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Waschnorm ISO 15797 Leasingtauglichkeit von Textilien: Zwischen Norm und Normalität

An der Waschnorm ISO 15797 ist nichts zu rütteln, wenn es um die Bewertung leasingfähiger Textilien, Workwear, Schutzbekleidung und Objektwäsche geht. Sie ist allerdings nur ein Hilfsmittel. Die Praxistauglichkeit wird immer noch im Betrieb erprobt.

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Es ist ungefähr 30 Jahre her, dass meine frühere Kollegin und ich einmal pro Woche im Waschlabor standen und Berufskleidung für Industrie und Gesundheitswesen auf ihre Prozesstauglichkeit untersuchten. Wir hatten eine 30-kg-Waschschleudermaschine und einen Tumbler, mit denen wir typische Produktionsverfahren nachstellen konnten und die wir regelmäßig mit den neuesten Mustern aus der Einkaufsabteilung füllten. Unsere Mission war klar: Wir sollten herausfinden, ob die Klamotten für den Mietservice geeignet waren. Als "Inquisitorinnen leasingtauglicher Berufskleidung" hatten wir uns daher mit Maßband, Lupe, Graumaßstab, Fadenzähler und einer "Knitterskala" ausgestattet und legten los. Nach jedem Pflegezyklus bewerteten wir mit kritischen Blicken, was aus den Trommeln herausgekommen war. Mitunter erwies sich dabei, dass Signalrot, Flaschengrün oder Blaumänner zwar wie Berufskleidung aussahen, aber die notwendigen inneren Werte vermissen ließen. Dann hatten wir es mit einem hohen Krumpf, deutlich sichtbarem Pilling, ausbleichenden Farben und manchmal sogar mit einem üblen Fischgestank zu tun, der einem Formaldehydüberschuss aus der Knitterfreiausrüstung zu verdanken war. Solche Artikel wurden meist schon nach wenigen Zyklen ausgemustert und wir gaben nur Bekleidungsteilen eine Chance, die auch nach vielen Wasch- und Trockenzyklen noch maß-, farb- und formstabil waren.

Genormte Verfahren

Die Zeiten der improvisierten Prüfungen sind längst passé. Inzwischen bestimmt die DIN EN ISO 157971 die anzuwendenden Wasch- und Trockenverfahren. Sie unterscheidet acht Standardwaschprozesse sowie zwei Trocknungsverfahren:

  • Waschverfahren für weiße Arbeitskleidung und/oder empfindliche farbige Besatzartikel — Peressigsäurebleiche — volle Beladung (Verfahren 1) und reduzierte Beladung (Verfahren 2),
  • Waschverfahren für weiße Arbeitskleidung — Chlorbleiche — volle (Verfahren 3) und reduzierte Beladung (Verfahren 4),
  • Waschverfahren für weiße Arbeitskleidung und/oder empfindliche farbige Besatzartikel — Wasserstoffperoxid — volle (Verfahren 5) und reduzierte Beladung (Verfahren 6),
  • Waschverfahren für farbige Arbeitskleidung, volle (Verfahren 7) und reduzierte Beladung (Verfahren 8),
  • Trocknen im Tumbletrockner,
  • Tunnel-/Schrankfinish.

Die Hersteller von Berufsbekleidung entscheiden selbst, welche Verfahren sie zur Prüfung anwenden. Arbeitskleidung für das Gesundheitswesen und die Lebensmittelindustrie wird üblicherweise nach desinfizierenden Waschverfahren (1 bis 6) getestet, während für farbige Berufs- und Schutzbekleidung die Prozesse 7 und 8 genutzt werden. Damit haben Konfektionäre ein Instrumentarium in der Hand, das ihnen Vorteile bietet.

Sven Holst, Geschäftsführer von HB Protective Wear, Thalhausen
"Schutzkleidung muss für die Zertifizierung grundsätzlich im Neuzustand und nach fünf Wäschen auf ihre Schutzwirkung überprüft werden, wobei wir entscheiden können, ob nach ISO 6330 für Haushaltswäsche oder nach dem Standard für die Industriewäsche getestet wird. In unserem Labor können wir nach beiden Normen Gewebe und Fertigteile auf Waschkrumpf prüfen, setzen aber wo möglich verstärkt auf die ISO 15797. Bei Hightech-Materialien, die Schutzkleidung leichter, komfortabler und mehrfach funktional machen, stoßen wir mit der Industriewaschnorm jedoch an Grenzen: Viele der neuartigen Materialien mit innovativen (Schutz-)Eigenschaften halten die im Standard vorgegebene Mindestbedingungen noch nicht aus und erfüllen diese Anforderung unter Umständen auch erst in einem nächsten Entwicklungsschritt."

Sven Holst, Geschäftsführer von HB Protective Wear, Thalhausen

Karol Ast, Gesamtvertriebsleiter bei Bierbaum-Proenen, Köln
"Standards wie die ISO 15797 simulieren die tatsächlichen Bedingungen in einer industriellen Wäscherei. Sie legt die Prüfverfahren und Geräte fest, die zur Beurteilung von für das industrielle Waschen vorgesehener Arbeitskleidung verwendet werden können. Sie dient als Grundlage zur Prüfung wichtiger Eigenschaften wie Formbeständigkeit, Nahtkräuselung etc. Wir haben daher in Köln ein eigenes Labor eingerichtet, in dem wir alle unsere Artikel auf Leasingeignung testen können. So geben wir unseren Kunden die Sicherheit, dass eine Berufskleidungskollektion im Leasing funktioniert. Gleichzeitig können wir Neues wagen, denn im Labor lassen sich die geeigneten Waschverfahren austesten. Zusätzlich arbeiten wir aber immer auch noch mit befreundeten Wäschereien zusammen, die Neuteile unter Praxisbedingungen prüfen und beurteilen. Erst danach bringen wir neue Kollektionen oder Kollektionsergänzungen auf den Markt."

⇥Karol Ast, Gesamtvertriebsleiter bei Bierbaum-Proenen, Köln

Keine Lösung für High-Tech-Materialien

Auch die Hersteller von Schutzbekleidung profitieren von der Waschnorm, allerdings mit Einschränkungen.

Als unüberwindbare Hürde für Hightech-Materialien erweisen sich vor allem die in der Norm festzementierte Waschtemperatur von mindestens 75 °C sowie eine Finishertemperatur von 155 °C. Auch moderne Materialien wie beispielsweise Polylactid-Gewebe sind diesen Bedingungen nicht gewachsen. Dabei hätte die Bio-Kunstfaser das Potenzial für eine nachhaltige Alternative zu Polyester, denn beide Fasertypen haben ein sehr ähnliches Eigenschaftsprofil. Allerdings liegt die Erweichungstemperatur von Polylactiden bei etwa 120 °C, was sie für den normkonformen Leasingprozess disqualifiziert. Dabei ist manche Wäscherei durchaus willens, ihre Prozesse auf empfindlichere Materialien – darunter auch Softshells – einzustellen. Dazu kommt, dass die Kosten für Energie derart explodieren und die Entwicklung von Niedrig-Temperaturverfahren weit vorangeschritten sind, dass die durchschnittlichen Waschtemperaturen heutzutage 60 °C kaum überschreiten. Daher muss die Frage erlaubt sein, ob die in der ISO 15797 definierten Verfahren wirklich noch zeitgemäß sind oder zumindest um Prozesse ergänzt werden sollten, die dem Stand der Technik entsprechen.

PRO-aktive Kennzeichnung für Leasingeignung

Die ISO 15797 hat die Grundlage für die Qualitätsprüfung von konfektionierter Arbeitskleidung nach definierten Waschbedingungen geschaffen, die ISO 300232 ermöglicht die Kennzeichnung von Arbeitskleidung für die industrielle Wäsche. Die Qualifizierungssymbole kombinieren der Buchstabencode „PRO“ (professionelle Textilpflege) mit einer rechts daneben angeordneten, inversen Darstellung der Zahlen 1 bis 8. Berufsbekleidungs- und Schutzkleidungshersteller geben mit einer schwarzen Markierung der Zahl das angewendete Waschverfahren an. Daneben findet sich ein sechseckiges Symbol, das die Tumblereignung darstellt und darunter ein dreigeteiltes Quadrat für die Finisher-Eignung.

Leistungskriterien für Benutzersicherheit

Der zweite Anwendungsbereich der ISO 30023 legt die Verwendung der PRO-Symbole durch Qualifizierung der Bekleidung als für die Industriewäsche möglicherweise geeignet fest. Dazu listet die Norm im Anhang A zahlreiche Prüfkriterien auf, nach denen fertig konfektionierte Kleidung getestet werden kann. Dazu zählen beispielsweise Maßstabilität, Pillingneigung, Knittererholung, Farb­echtheiten gegen diverse Bleich-Chemikalien, Lichtechtheit und kombinierte Trockenhitze-Waschechtheit. Außerdem ist eine Bewertung des Warengriffs, des Erhalts von Laminierungen und Beschichtungen in den Kriterienkatalog aufgenommen. Viele dieser Qualitätskriterien werden bereits von den Gewebeherstellern geliefert und in deren technischen Datenblättern spezifiziert. Darüber hinausgehende Prüfungen an einem fertig konfektionierten Teil sollen die Praxistauglichkeit der Kleidung unter Beweis stellen – etwa, indem Ausbluten von Besatzfarben, Intaktheit von Nähten und Säumen oder Funktionserhalt von Accessoires getestet werden.

Egon Dalponte, Senior Product Manager bei Weitblick, Kleinostheim
"Die PRO Kennzeichnung ist ein verkaufsförderndes Argument beim Vertrieb leasingtauglicher Berufskleidung, jedoch eher ein nebensächliches. In der Branche spielen Faktoren wie Qualität, Features, Optik und reale Waschbarkeit eine übergeordnete und wichtigere Rolle. Nach unseren eigenen Erfahrungen und denen unserer Textilservice-Kunden wissen wir, dass die auf der ISO 15797 basierende Kennzeichnung als Indikator einer möglichen Leasingtauglichkeit wahrgenommen wird. Unsere textilen Dienstleistungspartner legen allerdings mehr Wert auf die Erfahrungswerte bzw. Lieferantenstruktur, die eine Beschaffung unserer Materialien von namhaften europäischen Lieferanten voraussetzt."

⇥Egon Dalponte, Senior Product Manager bei Weitblick, Kleinostheim

Christof Dohnke, Geschäftsführer des Dress Line-Partners Johann Hitz, Fürth
"Bevor wir ein neues Produkt aufnehmen, müssen wesentliche Fragen geklärt sein. Wir wollen wissen, wie die Ware in unsere Prozesse passt. Lässt sie sich gut waschen, finishen, reparieren? Läuft sie stark ein, verändern sich die Farben oder die Gewebeoberfläche? Das Zertifikat nach Hohenstein-Standard ist für die Leasingtauglichkeit einer Berufskleidung der erste Indikator. Um das Verhalten im Betrieb wirklich beurteilen zu können, führen wir in der Dress Line-Gruppe immer Waschversuche durch. Das geschieht parallel in verschiedenen Partnerunternehmen, denn keine Wäscherei gleicht der anderen und bringt dementsprechend unterschiedliche Ergebnisse hervor."

⇥Christof Dohnke, Geschäftsführer des Dress Line-Partners Johann Hitz, Fürth

Jede physikalische und farbtechnische Qualitätsprüfung führt zu einem Ergebnis, das die European Textile Service Association (ETSA) in eine Benotungs­skala einsortiert hat. Für jedes Kriterium sind bestimmte Grenzwerte definiert; sie sind mit einer Benotung von einem bis drei Punkten versehen und zu erwartenden Benutzungsbeschränkungen in der Wäscherei hinterlegt: Demnach sind umso weniger Schwierigkeiten in der Praxis zu erwarten, desto geringer die Abweichungen zwischen Original und gewaschenem Teil sind. Dies wird durch drei Punkte ausgedrückt. Entsprechende Anforderungen der ETSA sind für Gewebe als auch Bekleidung definiert.Bei Schutzkleidung ist eine Bewertung von textilphysikalischen Parametern und der Schutzwirkung übrigens in den jeweiligen Normen festgelegt. Diese verlangen eine Prüfung im Originalzustand und fünf Pflegezyklen in der Industrie- oder der Haushaltswäsche (ISO 63303). An den Prüfmustern werden die mechanische Stabilität, die Maßkonformität und der Erhalt der Schutzeigenschaften ermittelt.

Qualitätslabel aus dem Labor

Wem die Prüf- und Zertifizierungsprozedur zu aufwendig erscheint, kann sich an die Hohenstein Laboratories in Bönnigheim wenden. Das auf die Prüfung, Zertifizierung und Erforschung textiler Produkte spezialisierte Familienunternehmen hat vor Jahren die Qualitätsstandards 701ff. herausgegeben. Diese unterteilten die Prüfung und Zertifizierung nach Kleidungskategorien: Arbeitskleidung, Hemden und Blusen, Polos und Shirts sowie Businesskleidung. Im Jahr 2019 wurden sie aber durch die Qualitätslabels für geprüfte Workwear und Corporate Fashion ersetzt. Der Vergabe geht eine umfassende Analyse textiltechnologischer Parameter sowie eine Schadstoffprüfung nach Standard 100 by Oeko-Tex voraus. Weitere Beurteilungen wie die Leasingtauglichkeit können flexibel erweitert werden. Nach bestandenen Prüfungen erhalten die getesteten Produkte dann das Hohenstein-Label für geprüfte Workwear bzw. Businesskleidung, das in der Branche für Orientierung sorgt.

Passt oder passt nicht

Mit dem Hinweis auf eigene Praxistests spricht Christof Dohnke (Dress Line) ein in der Branche weithin bekanntes Phänomen an: Die Norm ist von der Normalität manchmal sehr weit entfernt. So lassen sich Laborergebnisse über das Verhalten von Berufsbekleidung nicht einfach 1:1 in die Wäscherei übertragen. Die maschinelle Ausstattung und die angewendeten Verfahren sind in keinem Betrieb gleich. Ein Artikel kann also in der einen Wäscherei gut funktionieren, während er in einer anderen nicht oder nur bedingt läuft. An praktischen Waschtests im eigenen Betrieb geht also trotz ISO 15797 kein Weg vorbei. Das macht die Einführung neuer Kollektionen oder Kollektionsergänzungen im Mietservice zu einer langwierigen Angelegenheit.

Nils Hartwig, Geschäftsführer der Hammonia Wäscherei Hartwig, Hamburg
"Bei der Aufnahme neuer Artikel in unser Portfolio verlassen wir uns zwar auf die Erfahrungen unseres Hauptlieferanten. Trotzdem geht nichts ohne vorherige Waschtests. Nach etwa zehn bis fünfzehn Wäschen können wir beurteilen, ob eine Bettwäsche oder Frottier in unserem Betrieb funktioniert, ob sie zu Prozessverbesserungen führt oder ungeeignet ist."

⇥Nils Hartwig, Geschäftsführer der Hammonia Wäscherei Hartwig, Hamburg

Florian Köhler, Leiter Einkauf bei Greif Textile Mietsysteme, Augsburg
"Beim Einkauf von Objekttextilien ist es für uns eine Grundvoraussetzung, dass eine Ware im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben und gemäß der textilen Normen, z. B. den aktuellen ISO-Regeln, gefertigt wird. Aber ein Zertifikat allein reicht nicht aus – ohne ausführliche Waschtests nehmen wir grundsätzlich keine neuen Artikel auf. Bereits im Einkauf sind wir dafür verantwortlich, dass die für unsere Betriebe unverzichtbare Prozesssicherheit gewährleistet und die von unseren Kunden erwartete Produktqualität eingehalten werden kann. Daher haben wir in unseren Betrieben klare Leistungsanforderungen an die Textilien aufgestellt. Dazu zählen neben den genannten Normen unter anderem Farbechtheit, Maßhaltigkeit und eine Mindestanzahl an Pflegezyklen. Praxistests helfen uns dabei, geeignete, langlebige Textilien einzukaufen, ohne die ein ökonomisch und ökologisch verantwortungsvoller Textilservice nicht funktioniert. Die besten Zertifikate, egal welcher Art, helfen uns nichts, wenn die Textilien nicht auch den Anforderungen einer modernen, industriellen Wäscherei gerecht werden. Es muss eben beides stimmen!"

⇥Florian Köhler, Leiter Einkauf bei Greif Textile Mietsysteme, Augsburg

Theoretisch und praktisch durchgemangelt

Sehr ähnlich ist die Situation bei der Beurteilung leasingfähiger Objekttextilien. Auch hier müssen neue Artikel durch Waschtests beweisen, dass sie für den eigenen Betrieb geeignet sind. Allerdings gibt es auch für Tisch-, Bett- und Frottierwaren gewisse Standards, mit denen die industrielle Bearbeitbarkeit im Labor überprüft werden kann. Den Anfang machte der aufgelöste Industrieverband Textil-Service (Intex). Im August 2006 hatte er Vorgaben an die Leasingeignung von Maschenware für Spannbettlaken, Gewebe für Tischwäsche, Bettwäsche und Frottier sowie an Bademäntel aus Webfrottier und Wirkfrottee formuliert. Je nach Produkt war eine Überprüfung physikalischer Eigenschaften nach ein bzw. fünf ISO 15797-Pflegezyklen sowie eine Beurteilung des Farbverhaltens definiert.

Johann Geisslinger, Geschäftsführender Gesellschafter von Floringo, Obersöchering
"Wir sind über jeden Waschtest froh, denn so können unsere Produkte ihre Qualität unter Beweis stellen. Wir müssen uns häufig mit Günstig-Angeboten aus Asien messen lassen. Zwar unterscheiden sich solche Produkte rein optisch kaum von unserem Frottier, aber das „Innenleben“ ist ein anderes. So sind unsere Tücher zu einhundert Prozent aus langlebigen Ringgarnen hergestellt und mit waschbeständigen Farbstoffen gefärbt. Importware ist hingegen meist aus Open-End-Garnen gefertigt, die sich nicht für Leasing-Frottier eignen. Auch die Färbungen können es kaum mit den Bedingungen der Industriewäsche aufnehmen – sie bleichen ziemlich schnell aus. Der Qualitätsunterschied offenbart sich aber auch an einem weiteren Punkt: Fernost-Billigware wird nach dem Färben oder Bleichen gerne mal überstreckt. Bei der ersten Wäsche zieht sich die Baumwolle wieder auf ihre ursprüngliche Faserstruktur zurück. Aus einem Handtuch mit den Abmessungen 50 x 100 cm wird dann ganz schnell ein Tuch von 45 x 90 cm und weniger. Das akzeptiert weder ein Textilservice-Unternehmen noch ein Hotelkunde."

⇥Johann Geisslinger, Geschäftsführender Gesellschafter von Floringo, Obersöchering

Zehn Jahre später waren die Anforderungen in die Hohenstein Qualitätsstandards 705 (Anforderungskataloge zum Einkauf von leasinggeeigneten Textilien, Bettwäsche) und 706 (Tischwäsche) eingegangen und um zusätzliche Aspekte erweitert worden. Um das Label „Geprüfte Qualität – Leasing geeignet“ erhalten zu können, müssen die Textilien beispielsweise weitere Farbbeständigkeitsprüfungen bestehen. Zudem müssen sie ein gutes Mangelverhalten nachweisen und dürfen nach fünf industriellen Pflegezyklen keine gravierenden Mängel an Kanten und Nähten zeigen. Bettwäsche wird außerdem auf eine hautsensorische Komfortnote geprüft. Doch trotz Zertifizierung einer Objektware gilt dasselbe wie bei Arbeitskleidung: Keine Produkteinführung ohne intensives Testen in der Praxis.

Dass eine Norm die Normalität nicht abbilden kann, ist sogar in der ISO 15797 nachzulesen. In der deutschen Fassung von 2018 steht unter Punkt 1, Anwendungsbereich: "(…) Da es in der Praxis nicht möglich ist, rigorose Prüfverfahren in einer Industriewäschereiumgebung durchzuführen, liefert dieses Dokument einen Ansatz unter Verwendung einer festgelegten Versuchseinrichtung mittlerer Größe, um die Beurteilung unter standardisierten Bedingungen durchführen zu können. Es wird empfohlen, die Beurteilung der Wascheigenschaften von Arbeitskleidung in manchen Fällen mit den zum Einsatz vorgesehenen Industriewaschmaschinen und -verfahren durchzuführen, wenn die Vereinbarkeit von Produkt und Waschverfahren abschließend zu beurteilen ist (…)." Hoch lebe die Normung.

1 Beuth Verlag, Berlin, ISO 15797: Textilien – Industrielle Wasch- und Finishverfahren zur Prüfung von Arbeitskleidung
2 Beuth Verlag, Berlin, ISO 30023: Textilien – Qualifizierungssymbole zur Kennzeichnung von Arbeitsbekleidung für die industrielle Wäsche
3 Beuth Verlag, Berlin: Textilien – Nichtgewerbliche Wasch- und Trocknungsverfahren zur Prüfung von Textilien

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