Mittlerweile hat sich die Zentralwäscherei der städtischen Münchner Kliniken zum Textilserviceunternehmen entwickelt und übernimmt für ihre Kunden die Dienstleistungen von der Auswahl über die Aufbereitung bis zur Bereitstellung der Wäsche. Durch insgesamt 13 Berufskleidungsautomaten wird die Krankenhausbelegschaft rund um die Uhr mit frischer Kleidung versorgt.
Kleidung auf Knopfdruck
Der Bereich Textilservice ist ein Teil des Städtischen Klinikums München GmbH. Dazu gehören neben der Wäscherei auch die fünf Krankenhäuser Bogenhausen, Neuperlach, Harlaching, Schwabing und Thalkirchener Straße sowie das Institut für Pflegeberufe und der Blutspendedienst. Mit 3.500 Betten, 260 tagesklinischen Plätzen und 8.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist das Großklinikum nach eigenen Angaben der größte Anbieter von Gesundheitsdienstleistungen im süddeutschen Raum.
Eine große Herausforderung für die ehemalige Zentralwäscherei, die sich mittlerweile in „Textilservice“ umbenannt hat. Die Namensänderung macht deutlich, dass sich die Aufgaben im Laufe der Zeit geändert haben. Heute gehört nicht mehr allein das Waschen der Wäsche zu den Leistungen des Betriebes – vielmehr wird den Kunden eine textile Vollversorgung geboten. Die Kunden sind zu 80 Prozent die Krankenhäuser der Gesellschaft, zehn Prozent entfallen auf insgesamt sechs Altenheime, der Rest teilt sich auf verschiedene Institutionen auf, wie z.B. die Stadtwerke München oder ambulante OP-Praxen. „Mit dem Faktor Wäsche haben die Krankenhäuser und Altenheime mittlerweile nichts mehr zu tun“, so Dipl.-Ing. (FH) Georg Bogenhauser, Betriebsleiter des Textilservices. Von der Auswahl der Wäsche über die Aufbereitung, Pflege und Bereitstellung liegt alles in den Händen der Wäscherei. Damit diese Vollversorgung auch in den großen Einrichtungen reibungslos funktioniert, hat die Wäscherei ein serviceorientiertes Personalmodell eingeführt: 20 der 130 Mitarbeiter arbeiten vor Ort in den fünf Krankenhäusern. Sie bringen die Wäsche auf die Stationen, fordern die benötigte Wäsche in der Wäscherei an, überwachen den Wäschekreislauf, bestücken und betreuen die Berufskleidungsautomaten und sind Ansprechpartner vor Ort. Betritt man die unreine Seite der Wäscherei, sind kaum Mitarbeiter zu sehen. „Dank der modernen Technik passiert viel automatisch, so dass auf der unreinen Seite nur vier Mitarbeiter eingesetzt werden müssen“, erklärt Bogenhauser. An der Anlieferung herrscht reger Betrieb, ein Lkw bringt containerweise verschmutzte Krankenhauswäsche. „Fünf Lkws fahren ständig zwischen den Einrichtungen, die versorgt werden, und der Wäscherei hin und her“, sagt Bogenhauser. Die farbigen Kennstreifen an den Wäschesäcken verraten die Art des Inhalts auf den ersten Blick, ob es sich z.B. um Stations- oder OP-Wäsche handelt. Die Codierung der Rollcontainer verrät die Einrichtung. Sofort nach ihrer Ankunft werden die Container gewogen. Eine Kontrollmaßnahme – weicht das Gewicht des Wareneingangs von dem des Warenausgangs ab, wird eventueller Schwund bemerkt und die Wäscherei kann sofort reagieren, statt erst bei der Abrechnung.
Ein Mitarbeiter sortiert die Wäsche grob vor. Am Terminal gibt er an, ob es sich z.B. um Stationswäsche oder Berufskleidung handelt. Anschließend wandern jeweils 50 kg Wäsche in einen Sack der Sackspeicheranlage. Die Wäsche gelangt so automatisch in das Zwischenlager im Obergeschoss und wird über der richtigen Waschstraße abgeworfen. Die Großwäscherei verfügt über drei Waschstraßen. In der ersten (19 Kammern) wird vorwiegend Stationswäsche gewaschen. In den 16 Kammern der zweiten Waschstraße wird überwiegend OP-Wäsche bearbeitet. Die beiden Anlagen sind Jensen-Senking-Waschstraßen, die dritte ist eine Jensen-Universal-Straße. An deren Ende steht keine Presse, wie bei den beiden anderen Maschinen, sondern eine Zentrifuge. Hier wird die Berufskleidung gewaschen, die meist aus Mischgewebe besteht und daher schonender behandelt werden muss. Vier Waschschleudermaschinen stehen der Wäscherei zur Verfügung (60 kg, zweimal 110 kg und 140 kg). Hier wird Infektionswäsche gewaschen und auch Spezialfälle werden wiederaufbereitet: „Zum Beispiel wenn die Klinik Moorbäder anwendet oder die Wäsche hartnäckig verfleckt ist“, erklärt Bogenhauser.
Auf der reinen Seite kann die Wäsche auf vier Mangelstraßen, einem Einroller und drei Trockenfaltmaschinen bearbeitet werden. Formteile können in einer Finishanlage mit einem Tunnelfinisher von Kannegiesser aufbereitet werden. Auch an die Umwelt und den Energieverbrauch denkt man hier: Der Tunnelfinisher wird mit Gas befeuert. „So können wir 20 Prozent der Energiekosten einsparen“, rechnet Bogenhauser vor. Wie glatt das Wäschestück letztendlich aussehen soll, kann eingestellt werden, damit nicht unnötig Energie verbraucht wird. Drei zusätzliche Kabinette und eine Hosenpresse stehen außerdem zur Verfügung.
Die Berufskleidung, die der Textilservice für die Belegschaft der Krankenhäuser und Altenheime und andere Institutionen im Mietverfahren anbietet, ist mit Transpondern von Datamars versehen. „Am besten ist es, wenn man die Chips gleich beim Fertigen der Kleidung einplant und einnäht. Späteres Nachrüsten ist schwieriger“, sagt Bogenhauser. An den sechs Aufgabestationen werden die Daten aus dem Chip mit dem Kleiderbügel, der ebenfalls mit einem Transponder ausgestattet ist, verheiratet. Über ein Hängebahnsystem werden die Kleidungsstücke weitertransportiert. Passieren die Artikel die Datamars-Antenne, wird automatisch erkannt, ob die Kleidung im Faltautomat oder im Kundenspeicher landen soll.
Die Kleidung, die für die Berufskleidungsautomaten gedacht ist, die mittlerweile in vier Krankenhäusern stehen und die Belegschaft rund um die Uhr mit frischer Kleidung versorgen, wird in die entsprechenden Kreisel der verschiedenen Krankenhäuser geleitet. Rund 20 verschiedene Artikel, verschiedene Ausführungen von Berufskleidung in unterschiedlichen Größen und Längen, stehen aus dem Automaten zur Verfügung und stellen sicher, dass jeder Mitarbeiter eine passende Ausstattung erhält. Über eine Personalkarte wird der Mitarbeiter identifiziert und erhält dann eine Auswahl der Artikel, die für ihn verfügbar sind. „Die Bedienung ist einfach, der Mitarbeiter kann eigentlich kaum einen Fehler machen“, erklärt Hartmut Mitschke, Leiter des Bereiches IT und Technik des Textilservices. Insgesamt 13 Berufskleidungsautomaten von Kannegiesser versorgen ca. 7.000 Krankenhausmitarbeiter täglich. Laut Detlef Gerstemeier wurde dieses System gut vom Krankenhauspersonal angenommen. „Trotz der einfachen Bedienbarkeit wurden die Mitarbeiter gut eingewiesen und die ersten drei Wochen bei der Bedienung betreut.“ Es sei wichtig, dass das Personal die Gründe für die Anschaffung eines solchen Automaten kennt und somit auch die Vorteile. „Die Mitarbeiter haben rund um die Uhr und auch am Wochenende Zugriff auf frische Kleidung. Auch die Wegezeiten wurden verkürzt.“ Zudem ist die Hygiene durch ein solches System noch besser gewährleistet. Bevor die Mitarbeiter der Einrichtungen ein neues Set erhalten, müssen sie eines zurückgeben. Die Kleidung bleibt also nicht mehr über längere Zeit ungewaschen liegen. Außerdem hat das Krankenhaus eine genaue Kontrolle darüber, ob die ausgeteilte Kleidung auch wieder zurückgegeben wird.
Auch für die Wäscherei bietet das System Vorteile: „Da die Wäsche hängend ausgeliefert wird, bedeutet das Arbeitserleichterung, da der gesamte Arbeitsgang des Faltens wegfällt“, berichtet Gerstemeier. Dadurch, dass die Daten des Trägerverhaltens gespeichert werden, erhält der Textilservice Auskunft darüber, wie der Automat optimal bestückt werden sollte. „Der Bestand der Berufskleidung konnte mit diesem System im Gegensatz zur personifizierten Berufskleidung, wie sie früher in den Krankenhäusern eingesetzt wurde, um die Hälfte reduziert werden“, erklärt Gerstemeier.
Für einen kleinen Teil der Belegschaft konnte die Berufskleidung jedoch nicht standardisiert werden. Für Mitarbeiter, die Sondergrößen tragen und spezielle Berufsgruppen, wie die der Köche, hält der Automat die persönliche Kleiung bereit. ve