Berufs- oder Schutzbekleidung ist in vielen Unternehmen ein Marketinginstrument. Als Bestandteil der Corporate Identity trägt sie selbstverständlich das Unternehmenslogo und weist außerdem den Namen des Mitarbeiters aus. Zur Kennzeichnung der Bekleidung stehen verschiedene Methoden zur Auswahl.
Die Wirkung von Faden und Folie
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Berufsbekleidung mit individuellen Motiven zu versehen, was in der Fachsprache als veredeln bezeichnet wird. Zu den gängigen Arten zählen das Besticken und das Bedrucken. Die Art der gewählten Veredelung hängt von verschiedenen Faktoren ab. Sie richtet sich beispielsweise nach dem Motiv und dem Material, dem Einsatzzweck und den Pflegebedingungen der Bekleidung.
Das Besticken ist eine häufig angewendete Form, die Logos und Namensembleme eines Unternehmens auf die Bekleidung zu übertragen. Sie kann direkt auf die Garderobe vorgenommen (Direkteinstickung) oder über ein Trägermaterial aufgebracht werden (Stickemblem). Die Direkteinstickung wirkt besonders edel. Sie ist daher vor allem für Berufe mit repräsentativem Charakter interessant, also für Gastronomie, Hotellerie, Cateringbranche und die Verkaufsbereiche im backenden Handwerk oder dem Lebensmittelhandel. Das Stickemblem hingegen spielt im Mietservice eine wichtige Rolle. Das auf ein Trägermaterial aufgestickte Logo kann mit wenigen Stichen auf der Berufsbekleidung befestigt werden und lässt sich ebenso einfach wieder abtrennen. Für eine Branche, die mit ständigen Veränderungen im Kundenbestand umgeht, ist eine solche Flexibilität ein Muss.
Die Stickerei erfreut sich aber auch aus anderen Gründen großer Beliebtheit. So eignet sie sich dazu, wenige Teile und sehr verschiedenartige Materialien mit derselben Verzierung zu bemustern. Außerdem ist sie von der Untergrundfarbe des Materials unabhängig. Das dichte Nebeneinanderlegen der Stickfäden deckt sogar einen schwarzen Untergrund hervorragend ab. Und diese Kompaktheit hat noch einen weiteren Vorteil. Sie macht die Musterung extrem haltbar und verleiht ihr bei einer professionellen Aufbringung eine sehr hohe Waschbeständigkeit. Doch das setzt die richtige Auswahl der eingesetzten Stickgarne voraus. Sie sollten in jedem Fall kochwaschbeständig, chlor- und bleichecht sein. Diese Eigenschaften erfüllen in der Regel nur Polyesterstickgarne. Allerdings haben sie einen hohen Glanz, der zu einem hohen Kontrast gegenüber der matten Oberfläche eines Textils führt. Diese Wirkung ist nicht immer gewünscht. Daher hat der unter dem Markennamen Madeira bekannte Garnhersteller Rudolf Schmidt aus Freiburg ein mattes Stickgarnsortiment entwickelt. Die bunte Palette bietet allerdings auch neue Kombinationsmöglichkeiten. Durch die Verarbeitung von matten und glänzenden Garnqualitäten kann die Wirkung eines Logos noch verstärkt werden.
Das gestickte Logo hat auch bei der Kennzeichnung von Schutzbekleidung die Nase vorn. Bei Schweißer- und Hitzeschutzbekleidung verändern sie – im Gegensatz zu Drucken – die schützenden Eigenschaften der Textilien nicht. Voraussetzung ist allerdings die Verwendung eines flammhemmenden Stickgarns. Gunold aus Stockstadt hat mit Polyfire ein entsprechendes Garn aus schwer entflammbarem Polyester entwickelt. Es erfüllt die Norm EN ISO 15025 und ist nach Unternehmensangaben sogar für Feuerwehrbekleidung geeignet. Das kochwaschbeständige, chlorechte Spezialstickgarn wird in 27 gängigen Farben angeboten.
Die Stickerei ist zwar eine schöne und gleichzeitig praktische Form der Veredelung, allerdings stößt vor allem die Direkteinstickung mitunter an ihre Grenzen. So ist sie beispielsweise nicht für die Kennzeichnung leichter Materialien geeignet. Daher werden Logos bei Hemden und Blusen oftmals in den Kragenbereich oder auf die Brusttasche aufgebracht, da die Stichhäufigkeit der Nadel in diesen Bereichen nicht zur Lochbildung führt. Auch Maschenwaren eignen sich nicht unbedingt für die Direkteinstickung. Die Kompaktheit einer Stickerei verändert den weichen Fall der Shirts. Dann spielen auch Stickembleme keine Rolle mehr, denn auch sie tragen zu stark auf. Soll ein Motiv jedoch glatt und eben sein, lässt sich diese Forderung nur durch einen Druck realisieren. Um die in der Industriewäsche geforderten hohen Wasch- und Trockenhitzefixierechtheiten erzielen zu können, werden vornehmlich Foliensysteme eingesetzt, die mit passenden Farbsystemen bedruckt und anschließend durch Hitze und Druck auf das Textil übertragen werden. Für Berufsbekleidung wird der Transferdruck dann angewendet, wenn ein zeitnahes Bedrucken kleinster Mengen notwendig ist. Außerdem lässt er fast jedes Motiv, selbst Fotodrucke, im Vierfarbrasterdruck wahr werden. Und da nach den Erfahrungen von Polytex Industrietextilien aus Bietigheim die Wünsche der Unternehmen nach besonderen Firmenlogos auf ihrer Bekleidung zunehmen, gewinnen die Transferlogos zunehmend an Bedeutung. Farbverläufe, dreidimensionale Optiken oder die Kombination von Firmenlogo und Mitarbeiternamen können relativ einfach im Druckverfahren auf ein und dasselbe Emblem aufgebracht werden. Vorteilhaft ist auch die Dimension der Transferembleme: Die Folien sind dünn und sehr flexibel, so dass sie auch auf Maschenwaren wie T-Shirts oder Polohemden appliziert werden können. Die Folien haben eine hohe Deckkraft, so dass auch dunkle Gewebe mit fast jedem Bild versehen werden können. Je nach Trägerfolie und Druckfarben besitzen die Drucke eine hohe Lichtechtheit. Allerdings haben die Transfers einen kleinen Haken: Sie benötigen eine Abkühlzeit, bevor Textil und Trägerfolie voneinander getrennt werden können. Polytex hat daher ein Foliensystem entwickelt, das bereits in heißem Zustand abgezogen werden kann.
Bei den Transfersystemen spielen die Trägerfolien eine wichtige Rolle. Deren Waschbeständigkeit ist mitunter verbesserungsbedürftig. Daher schützen einige Hersteller die Polyesterthermoplastfolie mit einer zusätzlichen Schicht, die das Vergilben bei hohen Trockentemperaturen verhindert. Sie wird nachträglich appliziert. Doch diese Methode ist nur auf einfache Formen von Emblemen und Logos beschränkt.
Ein Nachteil der Transfers ist ihre dauerhafte Aufbringung. Leasingfirmen entscheiden sich daher meist gegen diese Art der Veredelung. Dazu kommt, dass viele Transferembleme in der Regel nicht für Hitze- und Schweißerschutzbekleidung geeignet sind. Bislang sind außerdem Transfers in reflektierender Ausführung eher eine Seltenheit. Diese Lücken hat Polytex inzwischen geschlossen. Das Unternehmen bietet auf Wunsch auch reflektierende Embleme mit einer der ISO 11611 entsprechenden, flammhemmenden Ausrüstung an. Außerdem hat das Unternehmen eine Lösung zum Abtrennen der fixierten Embleme entwickelt.
Dipl.-Ing. Sabine Anton-Katzenbach