Vor Ort:Gardinen, Teppiche und Polstermöbel Mobile Waschstation auf Tournee

Nachdem Sohn Ralf im Jahr 2000 in der Wäscherei Hentschel im mittelsächsischen Döbeln das Ruder übernommen hatte, wurde das Firmenprofil um eine Dienstleistungspalette erweitert. Interessanteste Innovation ist eine mobile Waschstation, in der die Hentschels ihre Kunden vor Ort bedienen.

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    Links Manfred Hentschel: „Die Gardinenpflege erfordert viel Handarbeit.“
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    Oben In dem Transporter stehen eine Waschschleudermaschine und ein Trockner mit einem Fassungsvermögen von jeweils 13 kg.
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    Rechts Nach der Wäsche sortiert Ralf Hentschel die Gardinen nach einem Nummernsystem. So wird jedes Teil wieder am richtigen Fenster aufgehängt.

Mobile Waschstation auf Tournee

EEDer kleine Betrieb war 1994 durch die Eltern, Dipl.-Ing. oec. Manfred Hentschel und Ing. oec. Regina Hentschel, gegründet worden. „Wir bearbeiten Wäsche aus Privathaushalten und kleineren Firmen“, berichtet Ralf Hentschel. Weil er für das Segment Wäschepflege keine Expansionsmöglichkeiten mehr sah, dachte er über Alternativen nach. „In Hotels gab es noch Bedarf an Reinigungsleistungen“, so der Inhaber. Mit dem Teppichreinigungssystem der Solution Glöckner Vertriebs-GmbH, Ludwigshafen, gelang es ihm und seinem Vater, Kunden zu gewinnen.

„Wir sind bis nach Norderney gefahren“, erinnert sich der Junior stolz. Das Erfolgsrezept: Teppichböden und Polster werden mit dem „Superpad Charly“, einem neuartigen Padprodukt mit Saugkernstruktur, gereinigt. Darauf abgestimmt ist ein tensidfreies Reinigungskonzentrat, das auf der Basis enzymfreier Mikrospaltung arbeitet. Gereinigte Böden und Polster sind nach der Reinigung anschmutzungsneutral, Antischmutzausrüstungen bleiben hingegen erhalten.

Matratzenreinigung vor Ort

Auch gelang es, mit dem Segment Matratzenreinigung ins Geschäft zu kommen. „Pro Nacht dünstet jeder Mensch 0,6 l Schweiß aus und verliert bis zu 1,5 g Hautschuppen“, weiß der Unternehmer. Kein Wunder, dass es in Hotels, Gemeinschaftsunterkünften und Krankenhäusern einen immensen Bedarf gibt. Mit dem Potema-Matratzenreiniger, einem speziellen Bürstsauger, können die Matratzen im Trockenverfahren vor Ort gesäubert und die Betten unmittelbar danach wieder belegt werden.

Die andere Seite der Medaille: „Damit die Gäste in Hotels und Restaurants nicht gestört werden, mussten wir sehr flexibel einsetzbar sein“, gibt Ralf Hentschel zu bedenken. Auch seien Dienstleistungen für das Gastgewerbe ein sehr unbeständiges und saisonabhängiges Geschäft. Der Unternehmer: „Wir mussten ständig neue Kunden akquirieren. Mehr Kontinuität gibt es hingegen in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen.“

Die Wäscherei auf Rädern

Doch um die Kapazitäten besser auslasten und Synergien nutzen zu können, entwickelte Ralf Hentschel die Idee vom Komplettservice vor Ort: „In Hotels, Krankenhäusern und anderen Einrichtungen gibt es jede Menge Gardinen. Weil nur selten Zweitgarnituren vorhanden sind, müssen die Dekorationen möglichst rasch gewaschen und wieder aufgehängt werden.“ Eigentlich keine neue Erkenntnis. Neu ist aber die Strategie, den zeitaufwändigen Weg der Gardinen vom Kunden in die Wäscherei und zurück zu vermeiden und stattdessen die Fenstervorhänge vor Ort zu waschen und sofort danach schleuderfeucht wieder aufzuhängen.

Möglich macht dies eine Wäscherei auf Rädern. Ralf Hentschel: „Auf dem Fahrgestell eines 3,5-t-Sprinter von Daimler-Benz ließen wir mit Unterstützung der Firma Electrolux durch die Firma Rodmann Nutzfahrzeugbau in Schwarzbach einen ‚maßgeschneiderten Koffer‘ aufbauen.“ Darin stehen eine Waschschleudermaschine und ein Trockner mit einem Fassungsvermögen von jeweils 13 kg. Eine Wasserenthärtungsanlage auf Ionenaustauscherbasis bereitet das Wasser für den Waschprozess auf.

Gardinenservice beim Kunden

Voraussetzung für den Einsatz ist, dass der Kunde einen entsprechenden Stellplatz mit einer Länge von 7 m, 3 m Breite und 3,50 m Höhe anbieten kann und die Versorgungsanschlüsse nicht weiter als 40 m vom Standort entfernt sind. Der Wasserverbrauch, die Abwassermenge sowie der Strombedarf werden gemessen und dem Kunden nach den ortsüblichen Tarifen vergütet.

Beim Abnehmen der Gardinen richten sich Ralf Hentschel und sein Vater nach dem individuellen Betriebsablauf. Dabei reinigen sie gleich die Gardinenträger mit. Nach der Wäsche werden die Stores leicht angeschleudert, Dekostoffe bei Bedarf sogar angetrocknet und zuweilen auch gebügelt. Der Unternehmer: „Defekte Faltenlegehaken und Feststeller wechseln wir aus und nach zwei Stunden hängen die Gardinen wieder an den Fenstern.“ Gerade für Hoteliers, aber auch in Krankenhäusern, ein bedeutender Gewinn, weil die Zimmer schon nach kurzer Zeit wieder vergeben werden können.

Kooperation und Vernetzung großgeschrieben

Meistens dauern die Einsätze in einem Umkreis von 100 km mehrere Tage. Dabei können bei Bedarf auch gleich noch die übrigen Dienstleistungen durchgeführt werden. „Die mobile Waschstation bleibt während des gesamten Einsatzes am Standort. Wir fahren aber jeden Abend nach Hause“, sagt Ralf Hentschel. Bei der Gelegenheit werden mitunter gleich noch kleinere Posten Wäsche mitgenommen. Auch nimmt das Duo in Kooperation mit dem „AMM Teppichmeister“ in Langenzenn gern verschmutzte Teppiche entgegen und liefert sie wieder an die Kunden aus.

Überhaupt wird Kooperation und Vernetzung großgeschrieben: „Wir arbeiten als Subunternehmer mit Großwäschereien wie der Firma Getex GmbH in Geithain und der Wäscherei Leipzig GmbH eng zusammen“, sagt der Inhaber. Häufig würden nämlich Komplettleistungen an große Betriebe vergeben. Die relativ sensible Gardinenpflege mit viel Handarbeit könne aber dort aus organisatorischen Gründen nur unter hohem Aufwand geleistet werden. Daher werde Ralf Hentschel mit seinem Waschmobil gern mit ins Boot genommen. „Wir sind jederzeit offen für weitere Kooperationen“, sagt der Unternehmer.

Die Verwirklichung einer ungewöhnlichen Idee habe sich gelohnt, resümiert er: „Ab 1.000 m2 pro Objekt ist die mobile Gardinenpflege rentabel.“ Zumal ja am Standort häufig auch Synergien entstehen. Wurden im Vergleich mit den Ergebnissen vor dem Jahr 2000 schon durch die professionelle Teppich-, Polster- und Matratzenreinigung zufrieden stellende Zuwächse erwirtschaftet, so avancierte die Gardinenpflege direkt beim Kunden mittlerweile zum Thema Nummer 1 des Familienbetriebs. FReinhard Wylegalla