Klimaregulierende Bettwaren Doch richtig nett ist’s erst im Bett

Wie haben Sie heute geschlafen? Nicht so gut? Vielleicht lag es an Ihrer Zudecke. Denn die Eigenschaften von Decken und Kissen haben einen großen Einfluss auf die Schlafqualität, wie zwei ­Experten des Bettwarenherstellers Gebrüder Sanders im Interview erläutern.

Im Altenheim sind die Räume oft warm. ClimaBalance-Bettdecken mit netzgitterartigen Klimazonen leiten überschüssige Wärme und Nachtschweiß einer Betthöhle ab. - © Gebr. Sanders

Einem alten Sprichwort zufolge ist Schlaf die beste Medizin. Im Schlaf findet die Regeneration des Körpers statt, die wiederum die Grundlage für das Wohlbefinden am nächsten Tag ist. Eine Auswertung weltweiter Studien hat außerdem gezeigt, dass guter Schlaf dazu beiträgt, die Immunabwehr zu stärken. Eine ungestörte Nachtruhe ist daher für alle Menschen wichtig. Für kranke und für ältere Menschen ist sie sogar unabdingbar.

In Hospitälern und in der Altenpflege übernehmen die so genannten Schlafhilfsmittel, also Zudecken und Kissen, eine wichtige Funktion. Sie müssen für eine ideale Temperatur in der Betthöhle sorgen und dabei den Feuchtigkeitsgehalt, der durch nächtliches Schwitzen entsteht, gering halten. Mit einer einzigartigen Konstruktion hat der in Bramsche ansässige Bettwarenhersteller Gebrüder Sanders das Schlafen optimiert. Das Unternehmen hat vor zehn Jahren die ClimaBalance-Zudecke und später passende Kissen vorgestellt, die eine besondere Klimaregulierung aufweisen. Die Bettwaren mit den eingebauten Klimazonen sind inzwischen auch für Objektkunden erhältlich. Aus dem Unternehmen kommen zudem weitere innovative Lösungen, wie Dr. Günter Schulz, Entwicklungsleiter des Unternehmens und Erfinder der ClimaBalance-Decken, und der Verkaufsleiter Objekt, Christoph Albacht, im Gespräch mit der Redaktion erläutern.

RWTextilservice: Herr Dr. Schulz, was ist das Besondere an der ClimaBalance-Zudecke?

Dr. Günter Schulz, Entwicklungsleiter beim Bettwarenhersteller Gebrüder Sanders. - © Gebr. Sanders

Dr. Günter Schulz: In die Bettdecke sind spezielle Klimazonen eingebaut. Sie stellen Luftschichten dar und sind mit Netzgittern abgedeckt. Deren offene Struktur leitet im Vergleich zu herkömmlichen, geschlossenen Decken das Drei- bis Vierfache der in der Schlafhöhle entstehenden Feuchtigkeit ab. Das macht sie in puncto nächtlicher Klimaregulation hochleistungsfähig. Ihre Funktion ist an verschiedenen Forschungsinstituten und Schlaflaboren mit überragendem Erfolg getestet worden. Der Schlaf hat sich in allen Parametern deutlich verbessert und die Leistungsfähigkeit war am kommenden Tag gesteigert.

RWT: Welche Parameter sind für einen guten und gesunden Schlaf außerdem wichtig?

Schulz: Kissen und Bettdecken haben im Gesamtsystem „Bett“ den entscheidenden Einfluss auf einen gesunden und wohltuenden Schlaf. Kissen müssen den Kopf- bzw. den Halsbereich über Nacht stützen, um Verspannungen zu vermeiden. Weil aber die Schlafgewohnheiten der Menschen sehr unterschiedlich sind, gibt es entsprechend angepasste Kissenformen, deren Größe, Füllmenge oder Konstruktion variieren. Außerdem sollte man während der Nacht nicht zu stark auf dem Kissen schwitzen; es ist also auch hier ein gutes Feuchtemanagement gefragt.

RWT: Welche Aufgabe haben speziell Bettdecken in Bezug auf den Schlaf, Herr Albacht?

Christoph Albacht, Verkaufsleiter Objekt bei Gebrüder Sanders. - © Gebr. Sanders

Christoph Albacht: Die Bettdecke stellt die Nacht über eine gute Klimaregulierung für den Körper sicher. Dazu müssen die während des Schlafs abgegebene Feuchtigkeit und die überschüssige Wärme abgeleitet werden, damit die Betthöhle nicht klamm und kalt wird. Im Altenheim ist diese Funktion besonders wichtig, da die Räume oft auf relativ hohe Temperaturen geheizt sind. Die Isolationswirkung der Bettdecke sollte daher unbedingt dem Raumklima angepasst sein und nicht zu dick gewählt werden. Je besser das Wärmeisolationsverhalten der Zudecke an die Umgebungsbedingungen angepasst ist, desto weniger schwitzen die Heimbewohner im Schlaf. Gleiches gilt selbstverständlich auch für die Bettdecken im Krankenzimmer.

RWT: Kommen in der Altenpflege oder dem Gesundheitswesen weitere Anforderungen an Bettdecken hinzu?

Schulz: Eine Bettdecke soll die sogenannte Schlafarchitektur, die sich in Form verschiedener Schlafphasen abbildet, nicht stören. Außerdem sollte die Zudecke leicht sein und gleichzeitig die geforderte Wärmeisolierung erfüllen. Des Weiteren ist eine gute Anschmiegsamkeit gefragt, d.h., die Decke muss den Körper umschließen und darf nicht einfach wie ein Brett obenauf liegen.

Albacht: In der Altenpflege und im Gesundheitswesen ist auch der Allergieaspekt zu berücksichtigen. Wir haben daher ein umfangreiches Sortiment an Matratzen-, Zudecken- und Kissenbezügen aus Evolon entwickelt. Das industriell waschbare Mikrofasermaterial hält nachweislich Allergene, darunter auch die der Hausstaubmilben, hervorragend zurück.

RWT: Die im Krankenhaus und der Altenpflege eingesetzten Bettdecken und Kissen sind aus Gründen einer desinfizierenden Pflege mit Polyesterfaserbällchen oder rhombisch geschnittenen Luftzellenstäbchen gefüllt. Mit welchen Füllmaterialien arbeitet Ihr Haus, um die Anforderungen der Branche zu erfüllen?

Albacht: In den Bettwaren benutzen wir als Füllung meistens Polyesterfasern sowie Federn und Daunen. In der Polyesterfaserausführung liegen die Füllgewichte der Bettdecken in der Standardgröße 135/200 cm zwischen 1.100 und 1.300 g, bei Kissen der Größe 80/80 cm liegt die Masse der Polyesterfaserkugeln bei etwa 800 g. Die Produkte sind außerdem auf die Hygiene- und Waschanforderungen der gewerblichen Wäschepflege abgestimmt. Unsere Objektdecken und -kissen bestehen etwa 50 Waschzyklen bei 90 °C und können auch einer chemischen Reinigung unterzogen werden. Denkbar ist auch ein längerer Einsatz, obwohl die Lebensdauer der Zudecken und Kissen ganz entscheidend von der Häufigkeit der Wäsche abhängt. Trotzdem sollten sie mehrere Jahre halten. Für die Lebensdauer ist auch die Lagerung wichtig. Die Decken müssen auf jeden Fall trocken und belüftet aufbewahrt werden.

RWT: Gibt es bei Ihren Bettdecken Sommer- und Winterlösungen? Worin besteht der Unterschied?

Schulz: Es gibt natürlich angepasste Isolationswerte für die Decken und daher auch Sommer-, Medium- und Winterprodukte. Der Hauptunterschied besteht in dem Füllgewicht der Produkte, d.h., eine Sommerdecke muss nur gering gefüllt sein, eine Mediumdecke liegt im mittleren Gewichtsbereich und eine Winterdecke ist dicker gefüllt. Um ein für alle Jahreszeiten optimales Schlafhöhlenklima garantieren zu können, haben wir bei den ClimaBalance-Zudecken außerdem die Größe der Klimazonen angepasst.

RWT: Führen Sie auch Bettwaren für „kleine“ Patienten im Programm?

Albacht: Unser Produktsortiment umfasst nicht nur die Standard-, sondern auch Sondergrößen. Dazu gehören beispielsweise spezielle Größen für Kinder bzw. besonders große Menschen.

RWT: Zum Gesamtsystem „Bett“ gehört auch die Matratze. Und auch sie wird durch die Qualität der Bettdecke beeinflusst. Immerhin verliert ein gesunder Mensch in der Nacht bis zu 2 l Feuchtigkeit, bei kranken Menschen kann die Menge sogar noch höher sein. Wird der Wasserdampf nicht durch die Bettdecke abgeführt, leidet die Matratze. Encasings als Hilfsmittel schützen zwar die Matratze, nicht aber den Schläfer vor zu viel Feuchtigkeit. Wozu rät der Bettwarenhersteller?

ClimaBalance-Matratzenauflagen regulieren das Klima zwischen Matratze und Körper, wirken druckentlastend und dienen der Dekubitusprophylaxe. - © Gebr. Sanders

Schulz: ClimaBalance-Matratzenauflagen sind eine ideale Ergänzung, um das Klima zwischen Matratze und Körper zu regulieren. Sie bestehen aus einem Abstandsgewirk, das im Verhältnis zum Gesamtvolumen 95 Prozent Luft enthält und dadurch eine dementsprechend gute Isolierung bietet. Zusätzlich sorgen sie für eine Druckentlastung, die auch der Dekubitusprophylaxe dient. Die Auflage wurde diesbezüglich umfangreich getestet und als Hilfsmittel für die Dekubitusprophylaxe empfohlen. Die Kombination aus ClimaBalance-Decke und -Matratzenauflage stellt besonders bei krankheitsbedingtem starkem Schwitzen eine revolutionierende Neuheit dar, weil sie einen angenehmen Schlaf und ein angenehmes Liegen während des Tages ermöglicht.

RWT: Die weltweit patentierte ClimaBalance-Technologie ist nun zehn Jahre auf dem Markt. Gibt es aus Ihrem Haus inzwischen etwas Neues?

Schulz: Für die Bereiche Gesundheitswesen und Altenpflege haben wir mit der Multizonendecke gerade eine innovative Produktneuheit auf den Markt gebracht. Sie reagiert sozusagen auf die verschiedenen Wärmeabgabezonen des Körpers. Im schnell auskühlenden Kopf- bzw. Hals- und im Fußbereich bietet sie eine höhere Wärmeisolation als im mittleren Bereich, wo der deutlich wärmere Torso des Körpers liegt. Aufgrund ihrer besonderen Konfektion schmiegt sich die Bettdecke außerdem der Anatomie des Körpers an, wodurch Wärmeverluste vermieden werden. Zu dieser Decke gibt es ein Multiformkissen, das sich sehr gut den individuellen Schlafgewohnheiten anpassen lässt.

RWT: Schlafhilfsmittel aus Ihrem Haus sind innovativ und qualitativ hochwertig. Das hat seinen Preis. Können sich Altenheime, Krankenhäuser und textile Dienstleister Ihre Produkte leisten?

Albacht: Der größte Nutzen unserer Bettwaren liegt in ihrer hohen Funktionalität, die den Pflegebedürftigen zugutekommt. Sie tragen dem Schlafverhalten älterer und kranker Menschen Rechnung und sorgen für das richtige Klima, das eine erholsame Nachtruhe garantiert. Als Produzent haben wir aber selbstverständlich auch die Möglichkeit, die finanziellen Gegebenheiten der Branche zu berücksichtigen. Durch verschiedene Füllmaterialien und Füllgewichte sowie Qualitäten können wir auf die Situationen von Heimen und Hospitälern individuell eingehen. Um zusätzlich die Anforderungen der gewerblichen Pflege gerecht zu werden, verwenden wir waschbeständige und robuste, gebrauchstaugliche Einsatzmaterialien. Dadurch kommen auch Textilservicebetriebe und Wäschereien auf ihre Kosten.