Als Teil der persönlichen Schutzausrüstung oder beim täglichen Einsatz im OP müssen Textilien die an sie gestellten Anforderungen zu 100 Prozent erfüllen. Diesem Anspruch wird der Membranspezialist W.L. Gore & Associates mit seiner technischen Bekleidung gerecht: Das Unternehmen stimmt Material, Konstruktion und Schnitt genau auf den Einsatzbereich und die Eigenschaften des Trägers ab.
Funktionstextilien für alle Einsätze
Am Anfang stand eine bahnbrechende Entdeckung: 1969 fand Bob Gore, heute Vorstandsvorsitzender von W.L. Gore &
Associates, heraus, dass durch schnelles Recken – das heißt Dehnen des Kunststoffs Polytetrafluorethylen (PTFE) – ein sehr kräftiges, mikroporöses Material erzeugt werden kann. Dieses expandierte PTFE bildet seitdem die Grundlage für so unterschiedliche Produkte wie Garne, Fasern, Dichtungen, Kabel, medizinische Implantate und Membranen. Zum Produktportfolio von W.L. Gore & Associates gehören heute Industrie-, Medizin- und elektronische Produkte sowie Funktionstextilien. Mit der Gore-Tex-Membran ist Gore seit drei Jahrzehnten Pionier für wasser- und winddichte, atmungsaktive Funktionsmaterialien, die Millionen Menschen im privaten und vor allem auch beruflichen Alltag nutzen. Denn neben Anwendungen im Sport- und Freizeitbereich gehören auch technische Textilien für den Arbeitsschutzbereich sowie OP-Textilien zur Produktpalette.
W.L. Gore & Associates wurde 1958 in Newark (USA) gegründet und ist heute mit mehr als 8.000 Mitarbeitern in 45 Werken weltweit vertreten. In Deutschland sind an drei Standorten knapp 1.200 Mitarbeiter beschäftigt. Feuerwehrleute, Eisenbahner, Bauarbeiter, Polizisten, aber auch OP-Ärzte und medizinisches Personal benötigen Berufsbekleidung, die unterschiedliche Leistungsanforderungen erfüllt und unter zum Teil schwierigsten Bedingungen zuverlässig funktionieren muss. Funktionstextilien verhindern dabei nicht das Schwitzen, sie transportieren aber die notwendig entstehende Feuchtigkeit besonders gut ab. Außerdem können sie je nach Ausstattung eine Barriere gegen Chemikalien oder andere Flüssigkeiten, wie z.B. Blut, bilden. Kernstück vieler Schutzbekleidungen von Gore ist die Gore-Tex-Membran – eine wasserabweisende, atmungsaktive Funktionsschicht im Inneren der Kleidung. Das leichte, hauchdünne und sehr feinporige Kunststoffmaterial besitzt pro Quadratzentimeter vier Milliarden mikroskopisch kleiner Poren. Sie sorgen für Atmungsaktivität und führen die eigene Körperfeuchtigkeit, deren Moleküle fast 700-mal kleiner sind als die Gore-Tex-Poren, nach außen ab. Gleichzeitig kann von außen kein Wasser eindringen, da ein Wassertropfen fast 20.000-mal größer ist als der Porendurchmesser der Membran.
In Zusammenarbeit mit zertifizierten Herstellern, Konfektionären oder dem Endkunden entwickelt Gore technische Bekleidung für die Arbeitswelt, die auf die jeweiligen Einsatzbedingungen und Anforderungen des Trägers genau abgestimmt sein soll. Denn ein funktionelles Material allein garantiert noch nicht, dass sich das Bekleidungsstück im täglichen Einsatz voll und ganz bewährt. Gore kümmert sich nicht nur um die Materialeigenschaften der verwendeten Membranen und Laminate, sondern auch um die Funktionalität des gesamten Endprodukts. Gore-Produkte sollen „Fit for use“ sein, das heißt 100-prozentig auf den jeweiligen Einsatzbereich und Träger zugeschnitten. Diesen hohen Qualitätsanspruch möchte das Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette sichern: Die Rohstoffe für die Laminatproduktion stammen von Lieferanten, die strengen Auswahlkriterien genügen müssen. Die Laminate – Textilverbund, bestehend aus der Gore-Tex-Membran und verschiedenen Obermaterialien oder Futterstoffen – werden in unternehmenseigenen Textillabors entwickelt und umfangreich getestet. Je nach Anwendungsprofil wird das Laminat dabei auf Wasser- und Winddichtheit, Atmungsaktivität, Reißfestigkeit, Scheuer- und Knickbeständigkeit, wasser- und ölabweisende Eigenschaften, Farbechtheit oder Brennverhalten geprüft.
Da ein perfektes Laminat jedoch noch kein funktionierendes Bekleidungsstück ausmacht, achtet Gore auf eine funktionelle und dauerhaft wasserdichte Bekleidungskonstruktion. Kritischen Stellen wie Nähten oder Stoffübergängen wird besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Dafür hat das Unternehmen mehr als 40 verschiedene Nahtversieglungsbänder und ein spezielles Nahtversieglungsverfahren entwickelt. Gore stellt den Bekleidungsherstellern zudem funktionelles Textilzubehör zur Verfügung, zum Beispiel spezielle Kragenlösungen, vorgefertigte Frontverschlüsse, Kordeltunnel und Säume mit Saugsperren. Bei Bedarf werden zusammen mit den Endanwendern individuelle Lösungen entwickelt, etwa ein schneller Zugriff auf Ausrüstungsgegenstände, Tragegurte oder spezieller Abriebschutz an stark belasteten Stellen.
Auch die fertigen Bekleidungsstücke durchlaufen bei Gore noch einmal umfangreiche Tests auf Funktionalität und Gebrauchstauglichkeit. Dazu gehören die Regenprüfung im Regenturm und der Klimakammer-Test. Im Regenturm testet Gore jedes Modell eines Bekleidungsstücks individuell auf Wasserdichte. Dabei wird einer Testpuppe die Bekleidung angezogen und beregnet. Vom leichten Nieselregen bis zum heftigen Gewitter kann der Turm verschiedene Arten von Regen simulieren. Seitlich angebrachte Düsen empfinden Regen bei Wind und Sturm nach. An der Puppe befestigte Sensoren erfassen eindringende Feuchtigkeit und geben so Aufschluss über undichte Stellen in der Bekleidungskonstruktion.
Den Tragekomfort, das heißt den Hitze- und Feuchtetransport eines Kleidungsstücks unter definierten Tragebedingungen, testet Gore in der Klimakammer. In der rund 6 m · 4 m großen, speziell eingerichteten Kabine werden verschiedene Temperatur-, Wind- und Luftfeuchtigkeitsbedingungen simuliert. Das Temperaturspektrum reicht von –20 °C bis +45 °C, die Luftfeuchtigkeit kann zwischen 20 Prozent und 95 Prozent betragen. Ein Proband zieht sich die Kleidung an und absolviert in der Kammer auf einem Laufband verschiedene Belastungen. Am Körper angebrachte Elektroden erfassen Daten zur Körperkerntemperatur, Herzfrequenz und Hautfeuchte. Außerdem werden Gewichtsveränderungen von Mensch und Bekleidung dokumentiert. Gore will damit erreichen, dass jede Bekleidung die tatsächlichen Anforderungen erfüllt – je nachdem ob sie auf der Baustelle, im Rettungseinsatz oder Spitzensport getragen wird. Im Bereich der medizinischen Produkte setzt Gore auf mehrfach verwendbare OP-Textilien, die den High-Performance-Standard der Medizinprodukte-Norm EN 13795 gewährleisten. Die bei OP-Mänteln und Abdeckungen eingesetzte Gore-Membran soll einen wirksamen Schutz gegenüber Flüssigkeiten, Bakterien und Keimen bieten. Die Eigenschaften der verwendeten Gore-Medical-Fabrics-Laminate entstehen dabei durch die physikalische Materialbeschaffenheit und nicht durch eine chemische Ausrüstung. Auch in diesem Anwendungsbereich können Wasserdampfmoleküle die Membran durchdringen, was zu guten Trageeigenschaften führt und ordnungsgemäßes Sterilisieren mit Dampf ermöglicht. Das verwendete Laminat ist zudem hochflüssigkeitsdicht und erhält die Funktion auch bei Druckbelastungen, wie zum Beispiel beim Anlehnen an den OP-Tisch. Das Material ist sehr reißfest, ein Bersten oder Reißen im OP soll selbst nach vielen Aufbereitungszyklen in der Mehrfachverwendung praktisch ausgeschlossen sein. Funktionelle Berufsbekleidung spielt auch für das Textilleasing von Wäschereien eine große Rolle. Viele Unternehmen, die ihre Mitarbeiter mit Gore-Tex-Bekleidung ausstatten, gehen dazu über, die Textilien zu mieten, da sich dadurch Kosten senken lassen und Arbeitsaufwand abgegeben werden kann. Mietbekleidung ist für die Unternehmen zwar auf den ersten Blick etwas teurer als der reine Anschaffungspreis. Alle laufenden Kosten wie durch Neuanschaffung, regelmäßige Pflege und Reparatur sowie Lagerhaltung und Verlust entfallen jedoch. Schwierige Waschaufgaben, wie das Beseitigen von Ölen und Fetten bei gleichzeitigem Erhalt der Warnschutzfunktion von Farben oder das Sterilisieren von OP-Textilien, können auf Funktionsbekleidung spezialisierte Wäschereien leicht lösen.
Gore unterstützt Konfektionäre und Wäschereien durch Instrumente zur Qualitätssicherung, industriewäschetaugliche Produktdetails, Reparaturverfahren und Waschempfehlungen. Die Textilien für den Arbeitsbereich werden so konstruiert, dass sie den Anforderungen einer Industriewäsche gewachsen sind und selbst bei hoher Waschfrequenz wasserdicht und atmungsaktiv bleiben. Waschtemperaturen von +60 °C stellen zum Beispiel kein Problem dar. Auch für Verschlusssysteme und Accessoires konzipiert Gore mietwäschetaugliche Lösungen. Bei Wetterschutzjacken werden etwa statt des üblichen Reißverschlusses Druckknöpfe eingesetzt. Für kleinere Risse im Obermaterial hat Gore zudem Reparaturkits entwickelt, mit denen die Wäscherei Beschädigungen fachgerecht selbst reparieren kann.
Im Bereich Medizinprodukte wählt Gore seine Konfektionäre nach detaillierten Kriterien aus und sorgt dafür, dass die Partner das Qualitätsniveau dauerhaft halten. Mit führenden Herstellern von Wasch- und Desinfektionsmitteln wurden Empfehlungen für optimierte Wasch-, Trocknungs- und Sterilisationsverfahren entwickelt. Ein fortwährender Austausch mit den Wäschereien sowie ein Testlabor helfen dabei, den Aufbereitungsprozess weiterzuentwickeln und zu verbessern.
Die OP-Textilien von Gore lassen sich am Lichttisch leicht auf Defekte untersuchen und gegebenenfalls mit Reparaturpatches beheben oder mit dem Dot-Master-Verfahren sicher abdichten. Bei den Arbeitsschutz- und OP-Textilien werden außerdem Identifikationssysteme mit Barcode, Chip oder Transponder genutzt. Somit kann eine Wäscherei ihren Kunden den Service bieten, dass jeder Mitarbeiter nach der Reinigung garantiert „seine“ Arbeitsschutzbekleidung zurückerhält. Bei OP-Textilien dienen diese Identifikationssysteme in erster Linie zur „Einzelteil“-Verfolgung, wie beispielsweise der Speicherung der durchlaufenen Waschzyklen.
Sandra Rauch