Management in Wäschereien, das ist sein Thema. Christian Wozabal hat schon sehr viele Wäschereien, ihre Konzepte und Prozesse kennengelernt. Unternehmen auf einen ökonomisch und ökologisch guten Weg zu bringen, das ist sein Job. Welche Hebel er dafür zieht.
Er ist mit der elterlichen Wäscherei aufgewachsen, kennt die Branche von klein auf. Und er ist ihr treu geblieben, will sie weiterhin nach vorne bringen. Wenn Christian Wozabal über die Zukunft der Textilservicebranche spricht, kommen neben Zahlen auch jahrzehntelange Erfahrungen auf den Tisch. Mehr als 30 Jahre hat er mit und in Textilpflegeunternehmen gearbeitet.
Sein aktuelles Projekt: Seit Juli 2023 leitet er die Rodinger Wäscherei GmbH & Co. KG im Landkreis Cham, an der er zur Hälfte beteiligt ist. Der Betrieb verarbeitet täglich bis zu 27 Tonnen Wäsche, vor allem für Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen, aber auch für Hotels und Pensionen. Beschäftigt sind bei einer der größten Wäschereien in Bayern 150 Mitarbeiter. Nach einer wirtschaftlich schwierigen Phase soll das Unternehmen konsolidiert und modernisiert werden – mit Investitionen von mehreren Millionen Euro und einer klaren Sanierungsstrategie. Wozabal hat in der Rodinger Wäscherei eine Produktivität „auf Benchmark-Niveau“ im Jahr 2030 vor Augen. Damit will er nicht nur Kosten senken, sondern vor allem die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens im umkämpften Textilservicemarkt sichern.
Lean-Management-Prozesse initiiert
Der 54-Jährige bringt dafür all seine Erfahrung ein. Mehr als zwei Jahrzehnte prägte er die österreichische Unternehmensgruppe Wozabal, die unter seiner Führung zu den großen Textilversorgungsspezialisten zählte. Dort initiierte er schon früh Lean-Management-Prozesse und führte RFID-Systeme ein. Angefangen haben Wozabals Ausbildung und Berufseinstieg zunächst im Bereich Informationstechnologie. „Ich habe im väterlichen Betrieb die IT-Aufgaben erledigt“, erinnert sich Wozabal. Er bildete sich stetig weiter, vor allem in Sachen Management, und machte an der University of Toronto seinen Master of Business Administration. In New York arbeitete er als rechte Hand eines Finanzvorstands bei einem Textildienstleister. Schon vorher baute er als Start-up das Geschäftsfeld Reinraumbekleidung bei Wozabal auf. Bereits mit 23 Jahren übernahm er die Betriebsleitung einer Wäschereiniederlassung mit etwa 120 Angestellten. Es folgten als Stationen die Geschäftsführung Vertrieb der Wozabal Management GmbH und schließlich im Jahr 2006 die alleinige Geschäftsführung der Unternehmensgruppe.
Dort lief es zunächst gut, mit Umsätzen in Millionenhöhe, zahlreichen Kunden und modernen Standorten. Doch dann schlittert das Unternehmen 2017 in die Insolvenz. „Der Fehler war wohl, dass wir zu viel gleichzeitig angehen wollten: einen Standort neu errichten, zwei umbauen“, berichtet Wozabal. Nach einer Verzögerung bei der Inbetriebnahme eines Standorts verloren die Banken die Nerven. Aber Wozabal nicht. Er stand nach diesem Rückschlag direkt wieder auf, machte sich als Unternehmensberater selbstständig. 2020 gründete er Wozabal Consult, übernahm u. a. IT-Projektleitungen und Business-Development in verschiedenen Textilservicebetrieben. Es folgte ein Interimsmanagement beim Wäschereibetrieb WIDI Hellerson, wo er die Restrukturierung leitete und das Unternehmen zurück in die Gewinnzone führte. Und schließlich stieg Wozabal vor zwei Jahren in die Rodinger Wäscherei ein.
Rodinger Wäscherei gemeinsam für die Zukunft aufstellen
Wie kam es dazu? Frank Besold, der zweite Geschäftsführer der Rodinger Wäscherei, war Beratungskunde bei Wozabal. „Er hat mich gefragt, ob wir das Unternehmen gemeinsam für die Zukunft aufstellen. Es war eine einmalige Chance, diese schöne Wäscherei zu einem Schmuckstück auszubauen“, berichtet Wozabal. Rodinger soll in zwei bis drei Jahren so aufgestellt sein, dass der Betrieb ohne ihn weiterlaufen kann. „Ich sehe mich nicht langfristig als Betriebsleiter“, sagt Wozabal. Sein Plan: Weiterziehen, neue Herausforderungen annehmen, weitere Textilservicebetriebe unterstützen und beraten.
Mit seinem Unternehmen Lean Laundry geht es genau darum: strategische Beratung von Unternehmen. „Meiner Meinung ist die Strategie der größere Hebel als das Operative“, so Wozabal. Das Ziel seiner Beratungen ist nicht nur geschäftlicher, wirtschaftlicher Erfolg und gesundes Wachstum der Unternehmen. „Es geht auch um persönliche Ziele der Unternehmer, die haben nämlich auch ein Leben.“ Sie sollen sich mit klugen Strategien „freispielen“ können und durch gute Personalorganisation auch Lebensqualität haben. Das sagt der dreifache Familienvater, der in Oberösterreich lebt, ebenfalls aus Erfahrung.
Zum Unternehmen: LeanLaundry
LeanLaundry unterstützt Unternehmen mit praxisorientierten Managementtrainings, Know-how im Textilservice 4.0 und Tipps rund um aktuelle Herausforderungen der Textilpflegebranche. Zum Angebot gehören:
- Unternehmensentwicklung (langfristige Beratung)
- Strategie- und Marketingberatung
- Lean-Audits und Lean-Projekte
- Projektmanagement für RFID-Projekte
- Energieeinsparungs- und Investitionsprojekte
- Online-Schulungen
Lesetipp: Auf der Website von LeanLaundry schreibt Christian Wozabal einen Blog. Die Artikel behandeln z. B. Wartungstipps für Wäschereien oder eine SWOT-Analyse für den Erfolg in der Wäscherei.
Auch wenn er sich selbst nicht auf Dauer als Betriebsleiter in der Rodinger Wäscherei sieht: Wozabal setzt auf langfristige Entwicklung. „Das Unternehmen soll auf ein stabiles Fundament gestellt werden – wirtschaftlich, technologisch, organisatorisch.“ Dabei kommt auch UHF
RFID zum Einsatz und soll weiter ausgebaut werden. Generell sieht Wozabal die Technologie als zukunftsweisend an. „UHF RFID kann für alle Unternehmen der Branche Vorteile bringen – in sinnvollem Ausmaß, das zu den Prozessen passt, und mit konsequenter Strategie.“
Neben der technischen Modernisierung steht für ihn auch immer die Mitarbeiterzufriedenheit im Fokus. Die Fachkräfte im Betrieb seien ein entscheidender Faktor für den Erfolg – und zugleich ein knappes Gut in der Branche.
Digitalisierung als Lösung für den Fachkräftemangel
Eine Lösung für den Fachkräftemangel? „Digitalisierung, und zwar zu 100 Prozent.“ Wie sich Wozabal das vorstellt? „Papierlos.“ Alle Arbeitsanweisungen, innerbetriebliche Kommunikation, Buchhaltung etc. geschehen ohne Papier, sondern via Computer, Tablets & Co. Auch bei der Kundenkommunikation bietet Digitalisierung einen erhöhten Nutzen. Unter anderem mittels RFID-gechippten Textilien kann man z. B. Kunden in Echtzeit informieren, wenn ein von ihnen angefordertes Teil nicht auf Lager ist und wann es geliefert wird. „Das sind Kunden von Amazon etc. schon gewohnt. Hier ist die Branche gefordert, nachzuziehen“, gibt Wozabal zu bedenken.
„Echtzeit“ ist auch für innerbetriebliche Prozesse in Wäschereien ein wichtiges Stichwort für den Experten. Eine Excel-Tabelle z. B. sei immer älter und ungenauer als die Realität. Ein „digitaler Zwilling“ sollte alle Prozesse miteinander verknüpft auf einer Oberfläche in Echtzeit abbilden. So könne man direkt sehen, ob die jeweilige Strategie funktioniert.
Definition: Lean Management
Lean Management, oder „schlankes Management“, ist eine Unternehmensphilosophie zur Steigerung der Effizienz und Qualität durch kontinuierliche Prozessoptimierung und die Eliminierung von Verschwendung in der gesamten Wertschöpfungskette. Ziel ist es, mit weniger Ressourcen (Personal, Material, Energie, Zeit) hochwertige Produkte oder Dienstleistungen zu schaffen, die den Kundenbedürfnissen entsprechen.
Wie steht er zu Robotik in der Wäscherei? „Die Entwicklungen sind gut, aber der Einsatz muss durchdacht sein.“ Als Zukunftsvision sieht Wozabal bis 2030 teilhumanoide Roboter, die frei programmierbar in der Wäscherei unterstützen und so den Fachkräftemangel abfedern. „Ich hoffe auf generative Roboter, die mehr können als Frotteeware legen.“ Allerdings befürchtet Wozabal, dass der Gesetzgeber hier strenge Regeln vorgibt, z. B. durch Käfige für die Roboter.
Wie auch immer die technologische Zukunft aussieht. Christian Wozabal führt seinen Weg konsequent fort: mit einem Mix aus internationaler Management-Erfahrung, technologischem Know-how und dem Ziel, Wäschereibetriebe fit für die Zukunft zu machen.
