Gewebe, Garne, Zubehör Die anspruchsvollen Berufsoutfits

Früher war der standardisierte Blaumann in fast jeder Branche die gefragte Berufsbekleidung. Heute jedoch muss diese den jeweiligen Gegebenheiten des Jobs gerecht werden: durch eine funktionale Faser, Schnitt und Passform und ansprechende Optik. Damit sind die Tage des Blaumanns gezählt.

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    Alles aus einem Guss und industriell waschbar: Die Mode für die „Sterne“-Köche und Tischgedecke.Foto: Como Corporate Fashion
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    Leasingfähige Berufsbekleidungsgewebe müssen der ISO 15797 entsprechen. Fotos: Kettelhack
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    Umfangreiche Prüfungen der Gewebe im Unternehmen sollen eine hohe Warenqualität sicherstellen.

Die anspruchsvollen Berufsoutfits

Ein Konfektionsbetrieb, der eine eigene Berufs- und Schutzbekleidungskollektion entwickeln will, ist gut beraten, sich vorher eindringlich mit der Materie auseinanderzusetzen. Denn anders als in der Mode muss die Bekleidung für den Beruf den harten Bedingungen der industriellen Pflege widerstehen. Dabei darf sie nicht gleich bei dem ersten Waschgang oder Finishen in ihre Einzelteile zerfallen, sondern muss wenigstens 30 Pflegezyklen aushalten, ohne dabei allzu großen Schaden zu nehmen. Das gilt auch für die Reparatur der im Leasing eingesetzten Bekleidung. Eine Ausbesserung mit den falschen Stoffen, Garnen oder Zubehörteilen kann verheerende Folgen haben. So etwa können die eingesetzten Garne oder Stoffe abfärben oder es kommt zu einem unterschiedlichen Schrumpfverhalten zwischen dem Flicken, dem Bekleidungsteil und dem Nähgarn. Außerdem kann Schutzbekleidung durch unsachgemäße Zutaten ihre Schutzfunktion verlieren. Ersatzreißverschlüsse können ihre Zähne verlieren und Druckknöpfe rosten. Die richtige Auswahl aller an einer Berufs- und Schutzbekleidung beteiligten Komponenten ist daher für den Erhalt der Bekleidung und die wirtschaftliche Bearbeitung in der Wäscherei ein wesentlicher Faktor.

Den Löwenanteil einer leasingfähigen Berufs- und Schutzbekleidung machen die Stoffe aus. Grundsätzlich müssen sie, so erklärt Jan Kettelhack von Kettelhack in Rheine, die Anforderungen der Norm ISO 15797 („Textilien – Industrielle Wasch– und Finishverfahren zur Prüfung von Arbeitskleidung“) und die von der European Textile Service Association (ETSA) aufgestellten Kriterien erfüllen. Die Reihe der Vorgaben ist lang. Sie umfasst mechanische und chemische Prüfungen und solche zur Untersuchung der Farbigkeit. Dadurch soll sichergestellt werden, dass die Textilien und die Färbungen weder durch Alkalität noch Chlor oder Hitze geschädigt werden oder sich gegenseitig negativ beeinflussen, dass sie beim Gebrauch nicht durch unschöne Pillings (Knötchen) verunstaltet werden und dass sie ein gutes Selbstglättungsverhalten zeigen. Ebenfalls wichtig ist das Schrumpfverhalten der Stoffe. Zwei Prozent hat die ETSA als maximalen Einlaufwert bei Mischgeweben festgelegt. Doch neben den technologischen Kriterien zählen bei den Berufsbekleidungsgeweben auch ökologische Parameter. So etwa legt Melchior Textil aus Wangen, ein Unternehmen, das seine Stoffe bei ausgewählten Lieferanten zukauft und bei dem benachbarten Veredlungsbetrieb ausrüsten lässt, großen Wert auf eine ökologische Herstellung seiner Qualitäten. Aus diesem Grund findet sich das „Öko-Tex Standard 100“-Label heute auf den Musterlaschen der meisten Hersteller von Workweargeweben.

Doch es gibt noch einen weiteren Faktor bei der Gestaltung von leasingfähigen Stoffen, wie das Unternehmen Ten Cate hervorhebt: Den modischen Aspekt, der vor allem im Dienstleistungssektor eine wichtige Rolle spielt. So hat das Unternehmen in den letzten Jahren verschiedene Canvas- und Denimoptiken auf den Markt gebracht.

Die Textilien selbst werden heute fast ausschließlich aus Polyester-Baumwoll-Mischungen hergestellt. Carrington Deutschland beispielsweise produziert seine leasingfähigen Gewebe in Mischungen aus 65 Prozent Polyester und 35 Prozent Baumwolle beziehungsweise aus 60 Prozent Baumwolle und 40 Prozent Polyester. Dabei verwendet das Unternehmen sowohl in Kette als auch Schuss Ringgarne, welche durch das Verdrehen von parallel gelegten Faserverbänden erzeugt werden. Die auf diese Weise erzeugten, zum Teil sehr feinen Ringgarne geben den Geweben einen angenehm weichen Griff, einen edlen Glanz, eine hohe Festigkeit und Langlebigkeit. Gleichzeitig reduzieren sie die Pillingneigung, wodurch die Stoffe über einen langen Zeitraum ansehnlich bleiben. Und da Ringringqualitäten auch das Glättebild positiv beeinflussen, setzt auch Melchior bei den leasingfähigen Geweben ausschließlich gekämmte Ringgarne in Kette und Schuss ein. Auch Kettelhack hat bei den jüngsten Gewebeentwicklungen für das Gastgewerbe Ringgarne eingesetzt, denn sie erzeugen ein klares Gewebebild mit einem luxuriösen Schimmer.

Eine etwas preisgünstigere Alternative stellen Gewebe dar, die ganz oder nur zum Teil aus Open-End-Garnen (OE) hergestellt werden. OE-Garne entstehen durch die Verwirbelung von Einzelfasern in einem speziellen Rotor. Aufgrund der Wirrfaserlage besitzen die Garne eine haarige Oberfläche, die sich auf die Pillingneigung, die Festigkeit und den Griff der Gewebe auswirkt. Zwar erreichen Gewebe aus OE-Garnen die geforderten Echtheiten und Werte für Leasingtextilien, allerdings schneiden Ringringmaterialien in der Regel etwas besser ab.

Die Konstruktionsmerkmale spielen auch bei Schutzbekleidungsgeweben eine wichtige Rolle. Um etwa die geforderte Leuchtdichte und Farbigkeit von Warngeweben zu erreichen und gleichzeitig einen angenehmen Tragekomfort bieten zu können, bedarf es einer speziellen Fasermischung und Gewebebindung. Lauffenmühle aus Lauchringen etwa bringt bei leuchtgelben und orangefarbigen Mischgeweben aus 85/15 Polyester/Baumwolle den Hauptteil des fluoreszierend einfärbbaren Polyesters an die Gewebeoberfläche, während der Baumwollanteil zur Trageseite zeigt. Bei Stoffen für Schweißerschutzbekleidung wiederum ist eine glatte Gewebeoberfläche wichtig, an der flüssiges Metall abperlen kann. Daher werden die Textilien meist aus speziellen Ringgarnen gewebt, in denen schwer entflammbarer Viskose- oder Aramidfasern enthalten sind. Für die Erzielung leitfähiger Eigenschaften wiederum kommt ein bestimmter Prozentsatz an Stahl- oder Karbonfasern zum Einsatz. Und bei Geweben für Chemikalienschutz- und Reinraumbekleidung, für OP-Mäntel oder für Flammschutzbekleidung auf Baumwollbasis kommt es auf die richtige Mischung aus Gewebekonstruktion und Ausrüstung an, um die gewünschten Effekte zu erzielen.

Neben den Spezialgeweben für Schutzbekleidung und den klassischen Mischgeweben kommen noch andere Textilien für Berufsbekleidung in Frage. So sind seit etwa fünf Jahren leasingfähige Stretchqualitäten auf dem Markt, die durch die Beimischung eines geringen Anteils der elastischen Faser Dow Xla zu Polyester-Baumwollgeweben entstehen. Die Stretchstoffe zeichnen sich durch eine gute Dehnbarkeit aus, die vor allem bei körpernah getragener Bekleidung für einen hohen Tragekomfort sorgt. Neu sind auch Mischgewebe, in denen der Baumwollanteil durch Tencel-Fasern ersetzt wird. Dadurch wird nach Angaben der Tencel AG aus dem österreichischen Lenzing das Feuchtigkeitsaufnahmevermögen der Stoffe deutlich erhöht und das Wohlbefinden auf der Haut gesteigert. Gemäß Unternehmensangaben wird außerdem das Bakterienwachstum verringert. Dadurch kann die Geruchsbildung bei schweißtreibenden Tätigkeiten vermindert werden. Leasingfähige Gewebe aus der auf Cellulose basierten Faser führen Lauffenmühle und Melchior im Programm.

Ein weiteres Textil, das in der Berufsbekleidung eine Rolle spielt, besteht zu 100 Prozent aus Baumwolle. Es wird vornehmlich für Koch- und Oberbekleidung im Arzt- und Apothekenbereich verlangt. Doch bei reiner Baumwolle ist Vorsicht angeraten. Denn die Naturfaser hat einen extremen Schrumpf von bis zu zehn Prozent. Dieser kann jedoch durch eine mechanische Sanfor-Ausrüstung, also ein Vorkrumpfen, vorweggenommen werden, wie sie etwa Kettelhack durchführt. Außerdem neigen Baumwollgewebe zu starkem Knittern. Zwar können Knitterfreiausrüstungen diese Eigenschaft vermindern, aber eine mangelhaft durchgeführte chemische Behandlung kann Folgen haben: Bei Hitze können die Stoffe vorzeitig vergilben oder sie büßen ihre Reißfestigkeit ein. Baumwollgewebe mit unbekanntem Ursprung sollten daher vor ihrem Einsatz in der Wäscherei auf Herz und Nieren geprüft werden.

Eine weitere wichtige Komponente bei leasingfähiger Berufs- und Schutzbekleidung stellen die Näh- und Stickgarne dar. Sie müssen eine lange Liste von Prüfungen durchlaufen, die denen der Stoffe ähnelt. Denn auch Garne müssen den Wasch-, Trocken- und Desinfektionsprozessen der Industriewäsche trotzen, sie dürfen nicht einlaufen oder ihre Farbigkeit verändern oder gar verlieren. Aus diesem Grund setzt Amann aus Bönnigheim bei der Herstellung von Nähgarnen für das Textilleasing in erster Linie Polyesterfasern ein. Dabei werden in der Regel Umspinnzwirne aus reinem Polyester oder auch Polyester-Baumwoll-Mischungen hergestellt. Diese so genannten Kern-Mantel-Fäden zeichnen sich nach Unternehmensangaben durch eine gute Vernähbarkeit und ihre universelle Einsetzbarkeit aus. Allerdings wird die Haltbarkeit der Nähte auch durch die Verarbeitung, also die richtige Maschineneinstellung, die Stichtypen, die Nahtart und die Stickdichte beeinflusst.

Und natürlich können auch die äußeren Bedingungen einer Naht den Garaus machen. Coats aus Bräunlingen hat daher für Schweißer- und Hitzeschutzbekleidung ein schwer entflammbares Nähgarn entwickelt. Es entspricht EN 469 „Schutzkleidung für die Feuerwehr“, EN 470 „Schutzkleidung für Schweißen und verwandte Verfahren“ und EN 531 „Schutzkleidung für Hitzeexponierte Arbeiter“. Dank der dauerhaften Wirkung sind die Nahtstellen bei der Einwirkung von Flammen geschützt, so dass ein vorzeitiges Lösen der Nahtverbindung verhindert wird. Besondere Anforderungen werden auch an die Stickgarne gestellt. Neben ihrer Leasingtauglichkeit müssen sie vor allem äußerst scheuerbeständig sein, denn die leicht erhabenen Stickmotive werden sowohl beim Tragen als auch bei der Pflege der Bekleidung durch Reibung zum Teil stark beansprucht. Madeira mit Sitz in Freiburg empfiehlt daher auch zum Sticken auf allen Arten von Berufsbekleidung Garne aus reinem Polyester. Sie halten Industriewäsche bis zu 95 °C, Chlor- und Bleichverfahren sowie mechanische Behandlungen problemlos aus. Außerdem bieten die synthetischen Fasern den Vorteil einer vielfarbigen Farbpalette. Diese wird vor dem Hintergrund der Individualisierung, also der Aufbringung von Firmenlogos und Mitarbeiteremblemen in kundeneigenen Farben, immer wichtiger.

Auch Speziallösungen, wie z.B. sehr dünne Stickgarne, mit denen Details und kleine Schriften bis zu einer Höhe von 3 mm dargestellt werden können, werden immer wichtiger. Dazu gehören auch Stickgarne in Gold- und Silbertönen, wie sie in der Gastronomie verlangt werden sowie Stickgarne mit schwer entflammbaren Eigenschaften, wie der Geschäftsführer von Männel Textile Abzeichen aus Kraichtal, Friedrich Männel, feststellt. Außerdem beobachtet er eine zunehmende Zahl von Hemden, Polo-, T- und Sweatshirts im Mietservice. Aufgrund der Elastizität und Feinheit der Stoffe bedeuten sie hinsichtlich der Auswahl der einzusetzenden Materialien, aber auch Technologien, eine neue Herausforderung für die Kennzeichnung von industriell waschbarer Berufsbekleidung.

Damit wird deutlich, dass sich der textile Mietservice in einem stetigen Änderungsprozess befindet. Berufsbekleidung wird individueller und modischer. Das hat Auswirkungen auf die Zulieferer der Branche. Einerseits müssen sie kleinere Metragen in Sonderfarben und -optiken anbieten können, andererseits müssen ihre Produkte innerhalb einer kurzen Zeit geliefert werden. Ähnliches gilt auch für die Hersteller von Schutzbekleidungsgeweben. Neben einer schnellen Verfügbarkeit der Textilien spielen vor allem Weiter- und Neuentwicklungen eine Rolle. Denn der Markt verlangt nach der Lösung „Alles-in-Einem“, also nach Multifunktionsgeweben, die möglichst viele Schutzklassen in sich vereinen. Da mag es tröstlich sein, dass die Modernität der Farbpalette eine untergeordnete Rolle spielt. Denn für eine kombinierte Schweißer-Hitze-Chemikalien-ESD-Warnkleidung sind zumindest in Deutschland nur zwei Farben zugelassen: Leuchtorange und Leuchtgelb.

Dipl.-Ing. Sabine Anton-Katzenbach