Fußballprofi, IT-Spezialist oder Textilreiniger - es gibt unzählige Berufe. Bei vielen weiß kaum jemand, was sich konkret dahinter verbirgt. Um das zu ändern und Jobsuchenden die Orientierung zu erleichtern, gibt es seit 2011 die Internetplattform "Whatchado", die auf neuartige Weise Arbeitgeber und potenzielle Mitarbeiter zusammenbringen möchte. Auch Unternehmen können davon profitieren.
Die Videobewerbung ist stark im Kommen. Nicht nur bei Jobsuchenden. In Zeiten des Fachkräftemangels müssen sich auch die Unternehmen Neues einfallen lassen, potenzielle Mitarbeiter von sich zu überzeugen. So wie die österreichische Bundesinnung der Textilreiniger für die Branche kürzlich in ihrem Imagefilm. Etwas Ähnliches macht das Wiener Startup Whatchado auf breiterer Basis.
Als Handbuch der Lebensgeschichten bezeichnet sich das Unternehmen selbst. Dabei ist die Internetseite www.whatchado.com Job-Börse, Berufsorientierung und Videoportal in einem. Videos, in denen Berufstätige von ihrem Werdegang erzählen, sollen noch Unentschlossenen Berufswege aufzeigen.
7 Fragen über das Leben
Die Idee dahinter: Jugendliche bei der Berufswahl zu unterstützen. "Whatchado ist die Brücke zwischen all jenen, die nicht wissen, welche Möglichkeiten und Perspektiven sie in ihrem Leben haben und denen, die bereits einen Weg eingeschlagen haben und diese Erfahrung und Informationen weitergeben möchten", beschreibt Mitbegründer Kambis Kohansal die Arbeit des Unternehmens. Mehr als 2.000 verschiedene sogenannter Stories wurden bereits produziert.
Dem Snowboard-Profi, der Straßenbahnfahrerin, dem Orthopäden oder Geschäftsführer und sogar dem österreichischer Bundespräsidenten stellen die Mitarbeiter von Whatchado in den Videos die gleichen sieben Fragen wie "Was ist das Coolste an deinem Job?“ oder "Wie sieht dein Werdegang aus?". Außerdem beantworten die Interviewten 14 weitere Fragen über ihre Interessen – dieselben 14 Fragen, auf die Besucher der Website beim Job-Dating antworten.
Anschließend sehen sie die Videos derer, die ähnliche Antworten gegeben haben. So finden Jobsuchende die Personen, die gleiche Neigungen und Interessen haben. "Auf diese Weise entdecken sie Berufe, Karrierewege aber auch Unternehmen, die ihnen bis dahin unbekannt waren", erläutert Kohansal.
Mehr als 40 verschiedene Berufe
Auf diese ungewöhnliche Idee kam Gründer Ali Mahlodji aufgrund seines eigenen Lebenslaufes. In 42 verschiedenen Berufe hat der Unternehmer bislang gearbeitet und fühlte sich nie ganz angekommen. Er war Bauarbeiter und Ticketabreißer, hat für Siemens und die Online-Agentur Super-Fi große IT-Projekte betreut. Irgendwann kam der Punkt, an dem er seinen Anzug ablegen und seinen eigenen Traum gemeinsam mit seinem Freund aus Kindertagen, Jubin Honarfar, erfüllen wollte, der heute Co-Founder ist. So gründeten die beiden 2011 ihr Unternehmen, das mittlerweile von vier auf mehr als 30 Mitarbeiter angewachsen ist.
Unternehmen können Mitarbeiter vorstellen
Ihre Plattform ist jedoch nicht nur etwas für Orientierungslose in der Berufswelt. Auch Unternehmen können als Businesspartner einen eigenen Channel auf der Seite buchen und dort die Interviews ihrer eigenen Angestellten einstellen, mit dem Ziel potenzielle Mitarbeiter zu überzeugen. Es werden Drehtermine vereinbart und das Storyteam fährt zum Unternehmen, um die Interviews zu produzieren und Stories einzufangen. Die moderne Art der Stellenanzeige also.
Das Team von Whatchado bezeichnet sein Modell als nachhaltiges Recruiting: "Man bringt Menschen und Unternehmen zusammen, die wirklich zueinander passen. Es ist nachgewiesen, dass aus einem authentischen Kennenlernen resultiert, dass Mitarbeiter von Anfang an ein besseres Bild vom Arbeitgeber bekommen und dadurch länger im Unternehmen bleiben", sagt Kohansal. Andererseits würden die Jobsuchenden auf Unternehmen aufmerksam, die vorher nicht in ihrer engeren Auswahl standen oder gar nicht interessant für sie waren.
Idee wurde ausgezeichnet
Ob und wie viele Arbeitgeber und Jobsuchende tatsächlich durch dieses System zusammenfinden, weiß Whatchado nicht. In Zeiten, in denen immer mehr Stellen immer länger unbesetzt bleiben, könnte es aber eine effektive Methode auf dem Arbeitsmarkt sein.
Derzeit arbeitet Whatchado an einer Internationalisierung der Website und möchte vor allem in Deutschland und der Schweiz noch größer werden. Für ihre Idee haben die Gründer bereits einige Auszeichnungen gewonnen, darunter den European Youth Award 2013 und den UN World Summit Award 2013.
Wer wissen möchte, wie die österreichische Bundesinnung das Branchenvideo umgesetzt hat, kann es sich auf Youtube ansehen.
