Wachstum braucht Kapital: Die Wäscherei Wäschekönig aus Groß-Umstadt nutzt Factoring, um ihre Liquidität zu sichern und das Mahnwesen auszulagern. Wie das funktioniert und welche Vorteile es bietet, zeigt ein Blick hinter die Kulissen des Textildienstleisters.

Zwischen 2016 und 2018 wuchs die Wäscherei Wäschekönig stark. Mit den vielen neuen Kunden und Aufträgen stiegen zwar die Umsätze, allerdings wuchs dadurch auch der Bedarf an finanziellen Mitteln zur Vorleistung. „Plötzlich mussten wir monatlich mehrere Tausend Euro vorfinanzieren, um die langen – und teils nochmals verlängerten – Zahlungsziele unserer Kunden zu überbrücken“, erinnert sich Geschäftsführer Udo König. „Das summierte sich und machte eine ausreichende Liquidität auf Dauer unmöglich.“ Um einem finanziellen Engpass vorzubeugen, suchte er nach einer Lösung für schnellere Liquiditätszuflüsse – und stieß dabei auf das Finanzierungsmodell Factoring.
Liquidität unabhängig von Zahlungszielen
Beim Factoring verkauft die Wäscherei ihre Forderung direkt nach Rechnungsstellung an einen Factoring-Partner. Sie tritt damit ihre offene Forderung an den Factoring-Partner ab. Der Rechnungsbetrag wird dann in der Regel innerhalb von etwa zwei Tagen ausgezahlt. „So müssen wir keine acht Wochen mehr vorfinanzieren und auf die Zahlung des Kunden warten, sondern erhalten schneller Zugriff auf unser Geld“, erklärt König.
Factoring und klassische Bankdarlehen stehen sich dabei nicht im Weg, denn der Forderungsverkauf und Kredite sind zwei Finanzierungsmittel, die das Unternehmen für unterschiedliche Zwecke nutzt: Für die Finanzierung von Maschinen, Gebäuden und Investitionen greift der Textildienstleister weiter auf Darlehen mit einer entsprechend langen Laufzeit zurück.
Full-Service-Factoring entlastet auch das Mahnwesen
Neben der Liquidität bringt Factoring einen weiteren Vorteil: Der Factoring-Dienstleister kann auch das Mahnwesen übernehmen. „Das spart uns enorm viel Zeit und ist eine große Entlastung“, sagt König. Die Zahlungen zu kontrollieren und Kunden zu mahnen, nahm zu viel Zeit in Anspruch. Außerdem hat der Geschäftsführer beobachtet, dass Kunden bei Mahnungen aus dritter Hand jetzt eher reagieren. Gleichzeitig hat sich die Buchhaltung nun neu strukturiert und verschlankt.
Vorbehalte gegen Factoring entkräftet
Anfangs gab es Bedenken – etwa zum Datenschutz, der genauen Funktionsweise oder der Akzeptanz der Kunden. Nach genauer Prüfung und intensiven Gesprächen mit Adelheid Wolf, Geschäftsführerin der adesion Factoring GmbH wurden diese jedoch schnell entkräftet. Fragen oder Vorbehalte wegen des anderen Bankkontos auf der Rechnung gab es selten. Heute stellt Factoring einen festen Bestandteil der Unternehmensstragie von Wäschekönig dar.
Adelheid Wolf ergänzt: „Ich freue mich, dass Factoring bei den Unternehmen immer mehr als seriöse Finanzierungslösung in den Fokus rückt. Denn die Vorurteile, es sei nur ein Instrument in der Krise für Betriebe mit finanziellen Problemen oder schlechter Bonität, sind falsch. Vielmehr ist es eine strategische Entscheidung, um den Cashflow zu verbessern und die finanzielle Flexibilität zu erhöhen.“
Über die Wäschekönig GmbH & Co. KG
Udo König gründete vor 27 Jahren Wäschekönig in Groß-Umstadt (Hessen). Der Textildienstleister stattet Mitarbeiter in Handwerksbetrieben, Industriekonzernen sowie im Gesundheitswesen und Rettungsdienst mit Berufs- und Arbeitskleidung aus. Zudem bestückt die Wäscherei Hotels und Gastronomiebetriebe mit Dienstleistungsartikeln wie Hand- und Duschtüchern, Tischdecken und Bettwäsche.
Die Wäsche gibt der Betrieb dabei als Mietwäsche an seine Kunden. „Wir holen die schmutzige Wäsche bei den Kunden ab, waschen sie nach RKI-Richtlinien und liefern sie im nächsten Lieferzyklus wieder zurück. Pro Tag verarbeiten wir so circa 15 Tonnen Hotel- und Gastrowäsche sowie Tausende Teile im Bekleidungssegment“, sagt König. Bei der Mietberufsbekleidung sind Reparaturen und sicherheitsrelevante Prüfungen inbegriffen, etwa für Reflexstreifen oder -bänder. Denn diese unterliegen DIN-Normen; ihre Funktionalität muss gewährleistet sein.
Um die Qualität der Textilien beizubehalten, laufen Prozesse wie Falten, Waschen, Hängen und Bügeln automatisiert ab. Die 40 Mitarbeitenden überwachen diese Prozesse, führen die nötigen Reparaturen durch und liefern die Wäsche aus.