Unter den Unternehmern im Bundesland Tirol kann die Wirtschaftskrise kaum noch Panikstimmung verbreiten: „Wir beobachten schon seit fünf Jahren eine rückläufige Entwicklung“, berichtet Landesinnungsmeisterin Verena Erhart. Grund genug, in die Offensive zu gehen.

„Der Kunde muss wissen, welche Leistungener bekommt!“
Die Textilreinigermeisterin betreibt mit ihrer Schwester Daniela Niederwieser-Erhart in Rum bei Innsbruck in dritter Generation eine Textilreinigung. Der Familienbetrieb ist vor über 70 Jahren gegründet worden. Im Stammhaus und sechs Annahmestellen im Großraum Innsbruck sind insgesamt 26 Mitarbeiterinnen angestellt.
Wenngleich Verena Erhart schon bessere Zeiten erlebt hat, ist sie nicht pessimistisch: „Nach wie vor gibt es saisonbedingt Arbeitsspitzen. Im Frühjahr zum Beispiel geben treue Stammkunden ihre Wintergarderobe und Skibekleidung ab“, so die Unternehmerin. Früher seien die Kapazitäten kontinuierlich ausgelastet gewesen. Inzwischen habe sie aber gelernt, mit dem Wechsel von Flauten und Hochkonjunktur zu leben, sagt sie.
In Stammtischgesprächen, zu denen sie regelmäßig einlädt, erfährt die Textilreinigermeisterin, dass es ihren Kollegen ähnlich geht. „Unsere Landesinnung ist eher überschaubar“, erklärt Verena Erhart. Unter insgesamt etwa 50 Mitgliedern betreiben nur 15 eine Textilreinigung und acht eine Wäscherei. Die übrigen organisierten Unternehmer bieten ihrer Kundschaft ausschließlich Bügel- und Mangelarbeiten.
Um dem Trend entgegenzuwirken, versuchen die Tiroler Textilreiniger ihre Kunden durch Topqualität und termingerechte Lieferung an ihre Unternehmen zu binden. Verena Erhart: „Ich warne auch immer wieder vor Dumpingpreisen.“ Leider gäbe es aber zuweilen einzelne Kollegen, die dem Druck nicht standhalten und aller Vernunft zum Trotz versuchen, durch Schmunzelpreise ihr Geschäft zu beleben.
Anders als in Deutschland dürfen in Österreich nur handwerklich ausgebildete Unternehmer eine Wäscherei oder eine Textilreinigung betreiben. „Die Mitgliedschaft in einer Innung ist Pflicht“, so die Landesinnungsmeisterin. Gerade in schwierigen Zeiten ein Bonus, denn auf diese Weise müssen die Unternehmer nicht die Konkurrenz durch billige, aber weniger kompetente Mitbewerber fürchten. Dennoch empfiehlt Verena Erhart den Innungsmitgliedern, sich nicht allein darauf zu verlassen: „Wir müssen offensiv den Konsumenten vermitteln, welche Leistung sie für ihr Geld bei uns bekommen.“
Viele Kunden würden an ihrer Garderobe hängen, weiß die Landesinnungsmeisterin. Deshalb müssten Wäscher und Textilreiniger glaubhaft kommunizieren, dass die Teile bei ihnen in guten Händen sind. „In jeder Annahmestelle müssen die Ladnerinnen erklären können, was zum Beispiel bei der Trockenreinigung geschieht. Transparenz und Kompetenz sind die beste Strategie, um neue Kunden zu gewinnen und zu halten“, unterstreicht die Unternehmerin. Es sollte z.B. auch eine Selbstverständlichkeit sein, dass die Skibekleidung nach der Reinigung imprägniert wird. An einem anderen Teil müsse vielleicht der Saum nachgezogen werden und die Schulterpolster des Businesskostüms müssten sorgfältig gerichtet werden, bevor sie an die Annahmestelle geliefert werden. Verena Erhart: „Jedes Textil muss nach der Pflege den Eindruck erwecken, als sei es soeben neu gekauft worden.“
Natürlich haben die Tiroler Textilreiniger auch schon gemeinsame Medienauftritte gestartet: „Vor drei Jahren haben wir im regionalen Radiosender Verbrauchertipps geschaltet“, berichtet die Landesinnungsmeisterin. Je nach Saison hätten die Moderatoren fünfmal am Tag Tipps von den Textilreinigern für die Imprägnierung im Herbst oder die Reinigung des Ballkleids zum Fasching gegeben. Auch seien täglich Gutscheine verlost worden. „Nach zwei Jahren endete die Aktion mit einem Gewinnspiel.
Außerdem versucht jeder Unternehmer, persönlich neue Konsumentengruppen zu erschließen: „Gerade den beruflich stark beschäftigten Singles können wir viel lästige Arbeit abnehmen“, sieht Verena Erhart eine Perspektive für die Branche. Deshalb hat sie ihre Mitarbeiterinnen geschult, diese Klientel gezielt anzusprechen. „Wir müssen lernen, noch besser mit der Kundschaft auf gleicher Augenhöhe zu kommunizieren. Sie muss immer den Eindruck haben, dass wir sie kompetent beraten und nichts aufschwatzen wollen.“
Selbstverständlich nutzen auch in Tirol die Wäscher und Textilreiniger Synergien durch Vernetzung. Einer Diversifizierung der Angebotspalette durch die Aufnahme reinigungsfremder Leistungen stehen die meisten aber eher skeptisch gegenüber. Hilfreich ist indessen die Zusammenarbeit mit den Arbeiterkammern und mit dem Verein für Konsumentenschutz: „Gerade bei Reklamationen geben sie uns oft Rückendeckung. Gegebenenfalls informieren neutrale Mitarbeiter die Kunden darüber, dass der Schaden nicht uns, sondern eigentlich den Herstellern der beschädigten Textilien anzulasten ist“, so Verena Erhart.Reinhard Wylegalla