Betriebsporträts -

„RWin 2012“-Gewinner: Wäscherei Colonia, Köln Mit Gewäsch zum Stadtgespräch

Der Branchenaward „RWin“ für das abwechslungsreichste Marketingkonzept ging 2012 an die Wäscherei Colonia. Von ihr hat man in und um Köln über Zeitungen, Rundfunk und Fernsehen schon viel gehört. Hinter der Bekanntheit steht keine ausgefeilte Marketingstrategie, sondern die offene, humorvolle Einstellung der beiden Geschäftsführer.

„Wir haben Hunger, Hunger, Hunger …“, schallt der Gesang eines Kinderchors durch die Wäscherei Colonia. Das ist das Zeichen für die Beschäftigten zur Mittagspause. Vor dem Betrieb in Köln-Marsdorf sitzen sie auf umgebauten blauen Waschmittelfässern zusammen. Einer der improvisierten Sitze hat eine Rückenlehne mit Dach. „Das ist unser Prinzessinnenstuhl“, sagt Geschäftsführer Stephan Palmer beim Rundgang über das Betriebsgelände lächelnd.

Nächtliche Leuchtstrahler wecken Neugier

Auf dem Hof steht im Sommer auch eine Seifenmaschine, die zu Veranstaltungen wie dem Kuscheltierwaschtag fotogene Seifenblasen ausbläst. Nachts leuchtet ein Strahler vom Dach in den Himmel. Auch in der Wäscherei sorgen Lichtinstallationen für Effekte: Unter den Mangeln sind blaue Neonröhren. Strahler schwenken durch die Halle. Schlagermusik sorgt für Stimmung.

Mit Führungen von Kunden, Hauswirtschaftsgruppen und Gästen durch den Betrieb hat die Wäscherei Colonia gute Erfahrungen gemacht. Die beiden Geschäftsführer leiten mit viel Charme durch das bunte Ambiente und sind nicht um lustige Kommentare verlegen. Kein Wunder, denn beide haben schon als Living Dolls gearbeitet. Auf Messen unterhielten sie Besucher mit Zaubertricks. Bei dieser Arbeit lernten sie sich kennen.

Der Kölner Stephan Palmer führte damals schon eine kleinere Wäscherei. 1993 gründete er den Betrieb im Untergeschoss seines Elternhauses. Der Kundenkreis aus Restauration und Privatkunden wuchs ständig. Eine Vergrößerung wurde nötig. Am jetzigen Standort leistet der Betrieb 8 t Wäsche in acht Stunden. Der Schwerpunkt liegt auf Hotelwäsche und Berufsbekleidung. Palmer kümmert sich um den technischen Teil. Der kaufmännische Part liegt bei Andreas Agridopoulos. Der gebürtige Wuppertaler hat zuvor bei einer Bank gearbeitet und stieg bei der Vergrößerung ein.

Öffentlichkeitsarbeit auch bei Kleinen

„Wenn uns Leute kennenlernen, denken sie oft, wunder wie groß wir sind. Aber wir haben nur 30 Mitarbeiter“, erzählt Agridopoulos von Kunden und Kollegen, die wegen der guten Medienpräsenz des Unternehmens die Kapazität der Wäscherei Colonia falsch einschätzen. Dabei haben die beiden Geschäftsführer kein ausgefeiltes Marketingkonzept, sonder denken beim anfallenden Geschäft auch an die Öffentlichkeitsarbeit. „Vieles ist für eine Wäscherei alltäglich, was für die Presse interessant sein kann“, sagt Agridopoulos. Ein Beispiel ist die Anlieferung einer neuen Mangel über das Dach des Betriebes. Die Lokalpresse griff das ungewöhnliche Bild gerne auf. Eine weitere Aktion mit geringen Kosten, aber großer Wirkung in den Medien, ist der Kuscheltierwaschtag. Dabei können Kinder ihre Kuscheltiere kostenlos reinigen lassen. In der Zeitung sorgte das Bild von hüpfenden Kindern zwischen Seifenblasen für Aufmerksamkeit. Die Seifenmaschine auf dem Hof bildete dafür die Kulisse. Palmer erklärt: „Der Presse müssen wir einfach Bilder liefern. Ein gutes Foto - und innerhalb der folgenden Woche findet die Geschichte in der Lokalzeitung Platz.“

Der Aufwand solcher Aktionen ist nach Ansicht der beiden Geschäftsführer vertretbar, wenn sie die Mitarbeiter involvieren: Bei den Besprechungen im gemütlichen Konferenzraum lassen sie diese Ideen entwickeln. Denn wer selbst vorschlägt, den Grill anzuschmeißen oder die Gäste durch den Betrieb zu führen, ist motiviert bei der Sache. „Die Mitarbeiter machen natürlich auch mal Fehler. Damit müssen wir dann einfach leben“, macht Palmer Mut, den Angestellten etwas zuzutrauen.

Augen auf: Marketingideen ergeben sich

Die Ideen für die unterschiedlichen Aktionen kommen den Geschäftsführern, wenn sie mit offenen Augen durch den Alltag gehen. „Wir nutzen die Chancen, die sich ergeben“, sagt Agridopoulos. So nahm die Wäscherei beispielsweiße am Energiewettbewerb der Handwerkskammer teil. „Die sind froh, wenn sich auch kleine und mittlere Unternehmen beteiligen. Viele unserer Kollegen denken, dass ihnen das Wissen und die Zeit für so etwas fehlen. Aber es lohnt sich“, berichtet Agridopoulos. Die Kosten für viele Aktionen seien gering. Zeitlich könne er einiges einschieben. Neben dem Preisgeld beim Wettbewerb war die Außenwirkung positiv: Es erschienen Beiträge über die Wäscherei in der Zeitung der Handwerkskammer. Das war kostenlose Werbung: Die Handwerksbetriebe sind potenzielle Kunden für Berufsbekleidung.

Ihre Motivation für die Öffentlichkeitsarbeit? „Meine Erfahrung ist, dass immer etwas nachkommt“, berichtet Agridopoulos. Andere Medien greifen eine Geschichte auf. Kunden werden auf die Wäscherei aufmerksam. Auch wenn nicht direkt nach einem Artikel neue Interessenten anrufen. Wenn sich der Betrieb bei Hotels für neue Aufträge vorstellt, profitieren sie von der Bekanntheit: Von der Wäscherei Colonia haben viele im Kölner Raum schon gehört.

Den bestehenden Kunden schickt die Wäscherei die Presseartikel als E-Mail-Anhang beim Rechnungsversand. So sehen auch diese die Aktivitäten der rührigen Wäscherei.

Die Öffentlichkeitsarbeit und die Preise lohnen sich auch intern. Preise wie der „RWin“ motivieren die Mitarbeiter, so Agridopoulos. Zur Preisverleihung schickte er die beiden kaufmännischen Angestellten des Betriebes nach Straßburg. Wieder daheim erzählten sie den Kollegen von der Atmosphäre. „Unsere Mitarbeiter wissen alles über den Ausflug und freuen sich über die Auszeichnung“, berichtet Agridopoulos vom Aufhängen der Urkunde im Konferenzraum. Dort hängt auch eingerahmt jeder Pressebericht über die Wäscherei. Und dabei soll es nicht bleiben: „Wir sind die Wäscherei des Jahres 2012 - das schlachten wir aus“, ist sich Agridopoulos bewusst, dass der „RWin“ auch für die lokale Bekanntheit ein Pluspunkt ist. „Wir haben nicht direkt etwas davon, wenn eine Geschichte über uns in der Fachpresse kommt, aber es ist eine Grundlage, um der Lokalpresse unsere Seriosität zu zeigen“, sagt der Geschäftsführer.

Die Aktionen und den Alltag nehmen Palmer und Agridopoulos auch mit Humor. So schallt jeden Abend die Stimme von Peter Alexander durch die Wäscherei: „Kurz vor fünf, die Zeit bleibt stehen, alle wollen nach Hause gehen. Endlich Feierabend.“ Mit dem Schlagerlied endet der Arbeitstag in der Wäscherei Colonia.

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