen Mischbetrieb für Miet- und Lohnwäsche entwickelt.

Heute versorgt die Textilpflege Stuhl Kunden aus Hotellerie und Gastronomie, Gesundheitswesen, Industrie sowie Pflegeeinrichtungen und verarbeitet täglich rund 40 bis 45 Tonnen Wäsche. Gearbeitet wird in Bruck an der Leitha im 2-Schichtbetrieb mit einer 4-Tagewoche und etwa 210 Mitarbeitenden. 3 Waschstraßen, 5 Mangelstraßen und 6 Frotteewäschefaltmaschinen sind im Einsatz.
Energieeffiziente Technologien im Einsatz
Ein entscheidender Meilenstein in der Unternehmensentwicklung war der Neubau eines modernen Wäschereistandorts außerhalb der Innenstadt von Bruck an der Leitha im Jahr 2008. Hier entstand Österreichs erste dampflose Wäscherei – ein Konzept, das in der Branche lange als mutiger Schritt galt. Während viele Wäschereien traditionell auf dampfbasierte Prozesse setzen, verzichtet die Textilpflege Stuhl bewusst darauf und nutzt stattdessen energieeffiziente Technologien. Der Vorteil: Durch den Wegfall der Dampferzeugung lassen sich erhebliche Mengen an Energie einsparen und gleichzeitig CO₂‑Emissionen reduzieren. Ergänzt wird dieses Konzept durch verschiedene Maßnahmen zur Wärmerückgewinnung. Abluft- und Abwasser-Wärmetauscher nutzen die in den Prozessen enthaltene Energie erneut und senken so den Gesamtenergiebedarf der Anlage.
Seit 2017 gibt es einen weiteren Standort der Textilpflege Stuhl, an dem ausschließlich Berufsbekleidung bearbeitet wird.
Reduzierte Kosten, optimierte CO2-Bilanz
Die technischen Optimierungen zeigen sich auch in konkreten Verbrauchszahlen. Pro bearbeitetem Kilogramm Wäsche benötigt der Betrieb durchschnittlich lediglich rund 0,80 kWh Gas und 0,084 kWh Strom. Ein Teil des Stroms stammt dabei aus einer eigenen Photovoltaikanlage mit rund 400 kWp Leistung. Über eine Energiegemeinschaft ist das System mittlerweile sogar auf rund 800 kWp erweitert.
Diese Kombination aus dampfloser Technologie, Wärmerückgewinnung und eigener Stromproduktion reduziert nicht nur die Energiekosten, sondern auch die CO₂‑Bilanz der Wäscherei erheblich. Der verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen gehört für das Unternehmen zum Selbstverständnis. Durch optimierten Einsatz von Wasser, Waschmitteln und Energie kann die Umweltbelastung laut Unternehmensangaben um rund drei Viertel gegenüber herkömmlichen Haushaltswaschprozessen reduziert werden. Auch beim Fuhrpark setzt das Unternehmen auf Umweltschonung mittels Elektrofahrzeugen für die Textillogistik.
RFID-Technik für effizientes Management
Neben energieeffizienter Technik setzt Stuhl zunehmend auf digitale Lösungen. Ein Beispiel ist das RFID‑basierte Management der Mietwäsche. Jedes Textil wird dabei mit einem Chip versehen, der eine lückenlose Nachverfolgung im Umlauf ermöglicht. Der Kunde bekommt dabei immer wieder seine, bei ihm abgeholte Mietwäsche zurück. „Dank RFID ist jede erneute Auslieferung einer Inventur gleichzusetzen, die lückenlos Auskunft über Ein- und Ausgänge der Kundenbezogenen Mietwäsche gibt“, erläutert Gerald Haller, Prokurist der Textilpflege Stuhl. Dadurch seien auch Kundeninventuren nicht mehr notwendig bzw. über Handscanner viel leichter und schneller durchführbar geworden. „Neue Mietwäsche für unsere Neukunden wird bereits bei unseren Wäschelieferanten mit eingenähtem Chip bestellt“, berichtet Haller. Für Kunden bedeutet das mehr Transparenz über Bestände und Nutzungszyklen. Gleichzeitig optimiert das System die Logistikprozesse der Wäscherei und reduziert Fehlbestände oder unnötige Neuanschaffungen von Textilien. Dadurch verlängert sich die Lebensdauer der Wäschestücke und Ressourcen werden geschont.
Im Gespräch mit Gerald Haller – Prokurist, Textilpflege Stuhl
R+WTextilservice: Welche Entwicklungen haben Ihren Betrieb in den vergangenen Jahren am stärksten verändert?
Gerald Haller: Ich sehe nicht die eine große Veränderung – vielmehr wirken Kundenerwartungen, Nachhaltigkeit, Fachkräfte und Digitalisierung gleichzeitig auf unseren Betrieb ein. Entscheidend ist für mich, flexibel zu bleiben und schnell reagieren zu können. Die Kunden verlangen heute hohe Qualität, faire Preise und perfekten Service – und das alles gleichzeitig. Nachhaltigkeit ist dabei längst Pflicht und zieht sich durch alle Bereiche. Beim Thema Fachkräfte setze ich klar auf eigene Ausbildung.
Die Digitalisierung ist für mich der Schlüssel, um all diese Herausforderungen zu meistern und unseren Betrieb zukunftsfit aufzustellen.
Wie stellen Sie sich Ihren Betrieb in zehn Jahren vor?
In zehn Jahren wird unser Betrieb deutlich stärker automatisiert und digitalisiert sein – mit effizienteren Abläufen und weniger Personalaufwand bei gleichbleibend hoher Qualität. Mein Ziel ist es, Prozesse ressourcenschonender und effizienter zu gestalten. Die Technik bietet hier enorme Chancen, um Arbeit zu erleichtern und Mitarbeiter gezielt zu entlasten. Wichtig ist für mich aber auch, dass uns die Bürokratie nicht ausbremst. Wenn hier ein gutes Gleichgewicht gelingt, sehe ich unseren Betrieb klar auf einem nachhaltigen und erfolgreichen Weg.
Familienbetrieb mit langfristiger Perspektive
Die Wurzeln des Unternehmens reichen bis ins Jahr 1953 zurück, als Rudolf Stuhl gemeinsam mit seiner Frau Edeltrude eine chemische Reinigung gründete. Aus den anfänglichen Dienstleistungen für Privatkunden entwickelte sich über die Jahre ein umfassender Textilservice für zahlreiche Branchen. Heute wird das Unternehmen von der nächsten Generation der Familie geführt. Barbara Haller, ihr Mann Gerald sowie ihr Sohn Michael setzen die Entwicklung fort und treiben insbesondere die Bereiche Automatisierung und Nachhaltigkeit weiter voran. Mit neuen Investitionen in energieeffiziente Anlagen und digitale Prozesse soll der Betrieb auch künftig Maßstäbe im nachhaltigen Textilservice setzen.

