Mattenreparatur in Riga Die Matte als Visitenkarte

Seit drei Jahren bietet Matext Industries einen besonderen Service an: die Reparatur von Schmutzfangmatten. Mit der Idee fand man einen Weg, Geld zu sparen und zu gewinnen. Um sie zu verwirklichen, sammelte Inhaber Andy Feldmann über Jahre hinweg Erfahrungen mit Schmutzfangmatten.

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    Andy Feldmann mit einer Mustermatte vor einer Landkarte Nordamerikas.
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    Der neue Mattenrand wird vulkanisiert und in eine von mehreren Pressen gelegt.
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    Während der Mitarbeiter die Reparaturstelle aufbereitet, muss er eine Schutzmaske und -brille tragen und den Staub, der bei diesem Arbeitsgang entsteht, absaugen.

Die Matte als Visitenkarte

„Tränen des weinenden Baumes“ –das bedeutet Kautschuk in der peruanischen Indianersprache. Naturkautschuk wird aus Latex gewonnen, dem Milchsaft verschiedener tropischer Pflanzen. Um diesen Saft zu erhalten, wird die Rinde der Kautschukbäume angezapft. Vulkanisierter Naturkautschuk zeichnet sich durch besondere Elastizität, Zugfestigkeit und Kälteflexibilität aus und wird als „Wundermaterial“ bezeichnet, dessen Eigenschaften Forscher bislang nicht künstlich erzeugen konnten. Er findet seine Verwendung vor allem bei der Herstellung von Reifen, aber auch in anderen Gummiprodukten, wie z.B. Schmutzfangmatten.

Andy Feldmann, Geschäftsführer von Feldmann Cityclean in Würzburg und Gründer der Firma Matext Industries in Riga, Lettland, kennt die Geheimnisse des Kautschuks. Für seine Geschäftsidee – die Reparatur von Schmutzfangmatten – ist dieses Wissen unverzichtbar: „Ich bin Spezialist auf diesem Gebiet. Mein Leben lang habe ich nichts anderes gemacht. Daher kenne ich mich so gut aus und weiß, worauf es ankommt“, sagt Feldmann.

Seine Erfolgsgeschichte beginnt in Kanada. Nach dem zweiten Weltkrieg wanderten seine Eltern von Lettland nachKanada aus und dieses Land wurde für Andy Feldmann Heimat, Land der Geburt und Land der beruflichen Laufbahn. Nach einem BWL-Studium gründete er 1980 mit seinem Bruder eine Mattenwäscherei- und -vermietung, die heute noch besteht.

Nach dem Ende des Kalten Krieges Ende der 90er ging Andy Feldmann nach Deutschland, um hier ein Unternehmen ähnlich wie in Kanada aufzubauen und u.a. die Geschäfte auf Osteuropa zu erweitern. „Die Jahre nach der Wende waren genau richtig, um dort einen Mattenbetrieb aufzubauen. Große Anbieter gab es zu dieser Zeit noch nicht und diese Chance habe ich genutzt“, beschreibt Andy Feldmann seine ersten Jahre in Deutschland. Zusammen mit Partnern gründete er in Warschau und Riga jeweils eine Wäscherei speziell für Schmutzfangmatten.

Mit der Zeit reifte in ihm eine weitere Idee heran. „Möchte man mit der Vermietung von Matten Gewinn machen, müssen sie gut aussehen – sie dürfen keine Risse oder Löcher haben“, sagt der Geschäftsführer. Durch hohe Beanspruchung werde die Lebensdauer der Matten aber oft herabgesetzt. „Eine Matte, die eigentlich sechs Jahre lang halten sollte, ist manchmal nach zwei Jahren nicht mehr zu verwenden. Neuanschaffungen bringen Vermieter oftmals in finanzielle Bedrängnis“, sagt Feldmann. So gründete er 2003 die Firma Matext Industries in Riga, um dort Matten zu reparieren. Die Wahl fiel auf die lettische Hauptstadt, weil sich dort die größte der vormals gegründeten drei Wäschereien befindet. Der Name Matext stammt aus dem Englischen: „Mat“ bedeutet Matte und der Wortteil „ext“ steht für „extension“ (Verlängerung). So könnte man „Matext“ frei mit „Verlängerung eines Mattenlebens“ übersetzen.

Die nötigen Erfahrungen für die Reparatur und die Arbeit mit Kautschuk hatten er und seine Mitarbeiter in den vergangenen Jahren an den drei Standorten gesammelt. Dabei wurde auch deutlich, dass die Arbeitsbereiche Reparatur und Wäscherei voneinander getrennt werden mussten. Die Mitarbeiter sollten sich nur auf ein Gebiet konzentrieren, um sich dafür die Routine und das notwendige Fachwissen aneignen zu können.

Anfangs war die Reparatur nur für Matten aus dem eigenen Mietservice gedacht, doch schnell zeigte sich, dass die Nachfrage sehr groß war und Feldmann die Dienste auch im Ausland anbieten konnte. Sein Ziel ist es, Wäschereien die Möglichkeit zu geben, bei der Matteninstandhaltung Geld zu sparen.

Laut Feldmann ist eine Mattenreparatur zwar nicht einfacher, doch in den meisten Fällen günstiger als eine Neubeschaffung. Denn der Quadratmeterpreis für neue Matten ist oftmals sehr hoch. „Viele Kunden, die Matten verleihen, haben mit Sicherheit einen Berg an beschädigten Matten, mit denen sie nichts mehr anfangen können“, sagt er. „Wir haben eine gute Alternative zum Neukauf entwickelt.“ Neben der Reparatur können auf Kundenwunsch auch die Mattenformen – z.B. von eckig nach rund – verändert und RFID-Chips angebracht werden.

In Deutschland funktioniert das System folgendermaßen: Die Niederlassung Matext Industries in Würzburg ist die Sammelstelle für Schmutzfangmatten, die repariert werden sollen. Dieser Dienst wird für Wäschereien jeder Größenordnung angeboten. Bei kleineren Mengen senden die Wäschereien ihre Matten kostenpflichtig nach Würzburg. Von hier aus werden die Matten auf Kosten von Matext Industries von einer Spedition nach Riga gebracht. Größere Mattenmengen holt die Spedition kostenpflichtig beim Kunden und befördert sie direkt nach Riga.“

In Riga durchlaufen die Matten mehrere Stationen. Bei der Annahme wird ein Auftrag zusammengestellt und dem Kunden eine Auftragsbestätigung sowie ein Kostenvoranschlag für die Reparatur zugefaxt. Sobald die Auftragsbestätigung unterschrieben ist, werden die Matten repariert. „Für eine Reparatur muss man wissen, woher man den Rohkautschuk bekommt und mit welcher Mischung die jeweiligen Mattenhersteller arbeiten“, sagt Feldmann. Nur durch jahrelange Erfahrung und Experimente kenne er die Geheimnisse des Naturstoffes. Auch die Technik ist wichtig, um eine qualitative Reparatur durchführen zu können. So verfügt Matext Industries über Vulkanisiergeräte, mit denen der Kautschuk mit dem Stoff verschmolzen werden kann. „Haben die Matten Löcher, nehmen wir aus einer alten Matte, die aus dem gleichen Flor besteht und das gleiche Alter hat, ein Stück heraus, setzen es auf der Rückseite ein und vulkanisieren es“, erklärt Feldmann. Auf der Oberfläche ist von der Reparatur nichts zu sehen. Nur auf der Unterseite der Matte kann man erkennen, an welcher Stelle ausgebessert wurde. Die häufigsten Beschädigungen sind Risse am Rand sowie Risse des Gummirückens oder Brandlöcher am Flor. Sind mehr als zwei beschädigte Stellen auf einem Mattenrand, wird der gesamte Rand erneuert. Die zu reparierende Matte sollte aber nicht älter als zehn Jahre sein. Der Vorteil der Reparatur liegt neben dem Kostenfaktor auch in der Wiederverwertung, denn Kautschuk ist schwierig zu entsorgen. Dadurch, dass er mit Flor vulkanisiert wurde, muss er als Sondermüll auf bestimmte Verwertungsanlagen gebracht werden.

Die Reparaturzeit der Matten hängt von der Anzahl und dem Ausmaß der Beschädigung ab. Nach der Reparatur werden sie wieder nach Würzburg oder direkt zum Kunden geschickt. Es dauert vier bis sechs Wochen, bis die Ware wieder vor Ort bzw. beim Kunden ist. Möchte sich eine Wäscherei von der Qualität der Reparatur im Vorfeld überzeugen, kann sie Probestücke zur Reparatur schicken. Dann wird eine kostenfreie Testreparatur durchgeführt. Der Kunde trägt lediglich die Versandkosten. Zu Werbezwecken verschickt Matext Industries auch Mustermatten, auf denen interessierte Kunden Reparaturen begutachten können. Feldmann: „Diese Mustermatten sind so etwas wie unsere Visitenkarte.“Lisa Zeidler

Infos: www.matext.de.