Auf der IFAT in München hat der Verband textil+mode eine gemeinsame Herstellerstelle für Textilien angekündigt. Sie soll die Umsetzung der erweiterten Herstellerverantwortung in Deutschland zentral steuern. Die deutsche Textilindustrie will bei der Altkleider-Entsorgung mitentscheiden – und nicht für Billigware aus asiatischen Shopping-Apps zahlen.

Auf der Umweltfachmesse IFAT in München hat der Gesamtverband textil+mode die Gründung einer gemeinsamen Herstellerstelle für Textilien angekündigt. Die Branche reagiert damit auf das geplante Textilgesetz von Bundesumweltminister Carsten Schneider.
Hersteller und Inverkehrbringer von Bekleidung, Heimtextilien und Schuhen wollen die erweiterte Herstellerverantwortung (Extended Producer Responsibility, EPR) künftig gemeinsam organisieren.Hintergrund ist die nationale Umsetzung europäischer Vorgaben, dass Hersteller die die Kosten für Sammlung, Recycling und Entsorgung von Altkleidern tragen sollen.
Kritik an Kostenübernahme für Ultra-Fast-Fashion
Die Präsidentin des Gesamtverbandes textil+mode, Ingeborg Neumann, gab die Gründung während eines Besuchs des Bundesumweltministers auf der Sonderfläche für textile Kreislaufwirtschaft bekannt. Neumann verknüpfte die Ankündigung mit einer deutlichen Forderung: Wer für die Entsorgung von Altkleidern zahlen solle, müsse das System auch mitgestalten und steuern können. Die Hersteller verfügten über die nötige Expertise in Sachen Kreislaufwirtschaft, stünden aber nicht als reine Zahlstelle zur Verfügung.
Besonders deutlich wurde Neumann mit Blick auf den Wettbewerb durch Billiganbieter aus Asien. Mittelständische Textil- und Modeunternehmen, die hochwertige Ware produzierten, dürften nicht für textile Billigstware aufkommen, die über asiatische Shopping-Apps auf den deutschen Markt gelange. Hier setze die Branche ein Stoppzeichen.
Aufgaben der neuen Herstellerstelle
Laut textil+mode soll die gemeinsame Herstellerstelle eine zentrale koordinierende Rolle im EPR-System für Textilien übernehmen. Zu den Aufgaben zählen die Steuerung und Beaufsichtigung der Organisationen der Herstellerverantwortung auf Basis transparenter und einheitlicher Kriterien sowie die Sicherstellung einer industriegetragenen Systemarchitektur ohne Doppelstrukturen.
Hinzu kommen die Bündelung branchenspezifischer Expertise für Bekleidung, Heimtextilien und Schuhe sowie die Mitwirkung an einer kosten- und bürokratieeffizienten Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben. Rein beratende Gremien ohne Entscheidungsbefugnisse reichen nach Ansicht des Verbands nicht aus, um ein leistungsfähiges und rechtsstabiles System zu gewährleisten.
Forderung nach Einbezug internationaler Anbieter
Ein zentrales Anliegen der Industrie ist die verbindliche und gleichmäßige Einbeziehung aller Marktakteure – einschließlich internationaler Fast-Fashion-Anbieter und Plattformen aus Drittstaaten. Andernfalls drohten Wettbewerbsverzerrungen, und die EPR-Kosten würden einseitig deutsche Unternehmen belasten.
Zugleich fordert die Branche eine transparente Kostenstruktur auf Basis belastbarer Analysen sowie wirksame Mitwirkungs- und Kontrollrechte der Hersteller. Das System solle eine klare ökologische Lenkungswirkung entfalten und Anreize für langlebige, reparierbare und kreislauffähige Produkte setzen.
Neuausrichtung der Alttextilsammlung gefordert
Die Textil- und Modeindustrie spricht sich darüber hinaus für eine grundlegende Neuausrichtung der Alttextilsammlung aus. Nötig seien klare Zuständigkeiten, verlässliche Daten und der Ausschluss von sogenanntem „Cherry Picking“, bei dem nur die werthaltigen Altkleider abgeschöpft werden.
Statt starrer Vorgaben verlangt der Verband dynamische, rechtssichere Quotenmodelle. Begründung: Hersteller hätten keinen direkten Einfluss auf das Rückgabeverhalten der Verbraucherinnen und Verbraucher. Mit der Gründung der Herstellerstelle bekräftigt die Branche nach eigenen Angaben ihren Willen, Verantwortung für eine funktionierende und ressourcenschonende Kreislaufwirtschaft zu übernehmen – allerdings nur unter der Bedingung, dass Hersteller verbindlich in Steuerung, Organisation und operative Entscheidungen eingebunden werden.