Seit die Cleaning Enterprises GmbH mit ihrer Marke Fred Butler auf dem deutschen Markt ist, diskutieren die Textilreiniger über das neue Konzept. Im Gespräch mit ’RWTextilserivce‘ erläutert Andreas Klensch, CEO der Fred Butler Group, die Technik, mit der sein Unternehmen arbeitet. Er sagt:„Die Fachwelt kennt die heute von uns benutzte Maschine noch nicht. Das ist der Schlüssel zu allem.“
RWT:Wie kam es dazu, dass sich Cleaning Enterprises als Mitglied der Linde Gruppe in der Reinigungsbranche engagiert?
Andreas Klensch: Das Thema „Reinigen mit CO2“ gibt es bereits seit Mitte der 80er Jahre. Die Entwicklung ging von den USA aus, damals wurden dort in der Waffenindustrie empfindliche Waffenteile mit CO2 gereinigt. Später ging dieser Trend in die Textilindustrie über. Wir haben folgenden Ansatz:Wir reinigen Textilien mit CO2 unter der Marke Fred Butler, die aus dem Hangers Cleaners Geschäft – einer Franchise-Gruppe aus den USA– hervorgegangen ist. Zunächst waren wir Generallizenznehmer für Europa, haben dann aber festgestellt, dass der Anspruch des Endkunden an eine Marke in Europa ein anderer ist als in den USA. Das Konzept von Hangers Cleaners war sehr kühl. Wir sahen jedoch, dass wir mehr Emotionen brauchen und haben uns für den Pinguin als Logo entschieden.
RWT:Die Reinigung mit CO2 wird in der Branche kritisch gesehen. Wie wird bei Ihnen gereinigt?
Klensch: Wir sind von einer Technik, die im Wesentlichen mit Filtration arbeitet, zu einer Technik gekommen, die mit Destillation arbeitet. Seit 2003 forschen wir gemeinsam mit Electrolux, was auch zu einem exklusiven Bezug der Maschinen von Fred Butler geführt hat. Der Vorteil dieser Weiterentwicklung ist im Wesentlichen eine Destillation, die nach jedem Waschgang das CO2 wieder in gasförmigen Zustand zurückversetzt und reinigt. Für jeden Waschgang steht dadurch wieder gereinigtes CO2 zur Verfügung. Wir arbeiten in einem geschlossenen Kreislauf und benutzen rund 98 %des CO2 nach der Destillation für den nächsten Waschgang. Die restlichen 2 % entweichen beim Öffnen der Türen.
Fachwelt kennt die Maschine noch nicht
RWT: Warum funktioniert das Reinigen mit CO2 Ihrer Meinung nach bei Ihnen?
Klensch: Die Fachwelt kennt die heute von uns benutzte Maschine noch nicht. Das ist der Schlüssel zu allem. Es gibt einen recht umfassenden Bericht über die Anwendung von CO2 von den Hohensteiner Instituten;das ist aber eine andere Maschine und eine andere Technik. Ganz wesentlich ist außerdem der Einsatz von speziellen Detergenzien und Waschsubstanzen. Hier muss noch weiter geforscht werden. Dafür haben wir eine eigene Forschungsgruppe installiert, die der Frage nachgeht:Welche Detergenzien und Programme verwende ich für welche Textilien, um das Waschergebnis weiter zu optimieren?
RWT: Haben Sie keinerlei Probleme mit Ihrer CO2-Technologie?
Klensch: Grundsätzlich wirkt CO2 auf allen Materialien. Es kommt jedoch sehr auf die eingesetzten Waschsubstanzen an. Pailletten und Knöpfe wurden in früheren Berichten als kritisch dargestellt, mit der heutigen Technologie haben wir jedoch keine Probleme mit solchen Applikationen. Vor der Reinigung in CO2 muss intensiv vordetachiert werden. Dazu haben wir eigene Detachiermittel, mit denen das Textil angebürstet und behandelt wird. Der Reinigungsprozess in der Maschine dauert dann zwischen 35 und 40 Minuten Danach kommen die Textilien trocken und kühl aus der Trommel heraus. Außerdem haben wir noch einen Nassreinigungsbereich, der ebenfalls mit Equipment der Firma Electrolux ausgestattet ist. Hierzu gehören u.a. spezielle Trocknungsschränke, in denen besonders schonend bei gleichbleibender Luftfeuchtigkeit getrocknet wird.
RWT: Wie sieht Ihr Vertriebskonzept aus?
Klensch: Das Konzept ist ein Mix aus Vertriebskanälen, die das Volumen zur Zentralanlage liefern. Wir unterscheiden vier Kanäle:Zum einen kalte Shops ohne Technik, in denen mindestens eine angelernte Kraft steht, die den Service macht und den Kunden berät. Diese Shops sollen der Marke ein Gesicht nach draußen geben. Im Moment gibt es in Frankfurt/Main vier, in Wiesbaden einen. Das reicht. Über die Shops soll jedoch nur ein Bruchteil des Volumens generiert werden.
Ein weiterer Kanal ist der sogenannte Office-Service:Hier werden die Kleidungsstücke in Bürogebäuden an einem gebrandeten Annahmepunkt mit Box abgegeben und die gereinigten Teile nach 48 Stunden wieder zurückgelegt. Abgerechnet wird über Einzugsermächtigungen. In Frankfurt haben wir bereits rund 80 größere Bürogebäude, in denen wir diese Boxen installiert haben und die von den Mitarbeitern genutzt werden. Hier arbeiten wir auch häufig mit Facility-Management-Unternehmen zusammen, die den Service für ein Gebäude zentralisieren.
Mit umweltfreundlicher Technologie Nische besetzen
Der dritte Bereich ist das Shop-in-Shop-Konzept, wo wir dem Gedanken folgen, dort zu sein, wo der Kunde ist, z.B. in Warenhäusern oder Drogerien. Hier sind wir gerade in eine Kooperation mit einer nationalen Drogeriekette gestartet. Der vierte Bereich ist das B2B-Geschäft, bei dem der Rechnungsempfänger eine Firma ist. Im Textilleasinggeschäft verstärkt sich der Bereich von Frontdesk-Textilien, die gereinigt werden müssen. Hierfür eignet sich die faserschonende CO2-Reinigung und entspricht auch den mehr und mehr vorhandenen unternehmensinternen Umweltpolicies. Fred Butler kann jetzt mit seiner zertifiziert umweltfreundlichen Technologie diese Nische besetzen.
RWT: Wie geht es mit Fred Butler in den nächsten Jahren weiter?
Klensch: Im Moment gibt es die Marke in vier europäischen Ländern:Schweden, Dänemark, Holland und Deutschland und wir haben insgesamt sieben Betriebe, sogenannte Plants. Mittlerweile arbeiten rund 100 Mitarbeiter bei Fred Butler, plus rund 60 in den Shops und Plants. Die nächste Anlage wird in Feldkirchen bei München entstehen. Wir denken, sie Mitte Februar eröffnen zu können. Die Ausstattung hier ist identisch zu der in Frankfurt-Höchst, nämlich eine Vier-Maschinen-Plant, d.h. dass auch in Feldkirchen vier CO2-Maschinen stehen werden.
Außerdem fühlen wir uns jetzt reif, die Plants auch in die Hände von Franchise-Unternehmen zu legen und das soll im nächsten Jahr sechs Mal passieren. Außerdem wird es sechs weitere eigene Anlagen in Deutschland geben. Die Akquise läuft seit einigen Wochen und das Interesse ist riesig. Wir zielen jedoch nicht darauf ab, Textilreiniger als Franchise-Nehmer zu gewinnen, sondern mittelständische Unternehmer, die ein weiteres Standbein aufbauen wollen sowie leitende Angestellte, die ein unternehmerisches Engagement eingehen wollen. Fachkräfte würden eher als Plant-Manager, sprich technische Betriebsleiter, eingesetzt werden.
RWT: Wie sehen Sie Ihr Verhältnis zur Branche?
Klensch: Ich denke, wir können den Markt expandieren, wenn wir es dem Kunden ermöglichen, ganz bequem die Dienstleistung Reinigung zu nutzen. Im Rahmen des Texcare Forums konnten wir zum ersten Mal transportieren, was wir eigentlich wollen:Wir zielen nicht darauf ab, bestehende Textilreiniger in ein Franchise-System zu übernehmen, haben nur wenig Shops und arbeiten eher über unsere anderen Vertriebskanäle. Einen gewissen Wettbewerb gibt es wohl durchaus. Wir zielen jedoch nicht auf einen Prozentsatz des bestehenden Kuchens, sondern wollen den Markt mit Hilfe der neuen Technologie erweitern.
RWT: Herr Klensch, vielen Dank für das Gespräch. lin
Über Andreas Klensch
Der Managing Director und CEOder Fred Butler Group wurde 1965 in Düsseldorf geboren und studierte Betriebswirtschaftslehre an der Universität Köln. Der Diplom-Kaufmann war während seines Studiums selbstständiger Franchise-Nehmer der Mövenpick Handel und Produktions-GmbH mit Eisboutiquen auf Sylt und am Frankfurter Hauptbahnhof. Danach war er einige Jahre in der Fastfood-Industrie tätig, zunächst als Geschäftsführer und Franchise Manager bei der Grillmaster System-Betriebsgesellschaft, die rund 130 Restaurants in Deutschland betreibt. Von 1998 bis 2005 schließlich war er Franchisedirektor beiBurger King für Deutschland und die Schweiz. Seit 2006 ist er bei Cleaning Enterprises, einem Mitglied der Linde Gruppe, Pullach bei München.