Miele hat 3,5 Millionen Euro in ein neues Schulungszentrum am Standort Lehrte investiert. Auf rund 1.000 m² werden künftig Servicetechniker an Originalgeräten praxisnah ausgebildet. Auch Kunden können Versuche auf den installierten Geräten durchführen. Parallel präsentiert das Unternehmen neue Wäschereilösungen, die auf Effizienz, geringere Ressourcenverbräuche und digitale Vernetzung setzen.

Das Familienunternehmen Miele aus Gütersloh hat sich in seiner über einhundertjährigen Familiengeschichte vom Milchzentrifugen-Hersteller zu einem Spezialisten für Wäschereitechnik entwickelt. Neben dem Geschäft mit Haushaltsgeräten hat der Mittelständler längst auch eine professionelle Sparte für Waschtechnik aufgebaut. Sie hat sich zum Wachstumstreiber der Unternehmensgruppe entwickelt. Innerhalb von fünf Jahren habe der Umsatzzuwachs im Professional-Geschäft über 70 Prozent betragen, erläuterte Dr. Christian Kluge, Senior Vice President und Leiter der Business Unit Professional während einer Pressekonferenz am 29. April 2026.
Zum Qualitätsversprechen von Miele gehört ein ausgeprägter Kundenservice. Weltweit sind 1.000 eigene Techniker im Einsatz, von denen alleine 450 in Deutschland tätig sind. Sie kümmern sich direkt oder in Zusammenarbeit mit Miele-Vertriebspartnern um die Anliegen der Kunden. Dafür benötigen die Service-Techniker fundierte Maschinenkenntnisse und erhalten intensive Schulungen an Geräten und Steuerungssystemen. Solche Trainings wurden bisher außer Haus – beispielsweise bei Industrie- und Handelskammern oder bei den Vertriebspartnern – durchgeführt. Die Möglichkeiten an solchen Orten sind jedoch sehr begrenzt. Wegen des starken Wachstums im Service-Bereich investierte Miele 3,5 Millionen Euro in ein eigenes Schulungszentrum.
Auf rund 1.000 m² entstanden moderne Praxis- und Schulungsflächen mit Digitaltechnik und realitätsnahen Trainingsmöglichkeiten direkt an den Geräten. Dafür stehen drei Praxisräume und flexibel nutzbare Theoriebereiche zur Verfügung. So kann Miele die Zahl der jährlich rund 500 Schulungen weiter erhöhen.

Das neue Trainingscenter wurde nach einer Bauzeit von elf Monaten fertiggestellt und am 29. April 2026 offiziell eröffnet. An der Zeremonie nahmen Christian Kluge (Senior Vice President und Leiter der Business Unit Professional), Frank Dirk Davidis (Leiter PRO Service DACH) und Sebastian Veith (Leiter PRO Werk Lehrte) teil. Daneben auch der Bürgermeister der Stadt Lehrte, Frank Prüße, sowie knapp 300 Beschäftigte des Werks. Christian Kluge begründete den Bau des Schulungszentrums mit dem hohen Stellenwert von Servicequalität und Kundenzufriedenheit. Die Bündelung von Training, Praxis und technischem Knowhow an einem Ort steigert Effizienz und Serviceperformance.“
Maschinenentwicklungen für mehr Effizienz
Mit dem neuen Schulungszentrum bekennt sich Miele zum Standort Lehrte, wo neben der Fertigung auch die Produktentwicklung im Bereich der professionellen Waschtechnik stattfindet. Sie steht unter der Prämisse geringerer Ressourcenverbräuche, sinkender Betriebskosten und wirtschaftlicher Effizienz. Die jüngsten Wäschereilösungen des Unternehmens unterstreichen diesen Anspruch:
- PowerWash Pro: Eine Düse verteilt die Waschlauge direkt in der Trommel der 12- bis 20-kg-Maschinen und sorgt so für eine schnellere Durchfeuchtung der Textilien. Nach Unternehmensangaben verkürzen sich die Programmlaufzeiten dadurch um bis zu zehn Minuten.
- BoostSpin: Ein hoher G-Faktor von über 500 reduziere die Restfeuchte eines Waschpostens, wodurch sich die Trocknungszeit unmittelbar verkürzt. Die geringere Laufzeit des Trockners wirkt sich auf die Effizienz eines Kunden aus. Die Wäsche ist schneller wieder verfügbar, gleichzeitig sinken Energieverbrauch und -kosten.
- 35-kg-Waschmaschine aus der Benchmark-Reihe: Zwei neue Modelle (und PWM 935) mit einem Füllvolumen von 35 kg erweitern das Portfolio von Miele Professional. Das Unternehmen sieht den Vorteil in der Bearbeitung großer Wäschemengen – also etwa 70 Bettlaken – in einem einzigen Durchgang.
- Miele MOVE Connect: Das digitale Konzept steht für untereinander vernetzte Maschinen. Dieses ermöglicht, Betriebsdaten, Verbräuche und Auslastung jederzeit – auch von mobilen Geräten – abzurufen. Als Vorteile des Systems gibt Miele eine hohe Transparenz und eine bessere Planbarkeit im Alltag an. Miele testet das Konzept derzeit bei ausgewählten Kunden und übernimmt es anschließend ins Standardsortiment.
- appWash: Die App wurde für gemeinschaftlich genutzte Waschküchen (z. B. in Studentenheimen oder Seniorenresidenzen) entwickelt. Nutzer können mittels App Belegungszeiten für Waschmaschinen und Trockner buchen und online bezahlen.
Mit diesen Entwicklungen will Miele die Lösungen im Professional-Bereich im Sinne eines optimalen Kundennutzens weiter ausbauen.



Einblick So arbeitet das Miele-Werk in Lehrte
Auch wenn Miele seine Ursprünge im Maschinenbau hat, sieht sich das 1899 gegründete Unternehmen aus Gütersloh in erster Linie als Lösungsanbieter.
Die Grundlage für diese Lösungskompetenz bildet die hohe Eigenfertigungstiefe von 60 Prozent im Lehrter Kompetenzzentrum für professionelle Wäschepflege. In der 12.500 m² großen Fertigungshalle stellen 350 gut ausgebildete Fachkräfte und 30 Auszubildende zahlreiche Komponenten für die Maschinenfertigung her. Das Wickeln der Kabelbäume, das Stanzen und Abkanten von Metallteilen, das Schweißen von Wasch- und Trocknertrommeln, das Pulverlackieren der Außenteile der Maschinen.
Bildschirme an den einzelnen Produktionsbereichen zeigen die tagesaktuellen Aufgaben an, während im Eingangsbereich der Werkshalle die wirtschaftlichen Kenndaten zu sehen sind. Nach eigenen Angaben investiert Miele in moderne Produktionsmaschinen, die entweder weiterentwickelt oder nach eigenen Vorgaben gefertigt werden und selbsttätig arbeiten.
Die fortschrittliche Produktionstechnik ermöglicht eine besonders flexible Herstellung, sodass Miele Professional sein Maschinenportfolio in 1.200 Gerätevarianten anbieten kann. Außerdem können Kleinserien, individuell konfigurierte Maschinen oder komplette Anlagen vom Band laufen.
Für die Prüfung der Komponenten und der Maschinen ist innerhalb der Werkshalle ein umfangreiches Labor installiert. Dort werden wichtige Bauteile wie Türverriegelungen oder Pumpen auf ihre Dauerbelastung geprüft. Dadurch soll sichergestellt werden, dass Profi-Waschmaschinen und -Trockner über eine Lebensdauer von 30.000 Betriebsstunden zuverlässig arbeiten. In einem separaten Waschlabor ermittelt das Unternehmen außerdem die Effizienz seiner Profimaschinen. Untersucht werden die Wasch-, Spül- und Schleuderwirkung sowie die Verbrauchsdaten, die sich bei den auf verschiedenen Kontinenten üblichen Anschlussvarianten ergeben.
Abschließend kontrollieren Mitarbeitende jede fertiggestellte Wäschereimaschine an einem eigens eingerichteten Endprüfstand. Dabei kann es sich um Waschmaschinen mit einer Beladung von 7 bis 35 kg, um die für schmale Zugangsbereiche entwickelten SlimLine-Waschmaschinen mit einem Füllvolumen von 10 oder 13 kg oder um Hygienewaschmaschinen mit einer Wäschekapazität von 16, 24 oder 32 kg handeln. Geprüft werden zudem Industrietrockner mit einer Beladung von 8 bis 44 kg sowie Mangeln in vier Arbeitsbreiten.