Faire Baumwolle, Bio-Zertifizierung, geschlossene Kreisläufe – nachhaltige Objekttextilien klingen gut, aber rechnet sich das auch? Karoline Bolnberger, Mathias Nell und Andreas Schollenberger von SALESIANER MIETTEX erklären, warum sich Nachhaltigkeit lohnt – und wie Hotels ihre Gäste überzeugen, ohne zu belehren.

Frau Bolnberger, Sie sagen Bio- und Fairtrade-zertifizierte Hotelwäsche bietet gesunden, schadstofffreien Schlaf, stärkt das Markenimage und die Zahlungsbereitschaft der Gäste und steht zugleich für hochwertige Qualität aus fairer, umweltschonender Produktion. Dennoch wird Nachhaltigkeit oft als Kostentreiber wahrgenommen. Wie argumentieren Sie, Herr Nell, gegenüber preissensiblen Kunden?
Mathias Nell: Wir betonen die Lebenszyklus-Betrachtung: Nachhaltige Textilien können über die Nutzungsdauer sogar Kosten sparen, da sie hochwertig und langlebig sind und daher seltener ersetzt werden müssen. Außerdem verursachen konventionelle Produkte „versteckte“ Kosten für Umwelt und Gesellschaft – etwa durch Pestizidschäden, CO2-Ausstoß oder unfaire Arbeitspraktiken.
Ab welcher Betriebsgröße rechnet sich der Umstieg erfahrungsgemäß?
Karoline Bolnberger: Ein Umstieg rechnet sich für jedes Hotel, das bereits mit Mietwäsche arbeitet. Als grober Richtwert gilt eine Betriebsgröße ab etwa 100 Betten. Da viele Gäste den Unterschied zwischen Bio- und konventioneller Wäsche nicht unmittelbar erkennen, stellt sich die Frage, wie Hotels ihre nachhaltige Entscheidung sichtbar machen können, ohne aufdringlich zu wirken.
Und wie schaffen Sie das?
Bolnberger: Wenn wir heute Gästezimmer betreten, fällt einem oft zuerst die frische Wäsche ins Auge. Aber hinter jeder Bettwäsche steckt eine Geschichte – von fair gehandelter Baumwolle bis zu biologisch angebauten Fasern. Die Frage war: Wie machen wir das sichtbar, ohne zu belehren?
In der Praxis hat sich gezeigt: Kleine Labels direkt auf der Wäsche funktionieren am besten.
Wer mehr wissen will, findet Infos auf Karten im Zimmer oder an der Rezeption.
- Kurze Videos oder Fotos auf den Infobildschirmen geben Einblicke in die Produktion und die Zusammenarbeit mit Partnern, sogar bis zu den Baumwollbauern in Indien, deren Arbeit wir bei Besuchen vor Ort kennenlernen und mit denen wir uns eng entlang der gesamten Lieferkette abstimmen.
- Schon vor der Anreise können Gäste auf der Website sehen, welche nachhaltigen Produkte im Einsatz sind. Newsletter und Social-Media-Beiträge ergänzen das – aber immer als ehrlicher Einblick, nicht als Werbung.
So wird Nachhaltigkeit spürbar und nachvollziehbar – vom Feld bis ins Zimmer, ohne aufdringlich zu sein.
Bewährt hat sich eine dezente, aber klare Kommunikation und das gezielte Einbinden der Mitarbeitenden als Botschafter. Informierte Mitarbeitende können Gästen den Einsatz nachhaltiger Produkte – einschließlich der Hotelwäsche – glaubwürdig vermitteln und so einen spürbaren Mehrwert für das Gästeerlebnis schaffen.
Was sagen Mitarbeiter zu nachhaltigen Textilien?
Gibt es Rückmeldungen von Hotelmitarbeitern zu diesem Thema?
Bolnberger: Auch von Hotelmitarbeitenden gibt es durchwegs positive Rückmeldungen zum Thema nachhaltige Wäsche. Einige Gäste sprechen das Personal explizit auf die Wäsche an, zeigen sich begeistert und möchten mehr über Herkunft und Zertifizierung erfahren – manche kaufen die Produkte sogar selbst, weil sie nicht nur komfortabel, sondern auch mit gutem Gewissen genutzt werden können. Mitarbeitende, die direkt mit der Wäsche arbeiten, etwa beim Bettenbeziehen, berichten ebenfalls von einem besseren Gefühl, da ihre Haut nicht mit Materialien in Berührung kommt, die mit Pestiziden oder Chemikalien behandelt wurden.
Die Hotellerie kämpft mit Fachkräftemangel und Imagesorgen. Welche Rolle spielen nachhaltige Textilien bei der Arbeitgeberattraktivität? Kann ein Hotel seinen Nachhaltigkeitsansatz im Recruiting konkret nutzen?
Nell: Ein engagiertes Nachhaltigkeitsprofil kann die Arbeitgebermarke eines Hotels erheblich stärken. Gerade jüngere Generationen achten bei der Jobwahl auf Werte: Laut einer globalen Deloitte-Umfrage von 2025 berücksichtigen rund 70 % der Millennials und der Gen Z die Umweltbilanz eines Unternehmens bei der Arbeitgeberwahl.
Wenn ein Hotel sichtbar auf fair produzierte, umweltschonende Textilien setzt – etwa bei Mitarbeiteruniformen oder Hotelwäsche –, signalisiert es Verantwortungsbewusstsein und Innovationsgeist, was Bewerber anspricht und vermittelt Mitarbeitenden Stolz.
Wir hören oft von Mitarbeitenden, dass sie motivierter sind und sich mit dem Unternehmen stärker identifizieren, weil Nachhaltigkeit ernst genommen wird. So können Bio-Fairtrade-Textilien im Haus einen Beitrag leisten, das Hotel für Fachkräfte attraktiver zu machen und zeigen, dass Profit und Werte miteinander vereinbar sind.
Nachhaltige Hoteltextilien: Guter Hinweis oder Verdacht auf Greenwashing?
Riskiert man nicht, dass Nachhaltigkeit als Marketing-Gag abgetan wird?
Bolnberger: Die Sorge, dass Nachhaltigkeit als reiner Marketing-Gag wahrgenommen wird, ist berechtigt. Sie lässt sich jedoch vermeiden, wenn die Maßnahmen nachvollziehbar, transparent und überprüfbar sind – etwa durch eine vollständige Lieferkette, offizielle Zertifizierungen oder klar dokumentierte Nachhaltigkeitsstandards.
Bio-Textilien in Hotels: So reagieren Gäste
Wie reagieren unterschiedliche Gästesegmente – Geschäftsreisende oder Urlauber?
Bolnberger: Urlauber haben in der Regel mehr Zeit und Interesse, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, und nehmen entsprechende Angebote eher wahr. Geschäftsreisende achten dagegen oft primär auf Effizienz und Komfort. Dennoch spielt Nachhaltigkeit auch bei diesem Segment eine zunehmend wichtige Rolle: Viele nationale und internationale Unternehmen setzen bestimmte Umwelt- und Nachhaltigkeitskriterien voraus, bevor sie Hotels für ihre Buchungen auswählen, und prüfen diese Standards auch aktiv nach.
Wie können Sie die Transparenz in der Lieferkette belegen?
Nell: Unsere Lieferkette ist durch unabhängige Zertifizierungen transparent nachvollziehbar. Wir verwenden, überall wo es geht, anerkannte Siegel wie GOTS (Global Organic Textile Standard), OCS (Organic Content Standard) und das Fairtrade-Cotton-Siegel, die strenge soziale und ökologische Kriterien von der Baumwollfarm bis zur Verarbeitung vorschreiben und durch regelmäßige Audits von Dritten überwacht werden.
Zudem umfasst unser System zur Lieferkettensorgfaltspflicht auch eigene Audits vor Ort, um uns selbst ein Bild zu machen. Dadurch können wir lückenlos belegen, dass die Arbeitsbedingungen fair sind – z. B. Verbot von Kinderarbeit, Einhaltung von Mindestlöhnen und Arbeitsschutz – und dass keine „schmutzigen“ Praktiken in der Kette versteckt sind. Zudem unterliegen alle unsere Schlüssellieferanten einem dreistufigen Kontrollsystem:
1. Verpflichtung auf unseren Ethik- und Verhaltenskodex für Lieferanten.
2. Jährliche Selbstauskunft über nachhaltige Praktiken.
3. Stichprobenhafte Audits vor Ort.
Falls ein Lieferant die Standards nicht mehr erfüllt, greifen wir konsequent ein – das reicht von der Unterstützung bei Verbesserungen bis hin zum Wechsel des Lieferanten –, um die transparente Fairness entlang der gesamten Lieferkette sicherzustellen.

Inwiefern spürt der Hotelgast den Unterschied zwischen nachhaltiger und konventioneller Baumwolle tatsächlich?
Bolnberger: Bio- und Fairtrade-zertifizierte Wäsche bietet erholsamen, schadstofffreien Schlaf und gibt Gästen das gute Gefühl, verantwortungsvoll zu handeln.
Wie gehen Sie mit Reklamationen um, falls die Erwartungen nicht erfüllt werden?
Bolnberger: Bisher gab es keine Reklamationen hinsichtlich Erwartungen oder Qualität – im Gegenteil. Um jedoch sicherzustellen, dass der Mehrwert der Bio- und Fairtrade-zertifizierten Wäsche von Gästen und Mitarbeitenden wahrgenommen wird, stellen wir bei Bedarf zusätzliche Informationen bereit und bieten gezielte Schulungen an.
Dabei wird der Unterschied zwischen konventioneller und nachhaltiger Wäsche klar vermittelt. Ganz nach dem Motto:
„Tue Gutes und sprich darüber!“
Nachhaltige vs. konventionelle Textilien
Unterscheiden sich nachhaltige Textilien qualitativ von konventionellen – etwa bei Haptik und Langlebigkeit?
Bolnberger: Die Stoffzusammensetzung entspricht der konventioneller, hochwertiger Wäsche. Der Baumwollanteil ist jedoch zu 100 % Bio- und Fairtrade-zertifiziert. Die Textilien sind mindestens genauso langlebig wie konventionelle Wäsche.
Stichwort Langlebigkeit: Wie schneiden nachhaltig produzierte Textilien nach einhundert Wäschen im Vergleich ab?
Nell: Wir unterziehen die Textilien strengen Prüfverfahren – etwa simulieren wir intensiv Waschgänge nach Industriestandards, prüfen Haptik, Farbtreue und Festigkeit – und können so den Nachweis erbringen, dass keine vorzeitigen Verschleißerscheinungen auftreten. Sollte dennoch einmal eine Charge nicht den Erwartungen entsprechen, reagieren wir umgehend mit Ursachenanalyse und Ersatz, aber bisher erfüllen unsere nachhaltigen Textilien das Langlebigkeitsversprechen voll und ganz.
Beeinflusst die Webart oder Verarbeitung die Haltbarkeit stärker als das Material selbst?
Andreas Schrollenberger: Die Webart ist ein zentraler Faktor, da Hotelwäsche in gewerblichen Wäschereien erheblichen mechanischen Belastungen sowie hohen Temperaturen – etwa beim Mangeln – standhalten muss. Für die tatsächliche Lebensdauer sind jedoch vor allem die Gewebekonstruktion und die Qualität des eingesetzten Garns entscheidend.
Hier zeigt sich, ob ein Produkt dauerhaft performancefähig ist. In Bezug auf die Haltbarkeit bietet konventionelle Baumwolle aufgrund ihrer längeren Faserlängen eine höhere Reißfestigkeit. Bio-Fairtrade-Baumwolle weist naturgemäß kürzere Fasern auf und ist dadurch empfindlicher gegenüber mechanischer Beanspruchung. Aus diesem Grund wird sie in der Praxis nahezu immer in Mischungen verarbeitet, um die erforderliche Belastbarkeit sicherzustellen.
Kritiker sagen, Bio-Baumwolle verbrauche mehr Wasser und Fläche. Wie begegnen Sie diesem Einwand?
Nell: Diesem Einwand begegnen wir mit aktuellen Daten und einem Blick auf das große Ganze. Neueste Studien zeigen, dass Bio-Baumwolle durch schonendere Methoden oft weniger Bewässerungswasser benötigt. Dank Regenfeldbau und humusreichen Böden kann der Wasserverbrauch gegenüber konventionellem Anbau sogar deutlich reduziert sein.
Zwar liegen die Hektarerträge bei Bio-Baumwolle teils unter denen von konventioneller Baumwolle, doch werden durch regenerative Landwirtschaft (Fruchtfolge, Kompost etc.) Bodenqualität und Biodiversität verbessert, was langfristig nachhaltigere Erträge ermöglicht.
Vor allem aber vermeidet der Bio-Anbau den Einsatz giftiger Agrochemikalien, die in konventionellen Anbausystemen Gewässer belasten und Böden degradiert zurücklassen. Dieser Umweltvorteil wiegt schwer und relativiert unserer Meinung nach einen eventuellen Mehrflächenbedarf.
Schrolenberger: Bio-Fairtrade-Baumwolle ist ökologisch sinnvoll, da sie Ressourcen schont und den Bedarf an Neuware reduziert. Durch verkürzte Faserlängen ist ihre Festigkeit jedoch geringer, weshalb sie meist in Mischgeweben eingesetzt wird. Bei passender Konstruktion lässt sich dennoch eine gute Haltbarkeit erreichen – abhängig vom Einsatzzweck.
Lyocell überzeugt durch hohe Festigkeit, gute Feuchtigkeitsregulierung und angenehmen Tragekomfort. Besonders bei hautnahen Produkten ist das relevant. In Mischgeweben eingesetzt, kann Lyocell Haltbarkeit und Funktion gezielt verbessern. Entscheidend ist stets das Gesamtkonzept des Materials.
Miettextilien: Nachhaltig und langlebig – geht das?
Miettextilien durchlaufen intensive Waschprozesse. Wie nachhaltig ist der gesamte Kreislauf – von der Faser bis zur Entsorgung?
Nell: Wir sind bestrebt, den ökologischen Fußabdruck unserer Miettextilien entlang des gesamten Lebenszyklus zu minimieren. Das betrifft auch den Waschprozess: Wir setzen moderne Waschstraßen ein, die gegenüber haushaltsüblichen Waschmaschinen deutlich effizienter sind. Gerade im Bereich der Flachwäsche können wir so im einstelligen Literverbrauch pro Kilogramm Wäsche waschen, da wir unter anderem mit Wasserrückgewinnung arbeiten. Zudem dosieren wir Waschmittel sehr präzise, was zusätzlich Ressourcen schont, und erhöhen kontinuierlich den Ecolabel-Anteil in den Waschmitteln. Am Ende des Lebenszyklus schließen wir den Kreis: Ausgemusterte Textilien werden soweit möglich weiterverwendet oder Recyclingwegen zugeführt, statt auf Deponien zu landen.
Unser Ziel bis 2030 ist es, mindestens 80 % der Alttextilien durch Wiederverwendung oder Recycling im Kreislauf zu halten. Dieses ganzheitliche Kreislaufkonzept – Design für Langlebigkeit, effizientes Waschen, Wiederverwertung – macht Miettextilien insgesamt zu einer äußerst nachhaltigen Lösung auch in der Hotellerie.
In der Praxis
Wie schnell können Sie auf saisonale Schwankungen reagieren?
Bolnberger: Auf saisonale Schwankungen können wir ebenso schnell reagieren wie bei jeder anderen konventionellen Wäsche – Hotels bleiben also auch mit nachhaltigen Textilien flexibel.
Können individuelle Designs oder Stickereien auf Bio-Textilien umgesetzt werden?
Nell: Individuelle Designs oder Stickereien auf Bio- und Fairtrade-zertifizierten Textilien lassen sich grundsätzlich umsetzen. Umfang und Möglichkeiten hängen von den konkreten Wünschen und der Größe des Hotels ab. Auch bei Farben können wir flexibel arbeiten, sodass sich ein individuelles, recycling-freundliches Wäschedesign realisieren lässt.
Wenn Sie fünf Jahre in die Zukunft blicken: Wird Bio Fairtrade Baumwolle der Standard sein – oder bleibt sie ein Nischenprodukt?
Nell: Wir sehen Anzeichen, dass Bio-Fairtrade-Baumwolle sich vom Nischenprodukt wegbewegen kann. Der Anteil ist zwar heute noch klein, wächst aber stark. Auch regulatorisch tut sich viel. Stichwort: Ökodesign-Verordnung oder Digitaler Produktpass. Solche Rahmenbedingungen könnten dafür sorgen, dass nachhaltige Baumwolle in Zukunft nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel ist – besonders wenn Vorreiter-Hotels den Anfang machen. Die Hotellerie hat hier die Chance, sich durch konsequente Umstellung als progressive Branche zu positionieren. Damit nachhaltige Textilien zur Selbstverständlichkeit werden, braucht es eine enge Zusammenarbeit aller Akteure (vom Hersteller bis zum Kunden) sowie eine weitere Eindämmung des Kosten-Dumpings von Billigware durch politische Maßnahmen.


