Die Wäscherei Kriener hat eine neue Logistiksoftware eingeführt. Schrittweise wurden die einzelnen Module seit 1. Januar 2007 bei den neu angeschafften Computer installiert. Die Idee für ein Modul zur Bearbeitung von Moppwäsche kam von der Wäscherei. Der Anbieter entwickelte die Software dazu.
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Um wen es heute gehen soll darüber sind sich Raimund Bolg, Geschäftsführer der Wäscherei Kriener, und Wolfgang Faist, Geschäftsführer von Socom Informationssysteme, Krumbach, nicht ganz einig. Jeder möchte den anderen ins Rampenlicht schieben. Da bleibt nur eine Lösung:Im Mittelpunkt der Berichterstattung stehen beide – Wäscherei und Hersteller. Immerhin arbeiten die beiden Unternehmen bereits seit 15Jahren, seit der Gründung von Socom 1992, zusammen. Im Januar 2007 wurde die neue Version 5 der Software TIKOS (Textilreinigungs-Informations-Kontroll- und Organisations-System) in der Wäscherei Kriener eingeführt. Für die Benutzer ein großer Sprung:Sie mussten von einem DOS- auf ein windowsbasiertes Programm umstellen. Aber auch für den Hersteller hat sich einiges verändert:Mit der Installation gingen fünf Jahre Entwicklungszeit zu Ende.
Die Wäscherei Kriener gibt es bereits seit 65 Jahren. Sie wurde von der heutigen Seniorchefin Genofeva Kriener in Günzburg gegründet. Sohn Peter Kriener ist heute gemeinsam mit Raimund Bolg Geschäftsführer des Betriebes. „Bei uns war von Anfang an klar, dass wir uns verstehen und zusammenarbeiten können“, sind sich beide einig. Zunächst in Günzburg ansässig, zog der Betrieb 1992 nach Gundremmingen in ein ehemaliges Molkereigebäude. Peter Kriener erinnert sich noch daran, als er beim Wäscheausliefern zum ersten Mal zufällig an dem Gebäude vorbeifuhr. Das Kesselhaus mit Schornstein sei ihm sofort aufgefallen, da ein Schornstein auch das typische Merkmal einer Wäscherei ist. Anlässlich des Umzugs verkaufte die Familie die Abteilung der chemischen Reinigung. Dennoch hat der Betrieb seitdem seine Fläche von
1.700 m2 auf 2.400 m2 erweitert. Heute bearbeiten 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern 14 b is 16 t Wäsche am Tag. In der neuen Halle, die im Juni dieses Jahres eingeweiht wurde, wird hauptsächlich Berufskleidung bearbeitet. Kunden der Wäscherei sind Altenheime, Hotels, Gaststätten, Betriebe und Privathaushalte.
Die Firma Socom, gegründet von Wolfgang Faist, bietet computer- gestützte Organisationssysteme für Textildienstleister an. Die Software TIKOS basiert auf einer Datenbank und kann mit Modulen ergänzt werden, je nach Bedarf. Das Grundprogramm enthält die Stammdaten- und Auftragsverwaltung. „Die Softwarelösung funktioniert imPrinzip wie ein Puzzle“, erklärt Faist, „Wie viele Teile Sie zusammenfügen oder wann Sie einen Teil hinzufügen, bleibt alleine Ihre Entscheidung.“ Die Puzzleteile, im Fachjargon Module genannt, sind nach den Abteilungen einer Wäscherei aufgebaut:Bewohner- und Mietflachwäsche, Berufskleidung, OP-Textilien, Stationsversorgung oder Handtuchautomaten. Auch verwaltungstechnische Module stehen zur Verfügung:Rechnungsschreibung, Waagenanbindung, Container- und Lagerverwaltung, Tourenorganisation, Statistik und Mahnwesen und Produktmanagement.
Wer die Software einsetzt und ein neues Modul benötigt, wendet sich an den Anbieter aus Krumbach und schlägt die Programmierung eines neuen Moduls vor. Im konkreten Falle tat dies die Wäscherei Kriener, als Raimund Bolg seine Idee, Wischmopps im Leasingverfahren anzubieten, umsetzen und kundenbezogen verfolgen sowie abrechnen wollte. Kunden sind Gebäudereiniger und Institutionen, die ihre Räume selbst reinigen. Die Wäscherei bietet die Bezüge in zwei Qualitäten an:Baumwolle und Mikrofaser. Außerdem kann der Kunde wählen, ob die Bezüge zentral oder in die einzelnen Objekte, in denen er reinigt, geliefert werden sollen. Nach anfänglichen logistischen Schwierigkeiten, durch die bis heute 16.000 Bezüge in Umlauf sind, ist Bolg mit der Umsetzung seiner Idee zufrieden. Das zeigt auch die Statistik im TIKOS:Seit Anfang des Jahres hat sich das Auftragsvolumen nahezu verdoppelt. „Den Sommer über haben wir die Akquise eingestellt“, sagt Bolg. „Erst im Herbst fangen wir wieder an.“
Jeden Freitag beliefert ein Fahrer mehrere 100 Kunden von Ulm bis Augsburg. Dadurch kommen rund sieben Container Wischbezüge wöchentlich in die Wäscherei. Haben diese ein „spezielles Waschverfahren, das wir mit unserem Chemiehersteller Christeyns ausgetüftelt haben“ (Bolg), durchlaufen, zählt eine Mitarbeiterin zehn Teile der gleichen Qualität ab. Den Stapel legt sie auf einen Tisch, unter dem eine Leseantenne von Siemens installiert ist. Diese aktiviert die eingenähten RFID-Chips und gibt die Informationen an das TIKOSweiter. Dieses Projekt wird von Thermotex, Schutterwald, betreut und unterstützt. Fehlt ein Bezug oder weist er Mängel auf, erscheint auf dem Bildschirm ein rotes Signal. Durch das Multiread könne seine Mitarbeiterin rund 500 Teile pro Stunde bearbeiten, berichtet Bolg. Ebenfalls über das System abrufbar ist die Geschichte des Wischmopps:Wie viele Waschzyklen hat er bereits durchlaufen? In welchen Gebäuden wurde er eingesetzt? Für Wäscher und Kunde ein großer Schritt zu mehr Transparenz. Da jeder Wäschereimitarbeiter ein eigenes Passwort hat, mit dem er sich am Computer anmeldet, kann außerdem nachvollzogen werden, wer welchen Schritt und welchen Mausklick gemacht hat. Außerdem erhält jeder Mitarbeiter individuelle Benutzerrechte für seinen Aufgabenbereich. Auf Lieferschein und Rechnung, die später an den Kunden gehen, ist der Name der bearbeitenden Person vermerkt, die für Fragen direkt kontaktiert werden kann.
Wer in der Wäscherei Kriener anruft, muss sich nicht wundern, wenn er mit Namen begrüßt wird. Damit der Mitarbeiter noch vor dem Abheben weiß, wer am Telefon ist, blendet TIKOSKontaktdaten und Historie des Anrufers ein. Dadurch ist der Mitarbeiter über die Bedürfnisse des Kunden informiert und kann direkt auf Fragen antworten. Auch der Rückruf ist mit einem Mausklick möglich – das Wählen am Telefon entfällt.
Ein weiteres Modul, das die Wäscherei seit kurzem einsetzt, ist die Waagenanbindung. Hier arbeitet Socom unter anderem mit dem Waagenanbieter Rhewa, Mettmann, zusammen, der spezielle, auf das Organisationssystem konfiguierte Waagen herstellt. Stellt ein Mitarbeiter einen Container auf die Waage, wird das Gewicht der Wäsche in das System eingespeist und ein Wiegebon erstellt, der der Wäsche beigelegt wird. Auf dem Bon steht unter anderem eine Eichnummer, anhand derer das Eichamt im Falle einer Reklamation die Richtigkeit des Gewichtes nachprüfen kann. „Ein solcher Nachweis ist vor allem für Kunden, die wir nach Kilogramm abrechnen, wie z.B. die Bundeswehr, wichtig“, sagt Raimund Bolg. Da alle Daten in ein System eingespielt werden, auf das jeder Zugriff hat, spart die Wäscherei Kriener viel Zeit – direkt und indirekt.
Denn zum einen müssen keine Zahlen mühsam per Hand von einer Liste auf die andere übergetragen werden, zum anderen steht das Wissen dort zur Verfügung, wo es gebraucht wird. Um dies im komplizierten logistischen Umfeld einer Wäscherei zu leisten, ist die Software von Socom seit der letzten Version von 4 MB auf
44 MBangewachsen. Gleichzeitig ist die Bedienung einheitlicher und einfacher geworden.
In rund 220 Textilpflegeunternehmen hat Faist sein Produkt bereits installiert. Dabei profitiert er einerseits von seiner 20-jährigen Erfahrung in der Branche, andererseits von den Anregungen seiner Kunden, die auf ihn zukommen. Sein Fazit:„Auch wenn alle Wäschereien das gleiche Ziel haben, saubere Wäsche zu liefern, hat jeder Betrieb einen individuellen Weg, um dieses Ziel zu erreichen. Keine Wäscherei ist wie die andere.“ Linda Quadflieg