Textilrecycling Das Problem mit den Altkleidern

Wir Deutsche kaufen doppelt so viele Kleidungsstücke wie noch vor 20 Jahren – mit dramatischen Folgen für Umwelt und Gesellschaft. Millionen Tonnen Altkleider landen im Müll oder im Ausland. Warum das aktuelle System nicht nachhaltig ist und wie Faser-zu-Faser-Recycling helfen kann, das geht aus einem Beitrag der Fernsehsendung Wissen vor Acht hervor.

Ein großer Haufen ausrangierter Altkleider auf einer Mülldeponie, der Abfall und Umweltverschmutzung symbolisiert.
Kleiderflut, Müllberge und Umweltbelastung - warum Recycling keine Option mehr ist. - © stock.adobe.com/TensorSpark

Der Konsum von Kleidung hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten stark verändert. In Deutschland kaufen Verbraucher heute doppelt so viele Kleidungsstücke wie noch vor 20 Jahren. Dieser Trend hat jedoch eine Schattenseite: der Kleiderberg wächst.

Schnell wechselnde Kollektionen, billige Produktion und niedrige Preise führen dazu, dass Kleidung zunehmend zur Wegwerfware wird. In Europa produziert jede Person im Durchschnitt 11,3 Kilogramm Textilmüll pro Jahr – ein enormer Umweltfaktor.

Doch was passiert mit den aussortierten Kleidungsstücken?

Allein in Deutschland landen jedes Jahr etwa eine Million Tonnen Textilien in Altkleidercontainern. Doch nicht alles, was dort abgegeben wird, kann sinnvoll weiterverwertet werden:

  • Über die Hälfte werden verbrannt oder geschreddert
  • Ein Teil wird zu Putzlappen oder Füllstoffen verarbeitet
  • Der Rest wird exportiert, vor allem nach Osteuropa, Südamerika, Afrika und Asien

Altkleider-Export statt Lösung

Händler verkaufen die exportierten Kleidungsstücke aus Europa auf Märkten in Osteuropa, Südamerika, Afrika und Asien. Was zunächst nach einer Lösung klingt, hat gravierende Folgen: Die Billigimporte schwächen oder verdrängen dort die lokalen Produzenten. Zudem landen viele dieser Textilien nach kurzer Zeit erneut auf Deponien oder in Gewässern – diesmal im Ausland. Das schafft zahlreiche neue Probleme.

Derzeit wird nur etwa 1 % der Alttextilien tatsächlich faser-zu-faser recycelt – also wieder zu neuer Kleidung verarbeitet. Der Grund: Technische Hürden, Mischgewebe und fehlende Sammel- und Sortierinfrastruktur.

Mode darf kein Müllgeschäft bleiben

Die Textilindustrie steht vor einem ökologischen Wendepunkt. Um die Kleiderflut und ihre Folgen in den Griff zu bekommen, braucht es ein radikales Umdenken in Richtung Kreislaufwirtschaft. Faser-zu-Faser-Recycling, verantwortungsbewusster Konsum und regulatorische Maßnahmen sind zentrale Hebel, um Mode nachhaltiger zu gestalten.

„Wissen vor Acht“ hat dieses wichtige Thema aufgegriffen.

Den Beitrag mit weiteren Infos finden Sie aktuell hier in der ARD-Mediathek.