Berufskleidung Mewa führt KI-Größenvermessung ein

Zwei Fotos statt Maßband: Mewa setzt künftig eine KI-gestützte Vermessungssoftware für Berufsbekleidung ein. Das System ermittelt die passende Größe anhand von Bildaufnahmen und soll Anproben verkürzen.

Zwei Ganzkörperaufnahmen genügen. Mewa ermittelt die passende Konfektionsgröße künftig digital per KI.
Zwei Ganzkörperaufnahmen genügen. Mewa ermittelt die passende Konfektionsgröße künftig digital per KI. - © Mewa

Der Textildienstleister Mewa führt eine digitale Vermessungstechnologie an allen deutschen Standorten ein. Bis Ende 2026 soll das Tool auch in allen europäischen Ländern verfügbar sein, in denen das Unternehmen Berufs- und Schutzkleidung liefert. Die zugrundeliegende Software stammt vom rumänischen Startup Esenca Digital Workwear, an dem Mewa seit 2024 die Mehrheit der Anteile hält. Nach einer Pilotphase startet der Rollout zunächst in Deutschland, anschließend folgen weitere europäische Märkte.

Vermessung in wenigen Minuten statt einer Viertelstunde

Die Anwendung basiere auf künstlicher Intelligenz und ermittle die passende Konfektionsgröße anhand von zwei Ganzkörperaufnahmen – einer Frontal- und einer Seitenansicht in körpernaher Oberbekleidung. Musterkleidung zum Anprobieren entfalle, die zu vermessende Person bleibt vollständig angezogen. Die Software ordnet die ermittelten Körpermaße dem Größenraster der jeweils gewählten Kollektion zu.

Nach Angaben des Unternehmens verkürzt sich die Dauer einer Größenaufnahme dadurch auf zwei bis vier Minuten pro Person. Bisher waren dafür 15 bis 20 Minuten nötig. Besonders bei Betrieben mit größeren Belegschaften wirkt sich dieser Unterschied auf den Aufwand aus. Die Testphase vor dem Rollout schloss Mewa nach eigener Darstellung mit einer Trefferquote von über 95 Prozent korrekt ermittelter Konfektionsgrößen ab.

Datenschutz als Auswahlkriterium

Neben der Messgenauigkeit sei der Schutz personenbezogener Daten ein zentrales Kriterium bei der Auswahl der Technik gewesen. Die aufgenommenen Fotos zeigen den Angaben zufolge ausschließlich die Körperumrisse und werden nicht gespeichert. Sie dienen allein dazu, die Messpunkte zu identifizieren und in das Größenraster der gewählten Mewa-Kollektion zu übertragen.

Michael Kümpfel, im Vorstand zuständig für Marketing, Sales und Customer, betont, dass die Kundenzufriedenheit mit professioneller Beratung und der passenden Kleidung beginne. KI eröffne Möglichkeiten, Serviceprozesse effizienter und kundenzentrierter zu gestalten. Den persönlichen Kontakt werde Mewa nach eigenen Worten jedoch nicht vollständig durch KI ersetzen.

Hybrides Modell aus Vor-Ort-Service und Selbstvermessung

Die ersten Beratungs- und Vermessungstermine sollen auch künftig durch qualifiziertes Personal vor Ort beim Kunden stattfinden. Das digitale Tool kommt ergänzend zum Einsatz. Mitarbeitende, die beim Termin etwa krankheitsbedingt fehlen, können sich im Nachgang über einen zugesandten Link selbst vermessen und ihre Maße digital an Mewa übermitteln. Auch spätere Größenanpassungen sollen sich auf diesem Weg abwickeln lassen.

Die digitale Vermessung ist Teil einer breiteren Digitalisierungsstrategie des Unternehmens. Mewa verweist in diesem Zusammenhang auf das Online-Kundenportal, das kürzlich mit dem SAP Innovation Award ausgezeichnet wurde, sowie auf laufende Weiterentwicklungen seiner digitalen Services.

Rund 40 Kollektionen im Mietservice

Mewa stellt derzeit rund 40 verschiedene Kollektionen im Full-Service-Modell bereit. Dazu gehören das Bereitstellen, Holen, Waschen, Reparieren und Wiederanliefern der Textilien. Das Sortiment reicht von Handwerkerkleidung über Schutzkleidung bis zu Service-, Gesundheits- und Reinraumkleidung mit den jeweils erforderlichen Schutz- und Hygieneklassen. Das Produktportfolio wird laut Unternehmen fortlaufend an die Anforderungen der Branchen angepasst.