Unzählige farbenprächtige und reichlich verzierte Kostüme gehören zum Fundus des Stuttgarter Staatstheaters. Eine eigene Reinigung mit sechs Mitarbeitern sorgt dafür, dass die Kostüme der Schauspieler auf der Bühne tadellos aussehen. An die Reinigungstechnik werden dabei hohe Ansprüche gestellt.
Hinter den Kulissen
Der Weg in die Reinigung führt durch verwinkelte Gänge. Ab und zu lassen halboffene riesige Schiebetüren einen Blick in große und hohe Räume zu, in denen einige Techniker gerade ein Gerüst aufbauen. Im nächsten Raum lagert eine nachgebildete Felsenlandschaft. Es ist nicht schwer zu erraten, dass die Reinigung, die wir heute besuchen, keine Laufkundschaft betreut. Eine Menge Ware gibt es hier hinter den Kulissen des Staatstheaters Stuttgarts dennoch zu reinigen. Kostüminspektor Burkhard Klein erklärt: „Die Reinigung ist in unserem Haus der Kostümabteilung angegliedert.“ Und diese Kostümabteilung ist die größte in Deutschland. Rund 140 Personen arbeiten hier. Insgesamt beschäftigt das Stuttgarter Staatstheater 1.200 Mitarbeiter. Über wie viele Kostüme das Theater verfügt, vermag Burkhard Klein kaum zu schätzen: „Das geht in die Hunderttausende“, sagt er.
Zur Kostümabteilung gehören fünf Schneidereien, eine Modisterei, eine Rüstermeisterei, die Degen und andere Waffen für die Bühne herstellt, das Kunstgewerbe, wo Kostüme mit Pailletten und Schmuck veredelt werden, und schließlich eine Färberei und eine Reinigung. Sechs Mitarbeiter sorgen hier in der Reinigung dafür, dass allen Schauspielern, Opernsängern und Tänzern die benötigten Kostüme für Proben und Aufführung tadellos zur Verfügung stehen. Zur professionellen Ausstattung der Reinigung gehören zwei Waschschleudermaschinen, zwei Trockner, eine Reinigungsmaschine, ein Detachiertisch sowie Hosentopper und Finisher. Bearbeitet werden verschiedenste Wäschearten von Handtüchern aus der Maske bis hin zur Berufsbekleidung der Techniker. „Der größte Teil aber sind natürlich die Kostüme der Schauspieler“, so Burkhard Klein. Und diese zu reinigen, ist nicht immer einfach. Schließlich müssen auch Kleider, die mit Kunstblut durchtränkt oder über und über mit Schlamm beschmiert sind, bis zum nächsten Auftritt wieder tadellos aussehen.
Ein Blick auf die gereinigten Kostüme, die an einer Stange hängen und noch auf ihr Finish warten, zeigt, was der Zuschauer später im Theatersaal nicht mehr genau erkennt: Hier stimmt alles bis ins kleinste Detail, vom Kragen über das Ärmelbündchen bis zum Saum. Ein farbenprächtiges Kleid aus dem Stück „Romeo und Julia“ ist mit Pailletten und Borten reichlich verziert, zahlreiche Abnäher sorgen für den perfekten Sitz. Schließlich muss das Kostüm den Schauspielerin in ihrer Rolle unterstützen.
Doch gerade die Pailletten und die große Farbenvielfalt der Kostüme stellen für die Reinigung eine Herausforderung dar. „Einen großen Schrecken haben wir bekommen, als die Anzüge der Tänzer der ,Nussknackersuite‘ einen grünen Schimmer hatten“, erinnert sich Burkhard Klein. Bis zum Auftritt hatte das Team der Reinigung die Verfärbung jedoch wieder in den Griff bekommen.
Diese besonderen Herausforderungen waren auch der Grund, warum sich die Kostümabteilung im September 2008 für die Anschaffung einer neuen KWL-Reinigungsmaschine entschied. Die alte Maschine wurde vorzeitig ausgetauscht, ihre zwei Tanks erwiesen sich als ineffizient. „Wegen der extremen Abfärbung war die Destillation immer öfter überfordert“, erklärt Joseph Reuter von Easzyclean, der die Theaterreinigung betreut. „Jetzt steht hier unsere Reinigungsmaschine EC 115. Sie arbeitet mit drei Tanks und erfüllt daher die Bedürfnisse des Theaters besser.“ Hohe Schleuderzahlen von 900 U/min in Kombination mit einer konzentrationsüberwachten Trockensteuerung sollen kurze Chargenzeiten und einen optimalen Warenausfall ermöglichen. Um die Ausfärbung in Grenzen zu halten, hat das Lösungsmittel eine Temperatur von 21 °C, nicht wie üblich eine Temperatur von 25 bis 28 °C.
„Ganz einfach war es jedoch nicht, bis die Maschine ihren Platz gefunden hatte“, erinnert sich Joseph Reuter. Für die Einbringung stand lediglich eine Tür in normaler Breite zur Verfügung. „Ein Vorteil der Bauweise dieser Maschine ist, dass die Tanks auf der Wanne verschraubt sind, so dass wir sie komplett zerlegen konnten“, sagt er. Bei der Konstruktion dieser Maschine, die seit drei Jahren auf dem Markt ist, wurde besonders auf eine einfache und klare Benutzerführung geachtet. „Der Bediener erhält alle Informationen im Klartext über das Display“, erklärt Reuter. Über die Touchscreen-Steuerung gibt der Reiniger ein, ob die Maschine wenig, mittel oder viel beladen wurde. „Das Lösungsmittel sowie der Reinigungsverstärker und die Drehzahlen beim Waschen und Trockenen passen sich dann optimal an“, so Reuter weiter. Temperatur, Druck und Lösungsmittelkonzentration lassen sich per Fingerdruck einsehen.
Reuter spricht die Dokumentation in diesem Arbeitsschritt des Reinigens an: „Die Historie zeigt an, welche Charge wann gestartet wurde. Diese Daten werden automatisch auf einer Speicherkarte aufgezeichnet“, erklärt er. Auf Wunsch gibt das Display auch Auskunft, welcher Mitarbeiter die Charge bearbeitet hat.
Bei Betrieben mit mehreren Filialen kann auch die Zweigstelle sowie die Lkw-Route zugeordnet werden. „Diese Daten können übrigens auch vom Büro aus über den PC eingesehen werden“, merkt Reuter an.
Steht eine Wartung an, meldet sich die Maschine und bietet gleich einen Lösungsvorschlag. „Falls doch einmal ein Problem auftaucht, steht direkt gegenüber der Maschine ein Telefon, das die Mitarbeiter schnell mit dem Unternehmen verbindet“, sagt Reuter.
In der Zwischenzeit ist eine Bluse mit Spitzenbesatz fertig fürs Finish. Rund 100 Jahre ist dieses Bekleidungsstück alt, schätzen die Mitarbeiter. „Viele Schätze lagern hier im Theater und in einem Außenlager“, merkt Burkhard Klein an. Besonders alte und wertvolle Kostüme dienen jedoch nur als Anregung für die Schneider und werden für die Aufführungen nicht mehr getragen. An die Pflege der Textilien wird bereits in diesem Stadium gedacht: Nachdem neue Kostüme in der Schneiderei entstanden sind, werden sie probegereinigt – schließlich sollen sie zahlreiche Proben und Aufführung überstehen.Vanessa Ebert