Offizielle Vorstellung der neuen Industriemaschine Ein enormes Stück Technik

Die neue Industriemaschine stand bei der Hausmesse von Böwe Textile Cleaning, Augsburg, im Fokus der Fachbesucher. Faszination ging aus von der neu entwickelten Maschine – und das nicht nur wegen der Ausmaße der Anlage. Die technischen Lösungen machten die Besichtigung zum Erlebnis.

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    1Die Industriemaschine in voller Ausdehnung: die Tankgruppe (ganz links), dahinter die Destillationseinheit, in der Mitte das Maschinenmodul mit der Verrohrung des Luftkanals, rechts die Trocknungseinheit. 2In Beladeposition: Das Maschinenmodul kann hierzu um 70 Grad nach oben geschwenkt werden. 3Der russischen Besuchergruppe schmecken die bayerisch-schwäbischen Schmankerl, die es auf der Hausmesse gab.
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    In Beladeposition: Das Maschinenmodul kann hierzu um 70 Grad nach oben geschwenkt werden.
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    Den Mitgliedern der russischen Besuchergruppe schmecken die bayerisch-schwäbische Schmankerl, die es auf der Hausmesse gab.

Ein enormes Stück Technik

Der eigentlichen Hausmesse für die Fachbesucher vom 26. bis 28. Juni hatte der Hersteller einen Pressetermin am 25. Juni vorgeschaltet, zu dem die internationale und deutsche Fachpresse eingeladen war. Geschäftsführer Heiner Rademacher umriss eröffnend das Thema Markt der Industriereinigung und technische Innovationsmöglichkeiten für diesen Bereich. Böwe sei davon überzeugt, dass es weltweit nach wie vor einen Markt für Textilreinigungsmaschinen im industriellen Maßstab – und damit für die neue Induline – gibt. Der Hersteller habe jahrzehntelang eine starke Position in diesem Feld, in dem Beladegrößen zwischen 50 und 150 Kilogramm vertreten sind, eingenommen. Stichwortartig umriss der Geschäftsführer die angestammten und möglicherweise neuen Marktsegmente, in denen Induline Einsatzmöglichkeiten finden kann. Da sind zum einen die klassischen Anwendungen bei Arbeitsbekleidung, Putztüchern, Leder- und Schutzhandschuhen, beim Entfetten von Fellen und Leder, bei Ausrüstungen sowie beim Walken von Wolle. Denkbar wäre der Einsatz auch bei weißer Arbeitskleidung und bei hohem Anfall von Normalgarderobe z.B. in Zentralbetrieben. Selbst im Hospitalbereich, wo große Mengen mit Silikonen oder Fetten verschmutzte OP-Textilien anfallen, sei die Industriemaschine am rechten Platz.

Besonders im Bereich Arbeitskleidung könne die Reinigung im organischen Lösemittel ihre ökologischen und auch ökonomischen Vorteile voll ausspielen, führte Rademacher weiter aus. So sei der Waschprozess bei stark mit Fett oder Öl verschmutzter Ware weniger wirksam und beanspruche die natürlichen Ressourcen in höherem Maße, als das bei der im geschlossenen Zyklus ablaufenden Reinigung der Fall sei, in der das Waschmedium zurückgewonnen werde und die anfallenden Schmutzmengen getrennt und kontrolliert entsorgt werden. Eine entscheidende Rolle spiele dabei selbstverständlich auch der hohe Kostenanteil für Abwässer. Die auf den ersten Blick ungewöhnliche Charakterisierung der Beladekapazität mit der Kilogrammspanne 100 bis 200 erklärte Rademacher mit den unterschiedlichen Einsatzzwecken der Maschine und den daraus resultierenden variablen Warenarten, die bearbeitet werden. Eine Ausweitung ihres Einsatzspektrums dürfte Induline der Tatsache verdanken, dass diese Industriemaschine entgegen bislang geübter Praxis außer mit dem Lösemittel Perchlorethylen auch mit KWL und anderen alternativen Lösemitteln betrieben werden kann. Man komme so Märkten in Ländern entgegen, in denen das Per entweder mit noch strengeren Restriktionen belegt oder sogar verboten sei.

Aufgrund realistischer Markteinschätzung werde der Hersteller voraussichtlich acht bis neun Maschinen per anno produzieren. Der bewährte Industriemaschinen-Typ SI 70 mit einer Beladefähigkeit von 63 Kilogramm werde allerdings weitergebaut.

Ausdrücklich betonte der Geschäftsführer, dass es sich bei der Induline um ein innovatives Produkt der Böwe-eigenen Entwicklungs- und Forschungsabteilung handelt und keineswegs um ein „Facelifting“ bestehender Technik. Damit erteilte er Reiner Wittendorfer, technischer Direktor und Prokurist von Böwe, das Wort, der sich mit dem Konstruktionskonzept der Maschine befasste. Grundsätzlich habe man bei ihr einen strikten modularen Aufbau realisiert. Getrennt voneinander seien das Maschinenmodul, die Trocknungseinheit, die Tankgruppe und das Destillationsmodul gruppiert, so dass der Betreiber je nach räumlichen Voraussetzungen ein hohes Maß an Flexibilität bei der Platzierung der einzelnen Module ausnutzen kann.

Als vorteilhaft erweise sich das Modulprinzip in bestimmten Verfahrensschritten, wie beispielsweise beim Schleudern. Werde mit der zulässigen Beladung von 200 Kilogramm mit den möglichen 500 Umdrehungen pro Minute geschleudert, ergäben sich naturgemäß Vibrationen, denen Bauteile wie die Trocknungseinheit nicht unbedingt ausgesetzt werden brauchten. Das Maschinenmodul sei mit hoher Eigenmasse ausgestattet, so dass die dynamischen Kräfte relativ gering ausfielen. Außerdem werde das komplette Modul gegenüber dem Boden über Federdämpfungssystem abgefangen, das die gesamte dynamische Belastung um etwa 85 Prozent reduziert. Das Maschinenmodul müsse nicht im Boden verankert werden. Neuartig wurden, so Wittendorfer, die Arbeitsschritte Be- und Entladen der Maschine gelöst. Die Inspiration stammt offensichtlich von großen Waschschleudermaschinen. Um hier das Be- und Entladen für das Personal zu erleichtern, werden diese in zwei Richtungen kippbar ausgeführt. Dieses Prinzip hat der Hersteller bei der Induline übernommen. Zum Beladen, beispielsweise per Förderband, Sack oder Container, kann die Trommel um bis zu 70 Grad mit der Öffnung nach oben gekippt werden. Dabei stellt die Beladetür kein Hindernis dar, denn sie wird zum Öffnen lediglich angehoben und seitlich verschwenkt. Zum Entladen lässt sich das Trommelgehäuse um bis zu 30 Grad in Gegenrichtung schwenken, damit beispielsweise ein Förderband mit der gereinigten Ware beladen werden kann. Die Be- und Entladefunktionen lassen sich in Bearbeitungsprozesse integrieren und mithin weitestgehend automatisieren.

Interessant gelöst wurde die Gestaltung der Tanks: Sie sind schmal und hoch gebaut, wobei die Tankdecke rund gestaltet ist, um Wasseransammlungen zu vermeiden. Die relativ starken Bodenschrägen und tiefe Tassen verhindern wirkungsvoll Ablagerungen. Der Reintank fasst 500 Liter, die beiden Arbeitstanks jeweils 800 Liter Lösemittel. Bei der Konstruktion der Trocknungseinheit griffen die Ingenieure auf Erkenntnisse und Entwicklungen zurück, die bereits unter der Bezeichnung „Superdry PDS“ in die Maschinentechnik der sechsten Generation eingebracht wurden. So wurden die Luftkanäle strömungsoptimiert mit großzügigen Querschnitten ausgelegt. Unmittelbar vor dem Kühlregister verhindert ein zweites Flusensieb eine Verschmutzung dieses empfindlichen Aggregats. Der Nadelfänger und Hauptflusenfilter befindet sich an der Trommeleinheit und lässt sich in Kippstellung der Trommel leicht warten. Unterhalb des Luftschachts befinden sich die Hubkolben-Kompressoren für die Kälteanlage. Auf Wasser als Kühlmittel wird komplett verzichtet. Die überschüssige Wärme wird über zwei großdimensionierte Wärmetauscher an die Atmosphäre abgegeben. Integraler Bestandteil der Trocknungseinheit ist auch die Aktivkohleanlage zur sicheren Entfernung von Lösemittelspuren aus der Trocknungsluft, wie sie beispielsweise durch die 2. BImSchV in Deutschland gefordert wird. Die beiden Aktivkohlebetten kommen wechselseitig zum Einsatz, d.h. während eines die Trocknungsluft reinigt, wird das andere desorbiert.

Die Destillationseinheit verfügt über ein hohes Leistungspotenzial. Zusammen mit der optionalen Seitenheizung können bis zu 1.200 Liter pro Stunde destilliert werden. Der Destillationsbehälter verfügt über zwei Wartungstüren, um eine korrekte Reinigung sicherzustellen. Optional können zwei Schleuderfilter installiert werden. Und ebenfalls optional ist eine Schlammdestillation mit Rührwerk, die die Lösemittelverbrauchsrate weiter senken hilft.

Wirtschaftlichkeit und Effizienz der neuen Maschine hob Dieter Ortner, Leiter der Verfahrenstechnik bei Böwe, hervor. So sei bei der Konstruktion bewusst die Minderung der Lärmemissionen ein wichtiges Thema gewesen. Und mit den Lösemittelemissionen bewege man sich mit der geschlossenen Verfahrenstechnik im Trocknungsprozess ohnehin im vom Gesetzgeber gesteckten engen Rahmen. Da zu Kühlzwecken kein Wasser eingesetzt werde, verdiene die Maschine auch bezüglich der Ressourcenschonung Bestnoten. Besonders wirtschaftlich vollziehe sich die Destillation, da über ein regelbares Dampfventil nur so weit aufgeheizt werde wie nötig. Ein Plus an Wirtschaftlichkeit ergebe sich durch automatisierte Wartung, die zu weniger Stillstandzeiten führe. Auch der durch automatiserte Be- und Entladung verringerte Personaleinsatz komme der Ökonomie zugute.

Die Steuerung führte Ortner in Realität von, als der Fachpresse die neue Industriemaschine in Betrieb präsentiert wurde. Die „Confotronic IL“ bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten zur individuellen Anpassung an unterschiedlichste industrielle Aufgaben. Dabei werden die Anforderungen hinsichtlich der Be- und Entladeautomation speziell berücksichtigt. Eine integrierte Fehlerdiagnostik und optionale Fernwartung vervollständigen die Steuerung zu einem modernen, kommunikationsfähigen System. Die dem Pressetermin am 25. Juni folgende Hausausstellung richtete sich an Betreiber von Reinigungen industrieller Dimension. Stark war auch das Ausland vertreten. Besucher kamen aus den USA, aus Großbritannien, Italien, Spanien, Frankreich und den Beneluxländern. Aus Russland kam eine Besuchergruppe, die sich laut Böwe von der hochentwickelten Reinigungstechnik des Augsburger Herstellers beeindruckt zeigte. Nicht zuletzt die Induline-Hausmesse hat gezeigt, dass Böwe auch im Sektor Industriereinigung auf innovative Lösungen setzt und hier die Position des Marktführers beansprucht. kpl