Hohenstein hat einen neuen Prüfstandard entwickelt: die DIN SPC 19296. Damit lässt sich erstmals standardisiert prüfen, welche Auswirkungen Textilien auf Böden haben, wenn sie als Fasern oder Alttextilien in der Umwelt landen.

„Textile Fasern und Fragmente gelangen nicht nur beim Waschen, sondern auch beim Tragen in die Umwelt“, sagt Hohenstein-Projektleiterin Juliane Alberts. Mit der neuen DIN SPEC 19296 hat Hohenstein erstmals ein standardisiertes, ganzheitliches Prüfverfahren entwickelt, das untersucht, wie sich diese Fragmente im Boden verhalten. Wie sie dort reagieren und welche ökologischen Auswirkungen sie haben, war bislang weitgehend unklar.
Was prüft die neue DIN SPEC 19296?
„Mit der DIN SPEC 19296 können wir erstmals unter realitätsnahen Bedingungen prüfen, wie sich verschiedene textile Fragmente im Boden verhalten“, erklärt Alberts.
Textile Fasern gelangen durch Nutzung, Abrieb oder Entsorgung in die Umwelt.
Die Prüfungen erfolgen in standardisierter Erde unter definiertem Normklima und dauern bis zu 180 Tage.

Dabei fließen verschiedene Messgrößen ein:
- Ein Respirometersystem ermittelt, wie viel Sauerstoff Bodenmikroorganismen beim Abbau der Materialien verbrauchen, um den biologischen Abbau der Textilfragmente zu berechnen.
- Ergänzend werden nach der Biodegradation Kressesamen in der Erde mit den verbliebenen Rückständen ausgesät, um mögliche Auswirkungen auf das Pflanzenwachstum zu untersuchen.
- Ein weiterer zentraler Bestandteil ist der Test mit Regenwürmern, die aufgrund ihrer hohen Empfindlichkeit gezielt als Bioindikatoren eingesetzt werden. Anhand von Überlebensrate und möglichen Masseverlusten lässt sich bewerten, ob die abgebauten Textilfragmente oder verbleibende Rückstände eine toxische Wirkung im Boden entfalten.
Der ganzheitliche Ansatz zeigt damit nicht nur, ob Materialien biologisch abgebaut werden, sondern auch, ob dabei Rückstände entstehen, die Pflanzen oder Bodenorganismen schädigen könnten.
Faserverlust: Standard ermöglicht Umweltfolgen einzuschätzen
Die DIN SPEC 19296 entwickelte Hohenstein gemeinsam mit Industriepartnern. Sie ist öffentlich zugänglich. Der neue Standard ermöglicht u. a., irreführende Aussagen wie „kompostierbar“ kritisch zu hinterfragen. Die Ergebnisse helfen, die tatsächlichen Umweltfolgen des textilen Faserverlusts besser einzuschätzen, geeignete Schutzmaßnahmen abzuleiten und Materialien mit geringerem umweltschädlichen Faserverlust für die Textilindustrie zu entwickeln.