„Elegante“, „Joop“, „Hugo Boss“ und „Betty Barclay“ sind Marken, die für hohe Qualität stehen. Doch diese Qualität beginnt nicht erst beim Namen, sondern beim Material. Die Lieferanten für Stoffe, aus denen Modeträume Realität werden, bleiben aber meistens im Hintergrund.
Naturfasern und edle Stoffe
„Wir treten am Markt nie mit unserem eigenen Namen auf“, sagt Hervé François, Managing Director der Color-Textil Veredelung in Frankenberg. Anliegen des Unternehmens sei es allenfalls, gemeinsam mit den Kunden bei der Kreation neuer Produkte optimale Lösungen zu entwickeln. Frankenberg liegt im Regierungsbezirk Chemnitz und blickt in puncto Textilindustrie auf eine alte Tradition zurück. Seit der Wende investierte die Peppermint Holding GmbH, Berlin, über 19 Millionen Euro, um einen ehemaligen Textilherstellungsbetrieb in ein modernes Unternehmen für die Veredelung von Textilien umzustrukturieren. „Unsere Standbeine sind das Bedrucken, das Färben sowie das Ausrüsten von Stoffen“, erläutert Hervé François.
Seit Mitte der neunziger Jahre arbeiten in der Produktion 150 Mitarbeiter rund um die Uhr, darunter zahlreiche Lehrlinge und Praktikanten. Täglich werden 30.000 bis 40.000 Meter Stoff veredelt. 70 Prozent werden zu Heimtextilien, 30 Prozent zu Bekleidung weiterverarbeitet. Immerhin 70 Prozent des Produktionsvolumens liefert Color-Textil an inländische Kunden.
Im Mittelpunkt der Produktpalette stehen Naturfasern auf Baumwollbasis, die zuweilen mit Viskose erweitert werden. Ebenso werden in Frankenberg Mischgewebe und Polyesterfasern veredelt. Hervé François: „Unsere Textilien werden mit dem Standardpflegesymbol versehen. Sie entsprechen auch den spezifischen Anforderungen im Segment Gesundheitswäsche.“ 75 bis 80 Prozent der Textilien werden mit reaktiven Farbstoffen bedruckt. Sollen sie auch bei höheren Temperaturen noch waschbar sein, sind Küpen die Druckfarben der Wahl. Das Bedrucken von Polyestergeweben erfolgt mit Disperse-Farben. Pigmentfarben werden verwendet, um die Stoffe zu modischen Kleidungsstücken mit Auswascheffekt zu verarbeiten oder im Zusammenspiel mit anderen chemischen Substanzen eine bestimmte Griffeigenschaft zu erreichen.
Egal, welches Ausrüstungsverfahren angewandt wird: Sämtliche Produkte von Color-Textil entsprechen den strengen Kriterien des Öko-Tex-Siegels. Jährliche Prüfungen auf der Basis von Umweltfreundlichkeit und Untersuchungen der Inhaltsstoffe bestätigen, dass Produkte der Gruppe I den Anforderungen an Babykleidung gerecht werden und Textilien der Produktgruppe II dermatologisch unbedenklich sind.
Vor diesem Hintergrund bezweifelt der Managing Director, ob REACH, die neue EG-Regelung zum Nachweis der Nontoxizität von Chemikalien, für die Textilbranche tatsächlich Vorteile bringt. „Sicher ist aber, dass in Helsinki, dem Sitz der zuständigen Behörde, ein bürokratischer Wasserkopf entstehen wird“, gibt Hervé François zu bedenken.
Für die Branche befürchtet er indessen, dass Produkte, die der Markt verlangt und die für den Endverbraucher unbedenklich sind, von der Bildfläche verschwinden werden: „Die Kosten für die Anmeldung von Chemikalien, die einen gewissen Effekt haben, aber nur in geringen Mengen gebraucht werden, sind zu hoch. Deshalb erwarte ich, dass sie aus dem Sortiment genommen werden“, so der Managing Director.
Seiner Meinung nach wäre es besser, bei der Verwendung von Produkten, die in einem gewissen Fertigungszustand eingeführt werden, in den Verarbeitungsbetrieben die Maßnahmen für den Umwelt- und den Arbeitsschutz entsprechend zu erhöhen. Auf diese Weise werde die gewünschte und auch notwendige Verbrauchersicherheit gewährleistet, die Produzenten hätten aber größere Spielräume.
In der Textilveredelung dominiert ganz klar die Tendenz „je pflegeleichter umso besser“, so Hervé François. „Wir rüsten viele Gewebe so aus, dass sie knitterfrei sind oder aber zumindest günstige Knitterwinkel haben.“ Komplett ohne Bügeln geht es jedoch nicht. Gerade ein perfektes Finishing sei ja das beste Argument für die Wäschepflege durch den Profi.
Ein weiterer Trend ist die zunehmende Nachfrage nach feinen Geweben. „Es gibt sehr glatte und schöne Finishes. Auch spielen Edelstoffe eine immer größere Rolle“, erläutert der Managing Director. Voraussetzung, um in der Veredelung diese hohen Ansprüche zu erfüllen, sind Rohstoffe von exzellenter Qualität.
Bei Color-Textil wird überwiegend das klassische Rotationsdruckverfahren mit bis zu 16 wasserlöslichen Farben angewandt. Einzelstücke oder Designertextilien mit niedrigen Auflagen können aber auch im Digitaldruck – ebenfalls mit wasserlöslichen Substanzen – gestaltet werden.
In einer eigenen Entwicklungsabteilung werden kreative Dessins für renommierte Kunden in ganz Europa entworfen. Durch Schulungen für Designer sowie die enge Zusammenarbeit mit Designerschulen und den Textilforschungsinstituten ist das Unternehmen stets auf dem neuesten modischen und wissenschaftlichen Stand. Um den hohen Qualitätsanspruch zu erfüllen, wird Color-Textil nur durch ausgewählte Stammhersteller von Textilien und Chemikalien beliefert.
Eine Philosophie, die sich offenbar bewährt: „Voriges Jahr haben wir einen Umsatz von 18 Mio. Euro erwirtschaftet“, zieht Hervé François Bilanz. Im hochwertigen Bereich sowie bei Einzelstücken habe es die größten Zuwächse gegeben. Reinhard Wylegalla