Neue DTV-Vizepräsidentin „Lieber selbst aktiv werden“

Als erste Frau wurde Miriam Paul am 24. Juni in das Amt der Vizepräsidentin des DeutschenTextil-reinigungs-Verbands e.V., Bonn, gewählt. Gemeinsam mit dem gesamten Präsidium wird sie sich auf der Delegiertenversammlung am 19. September, während der DTV-Jahrestagung, zur Wiederwahl stellen.

Seit dem Jahr 1999 gehört Miriam Paul zur Geschäftsführung der Großwäscherei Voss. Sie verantwortet im wesentlichen die Bereiche Produktion und Logistik. - © DTV

„Lieber selbst aktiv werden“

Miriam Paul ist, gemeinsam mit ihrem Vater Rolf-Peter Voss und ihrer Schwester Melanie Voss-Franke, für die Geschäftsführung der Großwäscherei Voss GmbH in Wuppertal verantwortlich. Für die engagierte Unternehmerin ist es wichtig, dass junge Energie in die Präsidiumsarbeit einfließt, um neue Impulse zu setzen, Ideen und Anregungen einzubringen: „Eine gute Mischung aus den alten erfahrenen Hasen und jüngeren Präsidiumsmitgliedern ist die optimale Voraussetzung für eine erfolgreiche Verbandsarbeit“, sagt sie. Außerdem vertrete sie die Haltung, lieber selbst aktiv zu werden und sich nicht darauf zu verlassen, dass andere etwas tun, geschweige denn, die Arbeit der „Anderen“ zu kritisieren. Aufgrund der steigenden Herausforderungen des Marktes hält sie es gerade jetzt für notwendig, die Branche in der Öffentlichkeit aufzuwerten und textile Dienstleistungen interessanter zu machen. „Nicht zuletzt, um die Attraktivität für Arbeitskräfte in unserem Markt zu steigern.“ Bereits als Schülerin hat sie selbst im Familienunternehmen mitgearbeitet. Nach ihrem Abitur absolvierte sie eine Ausbildung zur Bankkauffrau und studierte anschließend Wirtschaftswissenschaften an der Bergischen Universität in Wuppertal. Während des Studiums qualifizierte sie sich zur Textilreinigermeisterin. Seit 1999 gehört sie zur Geschäftsführung der Großwäscherei Voss und ist im Wesentlichen verantwortlich für die Bereiche Produktion und Logistik.

Das 1925 gegründete Familienunternehmen mit derzeit 250 Mitarbeiter/-innen ist spezialisiert auf das Gesundheitswesen (Vollversorgung für Krankenhäuser und Altenheime), mit einer Tagesauslastung von 55 Tonnen Wäsche, in zwei Betriebsstätten im Einschichtbetrieb. „Im Oktober 2007 wurde eine unserer Betriebsstätten Opfer einer Brandkatastrophe“, erklärt die neue DTV-Vizepräsidentin. „Seit Mai 2008 produzieren wir wieder nach modernstem Standard, an einem neuen Standort in Wuppertal. Die Firma Voss ist somit für die Zukunft bestens aufgestellt.“

Die strategische Ausrichtung des DTV intensiv mitzugestalten, ist ein Ziel, das sich die Mutter einer fünfjährigen Tochter gesteckt hat: „Qualifizierte Aus- und Weiterbildung bleibt eine wichtige Aufgabe für unseren Verband, damit sich in unserer Branche kein weiterer Fachkräftemangel fortsetzt. Tarifpolitik und aktive Lobbyarbeit sind ebenfalls zentrale Themen. Hier war die Einführung des Mindestlohns ein erster bedeutender Erfolg für die Wäschereibranche.“

Nun müsse der DTV für die Mitglieder als Problemlöser fungieren und flexibel auf die Probleme und Wünsche jedes Einzelnen reagieren können. Wichtig sei eine ausgewogene Interessenvertretung, sowohl für die Reinigungsbetriebe als auch für die Wäschereien. Konkret müssten den Mitgliedern geldwerte und aktuelle Dienstleistungen zur Erleichterung der Betriebsführung an die Hand gegeben werden. Ein positives Beispiel sei die Gemeinschaftszertifizierung, die der Verband im letzten Jahr erfolgreich eingeführt habe.

Den DTV zu einer, auch nach außen hin, einheitlichen Gesamtvertretung der Textilpflegebranche zu machen, sieht Miriam Paul als maßgebliche Herausforderung für den DTV, stets mit dem implizierten Auftrag, das Image der Branche zu optimieren. Wenn der DTV als Dachmarke für die deutsche Textilreinigungsbranche verstanden werde, sei auch eine stärkere Lobbyarbeit möglich.

Gabriele Rejschek-Wehmeyer