Porträt Martin Tüpker: „Es lohnt sich, in Fortbildung zu investieren“

Martin Tüpker, Inhaber der Wäscherei Beine in Gronau, verhilft als Dozent und Experte für Mangeltechnik im Rahmen der DTV-Meisterausbildung Fachkräften von morgen zu meisterlicher Kompetenz. Er will wertvolles, von der Branche geerbtes Fachwissen teilen und Mangelqualität bewahren.

Als Unternehmer blickt Textilreinigermeister und Dozent Martin Tüpker stets weit über den Mangelrand.
Als Unternehmer blickt Textilreinigermeister und Dozent Martin Tüpker stets weit über den Mangelrand. - © Christina Lux Dipl.-Des. M. A. Gestaltung

Ein Meistertitel wertet den Beruf auf und erhöht die Karriere­chancen. „Vorausgesetzt, jemand beherrscht sein Handwerk tatsächlich“, betont Textilreinigermeister ­Martin Tüpker.

Seit 2019 bereitet er ausgebildete Textilreiniger­innen und Textilreiniger auf die Meisterprüfung vor, in Theorie und Praxis und bei allen Fragen rund ums Mangeln.

„Es lohnt sich, Zeit und Geld in die Fortbildung zu investieren“, sagt er. Selbst wenn im Textilservice kein Meistertitel erforderlich ist, um einen Betrieb zu eröffnen. Wer jedoch im eigenen Unternehmen ausbilden will, benötigt ihn oder zumindest eine Mitarbeiterin oder einen Mitarbeiter mit dieser Qualifikation.

Fachwissen gewinnen

Sich im eigenen Interesse fortzubilden, ist für Martin Tüpker generell eine Bereicherung: Der Gewinn an Fachwissen und betriebswirtschaftlichem Know-how helfe, um Qualität und Kosten im Griff zu haben und dem eigenen Business den goldenen Boden zu bereiten.

„Das berühmte Lehrgeld, welches man früher dem Lehrmeister bezahlen musste, zahlt man heute für die Fehler, die man in seinem Berufsleben macht“, sagt er dazu. Das sei besonders bitter, wenn man als Selbstständiger damit die eigene Tasche belaste.

Wäscherei Beine: Von Anfang an ein Meisterbetrieb

Dass die Meisterstrategie aufgeht, haben ihm bereits seine Vorfahren im Familienbetrieb vorgelebt. Die Geschichte der Wäscherei Beine – die sich heute als kompetenter Ansprechpartner für Wäschereidienstleistungen aller Art versteht, Textilreinigung und Heißmangel inklusive – beginnt vor mehr als 100 Jahren. Sie wurde um 1910 als Wasch- und Plättbetrieb von den Brüdern Gerhard, Friedrich und Leonard Beine gegründet – von Anfang an als Meisterbetrieb.

Wie so oft in der Branche ist die Firmenchronik auch eine Familiengeschichte, die mit den Großeltern beginnt: Bärbel Beine, die Tochter des Mitgründers Leonard Beine, heiratete den Wäscher- und Plättermeister ­Manfred Tüpker.

Gemeinsam führen und modernisieren sie den Betrieb. Sie erweitern ihr Dienstleistungsportfolio sukzessive, u. a. durch einen Mattenservice Anfang der 1980er Jahre. Der Schwenk zur klassischen Textilreinigung erfolgt 1987 mit der Eröffnung eines neuen Ladenlokals.

Martin Tüpke übernimmt von seinen Eltern

Nach wie vor sei Meisterqualität ihr Erfolgsrezept, betont Martin Tüpker. Als Sohn von Bärbel und Manfred Tüpker führt er das Familiengeschäft in die Moderne, am selben Standort und gemeinsam mit seiner Frau Stephanie Tüpker.

„Dass ich schon immer Textilreiniger werden wollte, wäre ein wenig übertrieben. Auch ich wurde nach den Hausaufgaben für das Familienunternehmen aktiviert; sei es, um bei einer Reparatur, dem Beliefern von Kunden oder in der Waschküche auszuhelfen“, erklärt Martin Tüpker.

„Eine wegweisende Entscheidung trafen meine Eltern im Jahr 1992. Die 2. BImSchV erforderte eine neue Reinigungsmaschine. Im Raum stand eine sechsstellige Summe. Diese Investition ergab für uns nur dann Sinn, wenn ich das Geschäft weiterführen würde. Ich habe mir die Sache ausgiebig überlegt und mich dann dafür entschieden, den florierenden Betrieb zu übernehmen. Mir gefiel die Idee meiner Eltern, den Betrieb in kleinen Schritten weiterzuentwickeln. Und so wurde ein Lehrbetrieb für mich gefunden: die Elite-Textilreinigung der Familie Nagelschmidt in Rheine. Hier war ich 1993 in vielerlei Hinsicht an der richtigen Stelle, da sich auch Berufsschule und das TBZ in Rheine befinden.“

Nach erfolgreich absolvierter Lehre im Jahr 1996 steigt Tüpker in den elterlichen Betrieb ein. Sein Vater ist zu diesem Zeitpunkt bereits erkrankt. Dank seines guten Abschlusses der Gesellenprüfung kann er direkt danach mit dem Meistervorbereitungskurs in Rheine starten. „Seit 1998 bin ich fertiger Meister“, betont Tüpker, dessen Frau und Tochter ihm besonderen Fleiß und Rastlosigkeit auf der Suche nach Neuerungen zuschreiben.

Im selben Jahr verknüpfen sich Firmenhistorie, persönliche Ambitionen und eine Liebesgeschichte miteinander. Martin Tüpker soll den Meisterbrief der Innung Münster im fest­lichen Rahmen des legendären „Seifenblasenballs“ der Innung entgegennehmen. „Ich wollte einen Tanzkurs machen und fragte meine heutige Frau, ob sie mit mir Tanzen lernen möchte. Das Üben konnten wir mittlerweile aufgeben. Den Betrieb führen wir seit über 20 Jahren gemeinsam“, verrät er.

Über die Wäscherei Beine

Aktuell beschäftigt die Wäscherei Beine insgesamt 34 Mitarbeitende im Zentralbetrieb in Gronau und in der zum Unternehmen gehörenden City Reinigung in Ahaus. Darüber hinaus versorgt sie Business- und Privatkunden über 14 Annahmestellen in einem historisch gewachsenen Einzugsgebiet von etwa 50 km in jede Himmelsrichtung.

Tüpker gibt Dozent und Experte für Mangeltechnik sein Wissen weiter

Aus der Historie gewachsen, ist auch Martin Tüpkers Spezialisierung als Dozent und Experte für Mangeltechnik. „Beine wäscht und reinigt“, wie es im Firmenslogan heißt, und ist für erstklassigen Mangelservice bekannt. Für Tüpker ist es eine Art Berufung, den Meisterschülerinnen und -schülern zu vermitteln, welche handwerklichen Fähigkeiten dafür erforderlich sind.

Meisterwissen hilft: Wer Mangelqualität garantieren will, muss sich mit Mangeltechnik auskennen.
Meisterwissen hilft: Wer Mangelqualität garantieren will, muss sich mit Mangeltechnik auskennen. - © Christina Lux Dipl.-Des. M. A. Gestaltung

Als Nachfolger des Experten und Dozenten „Mangel Meinke“ versteht er sich jedoch nicht. „Das wäre für mich eine Amtsanmaßung. Da werde ich nicht hinkommen können, da ich auch nicht im Außendienst an den verschiedensten Maschinen tätig bin“, antwortet er auf die Frage. „Christian ,Mangel‘ Meinke hat in seinem über 50-jährigen Berufsleben einen enzyklopädischen Wissensschatz zum Thema Mangeln angesammelt, angereichert mit umfangreichem Anschauungsmaterial. Ich bin froh und stolz, dass ich dieses Wissen und Material weiterverwenden darf. Das Unterrichtskonzept habe ich übernommen, aber die Darreichungsform modernisiert. PowerPoint statt Folie beispielsweise“, sagt Tüpker.

Was es für die Schüler so wertvoll mache, sei das Anschauungsmaterial: Seien es die Beispiele für Schäden am Mangelgut oder an den Federn für die Bewicklung, Wachse, Reinigungstücher oder ein „lebensechter“ Schnitt durch die Mangel. „Das alles bringe ich mit, denn nur so bekommt man ein Gefühl für die Probleme, die an unterschiedlichen Stellen an der Mangel auftreten können. Fotos allein können das nicht vermitteln.“

Vom Wissen der alten Meister profitieren

Er selbst hat von diesem Wissensschatz profitiert. „Ich hatte Christian Meinke während meiner Meisterausbildung kennengelernt und ihn sofort für den elterlichen Betrieb engagiert. Unter seiner Anleitung konnten wir unsere Mangelprobleme lösen. Er hat mir sein Vertrauen für die Schulung geschenkt, als seine Nachfolge ein Thema wurde. Seitdem ist es mir ein Anliegen, das Wissen zu bewahren, weiterzugeben und zu ergänzen“, so Tüpker.

Über den Mangelrand blicken

Als Unternehmer blickt er selbstverständlich weit über den Mangelrand. Seine Leidenschaft für Technik betrifft nahezu sämtliche Bereiche im Textilservice, speziell auch die Reinigungstechnik. Seit Juli 2022 arbeitet sein Team mit einer ­PIUMA-Reinigungsmaschine und dem Lösemittel Sensene; seit Anfang dieses Jahres mit dem neuen Lösemittel „Intense EVO“, das Martin Tüpker noch vor der Markteinführung testen durfte, stets daran interessiert, sich und seinen Betrieb weiterzuentwickeln.

„Unser Betrieb arbeitete seit 1987 mit Perchlorethylen. Die PIUMA war für mich ein Schritt nach vorne. Mit dem neuen Reinigungsmittel haben wir die Reinigungskraft und den Energieverbrauch noch einmal optimieren können. Dazu mussten wir lediglich einige Werte in der Steuerung anpassen. Was unsere Kunden sehen, sind leuchtend intensive Farben nach der Reinigung.“ Der Hinweis des technikaffinen Meisters: „Der Flammpunkt für das Lösemittel liegt konstant bei > 60 °C und ist somit sehr stabil und verlässlich. Unsere Branche ist auf zukunftssichere, energieeffiziente Technik angewiesen; im Moment testen wir eine neue Finishbox.“

Nachwuchskräfte fördern: Tüpker will das Feuer bewahren

Die Wäscherei Beine hat ihre Zielgruppen im Blick und zeigt sich in den sozialen Medien, auf Facebook und Instagram. Ein externer Dienstleister kümmert sich darum. „Für uns ist das noch ein ganz neuer Ansatz, der vor allem für die Personalgewinnung funktioniert“, so Tüpker. Er möchte potenzielle Nachwuchs- und Fachkräfte auf unterschiedlichen Ebenen erreichen, begeistern und stärken.

Ob seine Tochter Marie Tüpker, die im Juni 18 wird, einmal in seine Fußstapfen trete? Das werde man dann sehen. Für Martin Tüpker zählt hier und heute: „Unser Betrieb, viele unserer Mitarbeiter, meine Frau und ich haben von den Fortbildungsmöglichkeiten in unserer Branche profitiert, nicht zuletzt im TBZ in Rheine. Für mich ist es eine Selbstverständlichkeit, mein Wissen an die nächsten Generationen weiterzugeben. Es sollte dabei immer um das Bewahren des Feuers und nicht um das Verwahren der Asche gehen.“