Umweltschonende Materialien Nachhaltig eingekleidet

„Grüne“ Labels spielen für Textilien des täglichen Gebrauchs eine zunehmende Rolle. In der professionellen Textilpflegebranche sind die Marken für umweltbewusste Stoffe allerdings so gut wie noch nicht angekommen. Das kann sich jedoch ändern. In Großbritannien nimmt die Nachfrage bereits zu.

Baumwolle zu fairen Preisen für die Bauern ist teurer als die herkömmlich angebaute Naturfaser und wird deswegen noch nicht für Berufsbekleidung verwendet.Foto: Nanso - © Nanso

Nachhaltig eingekleidet

Nachhaltigkeit, Corporate Social Responsibility, Fairtrade und Umweltfreundlichkeit besetzen derzeit die Hitlisten im Trendgeschehen der Textil- und Bekleidungsindustrie. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht ein Gebrauchsgut hinsichtlich seiner verantwortlichen Produktionsprozesse und umweltfreundlicher Zutaten ausgelobt wird. Doch dabei schaffen das vielfältige Vokabular und die diversen Labels, denen sich die Hersteller und Anbieter bedienen, eher Orientierungslosigkeit als eine klare Information. Das liegt vor allem daran, dass für die Bereiche Nachhaltigkeit, sozial verantwortliche Produktion (Corporate Social Responsibility) und Ökologie ganz eigene Labels kreiert wurden. Auf der Faserseite kommen weitere Marken, allen voran für die Baumwolle, hinzu. Verwirrend wirkt sich bei der Kennzeichnung außerdem ein zum Teil fließender Übergang zwischen den verschiedenen Bereichen aus. So trägt eine ökologisch angebaute Baumwolle zu Nachhaltigkeit in den Anbauländern bei, denn durch den Verzicht auf Pestizide und Düngemittel sowie einen Anbau in Mischkultur und Fruchtfolge werden die ökologischen Bedingungen dieser Regionen verbessert. Trotzdem muss eine organische Baumwolle noch lange nicht fair gehandelt worden sein.

Einige wenige Labels, die für die Wäschereibranche von Bedeutung sind oder sein können, sollen an dieser Stelle dennoch vorgestellt werden. Eines der in Deutschland bekannten Umweltkennzeichen ist zweifellos der Öko-Tex Standard 100. Er überprüft alle für den körpernahen Gebrauch vorgesehenen Textilien auf verschiedene schädliche Inhaltsstoffe, wobei die niedrigsten Grenzwerte für Babyartikel angesetzt werden. Der Öko-Tex Standard 100 bezieht sich auf die Umweltverträglichkeit von Stoffen, lässt aber die herrschenden Umweltbedingungen entlang der Lieferkette und die sozialen Herstellbedingungen außer Acht. Damit unterscheidet sich das Label etwas von dem europäischen Umweltzeichen, welches die ökologischen Anforderungen entlang des gesamten Produktionsprozesses der Produkte einbezieht. Im Bereich der Berufsbekleidung gehört der Öko-Tex Standard 100 heute zu einer selbstverständlichen Auszeichnung. So sind alle Berufs- und Schutzkleidungsgewebe der am Markt etablierten Hersteller mit dem Öko-Tex-Standard ausgezeichnet. Anders sieht das jedoch bei Flachwäsche, also Bett-, Tisch- und Frottierwäsche aus. Vor allem bei Importware wird auf die Prüfung verzichtet, denn sie würde die Verkaufspreise in die Höhe treiben.

Auch die EU-Blume ist ein verbreitetes Umweltzeichen, das allerdings vornehmlich in skandinavischen Ländern anerkannt ist. So hat sich etwa der Konfektionär Nybo Jensen in die Firmenphilosophie geschrieben, ausschließlich Materialien mit dieser Kennzeichnung zu verarbeiten.

Eine weitere Auslobung, die wiederum für einen umweltbewussten und gleichzeitig einen sozial verträglichen Anbau steht, ist für Baumwollfasern entwickelt worden und trägt den Namen kontrolliert biologisch angebaut (kba) beziehungsweise „organic cotton“. Die auf diese Weise bestellte Baumwollfaser wird in Fruchtfolge angebaut. Auf synthetische Düngung und Pestizide wird ebenso verzichtet wie auf genetisch veränderte Pflanzen. Geerntet wird von Hand ohne Einsatz von Entlaubungsmitteln. Bei den Erzeugern müssen zudem soziale Standards eingehalten werden. Und die Abnahmekonditionen und die Preise, zu denen die Faser gehandelt wird, sollen fair sein. Allerdings hat die kba-Kennzeichung einen Haken – sie ist nicht geschützt. Vor dem Hintergrund, dass nur ein Bruchteil der weltweiten Baumwollproduktion – es sind etwa 0,2 Prozent – aus kontrolliert biologischem Anbau stammen, sollte die Herkunft der organischen Baumwolle durch eine zusätzliche Kontrollinstanz überprüft werden. Dazu zählt beispielsweise die Vorschrift der Europäischen Union EU 2092/91, die eine vollständige Kontrolle der gesamten Produktionskette vorschreibt. Zu den Zertifizierungsstellen, die eine lückenlose Dokumentation der Baumwolle vom Saatgut bis zur Einfuhr nach Europa durchführen, gehören beispielsweise die niederländische Skal International, die wiederum das Label EKO Sustainable Textile vergibt, und das Schweizer Institut für Marktökologie. In der Berufbeskleidung und der Objektwäsche spielen die Baumwollgarne aus kontrolliert biologischem Anbau allerdings noch keine Rolle. Zwar diskutieren verschiedene Gewebehersteller und Konfektionäre das Thema, aber noch scheitert es an der Durchführung. Zum einen liegt das an der erheblichen Preisdifferenz zwischen der normalen und der organischen Baumwolle, welche die Stoffe teurer macht. Zum anderen sind die verfügbaren Ernten an nachweislicher kba-Baumwolle begrenzt und oft schon auf ein Jahr im Voraus verkauft. Die Fertigung von Berufsbekleidungsgeweben und Flachwäsche aus organischer Baumwolle bedingt daher auch Abnahmegarantien von Händlern und Konfektionären. Und das gestaltet sich derzeit als ein risikoreiches Unterfangen, denn das Interesse des Wäschereimarkts in Deutschland an dem Thema ist sehr gering. Allerdings schließen die Textilhersteller nicht aus, dass sich das auf lange Sicht ändern kann – wie etwa die aktuelle Entwicklung in Großbritannien zeigt, wo die Nachfrage stetig zunimmt. Zu den Umwelt- und Nachaltigkeitslabeln für Baumwolle zählt auch das der Fairtrade-Organisation. Sie sichert den Baumwollbauern einen fairen Preis und damit ein angemessenes Einkommen zu. Zusätzlich werden Zuschüsse zur Verbesserung des Sozialwesens, beispielsweise den Bau von Schulen und Krankenhäusern, oder für Umweltprojekte garantiert. Dafür verpflichten sich die Anbaugenossenschaften zur Einhaltung ökologischer Richtlinien und sozialer Standards, wie etwa dem Verbot von Kinderarbeit. Fairtrade bezieht aber auch die nachfolgenden Produktionsstufen mit ein: Spinnereien, Webereien oder Konfektionäre müssen sich ebenfalls an soziale Standards halten. Sie verpflichten sich die anerkannten Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) in Form einer Absichtserklärung gegenüber der FLO-Cert, einer unabhängigen Bonner Zertifizierungsstelle für das Faitrade-Label, einzuhalten.

Textilien aus Fairtrade-Baumwolle sind seit Herbst 2007 auf dem deutschen Markt erhältlich. Sie werden beispielsweise von Gardeur (Mönchengladbach) als Jeans, von dem finnischen Hersteller Nanso (Nokia) als Kleider und Röcke, von der in Emsdetten ansässigen Dömer Clarysse als Handtücher und Badematten und von Frankenstolz (Mainaschaff) als Bettwaren angeboten. In der Berufsbekleidung und der Flachwäsche sucht man das Label allerdings vergeblich. Denn auch hier lässt sich der wesentlich höhere Preis für die fair gehandelte Naturfaser nicht durchsetzen. Zum anderen aber können nicht alle Konfektionäre, an die weltweit die Produktion von Berufs- und Schutzbekleidung vergeben wird, die Einhaltung der Standards der Fairtrade-Organisation garantieren. Gleiches gilt oft auch für Tisch-, Bett- und Frottierwäsche aus Importen.

Die Baumwollfaser spielt in Berufsbekleidungsstoffen zwar eine wichtige Rolle, aber den größeren Teil machen synthetische Fasern, allen voran das Polyester, aus. Eine ökologisch-nachhaltige Betrachtung von Geweben für die Berufsbekleidung muss daher auch diese Seite einschließen. Und auch hier stellt sich, wie schon bei der Baumwolle, das Problem der ganzheitlichen Betrachtung. Der im schweizerischen Sevelen ansässige Textilfabrikant Schoeller hat diese Aufgabe im Rahmen einer gemeinschaftlichen Entwicklung mit Puma und Clariant durch die Einführung des Bluesign-Standards gelöst. Dieser betrachtet den gesamten Herstellprozess eines aus synthetischen Fasermaterialen gefertigten Textils, bezieht also auch die Vorstufen und alle eingesetzten Produkte wie etwa die Hilfsmittel und Farbstoffe in die ganzheitliche Betrachtung mit ein. Doch der international geschätzte Standard, nach dem in erster Linie Outdoor- und Funktionstextilien zertifiziert werden, findet in der Berufsbekleidungsbranche keine Resonanz. Eine andere Marke, der sich die deutschen Faserhersteller – darunter auch Trevira mit Sitz in Bobingen – angeschlossen haben, geht auf die Initiative Responsible Care des Verbands der Chemischen Industrie teil. Deren Ziel ist eine nachhaltige Entwicklung, die über ein verantwortliches Handeln (Responsible Care) der Industrie erreicht werden soll. Sie steht für den Willen, die Bedingungen für den Schutz von Gesundheit und Umwelt sowie für die Sicherheit von Mitarbeitern und Nachbarschaft ständig zu verbessern, und zwar unabhängig von gesetzlichen Vorgaben. Durch eine ganze Reihe von Maßnahmen, die der Idee von Responsible Care gehorchen, hat sich Trevira zusätzlich einen Verhaltenscodex verordnet. Dieser legt unter anderem ein verantwortungsbewusstes und transparentes Verhalten beim Umgang mit Risiken fest oder schreibt ein rechtmäßiges und ethisches Verhalten der Mitarbeiter vor. Responsible Care ist auch für die Hersteller von Waschmitteln eine Richtschnur in Sachen Umweltschutz. So haben sich alle wichtigen Produzenten industrieller Pflegeprodukte dieser Initiative angeschlossen und setzen die Idee im eigenen Unternehmen um.

Ein Ergebnis der umweltbewussten Entwicklung ist beispielsweise in den Niedrigtemperaturverfahren zu sehen, die auf einen geringeren Verbrauch von Ressourcen und einen niedrigeren Ausstoß von Treibhausgasen zielt. Waschmaschinen erreichen heute durch die Weiterentwicklung von Programmen und Technik mit 60-°C-Programmen dieselben guten Ergebnisse wie früher bei 95 °C. Daraus resultiert ein Rückgang von 40 Prozent beim Stromverbrauch gegenüber vergleichbaren Waschmaschinen aus dem Jahr 1982. Der Wasserverbrauch wurde seit damals bei 95-°C-Programmen um 44 Prozent reduziert, bei 60-°C-Programmen sogar um etwa 55 Prozent. Dadurch wurde auch ein entsprechend verringerter Waschmittelverbrauch möglich. Zu höherer Wirtschaftlichkeit und zur Entlastung der Umwelt fühlen sich auch die Hersteller von Wäschereimaschinen verpflichtet. Durch die Weiterentwicklung von Programmen und Technik können nach Auskunft von Miele in Gütersloh heute bei 60 °C ebenso gute Waschergebnisse erzielt werden wie noch vor 25 Jahren bei Waschtemperaturen von 95 °C. Dabei konnten die Verbrauchsmengen von Strom, Wasser und Waschmittel deutlich reduziert werden. Neue Technologien, die beispielsweise die Füllmenge der Maschine ermitteln und den Waschprozess dahingehend optimieren, reduzieren die Verbräuche weiter. Und auch im Trockner- und Mangelbereich hat sich auf ökologischer Seite einiges getan. Eine Aluminiummulde ermöglicht im Vergleich zu einer aus Stahl gefertigten Mulde ein schnelleres Erreichen der Eingabetemperatur und eine optimale Wärmeverteilung im Bereich der Eingabeseite. Es fehlt eigentlich nur noch ein Label, mit dem die Bemühungen der Maschinenbauer für aktiven Umweltschutz gekennzeichnet werden. Damit würde die Liste der weltweit bestehenden Umweltmarken auf etwa über 40 ansteigen. Und genau darin besteht eines der großen Probleme im Bereich der Auslobung von Ökologie, Nachhaltigkeit und Einhaltung sozialer Standards: sie sind nicht einheitlich und verfolgen zum Teil sehr verschiedene Strategien. Ein Vergleich ist nur durch einen ausgewiesenen Experten möglich. Ein weiteres Manko – und da sind alle Umweltlabels gleich – ist die Nichtbeachtung der ökologischen Bilanz beim Gebrauch eines Textils. Die Kleidung wird mit der Marke gekennzeichnet – und normalerweise ist dann Schluss mit den Umweltschutzüberlegungen. Dabei würde sich doch gerade die professionelle Pflege wunderbar in die Ökobilanz eines Textils einpassen. Denn die gewerblichen Wäschereien sind auf ein wirtschaftliches und damit ressourcenschonendes Arbeiten spezialisiert. Wenn sich die Branche auf diesen Vorteil besinnt, macht auch nachhaltige Berufsbekleidung Sinn. Dipl. Ing.

Sabine Anton-Katzenbach