Nach monatelangen, zähen Verhandlungen steht seit Anfang Februar fest: Der insolvente Textilfarbenhersteller DyStar gehört nun zur indischen Kiri Dyes & Chemicals Ltd (KDCL). Die Standorte in Ludwigshafen, Brunsbüttel, Frankfurt und Leverkusen sollen erhalten bleiben - vorerst.

Kaufvertrag unter Dach und Fach
Die DyStar-Insolvenzverwalter Miguel Grosser und Stephan Laberau teilten am 3. Februar 2010 mit, dass der Hersteller von Textilfarben und Hilfsmitteln, Kiri Dyes, die Finanzierung sichergestellt und auch andere Bedingungen erfüllt habe. Laut Informationen des Portals „RP Online“ wurde an diesem Mittwoch um 21.14 Uhr der mehrere hundert Seiten umfassende Vertrag besiegelt.
Über die Höhe des Kaufpreises kann jedoch nur spekuliert werden, denn hier einigten sich beide Seiten auf ein stilles Abkommen. Experten sprechen nach Informationen der „Financial Times Deutschland“ jedoch von bis zu 50 Millionen Euro, die für den Kauf geflossen sein sollen. DyStar hatte zuletzt einen Jahresumsatz von 800 Millionen Euro erwirtschaftet. Das Geschäft mit Textilfarben ( RWTextilservice berichtete in der Februarausgabe) steht jedoch unter hohem Preisdruck durch asiatische Billiganbieter.
Verursacht durch die Wirtschaftskrise, hatte der bisherige Eigentümer Platinum Equity, die finanzielle Unterstützung eingestellt.
DyStar wurde 1995 als Gemeinschaftsunternehmen von Bayer AG, Hoechst AG und Mitsubishi gegründet. Im Jahre 2000 kam zusätzlich das Textilfarbengeschäft der BASF hinzu. Im Jahr 2004 verkauften die drei Chemiekonzerne ihre Anteile an den amerikanischen Investor Platinum Equity. Bis ins Jahr 2008 erweiterte sich DyStar durch neue Akquisitionen, wie z.B. die Boehme-Gruppe im Jahr 2006 und Texanlab im Jahr 2007, beständig.
Mit der Übernahme bleiben bei DyStar nach eigenen Angaben vorerst 750 Arbeitsplätze in Deutschland und 2000 weltweit erhalten. Wie lange dies so bleibt, ist allerdings fraglich. Arbeitnehmervertreter äußerten sich enttäuscht über den Verkauf an den indischen Konkurrenten, allen voran weil Kiri Dyes plane, die Produktion langfristig nach Asien auszulagern. Bereits die Schließung der Produktionsstätte in Geretsried im Dezember sorgte für enormen Unmut. Sie entließ 230 ehemalige DyStar-Mitarbeiter in die Arbeitslosigkeit. Man habe auf den Zuschlag für den chinesischen Investor Hubai Chuyuan gehofft, der zwar Interesse bekundete, letztendlich jedoch kein Angebot unterbreitete.
Nach dem Insolvenzantrag der deutschen DyStar-Gruppe Ende September 2009 war die Produktion an den Standorten Brunsbüttel und Leverkusen komplett eingestellt und die Mitarbeiter wurden vorerst freigestellt. Die Produktion soll jedoch noch im ersten Quartal des aktuellen Jahres wieder aufgenommen werden.
Kiri Dyes hatte bereits im Dezember letzten Jahres eine mögliche Übernahme des um ein Vielfaches größeren Unternehmens DyStar in Aussicht gestellt. Die Finanzierung bereitete dem indischen Anbieter jedoch Schwierigkeiten. Mit einem Jahresumsatz von 43 Millionen im vergangenen Geschäftsjahr ist der Neuerwerb für das indische Unternehmen ein wahrer Kraftakt.
Den Nachweis für das nötige Kapital wollte der Interessent nach Informationen der „Financial Times Deutschland“ zunächst bis Anfang, dann bis Mitte Januar erbringen - beide Termine ließ Kiri Dyes jedoch verstreichen. Die endgültige Ablösesumme wird das Unternehmen auch nicht auf einmal entrichten, sondern in Teilbeträgen.
Die Firma Kiri Dyes & Chemicals Ltd wurde 1998 in Ahmedabad (sechstgrößte Stadt Indiens) gegründet und zählt weltweit zu den führenden Herstellern, Lieferanten und Händlern von Textilfarben und Herstellern. Bisher war das Unternehmen vorrangig auf dem asiatischen und nordamerikanischen Markt aktiv.
Jennifer Zimmermann