Unternehmensnachfolge Fit für die Zukunft

Die Nachfolge eines Unternehmens anzutreten, bedeutet eine große Chance. Auf dem Weg zur erfolgreichen Existenz gibt es jedoch auch Stolpersteine. Häufige Fehler sind zum Beispiel ein falsch angesetzter Unternehmenswert oder das Verschenken von Fördermitteln.

Martina Beyer-Wolfsperger und Thomas Beyer haben den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt und die Wäscherei Wolfsperger in Freiburg übernommen. - © Wolfsperger

Fit für die Zukunft

Im Jahr 2005 gab es nach Angaben des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM), Bonn, 70.900 übergabereife Unternehmen in Deutschland. Davon waren 678.000 Arbeitsplätze betroffen. 33.500 von ihnen gingen verloren, denn 5.900 Betriebe, das sind rund acht Prozent, mussten geschlossen werden, da kein geeigneter Nachfolger gefunden wurde. Auch für die Zukunft geht das Forschungsinstitut davon aus, dass jährlich rund 71.000 Unternehmen die Herausforderung einer Unternehmensübergabe meistern müssen.

Eine Initiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie, der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) sowie Vertretern von Verbänden, Institutionen und Organisationen der Wirtschaft, des Kreditwesens und der freien Berufe hat es sich zum Ziel gemacht, ein günstiges Klima für den unternehmerischen Generationswechsel in Deutschland zu schaffen. Unter www.nexxt.org haben die Partner ein Informationsportal zur Verfügung gestellt, das sowohl den Nachfolger als auch den Unternehmer, der eine Nachfolge sucht, aufklärt und unterstützt. Allein kann eine Unternehmensnachfolge nicht gestemmt werden, ein Berater kann und sollte für diese komplexe Aufgabe wertvolle Hilfestellungen leisten, empfiehlt die Initiative.

Tatsächlich können laut Jahrbuch 2006 des IfM 48,2 Prozent der Nachfolgeberater eine steigende Nachfrage verzeichnen. Das kann auch Dipl.-Betriebswirt Jürgen Haas, Geschäftsführer der Team Consulting Unternehmensberatung, Bergheim, bestätigen. „Dennoch ist der Gang zum Unternehmensberater noch nicht gänzlich etabliert. Viele informieren sich ausschließlich über den Steuerberater. Dabei ist auch Fachwissen aus anderen Bereichen gefragt“, weiß der Geschäftsführer.

Wichtig sei bei der Auswahl des Beratungsunternehmens, dass ein interdisziplinäres Team zur Verfügung steht. Denn um das komplexe Thema einer Unternehmensnachfolge zu meistern, sind sowohl Juristen als auch Steuer- und Wirtschaftsexperten gefragt. Auch das IfM räumt den finanz- und betriebswirtschaftlichen Leistungselementen einen hohen Stellenwert innerhalb einer entsprechenden Beratung ein. Als ebenso wichtig, zum Teil sogar noch wichtiger, betrachtet das IfM die ganzheitlichen und psychologischen Leistungselemente. „Der Berater braucht Einfühlungsvermögen, schließlich ist er auch als Moderator zweier Seiten tätig“, erklärt Haas.

An die Unternehmensnachfolge darf nicht erst gedacht werden, wenn der Ruhestand des Unternehmers kurz bevor steht. Mindestens fünf Jahre sollten für den Prozess der Unternehmensübergabe eingeplant werden. Am besten ist es jedoch, wenn der Unternehmer seinen Betrieb schon von Anfang an zukunftsorientiert führt.

Denn eine gute Nachfolgeplanung schließt auch mit ein, dass der Unternehmer daran arbeite, den Betrieb wirtschaftlich rentabel und wettbewerbsfähig zu halten. „Der nahende Rückzug kann dazu verleiten, bestimmte Themen nicht mehr anzuschneiden. Investitionen, ein zukunftsweisendes Marketingkonzept und Umwelttechnik kommen dann oft zu kurz“, erklärt Haas. Gerade bei den Textilreinigern erschwert ein überalteter Maschinenpark den Verkauf der Betriebe und somit die Unternehmensnachfolge, wie ein Branchenbericht der Volksbanken und Raiffeisenbanken aus dem Jahr 2006 feststellt. Das Unternehmen ist in diesen Fällen oft nicht so viel wert, wie sich der Unternehmer vorstellt.

„Ein zu hoch angesiedelter Übergabepreis ist einer der häufigsten Fehler in der Praxis“, bestätigt Jürgen Haas. Schließlich übernimmt der Nachfolger Forderungen und Verbindlichkeiten, Rechte und Pflichten sowie Garantie und Gewährleistung. Wird der Verkaufspreis bei der Vertragsgestaltung ungenügend geprüft, kann das für den jungen Unternehmen problematisch werden“, gibt Unternehmensberater Haas zu bedenken.

Ein erfolgreicher Unternehmensübergang kann nur nachhaltig gelingen, wenn er für beide Seiten ein Geschäft bedeutet, informiert der Unternehmer auf seiner Website www.team-consulting.de. Eine realistische Wertermittlung und Kaufpreisfindung seien daher unabdingbar. Zudem würde etwa jedes fünfte Unternehmen die öffentlichen Förderungsmöglichkeiten nicht oder unvollständig nutzen.

„Gerade bei der Beratung durch Geldinstitute wird meist nicht genügend auf die Fördermöglichkeiten und Beratungskostenzuschüsse hingewiesen und stattdessen häufig zur Hauskreditfinanzierung geraten“, sagt Haas. Informationen und Hilfestellung bieten auch die Handwerks- sowie Industrie- und Handelskammern. Einige Kammern haben auch Nachfolgemoderatoren im Einsatz, die dem Betriebsinhaber Unterstützungsangebote aufzuzeigen. Die Nachfrage bei der zuständigen Kammer lohnt sich in jedem Fall.

Die Finanzierung, das Prüfen der Fördermittel und die finanzielle Absicherung sieht Thomas Bayer als größte Herausforderung der Unternehmensübergabe. Er und seine Frau Martina Beyer-Wolfsperger haben ihre sicheren Jobs bei einer Marketingagentur bzw. einem großen Konzern aufgegeben, den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt und die Wäscherei Wolfsperger in Freiburg übernommen. Das Unternehmen mit rund 50 Mitarbeitern versorgt rund 520 Geschäftskunden im Raum Südbaden und im Elsass mit Flach- und Berufswäsche. Bereits im Januar 2005 war eine Übernahme im Gespräch, da der ehemalige Inhaber, der Vater von Martina Beyer-Wolfsperger mit 63 Jahren langsam ans Aufhören denken wollte. „So ein großer Schritt muss allerdings gut geplant und überlegt werden“, meint Beyer. Für die Suche nach Finanzierungskonzepten nahmen sich die jungen Unternehmer Zeit und holten sich verschiedene Berater mit ins Boot. 2006 war der Businessplan abgeschlossen. Im Mai dieses Jahres haben die beiden die Wäscherei gekauft.

Bevor es an so wichtige Punkte wie die Finanzierung geht, muss allerdings auch einiges Grundsätzliches geklärt werden. Ist der Nachfolger tatsächlich bereit ist, in die Fußstapfen des Vorgängers zu treten? Ob unternehmerisches Können oder Führungsstil, die Geschäftspartner, Kunden und Mitarbeiter werden den „Neuen“ immer wieder mit dem Vorgänger vergleichen. Wichtig für die Unternehmensnachfolger ist es, eine Vision zu haben und die persönliche Überzeugung, das Unternehmen auch wirklich übernehmen zu wollen, dahinterzustehen und Durchhaltevermögen zu beweisen, auch wenn es schwierig wird, empfiehlt die Initiative Nexxt.

„Das Unternehmen ist oft sehr vom Inhaber geprägt, Image und etablierte Kundenstruktur sind schon vorhanden. Daher muss beim Unternehmensübergang sensibel vorgegangen werden, um diese Erfolgsfaktoren nicht zu gefährden“, erklärt Haas. Auch bei der Wäscherei Wolfsperger ist man sich dieser Herausforderung bewusst. „Wir haben an alle Kunden ein Schreiben versendet und darin über den Inhaberwechsel informiert. Bestimmte Kunden haben wir persönlich besucht und uns vorgestellt“, berichten die Jungunternehmer.

Aber auch der, der das Unternehmen übergibt, muss sich an die neue Situation gewöhnen. „Der Unternehmer muss bereit sein, sich zurückzuziehen und seinen Ruhestand planen. Oft kamen Urlaub und Freizeit ohnehin das ganze Arbeitsleben über zu kurz“, sagt Haas. Trotzdem kann es sinnvoll sein, dass der Seniorchef noch eine Zeit lang im Unternehmen tätig ist oder beratend zur Seite steht, sofern die Zusammenarbeit funktioniert. Für Thomas Beyer und Martina Beyer-Wolfsperger ist gerade das fachspezifische Wissen der Vorgänger eine optimale Ergänzung zur betriebswirtschaftlichen Ausbildung der jungen Unternehmer. Der ehemalige Inhaber und seine Frau arbeiten noch im Unternehmen mit und stehen gerade bei Fachfragen mit Rat und Tat zur Seite. „Wenn plötzlich mehrere Personen ein Unternehmen leiten, ist es wichtig, dass jeder seinen Aufgabenbereich hat“, erzählt Thomas Beyer. Abstimmung und Kommunikation sind seiner Meinung nach bei solchen Konstellationen besonders wichtig.

Aber nicht nur die Geschäftsführung ist von einer Unternehmensübergabe betroffen. Wichtig sei, so Haas, die Mitarbeiter auf dem Weg zur Unternehmensnachfolge mitzunehmen. „Oft besteht große Verunsicherung und die Mitarbeiter fürchten sich vor einer unsicheren Zukunft.“ Sobald sicher war, dass Thomas Beyer und Martina Beyer-Wolfsperger die Nachfolge der Wäscherei antreten, wurden die Mitarbeiter informiert. „In lockerer Atmosphäre bei einem Umtrunk haben die Mitarbeiter erfahren, wie es weitergeht. Die Mitarbeiter sind ein wichtiger Faktor für den Unternehmenserfolg und wir haben betont, wie wichtig es ist, dass sie an Bord bleiben“, sagt Thomas Beyer rückblickend.

Zudem besteht nach Informationen der Handwerkskammer Karlsruhe auch eine gesetzliche Pflicht zur Unterrichtung der Mitarbeiter. Nach einem Urteil der Richter des Bundesarbeitsgerichtes soll die Unterrichtung dazu dienen, dem betroffenen Arbeitnehmer eine ausreichende Wissensgrundlage zu bieten. Denn der Mitarbeiter kann dem Übergang seines Arbeitsverhältnisses auf den neuen Inhaber auch widersprechen.

„Die Nachfolge einer neuen Geschäftsführung und deren frische Ideen können aber auch neue Motivation für die Mitarbeiter bedeuten“, erklärt Haas. In einer Studie hat das IfM herausgefunden, dass 83 Prozent der Unternehmer nach der Übernahme positive Veränderungen im Bereich der Technologie in Produktion und Verwaltung durchführen.

Etwa jedes zweite Familienunternehmen hat neue Märkte erschlossen, die Beziehungen zu Kunden oder Lieferanten verbessert oder insgesamt die Rentabilität des Unternehmens erhöht. Auch bei der Wäscherei Wolfsperger hat sich nach kurzer Zeit schon einiges getan: „Wir installieren derzeit ein neues EDV-System mit einer leistungsstarken Branchensoftware“, sagt Beyer. Auch über weitere Investitionen im Maschinenpark denken die jungen Unternehmer nach. Vanessa Ebert