Vom 11. bis 13. Oktober traf sich der Fachverband für Wäscherei-, Textil- und Versorgungsmanagement (FWL) in Bad Wimpfen. Das Vortragsprogramm bot nicht nur Fachliches, sondern auch einen Workshop unter dem Motto:„Mit Humor die Lebenskraft befreien – ein heiterer und heilender Weg zu dir selbst!“
Fachtagung mit Lachseminar
Bereits zum dritten Mal waren die Mitglieder des FWL nach Bad Wimpfen gekommen, um sich auf ihrer Jahrestagung zu informieren, Kollegen und Hersteller zu treffen und sich auszutauschen. Das Gespräch mit den Herstellern an den Ausstellungsständen im Foyer lohnte sich doppelt:Zum einen erfuhren die Betriebsleiter alles über die neuesten Produkte, zum anderen erhielten sie an jedem Stand eine Nummer für ihr Bonusheft, mit dem sie – wenn es mit den Nummern aller 30 Ausstellern gefüllt war – an der abendlichen Tombola teilnehmen konnten.
Die Fachvortragsreihe eröffnete Peter Heczko von Peter Heczko Unternehmensberatung (PHU), Isernlohn. Er zeigte, wie ein Betriebsleiter mithilfe eines Leistungslohns die Produktivität steigern und die Personalkosten senken kann. Für Wäschereien ein interessantes Thema, da die Personalkosten laut Heczko einen Anteil von 57 Prozent an den Gesamtkosten haben.
Holt ein Betriebsleiter für die Umsetzung dieses Vorhabens die Unternehmensberatung ins Haus, führt diese zunächst Zeitmessungen im Betrieb durch. Heczko:Aus seiner Erfahrung heraus wisse er, dass lediglich ein Teil der Arbeitszeit auch für die bezahlte Tätigkeit genutzt werde. Bei einem Mitarbeiter an der Mangel seien dies knapp 67 Prozent. Die restliche Arbeitszeit ist der Mitarbeiter z.B. nicht am Platz (rund 14 Prozent), wartet (rund 5,4Prozent) oder die Maschine läuft aufgrund einer Störung nicht. Der Anteil des Privaten liegt bei lediglich 1,3 Prozent. Weitere Analysepunkte im Betrieb sind die Maschinen, ihre optimale Stellung sowie ihre Schnelligkeit. Dabei wird auch die Logistik im Betrieb unter die Lupe genommen. Aus diesen und weiteren empirischen Daten kann eine Prämie berechnet werden, die bei über
100-prozentiger Leistung ausbezahlt wird.
Anhand eines Betriebes, den Heczko von 2001 bis 2007 betreute, zeigte der Unternehmensberater, wie erfolgreich ein Leistungslohn sein kann. Die durchschnittlich pro Tag bearbeitete Wäsche stieg von rund 9.500 auf 12.400 kg. Das entspricht einer Steigerung von rund 30 Prozent. Gleichzeitig verringerte sich in diesem Zeitraum die Anwesenheitszeit der Belegschaft von rund 7.460 auf 6.030 Stunden, eine Reduzierung um 19 Prozent. Wer auf solche Beispiele entgegnet: „Solche Zahlen sind mit meinem Personal nicht zu machen“, den erinnert Heczko daran, dass derjenige, der nichts unternimmt, bereits verloren hat. Bedenken des Betriebsrates, Leistungsmessungen zuzulassen, kann der Referent ebenfalls zerstreuen:Ein Leistungslohn sei für 95 Prozentder Belegschaft positiv, da sie bei einer Leistung von über 100 Prozentbelohnt werden. Mit diesem Argument könne der Betriebsleiter den Betriebsrat überzeugen. Wenn dies nicht ausreicht, könnten die Daten auch anonym erhoben werden.
Im zweiten Fachvortrag stellte Dr. Michael Doser vom Institut für Textil- und Verfahrenstechnik (ITV), Denkendorf, ein neues Prüfverfahren körpernah getragener Kleidung vor. Warum ein weiteres, neues Prüfverfahren, obwohl es bereits eine Vielzahl von Prüfungen gibt?Bei der Herstellung von Textilien werden rund 8.000 Chemikalien verwendet, gab Doser zu bedenken. Da diese jedoch nicht alle geprüft werden können, nimmt sich das ITVnicht die Chemikalien an sich, sondern deren Wirkung vor. Zusätzlich können die Textilien auf verbotene Chemikalien geprüft werden.
Folgende Prüfschritte verwendet das Institut:In einem Tragesimulationsversuch gelangen Bestandteile des Textils auf die Haut. Die Toxizität (Giftigkeit)des Textils wird in einem automatisierten Verfahren geprüft. Wenn ein Textil diesen Test bestanden hat und sein Hersteller dafür das Prüfsiegel „medizinisch getestet, Schadstoff geprüft“ erhalten möchte, führen die Forscher einen weiteren, sogenannten Keratinozytentest durch, in dem auf schwach reizende hautirritierende Substanzen geprüft wird. Für die endgültige Vergabe des Siegels muss das Textil zusätzlich auf verbotene Substanzen chemisch analysiert werden.
Weg vom Fachlichem, hin zu einem Nachmittag voller Humor undspielerischem Verhalten führte Michael Falkenbach, Humor- und Emotionstrainer, Spaichingen, die Teilnehmer der
FWL-Bundestagung. „Wir müssen unsere Humorquelle nur wiederbeleben“, beschwor Falkenbach das Plenum. „als Kind haben wir noch300-mal am Tag gelacht, heute sind es nunmehr
15-mal“. Wenn das äußere Lachen oder Lächeln nicht funktioniere, sei es ebenso wohltuend, das innere Lachen zu aktivieren. Das gibt das Signal dafür, wie viel Potenzial in einem steckt. Außerdem kann Lachen die Leistungsfähigkeit steigern, da es die Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeit erhöht und sozialen Stress abbaut, so Falkenbach. Wie spielerisches Verhalten den Teamgeist stärkt, zeigte sich, als der Humortrainer die Teilnehmer aufforderte, sich zu Gegenständen, die er von den Ausstellern zur Verfügung gestellt bekommen hatte, neue Funktionen auszudenken. So wurde aus einer Stofftasche eine Kopfbedeckung, aus einem Radio eine Fernbedienung für die Partnerin oder aus einem Kasack ein doppelseitiger Adventskalender.
Es lohnt sich, eine solche Übung auch ab und zu in das eigene Leben einzubauen, denn, so Falkenbach:„Humor und spielerisches Verhalten sind ein notwendiger Gegenpol zu leistungsorientiertem Arbeiten.“ lin