Zu Besuch in der Textilreinigung René Erhart Familienzusammenhalt als Erfolgsrezept

  • Bild 1 von 4
    © Ebert
    Walter Imp, Daniela Niederwieser-Erhart, Waltraud Erhart mit Enkelsohn Florian, Verena und René Erhart (v.l.n.r.) .
  • Bild 2 von 4
    © Ebert
    Walter Imp ließ es sich nicht nehmen, selbst an der Teppichwaschanlage Hand anzulegen.
  • Bild 3 von 4
    © Ebert
    Eine Mitarbeiterin bei der Nachdetachur, der Tradition des Hauses.
  • Bild 4 von 4
    © Ebert
    Waltraud Erhart ist die Fachfrau für Abrechnungen.Fotos: Ebert

Familienzusammenhalt als Erfolgsrezept

In der Textilreinigung René Erhart in Rum bei Innsbruck arbeitet die ganze Familie eng zusammen. Die Firmengeschichte ist hier auch gleichzeitig Familiengeschichte. René Erhardt (sen.) gründete das Unternehmen im Jahr 1935, damals lag der Schwerpunkt noch auf der Färberei. 1970 machte René Erhart (jun.) die Meisterprüfung und stieg ins elterliche Unternehmen ein. Im Jahr 1984 übernahmen René Erhart (jun.) und seine Frau Waltraud den Betrieb. Und auch die beiden Töchter sind mit Leib und Seele dabei. Im Jahr 1996 legte die ältere Tochter, Daniela Niederwieser-Erhart, die Meisterprüfung ab und stieg ins Unternehmen ein. Verena Erhart trat 2003 in den elterlichen Betrieb ein. Bundesinnungsmeister Walter Imp freute sich besonders, die engagierte Reinigermeisterin auf seiner Tirolreise in ihrem Betrieb zu besuchen. Verena Erhart ist im Jahr 2005 die jüngste Innungsmeisterin Österreichs geworden und setzt sich seither außer im eigenen Betrieb auch als Innungsmeisterin für Tirol für die Belange der Betriebe im Bundesland ein.

Heute führen die vier Familienmitglieder den Betrieb zusammen und treffen auch die Entscheidungen gemeinsam. Das großzügige Gebäude an der Bundestraße in Rum ist nicht nur Betriebsgebäude, sondern auch ein Ort des familiären Zusammentreffens. Seit dem Bau des Gebäudes im Jahr 1946 hat sich vieles verändert und die Erharts haben sich den Zeichen der Zeit angepasst. Effiziente Arbeitsabläufe und Technik standen jedoch schon immer im Fokus der Unternehmer. „Als eine der ersten Reinigungen in Österreich sind wir auf KWL umgestiegen“, blickt René Erhart zurück. Seine Erfahrungen hat der Reinigermeister auch mit seinen Kollegen geteilt. Gerade der Austausch unter Kollegen ist seiner Meinung nach sehr wichtig für die Branche. „Viele wollten die Maschine damals in Aktion sehen und haben uns besucht.“ Heute reinigt René Erhart nur noch wenige Reinigungsgüter in KWL, zum Beispiel Krawatten und Vorhänge. „99 Prozent der Ware werden bei uns in PER gereinigt“, sagt der Reiniger. Auch in Sachen Energie setzt René Erhart auf Fortschritt. Seit die Energieversorgung auf Öl umgestellt wurde, hat sich der Verbrauch gesenkt.

Die Erharts haben sich auf Oberbekleidung und Teppiche spezialisiert. Als sich herauskristallisierte, dass die Teppichwäsche vermehrt nachgefragt wurde, haben sich die Erharts der Marktsituation angepasst und dort, wo einst die Garage stand, im Jahr 2000 einen Anbau errichtet. Rund 1.000 m2 Betriebsfläche haben die Reiniger nun zur Verfügung. Heute werden hier Teppiche behandelt.

Im Teppichbereich befreit eine Teppichklopfmaschine die Ware zunächst von groben Schmutz. Die moderne Teppichwaschmaschine haben die Erharts auf der iatalienischen Messe EXPOdetergo entdeckt. Eine Düse sprüht das Wasser und die Reinigungsflüssigkeit auf den Teppich, indem sie an einem Rohr befestigt von einer Seite zur anderen gefahren wird. So wird der Teppich gleichmäßig behandelt. Fast 4 m dürfen die Teppiche lang sein, die hier gewaschen werden. Das reicht in der Regel aus. „In acht Jahren haben wir nur zwei am Boden gewaschen“, erklärt René Erhart. In einer Schleuderröhre wird der Teppich schonend entwässert. Anschließend geht es in den Trockenraum: Die Trockenanlage im Betrieb wird seitlich belüftet. „Bei 35°C trocknen die Teppiche hier drei Tage“, erläutert Verena Erhart. Beheizt wird die Anlage mit Abluft aus der Reinigung. Zum Schluss entfernt ein Mitarbeiter Flusen mit einer Luftpistole vom Teppich und bürstet ihn. Bevor die Ware ihren Weg zum Kunden antritt, wird sie in Folie verpackt und ausgeliefert.

Im Erdgeschoss befinden sich die Reinigungsmaschinen. Die gereinigte Ware wird mit dem Lift in die erste Etage befördert. Eine Mitarbeiterin prüft sie dort, entfernt die letzten Flecken oder schickt die Wäsche nochmals nach unten, um den Reinigungskreislauf von neuem zu durchlaufen. Walter Imp war beeindruckt von der guten Arbeit der für die Detachur zuständigen Mitarbeiterin. „Besonders die langjährigen Mitarbeiter sind ein wichtiger Teil in unserem Betrieb“, sagt Verena Erhart. Detachiert wird bei den Erharts nicht vorher, sondern nur nachher. „Die Nachdetachur ist eine Tradition des Hauses“, erklärt René Erhart. Krawatten sind dabei die Spezialität von Verena Erhart, wie ihr Vater sagt. Der Finishbereich besteht aus einem Hosentopper, einer Doppelbeinpresse; auch neun Bügeltische stehen hier zur Verfügung. Die Endkontrolle übernimmt Waltraud Erhart. Mit ihrem kleinen Bügeleisen legt sie an jedem Kleidungsstück nochmals Hand an, damit alles perfekt beim Kunden ankommt. Außerdem ist sie in der Familie die Fachfrau für die Abrechnungen.

26 Mitarbeiter beschäftigen die Erharts. Sieben Filialen unterhält die Reinigung in Innsbruck und Schwaz. Rund zehn Annahmestellen kommen hinzu. Auch im Hauptbetrieb können die Kunden Ware abgeben und abholen. Geöffnet ist hier auch während der Mittagszeit. „Besonders Berufstätige nutzen die Mittagszeit, um Garderobe abzugeben“, erklärt Verena Erhart. Die Erharts legen besonderen Wert auf die Beziehung zu den Kunden. „Wenn sich ein Kunde dafür interessiert, was in der Reinigung passiert, klären wir ihn gerne auf“, sagt Verena Erhart. „Wir wollen den Kunden zeigen, dass ihre persönlichen Stücke in guten Händen sind“, erklärt sie weiter. Die Familie profitiert dabei von der langen Facherfahrung, die sie sich erarbeitet hat. Bei diesem Familienzusammenhalt wird diese Erfahrung sicher auch noch an die nächsten Generationen weitergegeben. Über Nachwuchs konnte sich die Familie jedenfalls schon freuen: Daniela Niederwieser-Erhart brachte im Juni 2007 mit Söhnchen Florian die vierte Generation zur Welt.Vanessa Ebert