Nachfolge Allram/Steiner: Eine Größe geht, die andere kommt

Thomas Allram von der Putzerei Allram im niederösterreichischen Horn geht in Pension. Seine Cousine ­Gabriela Steiner führt den ­Betrieb weiter. Die Nachfolge war trotz – oder gerade wegen der Verwandtschaft der beiden Unternehmer nicht von Anfang an geplant. Eine Übernahme mit Herz und Feingefühl.

Bei der offiziellen Firmenübergabe (v. li.): David, Lukas und Heidi Allram, Gabriela Steiner, Thomas Allram sowie Bürgermeister ­Gerhard Lentschig, WKO-Bezirksstellenleiterin Horn Sabina Müller und Stadtrat Reinhard Litschauer.
Bei der offiziellen Firmenübergabe (v. li.): David, Lukas und Heidi Allram, Gabriela Steiner, Thomas Allram sowie Bürgermeister ­Gerhard Lentschig, WKO-Bezirksstellenleiterin Horn Sabina Müller und Stadtrat Reinhard Litschauer. - © Eduard Reinigner/NÖN

Das Telefon klingelt. Die Tür geht auf. "Ich bin ja so froh, dass der Laden weitergeführt wird", sagt eine Kundin. Sie steht am Tresen in der Textilreinigung Allram in Horn. ­Gabriel­a ­Steiner hat den Betrieb von ihrem Cousin Thomas Allram vor vier Wochen übernommen. Fest stand das lange nicht. Zumindest zunächst nicht. "Er wollte seinen Betrieb eigentlich nicht in der Familie weitergeben", sagt ­Gabriela Steiner. Eigentlich.

Chemischreinigung hat eine lange Tradition in der Familie Allram

Die Chemischreinigung hat in der ­Familie Allram eine lange Tradition. Den Grundstein legte die Großmutter. Marie Allram eröffnete 1954 mit ihrem Mann Adolf die Wäscherei und Putzerei Allram im niederösterreichischen Waldviertel. "Sie hat dann den Meister gemacht", sagt Steiner. Genauso wie damals ihr Ältester von drei Kindern, Sohn Heinz – der Vater von Thomas Allram.

Gabriela Steiner wuchs in der Putze­rei in Heidenreichstein auf, die ihre Großmutter einst gegründet hatte und die Steiners Mutter übernahm. Steiner konnte in dem Familienbetrieb schon früh jahrelange Erfahrung sammeln. Ähnlich wuchsen ihre Cousine und ihre Cousins auf.

Ihr Onkel Heinz Allram gründete 1965 selbst einen Betrieb, und zwar in Waidhofen an der Thaya. Den leitet heute seine jüngste Tochter und ebenfalls Textilreinigermeisterin Daniela Allram. Auch seine zwei Söhne traten in seine Fußstapfen. Sohn Thomas gründete gemeinsam mit seiner Frau Heidi den Betrieb in Horn – und führte ihn erfolgreich 41 Jahre lang.

Ich habe ein halbes Jahr mitgearbeitet und geschaut: Wie behandelt er die Kunden?

Gabriela Steiner

Nachfolge: Spontan entschieden, akribisch geplant

Dass ihr Cousin seinen Ruhestand plant, erfuhr Steiner tatsächlich erst über einen befreundeten Kollegen. Das war 2025.
Der Entschluss war gefallen, dennoch machten sie ihre Entscheidung nicht sofort publik. Sie hatten sich zwar kurzfristig für eine Übergabe entschieden, diese bereiteten die beiden Unternehmer dann allerdings akribisch vor.

Gabriela Steiner, Kleiderreinigung Steiner: "Das Gütezeichen bürgt für die Qualität der Aufbereitung von Textilien."
Gabriela Steiner möchte Kunden den gleichen Service bieten, den sie von Thomas Allram 41 Jahre lang gewöhnt waren. - © Peter Schmid/WKÖ

"Ich habe ein halbes Jahr mitgearbeitet und geschaut: Wie behandelt er die Kunden?" Damit Steiner denselben Service anbieten kann. Sie vergleicht das mit einem Besuch im Stammcafé. "Wenn dort ein neuer Kellner arbeitet – und der weiß nicht, wo ich gerne sitze oder was ich immer trinke, empfinde ich das als resch. Auch wenn das vielleicht ein feiner Kerl ist." Genau das möchte sie im neuen Laden vermeiden. Probleme gab es bisher nicht.

"Man merkt, wir haben gleiche Gene", sagt sie und lacht. Darüber hinaus komme ihr eines zugute: die lange Tradition der Familie im Textilreinigerhandwerk. "Unsere Familie steht seit 1954 für Qualität in der Textilreinigungsbranche." Das heißt, sie baut auf den Erfahrungen ihrer Vorfahren auf und hat immer jemanden zur Rücksprache bei Problemen oder kleinen Schwierigkeiten. "Das bringt einen nach vorne." Nur ein Unterschied ist ihr in dem halben Jahr zu ihrem Cousin aufgefallen: "Ich merke mir Namen sehr schlecht", sagt sie. "Dafür weiß ich, welche Stücke die Leute hatten."

Dass der Wechsel so reibungslos verlief, verdanke sie Thomas und seiner Frau Heidi. In den ersten Tagen war es dann doch ungewohnt für Steiner, im "Zuhause" anderer zu sein, wie sie das Geschäft beschreibt. "Da bist du irgendwie ein Fremdkörper." Das Gefühl hielt nicht lange an. Weil sie Familie sind. "Und weil beide wirklich bemüht waren, ihr Lebenswerk gut zu übergeben."

Kunden freuen sich, dass Textilreinigung erhalten bleibt

Der Wechsel hat sich in Horn schnell herumgesprochen. "Beispielsweise, dass wir in Gmünd auch Hotelwäsche und Tischwäsche für die Gastronomie machen." Viele Kunden freuen sich, dass der Betrieb weiter geht. Manche Kunden, die Steiner aus Gmünd kennt, schauen nun verdutzt, wenn sie in Horn Wäsche annimmt. "Das Einzugsgebiet ist größer als bei uns." Kunden kommen aus den umliegenden Bezirken z. B. aus Holla­brunn.

Für die Kunden ändert sich vorerst nichts. Die Öffnungszeiten bleiben gleich. Ebenso der Service. Zusätzlich nimmt Steiner nun allerdings Teppiche, Schuhe und Lederwaren an. "Das machen nicht alle", sagt sie. "Weil es oft Ärger damit gibt." Sie gibt die meisten Teile an Kollegen weiter. Große Teile wie Sonnensegel reinigt sie am Standort in Heidenreichstein. In den nächsten Wochen plant sie ein paar kleinere Verschönerungsarbeiten, damit sich die Geschäftslokale optisch gleichen.

Nach der Übernahme: Was sich nun ändert

Für ihre Mitarbeiter bringt der neue Standort eine kleine Umstellung mit sich: "Wir machen Teammeetings jetzt erst abends." Und aktuell fährt Steiner jeden Tag selbst nach Horn. Dort bearbeitet sie Textilien. Wäsche bringt sie alle zwei Tage nach Gmünd.

Von ihren nun vier Mitarbeiterinnen wechselt eine zwischen den Standorten. Am Standort Gmünd, den sie vor zehn Jahren eröffnete, wissen ihre Angestellten auch ohne sie genau, was zu tun ist.

Ihr Cousin hingegen genießt seinen wohlverdienten Ruhestand. "Er kann gut loslassen." Die Arbeit fehle ihm bisher nicht, erzählt Gabriela Steiner. Vielleicht liege das an den Enkelkindern, vielleicht aber war es für diese Frage einfach noch zu früh.