Berufskleidung und Hoteltextilien im Corporate Design eines Unternehmens liegen im Trend. Die Veredelung der Wäsche nimmt einen immer wichtigeren Stellenwert ein. Welche Möglichkeiten der Textildruck, die Bestickung, der Transfer und die Beflockung bieten, zeigte die Messe, die vom 25. bis 27. Januar in Stuttgart stattfand.
◆◆ Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Bekleidung und Textilien zu veredeln, also mit individuellen Motiven zu versehen. Zu den gängigen Arten zählen das Besticken, das Bedrucken und das Prägen. Aber auch das Bekleben ist eine der Techniken, mit denen spezielle Effekte erzielt werden können. Doch da diese Art der Veredelung nur eine eingeschränkte Waschbeständigkeit besitzt, wird sie in der Regel nur für modische oder kurzlebige Artikel eingesetzt. Und genauso richtet sich auch die Wahl der anderen Veredelungsarten nach dem Anwendungszweck der Materialien und den damit einhergehenden Pflegebedingungen.
Soll das aufgebrachte Motiv beispielsweise sehr edel aussehen, empfiehlt sich eine Direkteinstickung. Dabei wird das Muster mittels Stickgarnen auf speziellen Maschinen direkt auf das Textil aufgestickt. Und da die Stickköpfe wie etwa bei der schweizerischen Jamafil aus St. Gallen oder ZSK Stickmaschinen aus Krefeld bis zu zwölf verschiedene Garnfarben aufnehmen können, lassen sich selbst vielfarbige und sogar dreidimensionale Motive verwirklichen. Gleichzeitig bietet die Stickerei eine hohe Flexibilität, denn sie eignet sich dazu, wenige Teile und sehr verschiedenartige Materialien mit derselben Verzierung zu bemustern. Auch die Grundfarbe des Textils spielt in der Stickerei keine Rolle. Das dichte Nebeneinanderlegen der Stickfäden deckt selbst einen schwarzen Untergrund hervorragend ab. Und diese Kompaktheit hat noch einen weiteren Vorteil. Sie macht die Musterung extrem haltbar und verleiht ihr bei einer professionellen Aufbringung eine sehr hohe Waschbeständigkeit. Doch das setzt die richtige Auswahl der eingesetzten Stickgarne voraus. Für die gewerbliche Wäscherei empfehlen sich ausschließlich Polyester-Stickgarne, da sie chlor- und bleichecht sind. Sie besitzen jedoch einen hohen Glanz, was zu einem hohen Kontrast gegenüber der matten Oberfläche eines Textils führt. Um den in der Bekleidungsindustrie beliebten, natürlichen und edlen Glanz der Viskose-Stickgarne auch für Berufskleidung und Objekttextilien nachempfindbar zu machen, hat der unter dem Markennamen Madeira bekannte Garnhersteller Rudolf Schmidt aus Freiburg ein mattes Stickgarn-Sortiment entwickelt. Die bunte Palette der Fäden gibt Logos und Emblemen eine neue Optik, die durch die Kombination von matten und glänzenden Qualitäten noch verstärkt werden kann. Dabei macht sich vor allem die unterschiedliche Reflektion des Lichtes bemerkbar: Während die Farbigkeit matter Stickgarne bei unterschiedlicher Lichteinwirkung fast gleich bleibt, verändert sich die Tonalität bei den glänzenden Fäden. Und auch die Lichtechtheit der neuen Serie ist vor allem für Berufskleidung, die vornehmlich im Freien getragen wird, von Vorteil. Der Hersteller gibt eine Lichtechtheitsnote von 6 bis 8 an.
Eine weitere Neuheit von Madeira, die den Trend nach hochwertigen Stickemblemen unterstreicht, sind Garne in Metalltönen. Die chlor- und kochwäschebeständige Palette reicht von Gold über Silber bis Bronze und Kupfer. Metallisch glänzende Stickgarne führt auch der Garnhersteller Amann & Söhne aus Bönnigheim im Sortiment. Allerdings sind die Töne nicht chlorbeständig und können nur bis zu 60°C gewaschen werden. Anders hingegen verhält sich das neue leasingtaugliche schwarze Stickgarn aus dem Isacord-Programm des Unternehmens. Es besitzt eine verbesserte Trockenhitze-Fixierechtheit, wodurch ein Ausbluten der Farbstoffe bei hohen Temperaturen, etwa im Finisher, verhindert wird.
Auch Gunold aus Stockstadt hat auf der Stuttgarter Messe verschiedene Neuheiten im Bereich des Stickens präsentiert. So hat das Unternehmen ein spezielles, besonders weiches Schutztextil entwickelt, das empfindliche Haut gegen kratzende Stickereien schützen soll. Stick-Protect, ein aufbügelbares Gestrick aus reinem Polyester und einem Polyamidkleber, wird nach dem Sticken auf der linken Stoffseite mittels Hitze fixiert. Nach Angaben des Unternehmens besitzt die Verbindung eine hohe Waschbeständigkeit. Ganz anders hingegen verhält sich Solvy Fabric gegenüber Wasser. Bei dem Material handelt es sich um ein Verstärkungsvlies, das in der Stickerei zum Schutz des zu bestickenden Untergrunds eingesetzt wird. Normalerweise bleibt dieses nach Fertigstellung des Emblems auf der Ware. Das neue Vlies hingegen löst sich bei einer Behandlung mit Wasser restlos auf. Dadurch erhalten Stickereien auf Hemden- und Blusenstoffen und anderen dünnen, leichten Textilien, aber auch auf Materialien die – wie Handtücher – beidseitig verwendet werden, einen angenehmen Griff und verlieren etwas an Steifigkeit. Doch selbst wenn sich die Kompaktheit einer Stickerei verringern lässt, kann ihre Festigkeit durchaus auch ein Ausschlusskriterium für die Veredelung mit der hochwertigen Optik sein. Dann spielen auch Stickembleme keine Rolle mehr. Diese in der Berufskleidung beliebten, wieder entfernbaren, auf einem Trägermaterial aufgebrachten Stickereien tragen ebenfalls auf. Soll ein Motiv jedoch glatt und eben sein, lässt sich diese Forderung nur durch einen Druck realisieren. Dabei gibt es nach Angaben von Bernd Gröner, Geschäftsführer des Fachhandels Karl Gröner in Ulm, verschiedene Möglichkeiten der Applikationsübertragung. Der Systemlieferant für Textilveredlungslösungen unterscheidet den Direktdruck auf das Textil, den Transferdruck mittels Flex- oder Flockfolien sowie die Übertragung mittels Schneidfolien. Jedes Verfahren hat seine Vorteile, aber auch seine Grenzen.
Der Direktdruck etwa gehört in der Veredlung fertiger Berufskleidung zu den am wenigsten gebräuchlichen Techniken. Da die Ware häufig aus Fasermischungen besteht, muss ein universelles Farbsystem eingesetzt werden. Dieses besteht in der Regel aus einem Polyacrylatbinder, in welchen der Farbstoff und weitere Hilfsmittel eingearbeitet sind. Für jede Farbe wird eine Paste über Schablonen direkt auf das Textil aufgebracht, getrocknet und am Ende fixiert. Doch da in Europa ausschließlich wasserbasierte Systeme verarbeitet werden, ist deren Waschbeständigkeit nur begrenzt. Das Verfahren ist außerdem nur auf weißen oder hellen Stoffen anwendbar – dunkle Untergründe können mit den Farbpasten kaum überdeckt werden. Dafür lassen sich aber sehr spezielle Effekte, beispielsweise durch Verarbeitung von aufschäumenden, dreidimensional wirkenden Farben oder solchen, die einen Ledereffekt nachahmen, erzielen. Aber auch Metalleffekte können mittels Direktdruck auf das Textil übertragen werden. Allerdings ist dieses Verfahren ausschließlich kurzlebigen, modischen Artikeln vorbehalten – in der gewerblichen Wäscherei hätten solche Drucke eine äußerst kurze Lebensdauer.
Um die in der Industriewäsche geforderten hohen Wasch- und Trockenhitze-Fixierechtheiten erzielen zu können, werden daher vornehmlich Foliensysteme eingesetzt, die bedruckt und anschließend auf das Textil übertragen werden. Dabei ist das Gesamtsystem aus einen Papierträger und einem bedruckbaren Thermoplastfilm aufgebaut, der später durch Hitze und Druck mit dem Textil verbunden wird. Dabei nimmt die thermoplastische Schicht das Druckmotiv auf. Es wird mit passenden Farbsystemen bedruckt. Anschließend wird das Logo ausgeschnitten und auf der Druckseite mit einem selbstklebenden Applikationspapier überzogen. Dadurch lässt sich der ursprüngliche Papierträger entfernen, das gedruckte Logo erscheint nun von der Motivseite und kann genau auf dem Textil positioniert werden. In einer Transferpresse wird das Muster dann auf das Textil übertragen. Der thermoplastische Film verbindet sich mit dem Textil. Abschließend muss nur noch das selbstklebende Papier abgezogen werden – fertig ist der Druck.
Für Berufskleidung wird dieses Verfahren sehr häufig angewendet, denn es ist ausgesprochen flexibel und ermöglicht ein zeitnahes Bedrucken kleinster Mengen. Die Folien haben eine hohe Deckkraft, so dass auch dunkle Gewebe mit fast jedem Bild versehen werden können. Je nach Thermoplast und Druckfarben besitzen die Drucke außerdem eine hohe Lichtechtheit. Allerdings ist die Waschbeständigkeit von Polyesterfolien, die in der Regel für Berufskleidung verwendet werden, verbesserungsbedürftig. Daher schützen einige Hersteller die Polyester-Thermoplastfolie mit einer zusätzlichen Schicht, die das Vergilben bei hohen Trockentemperaturen verhindert. Sie wird nachträglich appliziert. Doch diese Methode ist nur auf relativ einfache Formen von Emblemen und Logos beschränkt.
Der Oberflächenglanz eines Transferemblems kann auch gewollt sein. Erzielen lässt er sich durch einen speziellen Teflon-Abdeckbogen, der während der Fixierung des Emblems verwendet wird. Einen matten Oberflächeneffekt hingegen erzielt ein so genannter Crib-Abdeckbogen. Er wird vor allem bei großflächigen Motiven gewollt, damit diese ihren speckigen Glanz verlieren. Erhältlich sind diese Bögen beispielsweise beim Druckspezialisten Stahls’ Europa aus Dillingen.
Aber matte Transferflächen scheinen derzeit nicht im Trend zu liegen. So waren auf der Stuttgarter Messe metallisch glänzenden Logos besonders gefragt. Auch sie lassen sich durch Transferembleme umsetzen. Nach Angaben von Forever aus Mannheim lassen sich solche Embleme bis zu 50-mal bei 60°C waschen.
Doch auch wenn Transferembleme eine scheinbar unbegrenzte Mustervielfalt zu bieten scheinen, haben auch sie ihre Grenzen. So etwa sind die Bearbeitungsbedingungen des Umdruckens genau zu beachten. Werden Zeit und Druck in der Transferpresse nicht eingehalten, wirkt sich das direkt auf die Haltbarkeit des Emblems aus. Außerdem ist der Transfer nicht für alle Materialien geeignet. Da die Umdrucktemperatur in der Transferpresse in der Regel bei 200°C liegt, können synthetische Fasern wie Polyacryl bei diesen Bedingungen oberflächlich angeschmolzen werden. Außerdem empfiehlt sich der Druck mittels Transferemblemen nur bei kleineren bis mittleren Stückzahlen. Das liegt zum einen an dem Verfahren, das aus mehreren Schritten besteht, zum anderen aber auch an der Vorarbeit. Nachdem der Druck auf der Trägerfolie aufgebracht wurde, muss er vor dem Übertragen auf das Textil nämlich von allen Flächen befreit werden, die nicht zu dem Motiv gehören. Bei einem Buchstaben wie z.B. dem O etwa muss das innen liegende Areal entfernt werden, da es andernfalls auf den Stoff appliziert wird.
Anstelle eines dünnen Trägers eignen sich auch bestimmt Flockfolien für den Transfer von Emblemen. Sie bestehen aus einem thermoplastischen Film, der mit sehr kurzen Polyesterfasern beflockt ist und damit einen plüschartigen Griff erhält. Die Oberfläche kann mit speziellen Farbtinten bedruckt werden. Anschließend wird die bemusterte Folie in die gewünschte Form geschnitten, auf dem Textil positioniert und in einer Transferpresse auf den Stoff geklebt. Bei den in der Presse herrschenden Bedingungen wird gleichzeitig der Farbstoff in den Polyesterflockfasern fixiert, so dass die Embleme eine gewisse Waschbeständigkeit erhalten. Aufgrund der chemischen Beschaffenheit der Farbstoffe sollte allerdings von einem Einsatz solcher Embleme in der industriellen Pflege abgesehen werden: Hohe Temperaturen führen zum schnellen Verblassen der Farben.
Anders hingegen verhalten sich geeignete Flockfilme, bei denen ein eingefärbter Faserflock auf einen thermoplastischen Träger aufgebracht wurde. Sie kommen als Schneidefolien in den Handel. Sie werden nicht bedruckt, sondern das gewünschte Motiv wird direkt aus dem beflockten Träger ausgeschnitten, auf dem Textil positioniert und mittels Transferpresse auf den Stoff übertragen. Im Bereich der Berufskleidung sind verschiedene Flock-Schneidefolien im Einsatz. Ihre Auswahl richtet sich beispielsweise nach der Einhaltung des Öko-Tex Standard 100, dem gewünschten Griff oder den zu erwartenden Pflegebedingungen. So kann eine Mangel bei hohen Betriebstemperaturen durchaus die Klebeverbindung zwischen Emblem und einer Schürze wieder lösen.
Dennoch wird diese preiswerte, flexible Veredlung speziell für das Übertragen von Schriften eingesetzt. Sie ist nicht auf die Größe einer Transferpressenfläche begrenzt, denn jeder Buchstabe kann einzeln übertragen werden. Damit sind auch große Textbilder übertragbar. Gleichzeitig bietet der Flock den Vorteil, dass sich die Struktur des Textils nicht durch das Emblem durchdrückt. Damit hat er gegenüber den Flexfolien, bei denen vor allem die Struktur von Trikotoberflächen durchscheint, einen erheblichen Vorteil. Dennoch hat auch die Musterung mittels Schneidfolien ihre Grenzen. So ist die richtige Positionierung bei Flockfolien eine Herausforderung, denn jedes einzelne Bildteil muss an der vorgesehenen Stelle genau platziert werden. Weiterhin müssen sowohl bei Flock- als auch bei den flexiblen Folien die überschüssigen Flächen entfernt werden, bevor ein Bild übertragen werden kann. Und auch bei größeren Stückzahlen ist das Verfahren nicht empfehlenswert.
Das Aufbringen von Logos oder Emblemen auf Berufskleidung, das hat die Messe deutlich gemacht, verlangt eine genaue Beschäftigung. Jedes Verfahren hat seine Grenzen. Und die werden dann deutlich, wenn es um nachhaltige, umweltfreundliche, ökologische Designierungen geht. Der Trend ist bei den Werbemitteln angekommen. Wenn er sich in der Mietwäscherei fortsetzt, werden die Veredlungsverfahren einer weiteren kritischen Prüfung unterzogen werden müssen. ◁
Dipl.-Ing. Sabine Anton-Katzenbach