Vor gut fünf Jahren eröffnete das Lebenshilfe-Werk Weimar/Apolda eine kleine, aber feine Wäscherei. Mittlerweile hat sich erwiesen, dass auch in einer Werkstatt für behinderte Menschen wirtschaftlich produziert werden kann – wenn die Technik auf das Produktionsvolumen und die Arbeitsbedingungen abgestimmt ist.
Effizienter Maschinenpark
Helle und blitzsaubere Produktionsräume. Fröhliche Stimmung in der Wäscherei der Lebenshilfe-Werk Weimar/Apolda e. V. An den Maschinen arbeiten 18 körperlich, geistig oder seelisch behinderte Menschen und drei Betreuer. Die jungen Leute sind stolz, dass sie Verantwortung tragen. Zwei Beschäftigte entleeren gerade einen Wäschetrockner. An der Mangel ist Teamwork angesagt. Am Bügeltisch plättet eine junge Frau akkurat die Kittel für eine Arztpraxis. Die Wäscherei im Apoldaer Gewerbegebiet wurde vor gut fünf Jahren eröffnet. „Vorher hatte die Lebenshilfe in Saalborn bei Apolda eine kleinere Wäscherei betrieben, in der überwiegend Wäsche für Privathaushalte gewaschen wurde“, berichtet Stephan Meinhard. Er ist seit 2005 als Wäscherei- und Gruppenleiter dafür verantwortlich, dass die Produktion wie am Schnürchen läuft, die Qualität stimmt und die Kundschaft pünktlich beliefert wird.
Eigentlich kein Problem: „Unser Team weiß, worauf es ankommt. Und weil die Technik vom Feinsten ist, kann kaum noch etwas schiefgehen“, so der Wäschereileiter. Bereits 1994 hatte die Lebenshilfe beschlossen, in der Thüringer Glockengießerstadt eine neue Niederlassung mit verschiedenen Werkstätten, einer Wäscherei und Sozialräumen zu bauen. „Ursprünglich sollte nur für Privathaushalte gewaschen werden“, erinnert sich Meinhard.
Als sich aus der Idee allmählich ein konkretes Projekt entwickelte und die Lebenshilfe Fördermittel beantragen wollte, bestand der technische Berater der Arbeitsagentur aber darauf, dass eine Hygienewäscherei eingerichtet werden sollte. „Heute sind wir froh, dass die Behörde etwas Druck gemacht hat. Denn mittlerweile zählen auch Seniorenheime zu unseren Kunden.“
Nach der Grundsteinlegung wurde die technische Ausstattung der Wäscherei öffentlich ausgeschrieben. Den Zuschlag bekam die WGS – Wäschereimaschinen und Geräte Service GmbH aus der Thüringer Karnevalshochburg Wasungen. „In erster Linie wurden wir beauftragt, weil wir ein komplettes Angebot von der Montage der Maschinen über die Installation des Kessels und der entsprechenden Infrastruktur bis zur Montage der Trennwand und der Schleusen unterbreitet hatten“, unterstreicht Geschäftsführer Robby Hornbogen. Natürlich sei für den Auftraggeber aber auch die Angebotssumme interessant gewesen. „Wir sind konsequent im Budget geblieben“, so der gebürtige Apoldaer. Der gelernte Maschinenbaumeister und Kaufmann hat vor zwölf Jahren sein Unternehmen gegründet. Seitdem bietet er Kunden in ganz Deutschland maßgeschneiderte Komplettpakete an: „Wir übernehmen die Planung von Wäschereien aller Größenordnungen, liefern Maschinen verschiedener Hersteller und montieren sie“, erläutert Hornbogen. Die Maschinen werden außerdem regelmäßig nach UVV überprüft, gewartet und gegebenenfalls repariert.
Im Neubau der Lebenshilfe war für die Wäscherei eine Produktionsfläche von 250 m2 vorgesehen. Die technischen Kapazitäten sollten nicht nur die Wäschepflege für den Eigenbedarf gewährleisten. Es galt auch, genug Reserven für die Bedienung von Neukunden einzuplanen. „Wir haben das Produktionsvolumen zunächst auf 300 kg Wäsche täglich ausgerichtet, können es aber bei Bedarf auf 500 kg erweitern“, sagt Wäschereileiter Stephan Meinhard. Schließlich war noch zu berücksichtigen, dass die Produktivität der Beschäftigten nur bei etwa 60 Prozent der durchschnittlichen Leistungsfähigkeit in gewerblichen Betrieben liegt.
Zwei Drittel der Produktionsfläche wurden für den Reinbereich vorgesehen. Die Trennwand zum unreinen Bereich stellte die Firma Versbach Metallbau Thüringen GmbH aus Walldorf/Werra her, mit der Robby Hornbogen bereits seit vielen Jahren eng zusammenarbeitet. Die Schleusen für Personen und Wäschecontainer wurden im eigenen Betrieb der WGS GmbH gefertigt. „In die Trennwand installierten wir zwei Hygiene-Durchlademaschinen von Pharmagg-Kannegiesser mit einem Fassungsvermögen von 25 und 40 kg“, berichtet der Unternehmer.
Sollte irgendwann das Auftragsvolumen eine Kapazitätserweiterung rechtfertigen, kann ohne viel Aufwand entweder eine Maschine gegen eine größere ausgetauscht oder aber eine dritte Maschine installiert werden. Für kleine Posten Haushaltswäsche stehen noch vier elektrisch beheizbare Miele-Waschschleudermaschinen mit unterschiedlichem Fassungsvermögen aus der alten Wäscherei zur Verfügung. Vor dem Waschen werden die Textilien in Mangel-, Finish- und Trockenwäsche getrennt. Robby Hornbogen: „Die Aufstellung der Maschinen gewährleistet kurze Wege und somit effizientes Arbeiten.“ Deshalb stehen die Trockner im Reinbereich nur wenige Schritte von den Waschschleudermaschinen entfernt. Zwei elektrisch beheizbare Miele-Trockner für 10 und 14 kg Wäsche wurden aus der alten Wäscherei in Saalborn übernommen. Neu ist ein mit Dampf beheizbarer Passat-Trockner Typ KT 144 für 20 kg. Es war noch genug Platz für zwei weitere Trockner, die mittlerweile schon aufgestellt wurden. Zusätzlich hat Hornbogen bei der Planung die Möglichkeit berücksichtigt, die Trockner bei Bedarf mit einer gedämmten Trockenbauwand „einzuhausen“, um das Raum- und Arbeitsklima zu verbessern.
Im Zentrum des Produktionsraums steht eine Muldenmangel vom Typ SETRA 800-1-2700 der Firma Kannegiesser. Weil in der Wäscherei aus pädagogischen Gründen Handarbeit großgeschrieben wird, verzichtet man auf eine Faltmaschine. Das Finishing bekam einen „Platz an der Sonne“. Unmittelbar an der Fensterfront stehen eine Universal-Bügelpresse Fintec Uni 20, ein Formfinisher Veit 8308 sowie zwei Kombibügelplätze von Veit.
Die Waschschleudermaschinen werden über ein SPS-System gesteuert: „Sämtliche Parameter für alle Wasch- und Nassreinigungsverfahren sind frei programmierbar. Wasser und Chemie werden gewichtsabhängig dosiert“, erläutert Robby Hornbogen. Für die Versorgung mit Waschchemie installierte seine Firma eine automatische Dosieranlage von Ecolab.
Gemessen am Produktionsvolumen der Wäscherei ist der Dampfbetrieb die wirtschaftlichste Lösung. Robby Hornbogen: „Wir lieferten und installierten einen Schnelldampferzeuger von Loos International. Diesen Typ setzen wir in vielen Behindertenwerkstätten ein, weil er mit einer automatischen Anfahr- und Abfahreinrichtung ausgestattet wird und ohne spezielle Kenntnisse über einen Hauptschalter zu bedienen ist.“ Die Maschine hat noch ein weiteres Plus. „Bei einer Dampfmenge bis 600 kg pro Stunde ist kein separates Kesselhaus erforderlich“.
Für die Qualitätsverbesserung des Leitungswassers mit einer Wasserhärte von 22 bis 25 dH sorgt eine Wasseraufbereitungsanlage mit großer Doppelenthärtungsvorrichtung für die Waschschleudermaschinen sowie eine kleine nachgeschaltete Enthärtungsanlage für den Kessel. Dank der Partnerschaft mit dem Apoldaer Heizungs- und Lüftungsbau-Betrieb Richard Knothe hat Hornbogen auch die Installation der Leitungen anbieten können.
Natürlich hatte er bei der Projektplanung auch über die Themen „Wärme- und Wasserrückgewinnung“ nachgedacht. „Weil in der Regel kleine Mengen mit unterschiedlichen Flotten gewaschen werden, wäre eine Wasserrückgewinnung kaum wirtschaftlich“, räumt der Unternehmer ein. Zum Standard der neuen Trockner gehört allerdings eine integrierte Abwärmerückgewinnungsanlage, die den Energieaufwand senkt.
Stephan Meinhard zieht nach fünf Jahren zufrieden Bilanz: „Der technische Betrieb ist störungsfrei und unsere Auftragsdecke von Kunden in einem Radius von 30 km ist gewachsen.“ Nur 25 Prozent des Produktionsvolumens sind noch Wäsche für den Eigenbedarf der Lebenshilfe.Reinhard Wylegalla