Vom Einmann- bis zum Großbetrieb reicht das Kundenspektrum der Wäscherei Abel. Um den eigenen Anforderungen und denen der Kunden gerecht zu werden, engagiert sich der mittelständische Betrieb im Umwelt- und Arbeitsschutz. Zahlreiche Zertifizierungen zeigen den Erfolg.
Immer einen Schritt voraus
Ein typischer Tag im November: Dichter Nebel hängt über ganz Bayern. „Auf manchen Straßenabschnitten sind die Sichtweiten unter 50 Meter“, warnt ein Radiomoderator. Je weiter man in den Süden fährt, desto dicker scheint die Nebelwand zu werden – dass hier normalerweise Berge zu sehen sind, kann man nur erahnen. Auf einmal ist der Nebel kein Nebel mehr – er wird zum Dampf einer Wäscherei. Zum Dampf der Wäscherei Abel in Anger-Aufham bei Bad Reichenhall.
Die Maschinen laufen hier auf Hochtouren, denn täglich müssen 37 bis 38 Tonnen Wäsche bearbeitet werden. Das war nicht immer so. „Meine Eltern eröffneten 1965 in Bad Reichenhall einen Münz-waschsalon mit sechs Waschmaschinen“, erzählt Christian Abel. 20 Jahre später wird der Betrieb von ihm und seiner Frau Sieglinde neugegründet. Die erste Betriebsstätte war die „Alte Saline“ in Bad Reichenhall, die mit großem finanziellen Aufwand und entsprechendem Risiko umgebaut wurde. Besondere Hilfe erfuhr die junge Wäscherei v.a. vom Seniorchef Heinz Abel. „Von meinen Eltern bekamen wir natürlich die Sicherheit für den Neuaufbau. Mein Vater konnte uns mit seiner Erfahrung und seinen Kontakten besonders in der Außendienstarbeit helfen. Er hörte sich unsere Probleme an, konnte uns gut beraten und uns somit auch den Kopf für die Arbeit frei halten“, erinnert sich Christian Abel. 1992 konnte „vor den Toren von Bad Reichenhall“ – am heutigen Firmensitz in Anger-Aufham – ein Betrieb mit vorerst 2.600 m2 errichtet werden. Im Laufe der Jahre erweiterte die Familie Abel durch den Zukauf von Grundstücken die bestehende Halle auf die heutige Fläche von ca. 9.800 m2. „Während des Umbaus lief der Wäschereibetrieb immer weiter. Schulungen wurden abgehalten, um die Hygiene- und Sicherheitsvorschriften einhalten zu können. Für den Innenausbau legten unsere Mitarbeiter Wochenendschichten ein“, beschreibt Christian Abel die Zeit der Umbruchsphase. „Wir mussten ganz schön jonglieren, denn gleichzeitig kamen auch schon neue Kunden. Es war toll zu sehen, dass alle Mitarbeiter am gleichen Strick zogen und das Vorhaben unterstützten.“
Heute steht das Unternehmen dort, wo es der Juniorchef hinführen wollte, und es hat sich vom Münzwaschsalon zum mittelständischen Objektbetrieb gewandelt. Doch um weiterhin Erfolg zu haben, muss man immer einen Schritt voraus sein. „Wachstum erreicht man nur durch Strukturierung“, ist Christian Abel überzeugt. Aus diesem Grund legt er besonderen Wert auf Arbeits-, Gesundheits- und Mitarbeiterschutz.
Seit 1995 ist die Wäscherei beim Umweltpakt Bayern, 2000 erhielt sie den dritten Platz beim Arbeitsschutzpreis und seit 2002 ist sie nach DIN EN ISO 9001:2000 zertifiziert. „Die DIN-EN-ISO-Zertifizierung ist ein richtiger Selbstläufer und wird von Jahr zu Jahr besser. Jeder Mitarbeiter hat die Möglichkeit, seine Ideen in die Firma einzubringen“, erklärt Abel. Um die Kommunikation zu fördern, gibt es Schnittstellen. So kann beispielsweise der Mitarbeiter, der an einer Maschine steht, seinem Teamleiter Wünsche und Anregungen mitteilen, die dieser dann an eine höhere Ebene weitergibt.
Jede Woche gibt es ein Teamleitertreffen, um die Kommunikation immer in Gang zu halten und sofort reagieren zu können. „Wir haben auch einen Ideen-Briefkasten, in welchem die Mitarbeiter Ideen, aber auch Beschwerden einreichen können“, sagt die Buchhalterin der Wäscherei Abel. Dieser wird im 14-tägigen Rhythmus geleert. Die Vorschläge werden entweder sofort an die Geschäftsleitung weitergereicht oder bei der nächsten Teamleitersitzung besprochen und umgesetzt. „Eine Mitarbeiterin nutzt diese Art der Kommunikation fast jedes Mal.“
Bei der Wäscherei Abel sind die RAL Hygienezeugnisse RAL RG 992/1/2/3 seit 1988 eingeführt. Somit können alle Kunden aus dem Gesundheitswesenbereich, lebensmittelbe- und verarbeitende Betriebe und alle Objektkunden bedient werden.
Seit 2003 ist die Firma auch OHRIS-zertifiziert. Die Re-Zertifizierung des Arbeitsschutzmanagementsystems OHRIS erfolgte im Oktober 2006. Zertifizierungen über Zertifizierungen – und es geht noch weiter. Im November 2006 erhielt die Wäscherei Abel außerdem die Zertifizierung QuB, deren Abkürzung für Qualitätsverbund umweltbewusster Betriebe steht. „Wir wissen zwar nicht, wie der Kunde das bewertet, aber es ist auch wichtig, dass die Mitarbeiter wissen, mit welchen Ressourcen sie arbeiten“, erklärt Christian Abel. „Unsere Philosophie lautet:Der Kunde steht imMittelpunkt. Die Umwelt schonen und Ressourcen sparen. Individuelle Lösungen schaffen und die Kosten der Kunden senken.“
Um diese Philosophie auch gut umsetzen zu können, arbeiten 170 Mitarbeiter in zwei Schichten. Neben Hotels, Gaststätten, Krankenhäusern und Pflegeheimen sind auch Privatleute Kunden der Wäscherei Abel. „Bei Großkunden holen wir die Wäsche mit dem LKW ab, aber auch z.B. ältere Menschen können von diesem Service profitieren“, sagt Sieglinde Abel. Hat der Fahrer die Wäsche abgeholt, wiegt und sortiert er sie. „Heimtextilien, Berufs- und Bewohnerkleidung werden zur Bearbeitung in den ersten Stock weiter transportiert. Kochbare Bett- und Frotteewäsche sowie Krankenhauswäsche wird im Erdgeschoss auf die Waschstraßen sortiert“, erklärt Christian Abel. „Jede Abteilung weiß, wann welche Wäsche fertig sein muss. Der Versand erstellt dafür immer eine Liste“, fügt Sieglinde Abel hinzu. Bei der Eingangskontrolle erfasst ein Mitarbeiter die gelieferten Wäschestücke einzeln elektronisch in der EDV. An der Hängebahn wird die Kleidung in Säcke sortiert, wobei jeder Sack für einen bestimmten Kunden steht. Er legt das Waschprogramm fest und die Wäschesäcke gelangen so in eine der drei Waschstraßen. Die einzelnen Posten werden getrennt und kundenbezogen bearbeitet.
Flachwäsche wird nach dem Waschgang an der Großteilaufgabestation nach Bezügen, übergroßen Teilen und Laken sortiert und auf die Speicherbahn gehängt. Lange weiße Tücher schweben wie Geister an dieser Bahn entlang. „Die Großteilmangel ruft schließlich das Programm, das sich am Kunden orientiert, automatisch ab und nach dem die großen Teile die Mangel durchlaufen haben, werden sie auch automatisch von der Faltmaschine gefaltet“, beschreibt Christian Abel.
Kleinere Teile, z.B. Tischwäsche, kommen von der Waschstraße ebenfalls auf ein Absortierband und werden dann nach Artikeln und Kunde sortiert. Von dort werden sie auf die Eingabemaschine gelegt, wobei an der Einwurfwalze die Ecken ausgezogen werden. „Nachdem sie Mangel und Faltmaschine durchlaufen haben, sortieren Mitarbeiter die Wäsche nach Farbe und Artikel und falten sie gegebenenfalls nach“, sagt Sieglinde Abel. In der Frotteeabteilung werden die gewaschenen Artikel nach Handtuch, Badetuch und Badevorleger auf drei Stapler gelegt. Bademäntel, Waschlappen und ähnliche Textilien werden aussortiert und müssen von Hand zusammengelegt werden. An jeder Maschine können die Mitarbeiter an der Kundennummer erkennen, welche Faltung hinterlegt ist. „Früher war das sehr anstrengend, weil jeder die Faltung kennen musste. Heute kennt es die Maschine. Die Mitarbeiter kontrollieren nur noch, ob alles korrekt ist“, bemerkt Sieglinde Abel. Mit der Vielzahl von Faltprogrammen könne man es ermöglichen, auf die individuellen Kundenwünsche einzugehen. Für Berufskleidung hält die Wäscherei drei mögliche Bearbeitungsarten bereit: Pressen, Handbügeln und Tunnelfinishing. So pressen gerade zwei Frauen an der Presse Kabinett die Ärmel und Kragen der Berufskleidung vor, bevor der Rumpf gepresst wird. Anschließend falten sie die Kleidung am Falttisch per Fußschalter. „Die Wäsche, die durch den Finishtunnel läuft, gelangt über den Kontrollplatz zum Faltautomaten. Ein Mitarbeiter überprüft, ob die Faltung in Ordnung ist“, erklärt Sieglinde Abel. Andere Berufskleidung gelangt durch den Finishtunnel zum Faltautomaten. Auf dem Absortierband überprüft ein Mitarbeiter die Faltung – das ist die sogenannte Qualitätskontrolle.
Der heutige Wäschereibetrieb kann nicht mehr mit dem Münz-waschsalon in den 60er Jahren verglichen werden, der damals mit nur zwei Mitarbeitern – den Gründern – startete. In einem Radius von 110 Kilometern versorgt die Wäscherei Abel heute Groß- und Kleinkunden. Christian Abel weiß, dass der Erfolg auch immer von den Mitarbeitern mitgetragen wird und bildet so im eigenen Unternehmen auch immer wieder Textilreiniger aus. Obwohl Lehrstellen in Deutschland knapp sind, hat er die Erfahrung gemacht, dass Lehrlinge die Branche mit Skepsis betrachten. „Viele wissen manchmal nicht, was sich hinter dem Beruf Textilreiniger verbirgt und wie abwechslungsreich er sein kann“, beschreibt er die Situation. Außerdem sei es vielen nicht klar, dass die Ausbildung nicht so einfach ist, wie man sich das vielleicht vorstellt. „Um in diesem Beruf zu bestehen, muss man Interesse haben.“ In der Wäscherei Abel wird das Interesse der Mitarbeiter immer wieder von Neuem geweckt. Hier können sie selbst mitwirken und ihre Ideen in die tägliche Arbeit miteinbringen. Lisa Zeidler